Skip to content

Okkulte Einflüsse im englischen Imperialismus vor dem 1. Weltkrieg

25. Juli 2014

Der Einfluss des Okkultismus auf die britische Politik ist allgemein wenig bekannt oder wird in seiner Bedeutung unterschätzt. Schon im vorigen Artikel (hier) hatten wir den Hinweis des Historikers Markus Osterrieder zitiert, dass gerade in der imperialistischen Bewegung um Alfred Milner ein tiefes Interesse an okkultistischen und spiritistischen Phänomenen, „die seit 1852 immer mehr Menschen auf der britischen Insel in ihren Bann schlugen“, verbreitet war. (M. Osterrieder: Welt im Umbruch, Stuttgart 2014, S. 805). Trotz der allgemeinen Neigung zum Materialismus gaben sich viele Engländer doch nicht mit platten Welterklärungen zufrieden, sondern versuchten, in den metaphysischen Hintergründen des irdischen Lebens Antworten auf Rätselfragen des Daseins zu finden. Und insbesondere Politiker strebten durch spiritistische Praktiken danach, Leitlinien für ihr Handeln aus einer spirituellen Welt zu erhalten. Das kann man als Humbug abtun. Aber damit verbaut man sich den unvoreingenommenen Blick auf historisch wirksame Kräfte. Und um deren Beschreibung geht es.

Die okkultistischen Bestrebungen W. T. Steads

Ein enger Freund Alfred Milners, der Journalist William Thomas Stead (1849-1912), der „eine der eigentümlichsten Persönlichkeiten seiner Zeit und eine beherrschende Gestalt im öffentlichen Leben der Insel“ war, besuchte seit 1881 spiritistische Sitzungen. Eine eigene mediale Begabung, die des automatischen Schreibens (s. Wikipedia unter Séancen) trat bei ihm erstmals 1892 auf, durch das er „regelmäßig Nachrichten von ´Verstorbenen´ über das ´schreibende Telefon´“ empfing. Bereits Mitherausgeber der angesehenen Abendzeitung Pall Mall Gazette,  gab er ab 1894 die Vierteljahreszeitschrift Borderland heraus, um das, „was die Society for Psychical Research für einige Auserwählte getan hat“, für das große Publikum zu erreichen. (Osterrieder S. 828f.)

Weltweit berühmt wurde W. T. Stead 1897 … durch die Veröffentlichung von Mitteilungen, die ihm unter dem Namen einer verstorbenen Bekannten, Julia Ames, kundgetan wurden. Das Buch erfuhr zahlreiche Auflagen und Übersetzungen. Von „Julia“ empfing er eine Meditationstechnik, die er „Rosenkranz“ nannte: In einem Notizbuch schrieb er alle Namen von Personen und Sachen nieder („die Gefährten des Rosenkranzes“), zu denen er in irgendeiner Beziehung stand. Jeden Morgen ging er nach dem Aufwachen in Gedanken jeden einzelnen Namen mit der Frage durch: Was kann ich hierfür tun? Was sollte ich tun? Er hatte dabei auf alle Einfälle zu achten, die ihm spontan zukamen. Lord Milner, der für Steads „Gespenster“ angeblich nicht viel übrig hatte, übernahm diese okkulte Technik gerne für seine eigenen, zumeist politischen Zwecke: „Der Rosenkranz ist ausgezeichnet, und ich werde ihn übernehmen und Dich zu einem meiner Gefährten machen.“

1909 richtete Stead das „Büro Julia“ ein, welches den „okkulten Kontakt“ zwischen den beiden Sphären aufrechterhalten sollte, um „jenen, die ihre Verstorbenen verloren hatten, die sich um Freunde und Verwandte sorgten, erneut eine Verbindung mit ihnen zu ermöglichen.“ Dabei kam er auf die Idee, für seine Zeitung „Tote“ zu „interviewen“. 1909 gab etwa der längst verstorbene W. E. Gladstone (früherer Premierminister) auf einer Séance zum Besten, was „er“ von dem neuen britischen Haushalt hielt. Das „Interview“ erschien im Daily Chronicle unter der Schlagzeile: „Erstaunliches Geist-Interview. Der verstorbene Mr. Gladstone über den Haushalt“ (a.a.O. S. 830).

Was auch immer an der Sache mit Gladstone dran war: Stead versuchte, echte oder fingierte okkulte Offenbarungen in den Dienst praktischer Politik zu stellen. Dies nahm noch ganz andere Ausmaße an. Wie Milner ein „Enthusiast für die Rasse und das Empire“, bemühte er sich in der britisch – russischen Auseinandersetzung um die Vorherrschaft in Zentralasien (Great Game) hartnäckig um eine Annäherung zwischen beiden Ländern , „verweigerte sich konsequent der grassierenden Russophobie und riet der britischen Regierung, Russland endlich als Partner im Prozess der ´Zivilisierung` Asiens und Schutzmacht der christlichen Slaven auf dem Balkan gegenüber dem Islam anzuerkennen.“ Dazu pflegte er seit 1877 enge Kontakte mit der spirituellen kosmopolitischen Russin Olga Novikova, die als inoffizielle Vertreterin der panslavischen Sache in London und Moskau wirkte. Sie machte ihn 1888 mit ihrer Freundin, der Okkultistin Helena P. Blavatsky bekannt, der Mitbegründerin und spirituellen Führerin der Theosophischen Gesellschaft, die in ihm „einen guten Theosophen“ sah.

„Nach 1905 kam Stead während einer spiritistischen Sitzung in Kontakt mit einer Entität, die sich als ´Catherine` zu erkennen gab.“ In ihm bildete sich die Überzeugung, dass es sich um den Geist der Zarin Katharina der Großen (1729-1796) handele, die ihn auserwählt habe, „Botschaften über die Zukunft der slavischen Völker mitzuteilen. Am 4. Dezember 1908 beauftragte Stead sein reguläres Medium Kathleen Harper, sie möge ´Catherine` bitten, einen Artikel über ´die allgemeinen Unruhen und die Perspektiven im Nahen Osten` zu channeln, den er unter seinem Namen veröffentlichen würde. (…) ´Sie können sie fragen, was sie über diese Idee denkt, und ob sie es vorziehen würde, mit Ihrer Hand (automatisch) zu schreiben oder mit meiner. Ich meine, es wäre großartig, sie wieder in die Magazinliteratur einzuführen.´“

„Auf diese merkwürdige Weise entstand ein Artikel, unter dem Titel ´Die Ankunft der Slaven`, den Stead im Januar 1909 in der Contemporary Review veröffentlichte. Der Artikel war ein panslavistisches Manifest über die Entstehung von Slavonia , einer ´Föderation oder Föderationen von selbstregierten Staaten`, ´von Petersburg bis Prag und von Prag bis Adrianopel` (das ostthrakische Edirne). (…) Einer solchen Morgendämmerung müsse jedoch erst die Verbindung von Slaventum und (trotz allem would-be Imperialism) britischer Politik vorangehen“ (a.a.O. S. 833, 834).

Dies bräuchte hier nicht so ausführlich geschildert zu werden, wenn diese Verbindung von Slaventum und britischer Politik sich nicht erstaunlicherweise realisiert und im Vorfeld des Ersten Weltkrieges zu einer Mächtekonstellation geführt hätte, die an seinem Ausbruch wesentlichen Anteil hatte.

Cecil J. Rhodes und  seine Geheimgesellschaft

„Am 4. April 1899 hatte Stead den südafrikanischen Imperialisten Cecil J. Rhodes (1853-1902) kennengelernt“, der wie Milner und seine Freunde seit seiner Jugend unter dem Einfluss der imperialistischen Ideen des Oxforder Kunsthistorikers John Ruskin stand und „sie zeitlebens als Inspirationsquelle für sein Handeln betrachtete.“

Rhodes wollte sein riesiges, in Südafrika durch Gold- und Diamantenminen und an der Börse erworbenes Einkommen von über 1 Million Pfund jährlich (heute über 8 Millionen Euro) „zu und für die Einrichtung, Förderung und Entwicklung einer Geheimgesellschaft“ widmen, „deren wahres Ziel und Zweck die Ausdehnung der britischen Herrschaft über die ganze Welt sein wird.“ Nach der „letztendlichen Rückgewinnung der Vereinigten Staaten von Amerika als integralem Bestandteil des Britischen Empire“ entstehe „eine so große Macht, die Kriege unmöglich machen und das Wohl der Menschheit fördern werde (a.a.O. S. 841f.)

Während seines Studiums in Oxford wurde Rhodes Mitglied der Freimaurer-Apollo-Loge Nr. 357, Orient of Oxford, wo er am 17.4.1877 zum Master Mason erhoben wurde. Er trat ferner der Prince Rose Croix Loge Nr. 30 bei, einer Loge der Schottischen Hochgradmaurerei in Oxford. Von 1868-1914 wurden in der Apollo University-Loge 1271 junge Männer der britischen Oberschicht eingeweiht, also jährlich im Schnitt 28 Personen. Darunter befand sich auch der Prince of Wales und spätere König Edward VII, ferner der von 1905-1916 als britischer Außenminister wirkende Sir Edward Grey.

„Bereits im Alter von 24 Jahren war Rhodes zu seiner Überzeugung gelangt, die er 1877 in einem ´Glaubensbekenntnis` niederschrieb:

Ich behaupte, dass wir das vortrefflichste Volk der Welt sind; je weiter wir uns in der Welt ausbreiten, desto besser für die Menschheit.(…) Zum gegenwärtigen Zeitpunkt werde ich Mitglied des Freimaurerordens. Ich sehe den Reichtum und die Macht, die sie besitzen, den Einfluss, den sie ausüben (…). Warum sollte man nicht eine Geheimgesellschaft bilden mit einem einzigen Ziel – der Förderung und Erweiterung des Britischen Empire, um die gesamte, noch nicht zivilisierte Welt unter britische Herrschaft zu bringen, um die Vereinigten Staaten zurückzugewinnen und die Angelsachsen in der ganzen Welt zu einem einzigen Empire zusammenzufassen. (…) Es ist unsere Pflicht, jede Gelegenheit zu ergreifen, mehr Land zu erwerben, und wir sollten uns diese Idee beständig vor Augen halten: Mehr Land bedeutet einfach mehr von der angelsächsischen Rasse, mehr von der besten, menschlichsten, ehrenhaftesten Rasse, die die Welt besitzt. Um einen solchen Plan zu fördern, wäre eine Geheimgesellschaft eine großartige Hilfe, eine nicht öffentlich bekannte Gesellschaft, sondern eine, die im geheimen für ein solches Ziel arbeitet. (…) Schaffen wir dieselbe Art von Gesellschaft oder Kirche (wie die römische Kirche) für die Ausdehnung des Britischen Empire, eine Gesellschaft, die in jedem Teil des Britischen Empire ihre Mitglieder hat, die für ein einziges Ziel, für eine einzige Idee arbeiten, die ihre Mitglieder an unseren Universitäten und in unseren Schulen unterbringt und darauf achtet, dass die englische Jugend durch deren Hände geht. (…) Die Gesellschaft sollte Teile der Presse inspirieren oder sogar besitzen, denn die Presse beherrscht das Bewusstsein anderer Menschen (a.a.O. S. 842, 843).

Von der Verwirklichung dieses Planes war er sein Leben lang besessen. 1888 erläuterte er in einem Brief an Nathan Rothschild, den er ins Vertrauen gezogen und zum Treuhänder seines Vermögens gemacht hatte, wie die geplante Gesellschaft zu organisieren sei: „Nehmen Sie die Satzung der Jesuiten und ersetzen Sie ´römisch-katholische Religion`  durch ´Englisches Empire`.“ Der Orden sollte als „eine Kirche zur Ausdehnung des Britischen Empire“ funktionieren, um die Menschen zu unterweisen, dafür so zu arbeiten, „wie die Jesuiten für die römische Kirche arbeiteten.“ Doch Nathan Rothschild schien unfähig, seine Gedanken voll zu verstehen, so dass er W. T. Stead zu seinem weiteren Treuhänder machte. Stead unterstützte ihn voll und ganz darin, anstelle einer britischen Vorherrschaft eine English-speaking union unter Einschluss der USA  anzustreben.

Rhodes und Stead, die fortan von „unserer Idee“ sprachen, schwebte vor, das zentralistische Papsttum des 9. Jahrhunderts, das Nikolaus I. geschaffen hatte, als Modell für die geplante Geheimgesellschaft zu übernehmen, um ein „Papsttum der englischsprechenden Idee“ einzurichten, das nur den veränderten Gegebenheiten der Neuzeit angepasst werden müsse. „Das Papsttum muss verwestlicht, anglisiert oder amerikanisiert werden“, um „Freiheit und lokale Selbstverwaltung“ aufzunehmen, deswegen benötige man „einen Papst, der englisch denkt.“ (S. 847)

Nachdem W. T. Stead Cecil Rhodes mit den geistverwandten Earl Albert Grey, Alfred Milner und Reginald Baliol Brett (Lord Esher) bekannt gemacht hatte, nahmen 1891 die Pläne der „Geheimgesellschaft“ konkretere Gestalt an. „Lord Esher war einflussreichster Berater des Prinzen von Wales und späteren Königs, Edwards VII., welcher auch den Freimaurergrad eines Großmeisters der Vereinigten Großloge von England innehatte. Während seiner Regentschaft (1901-1910) empfing Edward VII. von Brett, der seitdem als Lieutenant-Governor von Windsor Castle diente, täglich einen ratgebenden Brief. Der Prinz von Wales war überzeugter Imperialist und wie Rhodes und Rosebery der Auffassung, dass die Welt soweit wie möglich unter die Herrschaft des höherwertigen Angelsachsentums fallen solle.“ ( A.a.O. S.854)

Brett war es, der Stead mit eigenhändig geschriebenen anonymen Artikeln und mit internen Informationen aus dem Kabinett der Regierung Gladstone versorgte, um auf diese Weise auf den politischen Kurs von Gladstones Druck auszuüben. Schließlich musste Gladstone im März 1894 vom Posten des Premierministers zurücktreten und wurde von Lord Rosebery abgelöst, der als Liberaler Imperialist dem Kreis um Rhodes, Stead, Brett und Milner nahestand. Stead wiederum notierte, wie man sich am 5.2.1891 die Funktionsweise der ´Gesellschaft´ vorgestellt hatte: „(…) die ideale Regelung wäre, soweit es für uns zum gegenwärtigen Zeitpunkt ersichtlich ist: Rhodes, General der Gesellschaft; Stead, Brett und Milner bilden die Junta der Drei. Nach Rhodes wäre Stead General, mit einem dritten in Nachfolge, möglicherweise (Nathan) Rothschild; dahinter bilden (der katholische Kardinal Henry) Manning, die Booths (General William Booth von der Heilsarmee und Bramwell Booth), Klein-Johnston (H. H. Johnston, Eroberer von Kenia und Nyasa-Land), Albert Grey, Arthur Balfour einen Kreis von Initiierten. Eine Assoziation der Helfer wird nachfolgen.“ (S. 855)

Der eng gefasste „Kreis der Eingeweihten“ hatte 1891/92 konkrete Gestalt angenommen, blieb aber im Hintergrund. In den Vordergrund trat die von Rhodes finanzierte Vergabe von Stipendien, „mit deren Hilfe die jugendliche Elite aus den Kolonien und den USA, aber auch aus Deutschland, an der Universität Oxford im britischen Geist erzogen werden sollte,“ um so „dem inneren Orden der imperialen ´Kirche´ das benötigte ´Fußvolk´ zu verschaffen – nämlich Menschen, die in ihren Gedanken-, Willens- und Empfindungsformen tief von der in Oxford herrschenden ´Aura´ vorgeprägt sein sollten“ (S. 857). Jährlich gelangen so seit 1904 knapp 70 Studenten nach Oxford; wegen der Stipendien-Dauer von 3 Jahren befinden sich zu jeder Zeit rund 205 Stipendiaten dort. (S. 870).

Der wachsende Einfluss Alfred Milners

Um 1900, wenige Jahre vor dem Tode Cecil Rhodes, verlor W. T. Stead dessen Vertrauen, „weil er sich öffentlich gegen das Vorgehen der Limps im Burenkrieg gewendet hatte“ (in dem Rhodes und Alfred Milner die treibenden Kräfte waren) und sich auch nicht an die Geheimhaltungspflicht hielt. Doch trotz seiner Kriegskritik organisierte er 1899 in der Presse eine Invasionshysterie gegen Deutschland. Er streute das nachhaltige, vom Foreign Office weiter verwendete Gerücht, Berlin organisiere eine antibritische Koalition und bereite eine Invasion der britischen Inseln vor. Die Wirkung der so erzeugten Hysterie in der Öffentlichkeit sollte die gesamte Zeit bis zum Kriegsausbruch 1914 mitbestimmen. (S. 863, 864)

An seiner Stelle rückte Alfred Milner zum geistigen Nachfolger von Rhodes auf, der kurz vor seinem Tod sagte: „Vertraut immer Milner.“ Und er setzte ihn in seinem letzten Testament zum Treuhänder seines Vermögens (Rhodes-Trust) und der Stipendienvergabe ein. So führte Milner nach 1902 die Gedanken von Cecil Rhodes in selbständiger Weise aus. Organisationssekretär des Trusts wurde sein alter Freund und Inspirator aus Oxford, der Kanadier Sir George Parkin (1846-1922), „der nach Aussage seines Schwiegersohns ´Gott und Oxford und das Britische Empire niemals richtig auseinanderhalten konnte.´ Als Vorsitzender des Treffens des Royal Colonial Institute am 13. November 1906 erörterte Parkin das Ziel einer engeren imperialen Föderation der englischsprechenden Völker mit dem Verweis auf ´die kommende existentielle Krise´(worunter ein kommender Krieg verstanden wurde), in der ´wir als vereintes Volk aus den verschiedenen Teilen der Welt handeln werden.`“ (S. 867-869)

„Miners Mitarbeiter, Leo Amery, bekannte rückblickend im Jahre 1952: ´Wenn auch die Vision von Rhodes stammte, so war es doch Milner, der gut zwanzig Jahre hindurch verlässlich die Grundfesten eines Systems errichtete, dessen Macht, die Lebensanschauung und die geistige Verwandtschaft einer stetig wachsenden Gemeinschaft von Menschen in der gesamten englischsprechenden Welt zu formen, nur schwerlich übertrieben werden kann.`“ (S. 870)

„Milner knüpfte nach 1902 beständig neue Fäden. Allmählich bildeten sich mehrere lockere Kreise und Gruppen, deren Mitglieder in den meisten Fällen keineswegs das gesamte Geflecht überblickten. Milners alter Studienfreund Arthur Glazebrook sprach 1914 von einer ´Armee von Milnerianern´, die allesamt ´von deiner Führung und Inspiration abhängen.´“ (S. 871) Die sehr guten Kontakte zu dem amerikanischen Bankier J. P. Morgan, der sich im Sommer oft mit König Edward VII. in England zu Golf- und Jagdpartien traf, sollten Lord Milner ebenfalls noch zugutekommen. „Schließlich wurde er vor dem Krieg Großaufseher der Vereinigten Großloge von England, der König Edward VII. als Großmeister vorstand.“ (S. 872)

Durch die Freimaurerei und seinen langjährigen Mentor Lord George Goschen (1831-1907, Erster Lord der Admiralität 1871-1874 und 1895-1900, Schatzkanzler 1887-1892) öffnete sich ihm ein weiterer Kreis einflussreicher konservativer Politiker, die von Robert Gascoyne-Cecil (Lord Salisbury 1831-1903, Premierminister 1886-1892, 1895-1902 und Kanzler der Universität Oxford 1869-1903) sowie – nach dessen Tod – von Arthur James Balfour (1848-1930, Schatzkanzler 1895-1902, Premier 1902-1905) dominiert wurden. „Die Angehörigen des ´Cecil-Clans´ prägten das gesellschaftliche Leben in vornehmen Londoner Dinnerclubs (…) und bestückten mit Hilfe von zahllosen Verwandtschafts- und Heiratsbeziehungen das politische Leben, das Erziehungs- und Pressewesen der britischen Insel mit Männern ihres Vertrauens. Durch sie erhielt Milner den politischen Einfluss, den er zur Durchsetzung seiner Ziele benötigte“ (S. 872-873).  (hl)

(Die Thematik wird fortgesetzt.)

Advertisements
7 Kommentare
  1. Hat dies auf Studium generale rebloggt und kommentierte:
    Auf meinem Blog „Gesellschaftlicher Aufbruch – jetzt!“ bin ich ja den okkulten Einflüssen auf die britische Politik während des Ersten und Zweiten Weltkrieges nachgegangen.

  2. Ein spannender Artikel. Danke auch für den sachlichen Ton überhaupt hier auf dem Blog!

    Ich selbst habe im Anschluss an Stephan Berndt’s lesenswertes Buch „Hellseher und Astrologen im Dienste der Macht“ Recherchen zur Geschichte der Astrologie im Dritten Reich vorgenommen, aus denen ein ganzes Buch hervorgegangen ist mit dem Titel “ ‚Wer auf dem Tiger reitet, kann nicht absitzen‘ – Adolf Hitler angefeuert von Hellsehern und Astrologen“ (der Text des Buches ist auch vollständig auf meinem Blog GA-j! enthalten).

    Und im Anschluss an dieses Buch wurde mir bewusst, dass die Astrologie und der Okkultismus auch in der Politik Großbritanniens während des Zweiten Weltkrieges nicht zu vernachlässigende Rollen gespielt haben. Was ich darüber in ganz vorläufiger Weise bislang zusammen getragen habe, findet sich in diesen Blogartikeln:

    “ Astrologie – Sie bietet vielfältige Anwendungsmöglichkeiten für Geheimdienste. Drei Beispiele aus dem Jahr 1941″
    http://studgenpol.blogspot.de/2014/06/astrologie-sie-bietet-vielfaltige.html

    ein langer Artikel über den jüngst verstorbenen britischen Whistleblower, den Geheimdienst-Okkultisten „T. Stokes“:
    http://studgenpol.blogspot.de/2014/07/judenmord-und-zweiter-weltkrieg-als.html

    über behauptete satanistische Rituale, durchgeführt von Aleister Crowley, um Rudolf Heß nach England zu locken:
    http://studgenpol.blogspot.de/2014/07/aleister-crowley-und-ein-satanistisches.html

    http://studgenpol.blogspot.de/2014/08/ashdown-forst-ein-hohes-oto-ritual-in.html

    Und schließlich über den britischen Geheimdienst-Historiker und -Okkultisten Donald McCormick:
    http://studgenpol.blogspot.de/2014/12/hollenfeuer-und-verruchtheiten.html

    der manches Aufschlußreiche in seinen Büchern geschrieben hat, zumal auch konkret zu dem Thema genau des hier kommentierten Blogbeitrages!

Trackbacks & Pingbacks

  1. Ist Israel nur ein Werkzeug? | Der Mensch - das faszinierende Wesen
  2. Wie einflussreiche Kreise in England zum Ersten Weltkrieg trieben | kantodeaschrift
  3. Okkulte Einflüsse im englischen Imperialismus vor dem 1. Weltkrieg | kantodeaschrift
  4. Wie einflussreiche Kreise in England zum Ersten Weltkrieg trieben | Der Honigmann sagt...
  5. Führungs-Schmiede des Hegemons – das Erwachen der Valkyrjar

Kommentare sind geschlossen.

%d Bloggern gefällt das: