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Die Überwucherung von Politik und Kultur durch die Ökonomie

28. Februar 2014

Vor kurzem erschien ein Artikel des großen brasilianischen Vertreters der Befreiungstheologie Leonardo Boff  mit dem Titel „Von der Marktwirtschaft zur Marktgesellschaft“, in dem er der heutigen Gesellschaft schonungslos einen Spiegel vorhält. Er beschreibt, wie sich mit der industriellen Revolution die Ökonomie immer mehr von der Kontrolle der Politik gelöst und die Ethik, worunter er auch das spirituell-kulturelle Leben versteht, unter sich begraben habe.Es entstand eine Marktwirtschaft, die frei von jeglicher Kontrolle und von ethischen Limits war, und die das ganze Wirtschaftssystem bestimmte und kontrollierte.“ Unter ihr verschwand die menschliche Kooperation, die Orientierung auf Zusammenarbeit, und es begann die Herrschaft des gnadenlosen Wettbewerbs, der über die Ökonomie hinaus „alle menschlichen Beziehungen beeinflusst.“ „Von diesem Zeitpunkt an fungierte die Wirtschaft als einzige Achse aller sozialen Beziehungen. Alles wurde von da an an der Ökonomie gemessen, genau genommen am Bruttosozialprodukt.“ (http://hinter-den-schlagzeilen.de/2014/02/10/leonardo-boff-von-der-marktwirtschaft-zur-marktgesellschaft/)

Das neue materialistische Credo laute, dass sich alle Probleme durch die unbegrenzt produzierbaren materiellen Güter lösen ließen. „In der Tat wurde alles zur Handelsware. Alle Güter werden zu Markt getragen, um zum Profit des Einzelnen verkauft zu werden: natürliche und hergestellte Produkte, unantastbare Dinge, die in direktem Zusammenhang zum Leben stehen, wie Trinkwasser, Samen, Erde und menschliche Organe.“ Er zitiert Karl Marx, der bereits 1847 konstatierte: Es ist die Zeit der allgemeinen Korruption, der universellen Käuflichkeit oder, um die ökonomische Ausdrucksweise zu gebrauchen, die Zeit, in der jeder Gegenstand, ob physisch oder moralisch, als Handelswert auf den Markt gebracht wird, um auf seinen richtigsten Wert abgeschätzt zu werden.

Leonardo Boff prophezeit der Gesellschaft den Untergang, wenn sie in ihrem „haarsträubenden Materialismus“ im Anderen nicht mehr den Menschen, sondern nur noch den „potentiellen Produzenten oder Klienten“ sieht. „Dies ist der tödliche Preis, den wir dafür zu zahlen haben, dass wir unser Geschick in die Hände der Diktatur der Ökonomie gelegt haben, die zu einem „Erlöser-Gott“ für alle Probleme wurde.“

Die Gesamtgestalt der Gesellschaft

Er leitet seinen Artikel mit einem treffenden Blick auf die dreigliedrige Gestalt der Gesamtgesellschaft ein, deren Gleichgewicht er zerstört sieht: „In der Regel stützt sich die Gesellschaft auf folgende drei Pfeiler: die Ökonomie, die die materielle Grundlage sichert, damit die Menschen ein gutes und angemessenes Leben führen können; die Politik, welche die Macht aufteilt und die Institutionen, die soziales Zusammenleben ermöglichen, organisiert; die Ethik, die die Werte und Normen aufstellt, die menschliches Verhalten bestimmen, damit Frieden und Gerechtigkeit, Konfliktlösung und Gewaltvermeidung möglich werden. Die Ethik hat im allgemeinen einen spirituellen Anstrich, der den Sinn des Lebens und des Universums reflektiert, die ständigen Fragen auf der menschlichen Agenda.“

Die drei „Pfeiler“ oder die drei „Aspekte einer funktionellen Gesellschaft“ könnte man auch als die drei Bereiche des gesellschaftlichen Lebens bezeichnen: das Wirtschaftsleben, das der Sicherung der leiblichen Existenz des Menschen dient; der politisch-rechtliche Bereich des Staates im engeren Sinne, der das menschliche Zusammenleben regelt und sichert; und das geistig-kulturelle Leben, in dem sich der Mensch mit den Erkenntnisfragen des Daseins, der Ethik, den Fragen seiner inneren, geistigen Existenz und ihres Zusammenhanges mit einer höheren Welt befasst, wie sie in Wissenschaft, Kunst und Religion zum Ausdruck kommen. Nur alle drei Bereiche bilden in ihrem selbständigen Zusammenwirken die Ganzheit der Gesellschaft.

„Diese Aspekte sind in einer funktionellen Gesellschaft miteinander verwoben, doch stets in dieser Rangfolge: die Ökonomie unterwirft sich den Regeln der Politik, und die Politik ist der Ethik untergeordnet.“

Es sind drei Lebensbereiche einer „funktionellen Gesellschaft“, die „miteinander verwoben“ sind. Jeder hat in der Gesellschaft eine bestimmte Funktion, die sich zwar in ihrer Tätigkeit mit den anderen durchdringt, von denen jede einzelne aber für sich notwendig ist, wenn das Ganze gesund funktionieren soll. Die Wirtschaft hat die Funktion für die Gesellschaft, die materiellen Lebensgrundlagen zu sichern, auf denen sich das eigentlich menschliche Leben erst entfalten kann. Der Rechtsstaat muss aber die gesetzlichen Regeln eines gerechten Zusammenlebens setzen, die selber wiederum von den ethischen Prinzipien des geistig-kulturellen Lebens inspiriert sein müssen.

Doch heute hat sich nach den Worten Leonardo Boffs „die Ökonomie von der Politik gelöst und die Ethik begraben.“ Umgekehrt angeschaut: Der Rechtsstaat hat sich von der Beeinflussung durch das ethisch-kulturelle Leben befreit, indem er es in sich aufgesaugt hat. Und das Wirtschaftsleben hat wiederum das staatlich-rechtliche Leben absorbiert. Von beiden wurde so das geistig-ethische Leben als eine eigenständige gesellschaftliche Kraft ausgeschaltet, das heißt für ihre Zwecke verbogen und instrumentalisiert. Von den drei Bereichen oder Funktionen der Gesellschaft, die alle in einem gesunden Verhältnis zueinander stehen müssen, hat also eine die beiden anderen überwuchert und unter ihre erstickende Herrschaft gebracht. Das kann über kurz oder lang nur den Untergang der menschlichen Gesellschaft zur Folge haben.

Doch die Frage ist ja: Wie kann das verhindert werden? Konsequenterweise nur dadurch, dass jeder Funktionsbereich gegenüber den anderen eine gewisse organisatorische Selbständigkeit erhält, aus der heraus er sein spezifisches Eigenleben ungehindert entfalten und die beiden anderen ergänzen und befruchten kann.

Die Gesellschaft als Organismus

Das skizzierte Verhältnis der drei Funktionsbereiche der Gesellschaft zueinander kennzeichnet diese als einen Organismus. Das kann nicht anders sein, denn der Mensch selbst ist ein Organismus, in dem alle Organe und Organsysteme in ihrem Zusammenwirken eine höhere Einheit bilden. Nicht darf ein Organ das andere bestimmen und damit überwältigen, wenn nicht Krankheit entstehen soll, sondern alle Organfunktionen müssen erhalten bleiben und in ihrem Zusammenfluss die in ihnen intendierte Ganzheit hervorbringen.

So ist auch die Gesellschaft, welche die Menschen durch ihre Tätigkeit aus sich heraussetzen, ein lebendiger Ausdruck ihres Wesens, ein Organismus. Die Menschen wollen sich in der Gesellschaft ausleben und verwirklichen. In der Begegnung mit den anderen drängt nach Entfaltung, was in ihrem Inneren lebt. Die Gemeinschaft ist daher über die individuelle Leiblichkeit hinaus gleichsam ein sozialer Leib, ein sozialer Organismus, den sie für ihre Entwicklung benötigen.

Der vielfach verkannte Rudolf Steiner hat 1917 in seinem Buch „Von Seelenrätseln“ darauf aufmerksam gemacht, dass im natürlichen Organismus des Menschen alle Organe als Teile je eines von drei Funktionssystemen erkannt werden können, die in ihrem Zusammenwirken den Gesamtorganismus bilden: 1. ein Nerven- und Sinnessystem mit dem Zentrum im Kopf als Träger des bewussten Geistes, des Denkens und Wahrnehmens; 2. ein in den Vorgängen der Atmung und Blutzirkulation pulsierendes rhythmisches System mit dem Zentrum in der Brust als Grundlage des Fühlens und 3. ein in den unteren Organe zentriertes  System des Stoffwechsels als Träger des Wollens. Sie durchdringen mit ihrer Tätigkeit von ihren Zentren aus auch die anderen Systeme. Jedes wirkt jedoch mit einer gewissen Selbständigkeit neben den anderen und muss mit ihnen im Gleichgewicht bleiben, wenn nicht die unterschiedlichsten Krankheiten eintreten sollen. Es gibt also keine absolute Zentralisation, durch die der menschliche Organismus gesteuert würde. Jedes System hat auch ein eigenes Verhältnis zur Außenwelt: das Kopfsystem durch die Sinne, das rhythmische durch die Atmung und das Stoffwechselsystem durch die Ernährungs- und Bewegungsorgane.

In seiner Schrift „Die Kernpunkte der sozialen Frage“ von 1919 zieht Steiner diese Dreigliederung des natürlichen Organismus als Vergleich heran, um auf die entsprechende Dreigliederung des sozialen Organismus aufmerksam zu machen, deren gesunde Entfaltung durch den modernen Einheitsstaat und die Dominanz des Wirtschaftslebens verhindert werde. (Dornach 1961, S.56 ff.) Aber es ist mehr als ein Vergleich. Die Dreigliederung des menschlichen Organismus ist sozusagen ursächlich für die Dreigliederung des sozialen Organismus.

In der Begegnung mit anderen Menschen entstehen drei entsprechend verschiedene Beziehungsebenen. Aus den Bedürfnissen der Stoffwechselorganisation nach Nahrung, Schutz vor Wärmeverlust durch Kleidung, Wohnung und nach weiteren Annehmlichkeiten geht das Wirtschaftsleben hervor. Aus den Fähigkeiten, die auf der Grundlage des Nerven-Sinneslebens entwickelt werden, bildet sich das geistig-kulturelle Leben. Und aus dem Gefühlsleben des rhythmischen Systems wächst das Empfinden für die gerechten Regeln des Zusammenlebens  und -wirkens in allen Bereichen, das politisch-rechtliche Leben des Staates.

Während aber das Nerven- Sinnessystem im Menschen die Lebensprozesse zurückdrängt und im Körper abbauend wirkt (was in der abendlichen Ermüdung erlebbar wird), um das Erscheinen des bewussten Geistes zu ermöglichen, wird das aus ihm entstehende Geistes- und Kulturleben für den sozialen Organismus zum ständigen Nahrungs- und Erneuerungspol. Und was im Stoffwechselprozess den nährenden, aufbauenden Pol des menschlichen Organismus bedeutet, wird als Wirtschaftsleben für den sozialen Organismus zum verbrauchenden, abbauenden, zerstörenden System.

Wenn die Ökonomie also mit Hilfe des Staates auf das Kulturleben mit seinem Kern, dem Bildungswesen, übergreift, es seines Eigenlebens beraubt und den wirtschaftlichen  und staatlichen Anforderungen unterwirft, bereitet sie der Gesellschaft und sich selbst letztlich den Untergang. Denn die nährenden, erneuernden Kräfte des Geisteslebens, insbesondere des Bildungswesens, werden zur ständigen Reproduktion des Bestehenden missbraucht und zur Erstarrung gebracht. Ebenso wird mit der Instrumentalisierung des Staates für die wirtschaftlich-finanzkapitalistischen Interessen das herrschende Recht zum Recht der Herrschenden korrumpiert.

Dreigliederung des sozialen Organismus

Dies kann nur verhindert werden, wenn der heutige demokratisch verbrämte Obrigkeitsstaat, der alle drei gesellschaftlichen Funktionen als Einheitsbrei in sich fasst, in sie aufgegliedert wird, so dass sich jede aus einer gewissen, auch verwaltungstechnischen Selbständigkeit heraus in ihrer Eigenart ungehindert entfalten, die anderen ergänzend durchdringen und sich mit ihnen zu einem Organismus verbinden kann. Im Geistes- und im Wirtschaftsleben selbst kann es keine gesetzgebenden Körperschaften geben, die von außen reglementieren, sondern nur horizontale Beratungs- und Koopeartionsorgane freier und solidarisch einander zugewandter Bürger.

Das wirtschaftliche Leben, das heute entweder aus egoistischem Gewinnstreben oder exis­tenzieller Not das Bewusstsein des Menschen besetzt, hat letztlich nur die physische Grundla­ge zu bilden, auf der sich seine zentrale seelisch-geistige Entwicklung entfalten kann. Diese wird im geistig-kulturellen Leben impulsiert, das daher, wie Leonardo Boff zu Recht fordert, ins Zentrum des menschlichen gesellschaftlichen Lebens gerückt werden muss.

Die leibliche Existenz erfordert ein Wirt­schaftsleben, das jedem Menschen in solidarisch-brüderlicher Weise ungehindert die Möglichkeit bietet, seine Bedürf­nisse zu befriedigen. Das macht notwendig, dass das politisch-rechtliche System einen am Wohl des ganzen Volkes orientierten rechtlichen Rahmen schafft, der den gnadenlosen Egoismus bändigt, dem Wirtschaftsgeschehen „den Wolfsgeruch einer inhumanen und über Leichen gehenden Kampfgesellschaft“ (Wilhelm Hankel) nimmt und Bedingungen für wechselseitiges Verständ­nis und solidarisches Wirtschaften setzt. Das bedeutet z. B., dass privates Eigentum an gesellschaft­lich relevanten Gütern, wie Kapital und Grund und Boden, die Privilegien schaffen und ande­re in Abhängigkeit bringen, in zeitlich befristeten und sozial verantwortlichen Funktionsbesitz umgewandelt werden muss; dass das Geld per Gesetz wieder seines parasitären Warencharakters entkleidet und auf seine eigentliche Funktion als eigenwertloses Tauschmittel reduziert wird.

Die Menschen suchen eine Rechtsordnung des Staates, die vor ihrem Rechtsgefühl Bestand hat und durchgehend als gerecht empfunden wird. Dies wird sie, wenn die Gesetze aus der Achtung vor der Würde, der Freiheit und der rechtlichen Gleichheit jedes Menschen hervorgehen und sich nur auf die Beziehungen, das Verhalten zueinander beziehen. Das schließt aus, dass der Staat mit Gesetzen inhaltlich reglementierend in das Wirtschafts- oder Geistesleben eingreifen, oder gar selbst als Versicherungs-Unternehmer und Betreiber der Schulen und Hochschulen auftreten und diese sich dienstbar machen kann.

Der Geist des Menschen benötigt ein Geistes-, ein Kulturleben, in dem nicht nur Kunst, Religion und Wissenschaft im engeren Sinne frei sind, sondern grundsätzlich  –  innerhalb des gegebenen rechtlichen Rahmens – alles aus Erkenntnis fließende Handeln, das Ideen mit Hilfe der eigenen Fähigkeiten in die Realität umsetzen will. Denn darin entfaltet und verwirklicht sich die individuelle Persönlichkeit des Menschen.

Insofern erstreckt sich das Geistesleben in Form der menschlichen Fähigkeiten natürlich bis in das Wirtschafts- und Staatsleben hinein, so wie die Bedürfnisse der Menschen in den Institutionen des Geistes- und Staatslebens auch wirtschaftliche Beziehungen und das Rechtsgefühl in Wirtschaft und Kultur auch rechtliche Strukturen fordern. Alle drei Gesellschaftsbereiche durchdringen sich und bilden ein Ganzes, brauchen aber eine organisatorische Unabhängigkeit von einander, damit sie sich ihren eigenen Bedingungen und Aufgaben gemäß entwickeln und gegenseitig befruchten können.

Die in einem Wirtschaftsunternehmen Tätigen z. B. müssen in der Entfaltung ihrer Fähigkeiten frei sein, denn darin gehören sie dem Geistesleben an. Mit ihren eigenen Bedürfnissen und den Bedürfnissen der Gesellschaft, die sie befriedigen wollen, nehmen sie teil an der solidarisch-brüderlichen Intention des Wirtschaftslebens. Und in ihren Beziehungen untereinander und zum Leiter des Betriebes stehen sie sich als einander rechtlich Gleiche gegenüber, und die entsprechenden Betriebsverfassungs- und Arbeitsverträge sind Teil des Rechtslebens.

Die drei Ideale der Französischen Revolution sind nur zum geringen Teil realisiert, weil sie im Einheitsstaat nebeneinander nicht bestehen können, sondern sich gegenseitig aufheben. Sie entfalten eben jeweils nur in einem der drei Gesellschaftsbereiche ihre segensreiche, der menschlichen Individualität dienende Kraft: die Freiheit im Geistes-, die Gleichheit im Rechts- und die Brüderlichkeit im Wirtschaftsleben. Daher muss der Einheitsstaat in der skizzierten Weise aufgegliedert werden.

So wie im natürlichen Organismus jedes System ein eigenes Verhältnis zur Außenwelt hat, nehmen auch die drei selbständigen Lebensgebiete des sozialen Organismus direkt zu dem jeweiligen der anderen Völker Beziehungen auf und gehen Kooperationen ein. Wirtschafts- und Kultusminister wird es nicht geben können. Der Staat ist nur für die reinen Rechtsbeziehungen zuständig. Er wird auch nicht einfach einen Krieg beginnen können. Dazu müsste er sich erst mit dem Wirtschaftssystem, auf dessen Ressourcen, und mit dem Geistesleben, auf dessen ethisches Urteil er angewiesen ist, in Verbindung setzen. Ohne deren Zustimmung ist er machtlos.  (hl)

5 Kommentare
  1. Zitrone permalink

    Rudolf Steiner hätte den Menschen sehr gerne vom Sklavenschiff auf
    dem er treibt, befreit gesehen. Dies betonte er an einer Stelle, sei jedoch
    nur möglich, wenn er, also der Mensch sich spiritualisiere, also die
    Weisheit Sophia, Anthroposophie aufnehme.

    Nun wie wir sehen, treibt der Mensch weiter auf o.g. Schiff,
    nur alsbald wohl in Ketten gelegt…

    Danke für diesen klugen, weitsichtigen Artikel!

  2. „Die größte Tragödie in der Geschichte der Menschheit ist wohl die, dass die Moral von der Religion mit Beschlag belegt wurde.“

    Arthur C. Clarke

    Der Moralverkäufer überträgt das Prinzip der Solidarität, das nur in der Familie oder in einer dörflichen Urgemeinschaft von bis zu 150 Mitmenschen funktioniert, auf eine Volkswirtschaft mit vielen Millionen Menschen, in der dieses Prinzip begreiflicherweise nicht funktioniert. Solange aber genügend Dumme glauben, eine „Moral“ könne wichtiger sein als die Regeln der makroökonomischen Grundordnung, lässt sich das arbeitende Volk umso leichter ausbeuten! Die Tragödie ist umso tragischer, als dass sie schon seit Jesus von Nazareth, der kein Prediger, sondern ein Weiser war, zu beenden gewesen wäre:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2013/10/glaube-aberglaube-unglaube.html

    Wahre Nächstenliebe (Eigennutz = Gemeinnutz) beseitigt die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen und damit auch Massenarmut und Krieg, führt zur klassenlosen Gesellschaft und zum eigentlichen Beginn der menschlichen Zivilisation. Wer aber noch an den „lieben Gott“ glaubt, will stattdessen eine Moral verkaufen. Was ist das eigentlich?

    http://de.wikipedia.org/wiki/Moral

    Nichts weiter als irgendeine traditionelle Verhaltensweise. Wie soll sich der Mensch aber nun verhalten, damit ein harmonisches Zusammenleben sowohl untereinander als auch mit der Natur möglich wird? Darüber wird seit Jahrtausenden gestritten, und jeder Moralverkäufer glaubt eine „bessere“ Moral zu verkaufen als andere Moralverkäufer. Der „Erfolg“ sind heute in „Friedenszeiten“ 30.000 verhungerte Kinder pro Tag, mit weiterhin steigender Tendenz, von den Umweltschäden ganz zu schweigen. Die einfache Wahrheit: Es gibt keine wie auch immer geartete Moral, die ein harmonisches Zusammenleben sowohl untereinander als auch mit der Natur von mehr als 150 Menschen ermöglicht, denn nur bis zu dieser Grenze können sich alle noch gegenseitig kennen. Bleibt aber die Arbeitsteilung auf 150 Menschen beschränkt, gibt es keine Weiterentwicklung. Darum verharrte der Homo sapiens über einen Zeitraum von etwa 150.000 Jahren auf dieser Stufe des Urkommunismus, der alles andere als ein „paradiesischer Zustand“ ist, sondern nur das nackte Überleben.

    Für eine kulturelle Weiterentwicklung muss die Arbeitsteilung auf deutlich mehr als 150 Menschen ausgeweitet werden. Dazu ist die Solidarität ungeeignet, denn niemand ist mit anderen solidarisch, die er nicht kennt. Die einzige Motivation und – weil in den Anfängen der Kulturentwicklung das Wissen noch fehlte – auch die einzige Möglichkeit für eine koordinierte Arbeitsteilung zwischen vielen tausend bis zu einigen Millionen war zunächst die Machtausübung des Menschen über andere Menschen oder Menschengruppen. Dazu erfand der Kulturmensch die Götter:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2013/11/macht-oder-konkurrenz.html

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