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Das Kind vor dem Bildschirm – Auswirkungen auf seine Entwicklung

12. Dezember 2014

Weithin ist die Vorstellung verbreitet, dass die Kinder nur kleine Erwachsene seien, gleichsam deren unvollständige Miniaturausgaben, die über die gleichen Fähigkeiten und Denkformen verfügten wie diese, graduell eben nur noch nicht so ausgebildet. Danach wird die Entwicklung als ein linearer Vorgang angesehen, der von Anfang bis Ende denselben Bedingungen und Gesetzmäßigkeiten unterliege. Entwicklung bestünde praktisch in einer quantitativen Steigerung derselben Fähigkeiten. Daher müsse eine Fähigkeit, wie beispielsweise das intellektuelle, logische Denken, schon früh geübt werden, damit es dem Erwachsenen dann in bestmöglicher Weise zur Verfügung stünde.

Am 14.1.1999 richtete die CDU-Fraktion im Düsseldorfer Landtag an die Landesregierung den Antrag, „die Kinder müssten bereits im Kindergarten lernen, ´sinnvoll, selbstverantwortlich, verantwortungsbewusst und kompetent mit den Medien umzugehen´.“ (1)  Es waren die elektronischen Medien gemeint, da die Kinder im Kindergarten noch nicht lesen können. Von dem kommerziellen Hintergrund dieses Ansinnens einmal abgesehen1, ist es bezeichnend für die oberflächliche lineare Vorstellung von Entwicklung. Dabei erfüllen noch nicht einmal die meisten Erwachsenen diese Forderung, weil sie allein schon die bewusstseinsdämpfende Wirkung der elektronischen Bildübertragung von Fernsehen und Computer nicht durchschauen und umso stärker der inhaltlichen Beeinflussung ausgesetzt sind (siehe: Die Wirkung des Fernsehens; Der folgsame Mensch). Wie sollen sich dann Kinder diesen ungeheuer starken suggestiven Wirkungen entziehen können. „Dass Medienkompetenz der Kinder eine Basis braucht, die gerade nicht am Medium entwickelt wird, diese Erkenntnis ist noch nicht ins allgemeine Bewusstsein gedrungen.“(2)

Entwicklung verläuft in Verwandlungsstufen

Diese Basis wird zunächst dadurch erworben, dass das Kind in gesunder Weise seine natürlichen Entwicklungsstufen durchmachen kann, die wie bei allen lebendigen Organismen nicht linear, sondern in Metamorphosen verlaufen. Jede Stufe hat ihre eigenen Lebensgesetze. Wie die Pflanze sich von der Wurzel-, Stengel- und Blattbildung zu Blüte und Frucht durch ganz verschiedene Bedingungen und Erscheinungsformen manifestiert, von denen jede  ihre Zeit braucht und die Basis für die nächsthöhere bildet, so bewegt sich entsprechend der Mensch durch ganz unterschiedlich geprägte innere Metamorphosen.

Das kleine Kind ist nach der Geburt ganz mit dem Ergreifen und Beherrschen seines Leibes beschäftigt, seinem Aufbau, der Ausgestaltung seiner inneren Organe, der Motorik seiner Gliedmaßen und Sprachorgane sowie der Ausbildung und dem Training seiner Sinnesorgane. Damit verbunden ist das Aufrichten in den Raum und das Erobern der nächsten Umgebung mit ihren tausendfältigen Einflüssen, die bildend auf die kindliche Organisation zurückwirken. Die Ausgestaltung der leiblichen Organisation schafft erst die Grundlage für eine gesunde Entfaltung der seelischen und geistigen Fähigkeiten. Das Kind muss erst stehen können, um die Welt später zu ver-stehen; es muss die Dinge erst ergreifen, um sie später be-greifen zu können.

Das spätere intellektuelle Vermögen baut sich nicht durch gedankliche Einsichten auf, sondern durch „handgreifliche“ Tätigkeiten in der frühen Kindheit, die ihren Niederschlag finden in entsprechenden Strukturierungen der Organe und des Gehirns. Es sind dieselben Kräfte, die zunächst den Leib aufbauen und gestalten und später in verwandelter Form als die Kräfte des Vorstellungsvermögens, des Denkens und der Reflexion zur Erscheinung kommen. (…) Je besser grundlegende Fähigkeiten ausreifen können, desto mehr trägt dies zur Stärkung des Kindes bei.(3)

Selbstverantwortliches Handeln ist nicht der Anfang, sondern das Ziel einer Entwicklung, die durch die Schulzeit hindurchgeht und erst mit dem Mündigkeitsalter ein anfängliches, tastendes Vermögen erreicht. An ihrem Anfang steht die Ausgestaltung der leiblichen Organe, mit denen es wahrnehmend und erlebend, nachahmend und handelnd in die Welt seiner Umgebung hineinstrebt. Mit grenzenloser Offenheit, in schier religiösem Urvertrauen gibt es sich allen Eindrücken und Einflüssen der Umgebung und seinen Bezugspersonen hin.

Entscheidend sind die Primärerfahrungen, die unmittelbar am und durch den eigenen Leib erworben werden. Das Kind setzt alle muskulären Bewegungsmöglichkeiten zur Erkundung seiner körperlichen und seelischen Umgebung ein – und sämtliche Erfahrungen wirken formend auf seine noch bildbare Organisation bis in die Gehirnstruktur zurück. „Die Hirnforschung weiß heute, dass die gewaltige Zunahme der Synapsenbildung (Verknüpfung von Nervenzellen) im frühkindlichen Gehirn nichts anderes ist als die Frucht eben dieser unendlich reichen Tätigkeit.“(4)   Lernen besteht also in diesen ersten Lebensjahren, anders als in der Schulzeit, in einem indirekten Vorgang, „für den nicht Reflexion und gedankliche Operationen maßgeblich sind, sondern Tätigkeiten und Wahrnehmungen. (…) Gedankliche Beurteilung oder gar Distanz sind dem Kind zunächst fremd. Das Kind urteilt nicht, sondern ahmt vorbehaltlos nach.“(5)

Alles, was das kleine Kind also aufnimmt und tut, wirkt prägend bis in die Organstrukturen hinein, weil es sich damit restlos identifiziert. Es ist mit seinem ganzen Wesen wie ein einziges Sinnesorgan der Umgebung geöffnet und hingegeben. Alle Sinneseindrücke haben „leibgestaltende Kraft, gegen die eine bewusste Abwehr gar nicht möglich ist.“ Erst mit der Schulreife beginnen die Kräfte der Organbildung für die aktive Bildung von Vorstellungen frei zu werden, und lassen ab etwa dem 9., 10. Lebensjahr eine deutliche Abgrenzung gegenüber der Welt und einen eigenen seelischen Innenraum entstehen, der dann mit der Pubertät vollständiges Eigenleben gewinnt.(6)

Das Sehen muss gelernt werden

Es ist ein Irrtum zu meinen, das Kind könne von Geburt an sehen. Es befindet sich vor einem langen, komplexen Lernprozess. Am Anfang steht das Erreichen der vollen Sehschärfe, also der Fähigkeit, die Augen so auf das Objekt bzw. ein Detail zu richten, dass es in beiden Augen mit der Netzhautgrube fixiert wird, einer kleinen Stelle auf der Netzhaut, in der die Lichtrezeptoren besonders dicht stehen. „Die volle Sehschärfe eines Menschen ist nach etwa 7 Jahren erreicht, eine gesunde und in allen Teilen normale Entwicklung vorausgesetzt“, schreibt Burkart Fischer, einer der führenden Forscher auf dem Gebiet der ´Blickforschung`.(7)

Das Zweite, was erlernt werden muss, ist die Blicksteuerung. Die Stelle des schärfsten Sehens „nimmt nur 0,02 % der Netzhautfläche ein und erfasst einen Sehwinkel von etwa 2 Grad aus dem rund 200 Grad umfassenden horizontalen Blickfeld.“ Da wir daher immer nur einen winzigen Ausschnitt des Ganzen in voller Schärfe sehen, kommen wir erst dadurch zu einem deutlichen Bild eines Objektes, dass wir immer nur für Sekundenbruchteil ein Detail fixieren und dann mit einer ruckartigen Bewegung (saccade) zum nächsten eilen usw., bis genügend viele Partien abgetastet sind, um ein deutliches Gesamtbild zu haben. In einer Sekunde finden etwa 2 bis 5 Saccaden statt. Erst nach genügend Abtastbewegungen sehen wir, was vor uns liegt. Was der Mensch sieht, ist also nicht ein automatisch aufgenommenes Foto von der Welt, sondern ein von ihm selbst aktiv geschaffenes Bild.(8)  Und wie genau ein Mensch sehen kann, hängt von seiner Fähigkeit dieser Blicksteuerung ab.

Umfangreiche Untersuchungen haben ergeben, dass diese Fähigkeit nicht schon mit 7 oder 8 Jahren,  sondern erst mit 18 bis 20 Jahren ausgereift ist,(9) und dann natürlich individuell unterschiedlich. Die  Beherrschung der feinmotorischen Führung der Augenmuskulatur benötigt also viele Jahre. Es versteht sich, welche Hindernisse der Entwicklung dazu in den Weg gelegt werden, wenn Kinder täglich mehrere Stunden vor dem Bildschirm hocken, wo ihre motorische Blicksteuerung kaum gefordert, sondern eher lahmgelegt ist.

Mangelnde Körpererfahrung

Umso tiefgreifender wirkt, dass der Bildschirm das Kind mit einer Scheinrealität konfrontiert, an der es mit dem eigenen Körper nicht die unmittelbaren Primärerfahrungen erwerben kann, die es zu seiner Entwicklung braucht. Der reale dreidimensionale Raum der Wohnung, des Gartens oder Spielplatzes kann von ihm körperlich und mit allen Sinnen erfahren und erlebt werden. In die Schein-Räume auf dem Bildschirm kann es jedoch nicht hinein, und sie liegen auch außerhalb seiner Erfahrungswelt. Da erscheinen vielleicht im schnellen Wechsel ein südlicher Palmenstrand und die Luftaufnahme einer Stadt und im nächsten Moment das Menschengewühl in einem Kaufhaus, gefolgt von Fischen im Aquarium – „und derweil breitet sich um den Bildschirm herum das Wohnzimmer aus. Für den Erwachsenen ist es ein Leichtes, (…) die zwei Realitätsdimensionen auseinanderzuhalten. Für das Kleinkind aber gibt es nur die eine Welt, die der Körpererfahrung, und die ist abgeschaltet, solange der Bildschirm angeschaltet ist.“(10)

Die Bilder auf der Mattscheibe und die Umgebungsrealität stellen keine zusammenhängende Ganzheit dar. Die Wahrnehmung ist gespalten in den einen Bereich, in dem sich die Welt der eigenen Aktivität erschließt und einen anderen, wo der aktive Zugriff nicht möglich ist und daher alles fremd und unverständlich bleibt. Folglich können sich daran auch keine positiven Gehirnstrukturen bilden. Und je länger der Vorgang dauert, desto schwerer muss die kindliche Entwicklung beeinträchtigt werden. Zu allem kommt noch die Bewegungslosigkeit hinzu, in die das Kind gebannt wird. Alle infrage kommenden Körper- und Gehirnfunktionen können sich nur durch Bewegung ausbilden. Wer die Bewegung, das Lebenselement des Kindes, sinnlos ausschaltet, beraubt es eines seiner wichtigsten Entwicklungsbedingungen.

Nicht weniger einschneidend wirkt der Umstand, dass die Sinneswahrnehmungen, die aus dem Bildschirm kommen, für das Kind nicht zu einer Realität koordinierbar und als Erfahrung im Gehirn speicherbar sind. Das Geräusch einer Rassel gewinnt Realität, wenn sie und der sie schüttelnde Erwachsene auch in derselben Richtung zu sehen sind. Solche Koordinationen der Sinne müssen oft vollzogen werden, um sich so der gesetzmäßig wiederkehrenden Zusammenhänge zu vergewissern, die zwischen den vielfältigen Sinneseindrücken und den jeweiligen Objekten bestehen. „Nur so strukturiert sich seine Erfahrung und schlägt sich organisch in den entsprechenden Verknüpfungen (Synapsen) zwischen den Neuronen der unterschiedlichen Hirnregionen nieder.“ Wenn das Kind aber auf dem Bildschirm nacheinander Palmen, Stadt, Menschengewühl und Fische sieht, „kann es nichts davon mit anderen gleichzeitig auftretenden Sinneserfahrungen verbinden, und erst recht nicht mit schon vorhandenen Erfahrungen. (…) Die Einzelheiten bleiben wie sinnlose Realitätssplitter beziehungslos nebeneinander stehen.“(11)

Werden die Bilder mit Musik unterlegt, sucht das Kind unwillkürlich nach den Ursachen, den  Instrumenten und den sie spielenden Musikern. Sind sie nicht sichtbar, bleibt es ratlos mit zusammenhanglosen Wahrnehmungsfetzen zurück. Ähnlich ergeht es ihm mit der Sprache ohne sichtbaren Sprecher und mit sonstigen Geräuschen ohne sichtbare Urheber. Der Hirnforscher Manfred Spitzer bemerkt dazu:

Auch wenn die Bilder noch so bunt und der Lautsprecher noch so laut ist, liefern die von ihnen abgegebenen Signale für das kleine Gehirn einen miserablen Input. Da kommen eine Bildsoße und eine Klangsoße, die oft gar nicht oder nur schlecht zeitlich zusammenpassen (miteinander korreliert sind) und aus denen das kleine Gehirn daher für sich nur wenig Struktur entnehmen kann. (…) Für ein sich entwickelndes Gehirn, das überhaupt erst dabei ist, Objekterfahrungen auszubilden, sind Bildschirme wenig hilfreich. Sie erfüllen – im Gegenteil – dessen Anforderungen an einen regelhaften Input, bei dem das Sehen zum Hören passt, nur sehr schlecht. Bildschirm-Erfahrungen stellen eine extreme Verarmung der Erfahrungen des kleinen Kindes dar. Von der Tatsache, dass am Bildschirm die Tiefendimension fehlt, dass man nichts anfassen kann und schon gar nichts riechen oder schmecken, einmal abgesehen. Kurz: Ein Fernseh- oder Video- oder Computerbildschirm ist auch dann für Kinder schädlich, wenn die tollste Kindersendung gerade läuft, der schönste Tierfilm oder das intelligenteste ´Lernprogramm`. (12)

Das Kind nach dem dritten Lebensjahr

Vom vierten bis etwa zum zehnten Lebensjahr ist die Wirkung des Bildschirms nicht mehr so fundamental, doch stehen die Sinne der Kinder noch relativ ungeschützt weit offen für alle Einwirkungen von außen. „Die Kinder können noch nicht kritisch hinterfragen, was auf sie zukommt, sie können und wollen nicht auf Distanz gehen zu dem, was ihnen die Welt entgegenbringt, sondern im Gegenteil sich lebhaft damit verbinden. (…) Im natürlichen Leben ist diese freudige Hingabe an die Sinneswelt die große Stärke der Kinder, vor dem Fernseher aber wird sie zur Achillesferse.“  Sie halten noch lange alles Gesehene für Wirklichkeit, können Fiktion und Realität nicht unterscheiden. „Werbung beispielsweise ist für sie bis zum Alter von fünf bis sieben Jahren noch genauso real wie das übrige Programm; erst mit acht bis zwölf Jahren stellt sich die Fähigkeit ein, die Werbeabsicht zu durchschauen.“ Die Informationen des Fernsehens sind für sie zu komplex und drastisch, bleiben ihnen unverständlich oder verschrecken sie. Sie sind in ihren vertrauten Lebensumkreis nicht integrierbar, sodass ihnen vielfach die Möglichkeit fehlt, sie sprachlich auszudrücken; sie bleiben in ihrer Sprache zurück. Gewaltbilder belasten sie, brennen sich in ihre Seele ein und verfolgen sie bis in ihre Träume.(13)

Das Kind ist in diesem Alter noch auf die Vielfalt der Sinnesreize angewiesen, die eine natürliche Umgebung zu bieten hat. Es braucht alle erdenklichen Gelegenheiten der Bewegung, des Kletterns, des Spielens, um seinen Tastsinn, die Feinmotorik, das Gleichgewicht, die Koordination seiner Gliedmaßen und vor allem seine Phantasiekräfte auszubilden. Dies alles wirkt auf die harmonische Entwicklung seines Denkens, Fühlens und Wollens zurück. Die amerikanischen Forscher Dorothy und Jerome Singer konstatieren nach jahrzehntelanger Beobachtung der Wirkung des Fernsehens auf die Kinder:

Tatsächlich zeigen unsere Untersuchungen deutlich, dass häufiges Fernsehen kleine Kinder dem ernsthaften Risiko aussetzt, keine bedeutsamen Kenntnisse von der Welt zu erwerben und geringere Lesefähigkeit, geringere Fähigkeit, Wirklichkeit und Fantasie zu unterscheiden, geringere Vorstellungskraft, eine furchtsamere Weltsicht und größere Ruhelosigkeit bei mehr Aggression zu entwickeln. Dies alles führt zu einer mangelnden Verhaltensanpassung, wenn das Kind in die Schule kommt.“(14)

Und dies alles setzt sich in der Schule fort, wird jeder erfahrene Pädagoge hinzufügen. Ich konnte in einer Schulklasse schnell erkennen, welche Kinder starkem Fernseh- oder Computereinfluss ausgesetzt waren. Wenn ich etwas ca. 20 Minuten erzählte und sich daran ein Unterrichtsgespräch anschloss, klinkten sich diese Kinder nach ca. 10-15 Minuten aus, wurden unruhig und fummelten mit irgendetwas herum oder fingen an zu stören. Sie konnten nicht so lange zuhören wie die anderen Kinder mit wenig oder keinem Fernsehen zu Hause, weil ihr Vorstellungsvermögen schnell erlahmte. Dieses wird ja beim Erzählen benötigt, um sich das Gehörte ständig in eigenen Bildern innerlich vorzustellen und mitzuerleben. Während des stundenlangen Fernsehens fließen aber unaufhörlich Bilder von außen in die Kinder ein; die eigenen inneren Bilde- und Vorstellungskräfte werden dabei überhaupt nicht beansprucht und erlahmen immer mehr. Diese Vorstellungskräfte sind aber die Grundlage für alles spätere höhere Denken.

Neuste Untersuchungen nach 2005 haben ergeben, dass die Hirnentwicklung auch mit dem 10. Lebensjahr noch nicht abgeschlossen ist. Mit etwa 10 Jahren bei den Mädchen und 12 Jahren bei den Jungen beginnt noch einmal ein radikaler Umbau des Gehirns. In den Regionen, „die für die kognitiven und emotionalen Prozesse zuständig sind, wird das größte Volumen erst im Alter von 16 oder 17 Jahren erreicht. Der Stirnlappen ist der letzte große Bereich, der seine endgültige Struktur und Funktion ausbildet. Dies kann sich häufig bis zum Alter von 30 Jahren hinziehen. Unser Gehirn ist also streng genommen erst dann voll ausgereift.“(15)  Das Gehirn des Heranwachsenden bewegt sich also erst allmählich auf die Strukturen zu, die den erwachsenen Menschen auszeichnen. Bis zu diesem Zeitpunkt ist er hirnphysiologisch noch Kind und somit in einer, wenn auch abnehmend, schützenswerten Phase seiner Entwicklung, in der sich alle Tätigkeiten und Erfahrungen noch unmittelbar in der Neubildung von Nervenverbindungen niederschlagen und als Fähigkeiten in den Gehirnstrukturen verankern.(16)

Fazit

Aus alledem ist der Schluss zu ziehen, dass Kinder bis zum 4. Lebensjahr überhaupt nicht vor den Bildschirm gehören. Auch in der Phase bis zum 10., 12. Lebensjahr entstehen noch zu große Entwicklungsschäden, als dass man ihnen den Gebrauch von Fernsehen und Computer unbesehen freigeben dürfte. Mit der Pubertät müssen sie aber damit vertraut gemacht und zu einem disziplinierten und sinnvollen Gebrauch angeleitet werden, wobei die Vorbildfunktion der Erwachsenen nicht übersehen werden darf.

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1   Vgl. Rainer Patzlaff: Der gefrorene Blick, Stuttgart 7. Auflage 2013, S. 73
2   Rainer Patzlaff a. a. O., S. 75
3   a. a. O., S. 79
4   a. a. O., S. 82
5   a. a. O., S. 84
6   a. a. O., S. 85
7   zitiert nach Patzlaff a. a. O. S. 87
8   a. a. O. S. 17, 18
9   Vgl. Fischer, Burkhart: Blick-Punkte. Neurobiologische Prinzipien des Sehens und der Blicksteuerung, 1999, S. 223 – 227, nach Patzlaff a. a. O. S. 87
10   Patzlaff a. a. O. S. 88
11   Patzlaff a. a. O. S. 90
12   Spitzer, Manfred: Vorsicht Bildschirm! Elektronische Medien, Gehirnentwicklung, Gesundheit und Gesellschaft. Stuttgart/Düsseldorf/Leipzig 2005, S. 80 f., zitiert nach Patzlaff S. 91f.
13   Vgl. Patzlaff a. a. O. S. 98
14   Jerome L. / Singer, Dorothy G.: Wider die Verkümmerung der Phantasie. Fernsehen, Lesen und die Entwicklung der Vorstellungskraft. In: Fröhlich et al. (Hg.): Die verstellte Welt. Beiträge zur Medienökologie 1992, S. 98-114, zitiert nach Patzlaff S. 96
15   Aus einem Bericht über eine Studie 2006, zitiert nach Patzlaff S. 94
16   Vgl. Patzlaff a. a. O. S. 94 f.

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12 Kommentare
  1. Wilhelm permalink

    Vielen Dank für den schönen Artikel. Was ich besonders spannend finde, ist das Verständnis von Entwicklung, welches meistens aus der physikalischen Sichtweise linear gedacht wird, unbewusst oder bewusst, und dem die Entwicklung in Metamorphosen gegenüber steht. Hier hätte ich gerne noch mehr und konkretere Ausführungen, gibt es dazu Literatur, welche genau diesen Unterschied herausarbeitet? Wo sind lineare Betrachtungsweisen gerechtfertigt, und wo muss man sich die Sichtweise der Metamorphose aneigenen, um dem Betrachtungsgegenstand oder -objekt gerecht zu werden?

    Ich finde es unheimlich schwer, sich selber diese Betrachtungsweise in Metamorphosen anzueignen und noch schwerer, diese jemand anderem darzustellen. Meist kommt noch der erschwerende Umstand hinzu, dass die betreffende Person nicht die intellektuellen Fähigkeiten hat, den Ausführungen gedanklich zu folgen und alte, angelernte Muster der linearen Betrachtung angewandt werden, ohne dass diese in irgend einer Weise reflektiert wurden.

    Auch von anthroposophischer Seite habe ich bisher noch nicht wirklich Befriedigendes gefunden, was ein gedanklich adäquates Niveau hätte. Patzlaff macht hier die ersten anfänglichen Schritte in die richtige Richtung, aber bleibt auch nur sehr allgemein (was er auch bedauernd in seinem Buch selber schreibt). Vielleicht bin ich aber noch nicht auf die richtigen Quellen gestoßen.

    • Die genauen Unterschiede zwischen dem Anorganisch-Physikalischen und dem Organisch-Lebendigen findet man unter streng erkenntnis- und wissenschaftstheoretischen Gesichtspunnkten herausgearbeitet bei Rudolf Steiner in seinen „Einleitungen zu Goethes naturwissenschaftlichen Schriften“, Gesamtausgabe Nr. 1, besonders im Kapitel „Über das Wesen und die Bedeutung von Goethes Schriften über organische Bildung“. Es ist gedanklich anspruchsvoll, was aber gar nicht anders geht, um die genauen Grundlagen zu legen. Darauf baut das Kapitel „Die Matamorphosenlehre“ in dem Buch „Goethes Weltanschauung“ auf (GA 6).

      Eine erste skizzenhafte Schilderung der Metamorphosen in der Entwicklung des Kindes enthält die kleine Schrift „Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft“.

    • Einen wirklichkeitsgemäßen Begriff von Metamorphose bekommt man meiner Ansicht nach nur durch eigene Anschauung, d.h. Beobachtung. Man beobachte über eine bestimmte Zeit z.B. eine heranwachsende Pflanze. Am besten zeichne man diese noch. Dann, langsam bekommt man ein Gefühl, was mit Metamorphose gemeint sein könnte, denn die Gedanken, die sich mit der Pflanze verbinden, werden ergriffen von der Kraft, die die Pflanze zum wachsen bringt.

      Ein Nachdenken über dieses Thema ohne konkrete Wahrnehmung kann nur zu einem abstrakten, intellektuellen Begriff von Metamorphose führen.

  2. „… wobei die Vorbildfunktion der Erwachsenen nicht übersehen werden darf.“:

    Eine sehr wichtige Aussage.
    Die Kinder in der heutigen zivilisierten Gesellschaft werden nicht von Erwachsenen erzogen / geführt / informiert / geprägt, usw., sondern von pathologisch unreifen Menschen. Diese „Diagnose“ ist nicht neu! Wir finden sie zumindest schon in den Schilderungen vom „Tanz um das goldene KALB“ bei Moses.

    Dem KALB kommt eine wichtige Symbolfunktion zu. Als bekanntermaßen „unreifes“ Tier.
    Die gemeinten Menschen jedoch sind nicht körperlich / sexuell unreif, sondern geistig-seelisch / spirituell.

    „Pathologisch geistig-seelisch / spirituell unreif“ bedeutet auch UNWEISE, also noch ohne regelhafte Verbindung mit der höheren Bewußtseins-Ebene und entsprechend ohne regelhaften Zugang zur göttlichen Weisheit.

    KINDER sind ganz natürlich unreif und unweise. Kein vernünftiger Mensch würde bei Kindern Aufhebens davon machen. Wer aber im Prozeß des Erwachsenwerdens, in der Pubertät, nicht auch die geistig-seelischen Fähigkeiten eines Erwachsenen erwirbt, wird zu einer Gefahr für sich selbst und andere. Vor allem für seine eigenen Kinder, die er so nicht angemessen erziehen / führen kann.

    Der Erwachsene soll dem Kind / den Kindern das höchste Gesetz / Prinzip des Seins / Universums praktisch vorleben und es auf die Kinder anwenden. Wie will / kann er das tun, wenn er es nicht kennt, nicht voll verinnerlicht hat??

    In der zivilisierten Gesellschaft sind aufgrund der pathologischen Unreife, der „Entfremdung“, der „Kollektiven (Zivilisations-)Neurose“ ca. 99,99 % der „Erwachsenen“ kein ausreichendes Vorbild; so daß auch deren Kinder keine wahren Erwachsenen werden konnten / können. Das wird auch üblicherweise weder durch Schulen oder Kirchen oder sonstige Institutionen ausgeglichen.

    Grundlegende Heilung ist in jedem Einzelfall möglich. Aber darüber müßte gesprochen / aufgeklärt werden!

    Herzlichen Gruß!

    Wolfgang Heuer
    Projekt Seelen-Oeffner

  3. Hat dies auf kantodeaschrift rebloggt.

  4. Zitrone permalink

    Dieser Artikel ist ein wichtiger Baustein für angehende Eltern. Vielen Dank! Nur wie kann diese
    Botschaft segensreich und breitgefächert vermittelt werden? Wen wird sie interessieren,
    außer den wenigen Menschen die hier lesen? Wir leben in einer Zeit der Moden.
    Man springt einfach auf, ohne zu denken, zu hinterfragen.

    Die nächste „Herausforderung“ steht bereits in den Startlöchern. Das Tablet im Unterricht.
    „Experten“ beraten bei der Einführung im Unterricht.

    http://bildungsklick.de/pm/91900/expertengremium-beraet-bei-der-einfuehrung-von-tablets-im-unterricht/

    Wer einen Säugling in einen schwarzen Kinderwagen legt, macht sich keine Gedanken
    darüber, ob dieses Kind einmal einen Brief mit der Hand schreiben kann, oder ob dieses Kind
    elektromagnetischer Strahlung aussetzt wird, die mit Sicherheit ebensolche Entwicklung-
    schäden bei den Kindern hinterlässt.

    • Zitrone permalink

      Am 28.9.2014 erschien ein Artikel von Adnan Salazar: „Steve Jobs verbot seinen Kindern das iPad.“ Weiter berichtete Andnan Salazar über einen Artikel in der New York Times, in dem deutlich zu Tage tritt, dass Technologie Milliardäre, ihre Kinder vor ihren selbst produzierten Geräten schützen.

      Diese Leute berücksichtigen bei ihren eigenen Kindern, die natürlichen Entwicklungsstufen und schicken diese auf Schulen, an denen keine Hightech-Geräte zum Einsatz kommen. Warum?

      Ist das Ziel eine leicht steuerbare Masse, die unreflektiert alles konsumiert was man ihr vorsetzt, die biegsam und willenlos von den „Eliten“ geformt wird?

      • Vereinsamte Staaten permalink

        Das Ziel ist, die Weiterentwicklung der Menschheit zu verhindern, aus uns eine „intelligente Tierherde“ zu machen, wie es Rudolf Steiner ausdrückte.
        Auf dem Weg dorthin spielen u.a. Kindergarten und Schule eine verheerende Rolle.
        Zum Verständnis dieses Zusammenhangs empfehle ich folgende Schriften:
        1) Rudolf Steiner, Arbeitsfähigkeit, Arbeitswille und dreigliedriger sozialer Organismus,
        ein serh kurzer, aber gewichtiger Aufsatz, zu finden z.B. hier:
        http://www.dreigliederung.de/essays/1919-08-004.html
        2) John Taylor Gatto, „Verdummt noch mal!“ Der unsichtbare Lehrplan, oder, Was Kinder in der Schule wirklich lernen.
        3) Werner Kuhfuss, „Was ist die Wirklichkeit des kleinen Kindes?“ oder auch vom selben Verfasser: „Grundzüge eines kulturschaffenden Kindergartens“

  5. Andrusch Kunert permalink

    Guter Artikel, aber ein bisschen dramatisierend.

    Kinder können sowohl von Computer wie auch TV profitieren, wenn man darauf achtet, was geschaut und gespielt wird, wenn man zeitliche Beschränkungen einhält und möglichst selbst teilnimmt, Zusammenhänge erklärt usw.

    Der Artikel vernachlässigt auch einen wichtigen Punkt: Geschichten. Seit jeher erzählen sich Menschen Geschichten, Märchen usw. die im Kern nicht so anders bewertet werden können: das Medium einer erzählten Geschichte ist nur die Akkustik, das Kind kann nicht zwischen Realität und Fiktion unterscheiden etc. positiv ist hierbei, dass die Phantasie angeregt wird, man muss sich bildlich vorstellen was passiert. Das ist ein Faktor der beim TV wegfällt, dafür kommt eine optische Informationskomponente dazu, die auch nicht zu unterschätzen ist.

    Ich sehe das nicht so negativ. In der heutigen Realität (wenige Nachbarskinder, kinderunfreudliches Wohnumfeld, gestresste und genervte Eltern, Mistwetter…) ist es ohnehin schwer die reine Lehre zu befolgen. Ich kenne keine Eltern die dazu in der Lage wären. Ab etwa 6-7 Jahren, passend zum Schulanfang, wird auch das übliche Spielzeug langweilig für die Kinder. Und ich weiß noch aus meiner eigenen Kindheit, wie motivierend Computerspiele an einem tristen verregneten Nachmittag sein können. Es liegt nahe dieses Tatsache stressreduzierend als extrinsische Motivation, etwa zur Erledigung der Hausaufgaben, zu missbrauchen 🙂

    Bei meinem 7-jährigen Jungen funktioniert das bisher ganz gut. Wir setzen dazu ein Punktesystem ein (jeder Punkt eine bestimmte Spielzeit) und die Punkte bekommt er bei Erledigung bestimmter Aufgaben. Außerdem spielen wir gelegentlich zusammen, kommunizieren die Erfolge, probieren andere Spiel-Strategien aus usw. ich bin immer wieder erstaunt welche komplexen Zusammenhänge Kinder bei entsprechender Motivation auflösen können, außerdem steigt das Interesse schnell lesen zu lernen. Aber logisch: der Egoshooter sollte es nicht sein, auch rein motorische Games wie Autorennspiele und typische Konsolenspiele sind eher ungeeignet. Und ab und zu darf auch mal eine PC-freier Tag stattfinden, mit Brettspielen, Lego usw. Regelmässig vorlesen und nach Möglichkeit rausgehen, sollte man ohnehin.

    Also keine Angst, so leicht verdirbt man Kinder nicht. Wichtig ist ein offenes Ohr, guter Wille und Experimentierbereitschaft bei den Eltern.

    Ich möchte auch davor warnen, die erst in der Pubertät „anzuleiten und vertraut zu machen“. Die Pubertät ist eine Phase in der man einen jungen Menschen u.U. nur noch schwer anleiten kann und wenn man sie erst dann mit Computern vertraut macht, sind sie den anderen Kindern um Jahre hinterher. Die Pubertät ist auch keine Phase, in der ein junger Mensch zu intensiver Selbstkritik und -kontrolle neigt, das Aushandeln und die Gewöhnung an entsprechende Regeln ist evtl. nur noch schwer möglich. Aber gut, jedes Kind und jede Familie ist anders, letztlich muss man es selbst einschätzen…

    • Thomas permalink

      Hallo Herr Kunert,

      das mit dem Punktesystem für Ihren Sohn scheint mir sehr gefährlich, aus folgenden Gründen:

      – Es tut so, als wären PC-Spiele, TV, etc. so etwas wie eine Belohnung – „wenn du brav den Müll runtergebracht hast, dann darfst du auch PC-Spiele machen“. Der Elektro-Kram ist aber kein Bonbon, sondern ein Suchtmittel. Vielleicht genauso wie der Zucker aus den Bonbons. Das hat zB Spitzer sehr gut herausgearbeitet, den sie aber ablehnen.

      – Ein Kind mit einem Punktesystem zu behelligen, kommt mir nun überhaupt sehr daneben vor – das ist doch technokratische Sülze hoch drei! Für Mathe-Aufgaben machen gibt es 3 Mal mehr Belohnung als für den Müll runterbringen? Dh doch, jede Aufgabe kann mit jeder anderen Sache gleichwertig verrechnet werden, wie beim Geld, das auch zu allem gut sein soll und alles gleich macht. Tut mir leid, aber Kinder, die mit solchen Systemen aufwachsen, werden vermutlich auch glauben, dass man Leistungen in der Schule (oder später am Arbeitsplatz) mit Essensmarken oder mit Aktienkursen vergleichen kann. Die jeder einzelnen Handlung und jedem Objekt innewohnende Selbstwertigkeit geht damit über die Wupper. Ein Drama, denke ich. Alles wird zu einem einzigen, ununterscheidbarem Gebräu, das man beliebig manipulieren kann.

      Wo ich Ihnen zustimmen kann, ist: „So leicht verdirbt man Kinder nicht.“ So ist es! Dennoch, es kommt in sozialen Interaktionen immer darauf an, was man tut, nicht was man sagt.

      Gruss,
      TMM

      • Andrusch Kunert permalink

        „Es tut so, als wären PC-Spiele, TV, etc. so etwas wie eine Belohnung“

        Sind sie auch. Ist bei Erwachsenen ja auch nicht anders. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Ich wünschte es wäre anders, aber so funktionieren arbeitsteilige kapitalistische Gesellschaften für 99% der darin lebenden Menschen. Wahrscheinlich war es nie anders. Auch die Bauern im Mittelalter mussten erst das Vieh füttern und das Feld bestellen, bevor sie sich beim Würfelspiel Erholung gönnten.

        “wenn du brav den Müll runtergebracht hast, dann darfst du auch PC-Spiele machen”. Der Elektro-Kram ist aber kein Bonbon, sondern ein Suchtmittel.“

        Ja. Wie auch Alkohol, Kaffee, Fernsehen, Internet, Musik, wasweißich, Suchtmittel sein kann. Sollte man deshalb auf alles verzichten? Ich tue das nicht und ich werde das auch von meinen Kindern nicht verlangen (spätestens in der Pubertät erreiche ich damit ohnehin nur noch das Gegenteil). Das Erlernen eines ausgeglichenen Umgangs mit den verschiedenen Medien (und die Ausnutzung der spezifischen Vorteile) ist das Mittel der Wahl und einem Komplettverzicht idR weit überlegen. Mir ist das gelungen, also warum sollte es meinen Kindern nicht gelingen?

        „Vielleicht genauso wie der Zucker aus den Bonbons.“

        Ob Zucker süchtig macht, ist eher umstritten. Ich meine nein.
        http://www.stern.de/gesundheit/ernaehrung/studie-zu-masslosem-essen-naschen-macht-suechtig-zucker-nicht-unbedingt-2136979.html

        Es sind bestimmte Kombinationen aus Geschmacksstoffen, Essgefühl, Geruch und sozialer Einbettung, die zu Fresssucht führen. Auch damit müssen Kinder umgehen lernen, auch dort muss man sie unterstützen und Grenzen setzen. Auch dort schützen Totalverbote nicht total.

        „Das hat zB Spitzer sehr gut herausgearbeitet, den sie aber ablehnen.“

        Ich lehne ihn nicht pauschal ab, sondern finde er bewertet das zu einseitig und zu negativ. Es ist schlicht nicht möglich Kindern Computerspiele (oder andere Suchtmittel) vorzuenthalten. Man MUSS den Umgang damit lernen und (zumindest anfangs) kontrollieren. Und es schadet sicher nicht, den Suchtfaktor zu Gunsten des Kindes (etwa über ein Punktesystem) auszunutzen. Intrinsische Motivation wecken, ist sicher die bessere Methode, aber leider nur selten anwendbar.

        Und last not least lernen Kinder auch in Computerspielen (allerdings ist das stark spielabhängig). Unser Sohn kann besser lesen, rechnen und mit Tastatur umgehen, als die Kinder aus seiner Klasse, die ich kenne.

        Wenn du nach etwas suchst, was gefährlich ist, dann finde bitte nicht ein durchdachtes Punktesystem und kontrolliertes Spielen, sondern die sich wie eine Pest ausbreitende weitgehend unkontrollierte Tablet und Handy-Zockerei schon bei Kindern. Dämlich primitive Auto- und Jump-n-Run-Spiele auf Spielekonsolen im Kinderzimmer und ähnlicher Mist. DAS ist gefährlich.

  6. Andrusch Kunert permalink

    Nachtrag: der zitierte Manfred Spitzer ist m.E. in der Interpretation der Daten zu einseitig und zu negativ. Und das sage ich, obwohl ich seine Sendung im Fernsehen (ja, tatsächlich, so medienfreundlich ist er dann auch 🙂 immer sehr gern anschaue.

    Er unterscheidet auch nicht immer zwischen Kausalitäten und Relationen. Ist z.B. der reine Fernsehkonsum schuld an einer Fehlentwicklung? Oder lediglich ein zuviel davon? Oder das Unterlassen von etwas anderem (z.B. vorlesen, austoben). Gibt es in Familien mit zuviel Fernsehkonsum andere Störfaktoren (ständiges Handygeklingel, hektische Eltern, Nikotin- und Alkoholmissbrauch, unzureichende Zuwendung, niedriges Bildungsniveau)?

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