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Der Welthunger – Produkt kapitalistischer Ausbeutung

3. März 2015

 Ein Kind, das an Hunger stirbt, wird ermordet.“ Jean Ziegler

Wer glaubt, der Hunger in den Entwicklungsländern, sei ein Ergebnis der schwierigen geographischen und klimatischen Bedingungen, sowie der Rückständigkeit und der Unfähigkeit der dort lebenden Menschen, mit den Problemen fertig zu werden, unterliegt einem schweren Irrtum. Es ist ein Irrtum, der aus Unwissenheit und Gleichgültigkeit erwächst und in der großen Zahl dazu beiträgt, dass die wahren Ursachen nicht benannt, geschweige denn bekämpft werden und maßloses Elend, Leid, Krankheit und frühzeitiger Tod unter Milliarden Menschen weiter wüten können.

Bei Naturkatastrophen sind Spenden von Hilfsgütern und Nahrungsmitteln notwendig. Doch es geht um von Menschen inszenierte Dauer-Katastrophen, in denen Spenden partiell sicher lindern und das eigene Gewissen zum Schweigen bringen können – als dauerhafte Geste sind sie zynisch und entwürdigend, da sie die Ursachen unangetastet lassen und letztlich das Andauern der Katastrophe befördern. „Wohltätigkeit ist das Ersäufen des Rechts im Mistloch der Gnade“, brachte dies der große Schweizer Pädagoge Pestalozzi in ein drastisches Bild. Die Menschen benötigen weniger herablassende Gnade als die Wiedereinsetzung ihres natürlichen Rechtes auf Nahrung, Gesundheit und Leben in ihrem Lande.

Ausmaß und Folgen des Hungers

Nach der aktuellen Schätzung der Vereinten Nationen vom Oktober 2014 leiden weltweit rund 805 Millionen von insgesamt 7,2 Milliarden Menschen unter Hunger. Das sind knapp 11,2 Prozent der Weltbevölkerung oder jeder neunte Mensch. Dem Index der Welthungerhilfe zufolge ist das Ausmaß des Hungers in 14 Ländern „sehr ernst“, insbesondere in Afrika südlich der Sahara, sowie in Haiti, Laos, Timor-Leste und im Jemen. Eritrea und Burundi werden als „gravierend“ eingestuft; hier gelten mehr als 60 Prozent der Bevölkerung als unterernährt. In 39 Ländern gilt die Ernährungslage der Bevölkerung als „ernst“. Allerdings konnten auch nicht alle Entwicklungsländer erfasst werden; für Kongo, Afghanistan und Somalia beispielsweise fehlen verlässliche Daten.

Zum Hunger muss man den sogenannten „verborgenen Hunger“ hinzuzählen, den akuten Mangel an wichtigen Mikronährstoffen wie Vitamin A, B, D, Eisen und Jod. Ein Mensch, der chronisch fehlernährt wird, kann sich satt fühlen, aber trotzdem schwer erkranken und sterben. Am verborgenen Hunger leiden, unter Einbeziehung der Industriestaaten, weltweit 2 Milliarden Menschen, also fast jeder dritte Mensch.(1)  In den 122 Ländern der Dritten Welt, in denen nahezu 80 % der Weltbevölkerung leben, verursacht die Mangelernährung eine Fülle von Krankheiten, Behinderungen und den Tod vieler Menschen. Viele leben von den großen städtischen Müllhalden.

Jean Ziegler, lange UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, schildert aus seinen Reiseerfahrungen: „Die calampas in Lima, die favelas in Sao Paulo oder die dreckigen Slums der smoky mountains in Manila sind Orte, an denen ein pestilenzialischer Gestank herrscht. In den smoky montains, wo eine halbe Million Personen leben, liegt überall der Fäulnisgeruch in der Luft. Ratten beißen Säuglinge ins Gesicht. In diesen Blechhütten füllen sich die Frauen, Kinder und Männer mit Nahrungsabfällen, die sie auf den Müllbergen auflesen, den Magen. Die Kalorienzufuhr mag also manchmal ausreichen. Die Zusammensetzung der Nahrung hingegen kann gefährliche Mängel mit sich bringen.“(2)

Die am weitesten verbreiteten Krankheiten, die von diesen Mängeln verursacht werden, sind der Kwashiorkor, Anämie, Rachitis und Blindheit. Die Opfer von Kwashiorkor bekommen einen geblähten Bauch, ihr Haar wird rot, ihre Gesichtsfarbe gelb, und sie verlieren die Zähne. Wer permanent unter Vitamin-A-Mangel leidet, erblindet. Alle vier Minuten erblindet in der Dritten Welt ein Mensch aus diesem Grunde! Die Anämie geht zumeist auf den Mangel an Eisen zurück, das zur Blutbildung unerlässlich ist. Der Kranke verliert alle Energie und jegliche Konzentrationsfähigkeit. Von den insgesamt 1,3 Milliarden Anämie-Kranken  in der Welt  haben ca. 800 – 1.000 Millionen Eisenmangel als Ursache. In der südlichen Hemisphäre sind das über 50 % der Frauen und 20 % der Männer. Babys zwischen sechs und vierundzwanzig Monaten, für die in dieser Zeit Eisen zu einer gesunden Bildung der Hirnneuronen extrem wichtig ist, werden bei Eisenmangel in ihrer Entwicklung stark beeinträchtigt. In den 49 ärmsten Ländern betrifft dies 30 % der Kleinkinder. Sie bleiben ihr Leben lang geistig zurück. Etwa 600.000 Frauen sterben pro Jahr während ihrer Schwangerschaft aufgrund eines schweren Eisenmangels.(2)

Mehr als eine Milliarde Menschen leiden an Jodmangel, der sich verheerend auf den Körper der Schwangeren und damit der Kinder auswirkt. Jedes Jahr kommen 18 Millionen Kinder mit geistigen Behinderungen zur Welt, die durch Jodmangel verursacht sind. Laut UNICEF kommen 15 % aller Neugeborenen schon untergewichtig zur Welt. 161 Millionen Kinder unter fünf Jahren sind als Folge von Mangelernährung unterentwickelt. Damit ist jedes vierte Kind unter fünf Jahren betroffen. Etwa 3,1 Mio. Kinder unter fünf Jahren sterben jährlich an den Folgen von Mangel- und Unterernährung; das sind rund 8.500 Kinder täglich. D. h. etwa alle zehn Sekunden stirbt ein Kind an Hunger oder dessen Folgen.1   Doch das ist kein unabänderliches Schicksal. Es ist menschengemacht. „Ein Kind das an Hunger stirbt, wird ermordet.“ (3)

Ursachen

Der Hunger ist die Folge von extremer Armut, wobei es hier um die absolute Armut in den Entwicklungsländern geht, bei der einem Menschen weniger als der Gegenwert von 1,25 US-Dollar pro Tag für seinen Lebensunterhalt zur Verfügung steht. Von den 7,2 Milliarden Menschen auf der Erde leben nach einem UNO-Bericht von 2014 gegenwärtig 1,2 Milliarden in diesem äußersten Elend, weitere 800 Millionen sind unmittelbar davon bedroht.(4)  Es ist ein Leben, das unter schlimmsten Entbehrungen von Nahrung, Kleidung, medizinischer Versorgung und Schulbildung menschliche Verwahrlosung und Entwürdigung bedeutet. Familien zerbrechen, Kinder werden früh Waisen, werden ausgesetzt, verstoßen oder fliehen und irren als Straßenkinder in den Städten umher, ohne Familie, Obdach und Hoffnung. Ihr Leben ist auf die ängstliche oder verschlagene Befriedigung ihrer kreatürlichen Bedürfnisse reduziert, minderjährige menschliche Tiere im Dschungel der Städte. Nur wenige erreichen die Volljährigkeit.(5)

Doch wo liegen die Ursachen dieser Verelendung menschlichen Daseins? Sie sind natürlich vielfältig. So spielen postkoloniale Strukturen in den Entwicklungs- und Schwellenländern, wie ungerechte Bodenverteilung und die Herrschaft einer ausbeuterischen Klasse eine Rolle. Darauf wird noch zurückzukommen sein. Aber die Hauptursache ist die Verschuldung durch das internationale Finanzkapital und dessen wirksamstes Durchsetzungs-Instrument, den IWF (s. Der Internationale Währungsfonds). Haben die Regierungen ihre Länder bei den internationalen Banken so hoch verschuldet, dass sie – oft durch unvorhergesehene Ereignisse – trotz Sparmaßnahmen und hoher Steuern den Zins- und Tilgungsdienst nicht mehr leisten können, ist der IWF als Kreditgeber letzter Instanz zur Stelle.

Sein Kredit, der aber nicht dazu dient, dem Land, sondern den Kreditgebern zu helfen, wird an die Bedingung harter Sparmaßnahmen und Profitanpassungsprogramme gebunden. Sie beinhalten meist tiefgehende Einsparungs-Diktate  im Gesundheits- und Bildungsbereich, die unbegrenzte Öffnung des Marktes für ausländische Investoren und Waren, Ausrichtung des Exportes auf einzelne gut zu vermarktende Güter, Privatisierung von Staatsbetrieben und Staatseigentum und Abhängigkeit wesentlicher Regierungsmaßnahmen von der Zustimmung des IWF. Sie bedeuten den Verlust der Souveränität sowie Not und Elend ungeahnten Ausmaßes für die Bevölkerung, dagegen hohe Profite für die internationalen Investoren. Der Abbau von Importbeschränkungen z. B. führt dazu, dass billige Waren aus dem Ausland ungehindert ins Land fließen, was vor allem im Agrarsektor dramatische Folgen hat: Die Kleinbauern können mit den vielfach durch Subventionen des Auslandes (USA u. EU!) niedrigen Preisen nicht konkurrieren, verlieren ihre Lebensgrundlage und verarmen. Vor allem afrikanische Länder, die zuvor Nahrungsmittel exportiert hatten, wurden zu Importeuren und sind es bis heute geblieben. Hier herrschen in Wahrheit fremde Mächte mit versteckter Gewalt.

Jean Ziegler bringt es radikal auf den Punkt: „Die Herren des Wirtschaftskrieges plündern systematisch den Planeten. Sie attackieren die normative Macht der Staaten, sie zerstören die Volkssouveränität, untergraben die Demokratie, verheeren die Natur und vernichten die Menschen und deren Freiheit. Die Naturalisierung der Ökonomie, die ´unsichtbare Hand des Marktes` ist ihre Kosmogonie (Lehre von der Weltentstehung), die Profitmaximierung ihre Praxis. Ich bezeichne diese Kosmogonie und diese Praxis als strukturelle Gewalt. (…) Man braucht keine Maschinengewehre, kein Napalm, keine Panzer, um die Völker zu unterwerfen und unters Joch zu zwingen. Dafür sorgt heute ganz allein die Verschuldung. (…) Die subtile Gewalt der Verschuldung ist an die Stelle der sichtbaren Brutalität der Kolonialherren getreten.“ (6)

Rolle der herrschenden Klasse in den Entwicklungsländern

Der westliche Finanzkapitalismus könnte seine Herrschaft in den Ländern nicht ohne eine dort herrschende Schicht durchsetzen, die hinter glühendem öffentlichem Patriotismus letztlich seine Interessen vertritt und realisiert. Die Angehörigen dieser Klasse werden als Compradores (Käufer) bezeichnet; sie sind die von den neuen Feudalherren des Kapitals „gekaufte“ Bourgeoisie, die geistig und ökonomisch von ihren Herren völlig abhängig sind.  Jean Ziegler unterscheidet zwei Typen: einmal die aus dem Kolonialismus überkommene Schicht der einheimischen Handlanger, die „zur neuen Führungsschicht des postkolonialen Staates aufgestiegen sind“, und zum anderen die von den ausländischen Mächten vor Ort beschäftigten „Direktoren und Führungskräfte, die wiederum örtliche Wirtschaftsanwälte, Journalisten usw. finanzieren und die (wenn auch diskret) die wichtigsten Generäle und die Polizeichefs in ihren Diensten haben.“ (7)

Diese Eliten haben sich zum Teil kulturell von der übrigen Bevölkerung völlig entfremdet. Vielfach im Westen ausgebildet, fühlen sich z. B. die Herrschenden Nigerias in ihren Zweitwohnungen am Montagu Place im Herzen Londons und bei den Pferderennen in Derby mehr zu Hause als in Nigeria. „Marbella, Algeciras, Cannes oder Cap Saint-Jaques sind die bevorzugten Aufenthaltsorte der Comprador-Klassen von Marokko, einem der ärmsten und korruptesten Länder in Nordafrika. Manche der luxuriösen Viertel von Miami werden fast ausschließlich von den Familien reicher Wirtschaftsanwälte oder Direktoren von multinationalen ausländischen Konzernen aus Kolumbien oder Ecuador bewohnt. Am Brickell Bay Drive haben die Comprador-Klassen der Karibik ihre Restaurants, ihre Clubs und ihre Bars, in denen sie unter sich sind.“(8)

Da die Comprador-Klassen schon lange an der Macht sind und ihr patriotischer Diskurs oft sehr eindrucksvoll ist, haben manche Völker sie als ihre „natürlichen“ Herrscher akzeptiert. Sie durchschauen nur schwer, welche Rolle diese in Wahrheit in ihrem Land spielen. Dabei genießen diese Eliten natürliche viele Privilegien und Vorteile. Von den Steuern nur wenig berührt, müssen die Hauptlast des Schuldendienstes der Mittelstand und die Armen tragen. Steht der Bau von Infrastrukturen, von Staudämmen, Straßen, Hafenanlagen und Flughäfen an und muss ein Minimum an Schulen und Krankenhäusern gebaut werden, nehmen sie allemal den bequemen Weg der Kreditaufnahme. Leicht lassen sich die Straßen vorrangig so bauen, dass sie zu ihren Latifundien führen, Häfen so ausbauen, dass der Export von Baumwolle, Kaffee und Zucker, an dem sie beteiligt sind, erleichtert wird. Und Binnenluftlinien dienen sowieso nur ihnen, da das Volk sich keinen Flug leisten kann. Für das Volk werden dafür Kasernen und Gefängnisse errichtet.

Entstehen und Wachsen der Schulden

Doch die Regierungen der Länder nehmen nicht nur Kredite aus wirtschaftlicher  Notwendigkeit auf oder um der oberen Klasse, der sie angehören, Vorteile zu verschaffen. Ein wenig bekannter weiterer Grund liegt darin, dass sie zum Teil mit Bestechung oder Drohungen überhaupt erst kreditgeneigt gemacht werden und Agenten von Weltbank, IWF und Geheimdiensten ihnen mit Hilfe von gefälschten Gutachten übermäßige Kredite aufdrücken.(9)  Bekannt geworden sind solche Praktiken insbesondere durch den Amerikaner John Perkins, der in seinem Buch „Bekenntnisse eines Economic Hit Man“ beschreibt, als früherer Chefökonom der Strategie-Beraterfirma Chas. T. Main Agent des US-Geheimdienstes NSA gewesen zu sein. Er hatte neben vielen anderen die Aufgabe,

den US-Geheimdienstbehörden und den multinationalen Konzernen zu helfen, ausländische Staatsoberhäupter dazu zu verleiten und ggf. zu erpressen, der US-Außenpolitik „zu dienen“ und der US-Wirtschaft lukrative Aufträge zu verschaffen. Im Wesentlichen sei es darum gegangen, Staaten höhere US-amerikanische Kredite zu verschaffen als sie ökonomisch verkraften konnten; durch deren so herbeigeführte Zahlungsunfähigkeit habe sich die USA weitreichende Einflusszonen, u.a. zur Gewinnung von Rohstoffen, in den jeweiligen Ländern gesichert. Staatschefs, die sich auf solche „Deals“ nicht einlassen wollten, seien von den USA mit geheimdienstlicher Hilfe aus dem Weg geräumt worden. Perkins nennt in seinem Buch explizit die früheren Präsidenten Panamas und Ecuadors, Omar Torrijos und Jaime Roldós, die beide bei mysteriösen Flugzeugabstürzen 1981 ums Leben kamen.(10)

Die Auslandsschulden der 122 Staaten der südlichen Hemisphäre beliefen sich 2005 insgesamt auf mehr als 2,1 Billionen Dollar.(11)  Diese Summe ist nach Angaben des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in den Jahren bis 2014 auf über 4 Billionen Dollar angestiegen. Die Schulden erwürgen die Länder. Der Kapitalfluss von Süden nach Norden ist höher als umgekehrt. Im Jahr 2005 z. B. betrug die öffentliche Entwicklungshilfe der Industrieländer des Nordens für die Länder der Dritten Welt insgesamt 58 Milliarden Dollar. Als Schuldendienst flossen dagegen im selben Jahr zu den Banken des Nordens 482 Milliarden Dollar. Dies illustriert anschaulich die „strukturelle Gewalt, die in der heutigen Weltordnung am Werk ist.“ (12)

Der ständig wachsende Schuldendienst verschlingt den größten Teil der Ressourcen der armen Länder. Für soziale Investitionen in Schulen, Krankenhäuser, Sozialversicherungen usw. bleibt nichts mehr übrig. Jean Ziegler macht für das erdrückende Wachstum der Schuldenberge folgende Hauptgründe aus:

1)  Die Preise der benötigten Industriegüter (Maschinen, Lastwagen, Medikamente, Zement usw.), die sie zum Großteil importieren müssen, haben sich auf dem Weltmarkt im Laufe der Jahre versechsfacht, während die Preise für die landwirtschaftlichen Rohstoffe  (Baumwolle, Rohrzucker, Erdnuss, Kakao, Kaffee), die sie zumeist exportieren können, ständig gesunken sind. So mussten sie immer neue Kredite aufnehmen, um Zins und Tilgung finanzieren zu können.

2)  „Die schleichende Korruption und die Hand in Hand mit Schweizer, amerikanischen und französischen Privatbanken organisierte Veruntreuung hat verheerende Ausmaße angenommen.“ Das Privatvermögen von Mobuto, des verstorbenen Diktators von Zaire, heute Kongo, z. B. belief sich auf 8 Mrd. Dollar. Die Auslandsschuld der Republik Kongo betrug 2004 etwa 13 Mrd. Dollar.

3)  Die internationalen Gesellschaften in der Lebensmittelindustrie, der Industrie, im Handel, im Dienstleistungssektor und die internationalen Banken kontrollieren weite Sektoren der Wirtschaft in den Ländern der südlichen Erdhälfte. Ihre zumeist astronomischen Gewinne werden jährlich an die Firmensitze in Europa, Nordamerika oder Japan zurückgeschafft. Nur ein Bruchteil wird vor Ort reinvestiert.

4)  „Die meisten transkontinentalen Gesellschaften, die in der Dritten Welt arbeiten, verwenden Patente, die im Besitz der Holding der Gesellschaft sind. Perulac und Chiprodal z. B., die Gesellschaften von Nestlé in Peru und Chile, hängen von der Nestlé Holding ab, die im Handelsregister (…) in der Schweiz eingetragen ist.“ Für die Verwendung dieser Patente müssen Lizenzgebühren bezahlt werden, die genauso wie die Profite ihren Weg in die Herkunftsländer nehmen.

5)  Auf dem Weltkapitalmarkt sind die Länder und Unternehmen der Dritten Welt Schuldner mit hohem Risiko. Deshalb verlangen die internationalen Banken unvergleichlich höhere Zinsen als von den Industriestaaten des Nordens.(13)

Fazit

„Wie ein menschlicher Körper nach einer Aggression und einer schweren Verletzung sein Blut verliert, genauso müssen die Länder der südlichen Erdhälfte mit ansehen, wie ihre lebenswichtige Substanz zerstört wird aufgrund der Plünderung durch die Gläubiger, den IWF und deren Komplizen, die Comprador-Klassen.“(14)  Und die Menschen bleiben und versinken weiter in Armut, leibliche und seelische Verelendung, Hoffnungslosigkeit, Krankheit und frühzeitigen Tod.

Was sind das für Menschentypen, die, hochbezahlt, in eleganten Anzügen oder Kostümen in den teuren Büros der glitzernden Banken und des IWF sitzen, und nüchtern ihre Analysen und Strategien erstellen? Was geht in diesen Technokraten und Söldnern des Profites Weniger vor, denen es in erster Linie auf die Verwandlung dieser Länder in Regionen des alles beherrschenden liberalen Marktes ankommt, in dem die Einheimischen nicht konkurrieren können, auf die Privatisierung der öffentlichen Güter, die freie Zirkulation des Kapitals und der Waren, um die Länder bestmöglich auszubeuten – ohne Rücksicht auf das maßlose Leid der betroffenen Menschen? „Die Gesetze des Marktes sind unumgehbar, unwandelbar. Träumen nutzt nichts“, sagte ein eleganter Söldner des IWF  zu Jean Ziegler. Und das Entsetzliche: Er meinte es völlig ehrlich.(15)

Blind und taub für Elend, Krankheit und Tod, die sie hervorrufen, in ihrer eigentlichen menschlichen Qualität verkrüppelt und zurückgeblieben, üben die Technokraten des Wirtschaftsimperialismus über das Leben hunderter Millionen Menschen, Kinder und Frauen in Asien, Afrika und Südamerika ihre Macht aus. Wenn sie die Massenvernichtungswaffen der strukturellen Gewalt in Stellung bringen und aus der Ferne in den Computer klicken – wie unterscheidet sich das vom Ausklinken der Atombombe in 10.000 m Höhe über Hiroshima? Die letztere erregt durch die Gewalt der Explosion und die schlagartige Vernichtung von ca. 80.000 Menschen an einem Ort ungeheures Aufsehen; die strukturelle Gewalt des Finanzkapitalismus besorgt die Vernichtung schleichend und weitgehend unbemerkt von der Weltöffentlichkeit. Das Ergebnis ist das gleiche, nur mit dem Unterschied, dass die Opfer der schleichenden Vernichtung durch Hunger nicht spektakulär mit einem Schlag, sondern ständig und weiträumig verteilt getötet werden, (2011) 57.000 jeden Tag, 20 Millionen im Jahr.  Menschen die an Hunger sterben, werden ermordet.   (hl)
————————————-
1   Welthunger-Index 2014 http://www.welthungerhilfe.de/whi2014.html
2   Jean Ziegler:  Das Imperium der Schande, Goldmann TB 2008, S. 130 u. f.
3   a. a. O., S. 18
4   Spiegel-online vom 24.7.2014
5   Jean Ziegler a. a. O., S. 51 f., 136 f.
6   a. a. O., S. 16, 17, 87, 88
7   a. a. O., S. 89
8   a. a. O., S. 90, 91
9   Eberhard Hamer, „Zeit-Fragen“ vom 28.1.2013
10  Wikipedia – John Perkins: http://de.wikipedia.org/wiki/John_Perkins_%28Autor%29
11  Jean Ziegle a. a. O., S. 17
12  a. a. O., S. 87
13  a. a. O., S. 98, 99
14  a. a. O., S. 99
15  a. a. O., S. 104      

14 Kommentare
  1. rote_pille permalink

    also was haben wir als „schuldigen“ für den welthunger ausgemacht:
    1. schulden.
    das schöne an den schulden ist, staaten werden normalerweise nicht dazu gezwungen welche aufzunehmen. es ist nicht die schuld des iwf, wenn überschuldete staaten solche sparprogramme durchführen müssen. die regierungen, die das vorher aufgenommene geld verprasst haben, sind daran schuld. oftmals sind sie jedoch so schlecht legitimiert, dass sie sich nicht trauen, selbst an diese programme ranzugehen. dann ist es immer schön wenn man die schuld auf den iwf stellvertretend für den gesamten kapitalismus schieben kann. aber die tatsächliche schuld haben die lokalen institutionen. sie könnten auch einen bankrott herbeiführen, um sich von den schulden zu befreien. dann müssen sie aber lernen ohne weitere schulden zu leben.
    2. die freien märkte
    „die subventionen der reichen länder zerstören die lokale landwirtschaft“. korrekt. aber was bitte schön ist an subventionen kapitalistisch? subventionen sind gewaltsame umverteilung von einem wirt zum anderen, erzwungen von regierungen. es mag schon richtig sein, die intervention der einen regierung durch die einer anderen ausschalten zu wollen. gesamtwirtschaftlich wäre es aber besser, für die aufhebung beider interventionen zu sprechen. nur das ist wirklich „kapitalismus“.
    3. patente
    die ausländischen patente sind nunmal das ergebnis einer wertschöpfung die nicht in diesen ländern stattgefunden hat. wenn aber jemand in einem entwicklungsland freiwillig für irgendwelche patente bezahlt, bedeutet das, dass er danach immer noch besser dasteht als wenn das geschäft nicht gemacht worden wäre. damit macht er gewinn, nicht verlust
    4. korruption
    eindeutig institutionell, aber nicht systembedingt (kapitalistisch)
    5. noch einmal schulden
    diesmal von der westlichen seite. es wird vergessen, die zinseskapaden in den westlichen ländern in den 70ern und 80ern zu erwähnen. diese waren das ergebnis einer inflation, die durch die zentralbanken abgewürgt werden musste. die inflationen hingegen waren das ergebnis des versagens der keynesianischen (staatsinterventionistischen) modelle. als die zinsen hier explodiert sind, sind die zinsraten in den entwicklungsländern natürlich gefolgt. aber im gegensatz zum westen konnten sie keine westlichen währungen drucken. das hat die verschuldungen massiv hochgetrieben. aber das ist das ergebnis westlicher (zentralbank)politik, die durch die herrschende politik dazu angestachelt wurde. der freie kapitalismus kann natürlich nicht existieren, wenn es behörden mit geldschöpfungsmonopol gibt, die die zinsen setzen wie es der politik gerade passt.
    damit ist übrigens auch erklärt, wieso die preise der industrieerzeugnisse so hoch sind- jahrzehntelange inflationspolitik. wir bekommen das geld zuerst, daher steigen hier die preise stärker als dort. das würde sich wiedereinkriegen, wenn man mit dem gelddrucken aufhören würde, der westen würde dann eine gewaltige krise durchlaufen. die herren der geldschöpfung wünschen das allerdings nicht, sodass es weitergeht wie früher.

    schauen sie näher hin, wer die sogenannte „kapitalistische ausbeutung“ ermöglicht. man kann die handschriften der regierungen überall erkennen. deshalb sollte man versuchen, die institutionen ändern, da der freie kapitalismus sehr wohl funktioniert und auch für die armen das beste mittel ist um hochzukommen. sozialistische länder hingegen zerstören ihren kapitalstock und die bevölkerung verarmt nach einer scheinblüte (siehe venezuela). regierungseingriffe sollten nur dort gemacht werden, wo die negativen folgen der eingriffe von ausländischen regierungen sie nötig machen.

    • Nur kurz: Die Miwirkung der lokalen Regierungen ist ja geschildert worden. Sie entlastet den IWF aber nicht von dem Vorwurf, durch seine Kredit-Bedingungen sehenden Auges Verelendung, Hunger und Tod herbeizuführen. Das ist doch der Punkt.

    • falke permalink

      Da moechte ich wiedersprechen. Zwei Punkte:
      Freier Kapitalismuss
      Was fuer eine chance haben Bauern die nicht „technologisiert“ sind?
      Generell wird man ausser mit Nieschenprodukten kaum erfolgreich und vorallem Gewinnbringend „Handarbeit“, im grossen Stil verkaufen koennen.

      Freier Kapitalismuss heist fuer mich Wettbewerb. Die Kleinen bleiben auf der Strecke, die Grossen bestimmen das Bild.
      Wer billiger produziert, kann mehr absetzen… und schon sind wir wieder bei der Ausbeutung.

      Patente??
      Auch das sehe ich anders.
      Patente sind da um Einnahmen und vorallem Konnrolle zu sichern und um Konkurrenz zu verhindern,… wo wir wieder beim Wettbewerb simd.
      Mit Kontrolle meine ich nicht nur jene ueber ein Produkt oder bestimmte Bauteile… Sondern viel mehr Kontrolle ueber eine Technologie, eine Idee.
      Eh schon Wohlhabende koennen es sich leisten und verdienen noch mehr, der kleine bleibt wieder auf der strecke.
      Ja, geistiges Eigentum.. sehe ich ein. Aber da sollte es Grenzen geben. Mit welchem Recht wird aermeren Menschen Medikamente durch hohe Preise vorenthalten, oder Technologien die helfen koennten? Und Patente auf Lebewesen… ?!??? OMG!!
      Antwort: $$$$$$

      Warum ueberhaupt Patente? Warum Wettbewerb? Warum sich nicht zusammensetzen.? Alle Wissenschaftler die weltweit an z.b. Kernfusion arbeiten in einem Zentrum zusammenfassen. Zusammenarbeiten!! Das Selbe gilt in allen Forschungsbereichen.
      Welthunger, medizinische Versorgung oder die mit Wasser. Kein problem, wenn da der Wettbewerb nicht waer, das eigene und das Geld der Anleger an erster Stelle!

      Kapitalismuss = Wettbewerb –> jemand muss verlieren!

  2. „We Are Change“ in der Schweiz hat den obigen Artikel übernommen und nach zwei Videos ein erschütterndes Bild angefügt:
    http://www.wearechange.ch/news/95-politik-international/4387-der-welthunger-%E2%80%93-produkt-kapitalistischer-ausbeutung

  3. johannes3v16 permalink

    Hat dies auf John3v16 rebloggt.

  4. Ich möchte Falke an dieser Stelle zustimmen. Die Idee eines selbstregelnden Marktes, der sich selbst ausbalanciert und wie eine Mutter für alle sorgt, ist verlockend, geht jedoch an der Realität völlig vorbei. Ein völlig freier Markt ohne beispielsweise Regelungen gegen Monopol- und Syndikatbildung wird auf kurz oder lang zu einer Situation führen, in der wenige viel Macht besitzen und diese nutzen werden, sie zu halten.

    Ein solches Instrument ist das Patentwesen. Ja, liebe/r rote_Pille, in einigen Gegenden wurde Energie, Arbeit und Zeit investiert, um etwas zu erschaffen, das nützlich ist und vorher nicht existierte. Etwas, zu dessen Erforschung an vielen Orten der Welt überhaupt nicht die Möglichkeit bestehen. Und warum? Weil bereits vorher Ausbeutungen stattgefunden haben. Dafür gibt es einen Namen: kumulierende Ungerechtigkeit. Wer einmal unten ist, wird immer weiter getreten, oder wie der Volksmund sagt: „Der Teufel schei*t immer auf den größten Haufen!“ — Ein Phänomen, das übrigens nicht nur international, sondern auch hierzulande, beispielsweise im Zusammenhang zwischen Bildungsgrad und Einkommen der Eltern, zu finden ist.

    Wenn eine Erfindung nun allen nützlich sein könnte, warum sie dann nur wenigen vorbehalten? Um Armut brauchen sich die Erfinder*innen nicht sorgen, denn sie verfügen offenbar über Fertigkeiten, die ihr Überleben sichern. Ist es vielleicht, dass das Konzept von der Menschheit als alles überbrückende Gemeinschaft nicht ernst genommen wird, sondern stattdessen von antiquierten Vorstellungen von kleinen miteinander konkurrierenden Sippschaften ausgegangen wird?

  5. Frank permalink

    Terminologie aus der Mottenkiste des rotfaschistischen „Klassenkampfes“

    Wenn ich die Überschrift lese, würde ich sofort wegklicken, weil unter so etwas i.a.R. nur Unsinn steht, wüßte ich nicht, daß von Herrn Ludwig überwiegend Vernünftiges geschrieben wird.

    Warum bedienen Sie sich solch primitiver und zudem falscher Terminologie, mit der Sie die Leistungsträger der Völker Mittel-Europas diskriminieren, den unternehmerischen Mittelstand, und diese entscheidende Gruppe in einen Topf werden mit religiös-satanisch motivierten „Auswählten“ und deren Hilfswilligen und in aller Regel skrupellosen Managern der Konzerne, mit Politikern und anderen, die sich Brotkrumen von den Bankkonten der Hintertanen erschleichen?!

    Das ist unter Ihrem Niveau!

    Nennen Sie die Übertäter doch beim Namen! Noch dürfen wir das. Hinter dem IWF stehen sehr gut bekannte Kreise, die für fast alle Kriege der letzten 150 Jahre verantwortlich waren – und das sind nicht „die Unternehmer“.

    Die Masse de Menschen ist gerade mal fähig, in binären Kategorien zu denen und das heißt hier: Kapitalismus versus Sozialismus.

    Worin Sozialismus egal welcher Färbung zwingend ausartet, das haben wir auf deutschm Boden zwei Mal erlebt: 1933-1945 und 1945-1990 haben Sozialisten/Kommunisten mehr Verbrechen begangen, als in die Schulbücher paßt, weshalb die meisten davon ja unterschlagen oder umgelogen werden.

    Der „Kapitalist“, sprich der persönliche Unternehmer, hat mit der Hochfinanz, die Sie meinen, soviel zu tun wie die berühmte Kuh mit dem Radfahren, denn gerade Unternehmer werden von Banken und damit schlußendlich von der Hochfinanz u.a. über Kredite ausgebeutet, die Banken aus dem nichts per Buchungssatz erschaffen und sich erfrechen, dafür Sicherheiten, Zinsen und Pfandrechte an realen Werten zu verlangen.

    Wer das nicht glauben will, mache sich z.B. bei Prof. Franz Hörmann (YouTube) sachkundig. Oberflächliche Einführungen bietet auch Andreas Popp, der aber die Verursacher nicht benennt.

    Warum kritisieren Sozialisten fast niemals die Hochfinanz?! Weil die meisten Sozlaisten von der finanzert wrden. Die Jahwe-Banken der US-Ostküste haben Lenin, Herrn Judensohn (=Tschugashvilli, Tarnname Stalin) und den Verbrecher aus Braunau finanziert und sie haben .noch heute in DE/AT etc Politik und Medien in ihren blutigen Händen.

    Denn für diese sind nach deren Religion die Neger ja ebenso nur Tiere (Goyim) wie wir Christen.

    Noch Fragen?

  6. Frank permalink

    „Ohne das Privateigentum am Kapital“

    Geschätzter Herr Ludwig,

    aus diesem Ausdruck spricht die Unkenntnis eines Lehrers (und m.E. auch generelle Lernunwilligkeit dieser Berufsgruppe, der es meiner Erfahrung als Vater nach immanent ist, sich dazu berufen zu fühlen, alles zu wissen und fast alles besser zu wissen), der die Wirklichkeit der Wirtschaft niemals kennen gelernt hat – im Gegensatz zu mir, der 40 Jahre als Unternehmer (3-60 Mitarbeiter) tätig war.

    Wenn Sie hier das Fundament unserer Wirtschaft kritisieren, dann müssen Sie erst mal eine Alternative vorlegen, um glaubwürdig zu sein. Die Planwirtschaft mit persönlich desinteressierten, aber IMMER machtgeilen Funktionären ist es sicher nicht, >100 Mio Tote dieses Systems bürgen dafür.

    Auch haben Sie offensichtlich Sinn und Wirkung des Zinses und der Gelderschaffung nicht begriffen, sonst würden Sie nämlich beides grundsätzlich kritisieren. Zins als solcher ist bereits kriminell, in Verbindung mit der Gelderschaffung durch private Banken (und auch die „FED“ ist eine PRIVATE Bank) wird es jedoch schwerstkriminell.

    Sie sollten – als Lehrer – sich auf Themen konzentrieren, von denen Sie ein wenig verstehen und zugeben, daß Sie hier ein Taubblinder sind.

    • Geschätzter Herr Berger,
      es wäre besser, Sie blieben sachlich, ohne verallgemeinernde persönliche Spitzen – die auch nicht zutreffen.

      Abgesehen davon, dass ich auch einige Jahre in der Wirtschaft gearbeitet habe, befasse ich mich seit Jahren intensiv mit diesem Problem. Und meine Erfahrung ist, dass es unter den Praktikern auch viel Betriebsblindheit und subjektive Befangenheit gibt.

      Offensichtlich haben Sie meinen im vorangehenden Kommentar verlinkten Artikel und die dort weiter verlinkten ergänzenden Artikel nicht gelesen, urteilen aber wild drauflos.

      So auch über mein angebliches Nicht-Begreifen von Zins und Gelderschaffung. Auch dazu kennen Sie nicht meine Artikel::
      https://fassadenkratzer.wordpress.com/2013/12/06/ausbeutung-durch-das-zinssystem/

      https://fassadenkratzer.wordpress.com/2014/06/20/die-geldschopfung-der-banken-lizenz-zum-legalen-betrug/

      Vielleicht kann Ihnen mein Link „Inhaltsverzeichnis“ auf der Home-Seite behilflich sein, sich einen Überblick zu verschaffen, zu welchen Themen ich bisher Artikel geschrieben habe. Ich bilde mir durchaus nicht ein, alles zu wissen. Mit den Themen meiner Artikel habe ich mich aber jedenfalls vorher gründlich auseinandergesetzt. Und ich darf erwarten, dass Kritiker sich ebenfalls zuvor gründlich mit meiner Argumentation auseinandergesetzt haben und mir mit ganz konkreten Hinweisen behilflich sind, evtl. Fehler zu erkennen.

  7. Frank permalink

    Sehr geehrter Herr Ludwig,

    richtig, ich habe den verlinkten Artikel nicht gelesen, denn es ging mir bei meiner Kritik an Ihrem sonst sehr lesenswerten Blog eben um die von Ihnen verwendete Terminologie „aus der Mottenkiste des Klassenkampfes“, welcher mehr als genug Leid in diese Welt gebracht hat.

    Die Masse der Menschen – und auch der Leser – differenziert wenig (und, ich gebe zu, das habe ich hier auch nicht) und darum sind solche Ausdrücke wenig zielführend, vor allem wenn Sie vorgeben (was ich heute Abend nicht mehr überprüfen mag), das Problem erkannt zu haben.

    Viele Leute philosophieren über theoretische und „ideale“ Wirtschaftssysteme, die meist utopische Veränderungen erfordern, anstatt das nächstliegende zurück zu fordern: Die Inhaber- oder Familien-geführte Mittelstands-Wirtschaft der 60-iger und 70-iger Jahre, die von den machtgeilen Jahwe-Leuten etwa seit Ende der 80-iger bekämpft und per dato heute massiv abgebaut wurde, weil der selbst-entscheidende Unternehmer dem geplanten Zentralstaat a la Huxley-Orwell (beides Hochgrad-Freimaurer) im Wege war. Und diese Staatsform war in den Ländern des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation dominierend und der Grund für deren Erfolg nach den Zerstörungs-Verbrechen der Anglo-Sachsen, deren Staaten nur auf Völkermord und Diebstahl aufgebaut waren und die diesen 30-jährigen Krieg ja primär begonnen haben, um die Wirtschaftskraft des deutschen Volkes zu brechen.

    Wir WISSEN, daß dieses Mittelstands-System bestens funktioniert – und es wäre relativ leicht z.B. via differenzierter Besteuerung (= minimale Sätze für Inhaber-geführte Unternehmen bis – sagen wie 100 Mio Umsatz, vor allem wenn die Erträge im Unternehmen bleiben, und 5 x höhere Besteuerung für Konzerne und eine 10 mal höhere für ausländische Konzerne) diesen Zustand sehr schnell wiederherzustellen.

    Was die EU oder die USA dazu sagen, darauf würde eine wirklich patriotische (d.h. die Heimat liebende) Regierung nur sch…en. Unsere Maschinen und Autos werden gekauft, weil sie bisher besser waren als andere. Nur wirklich bezahlt wurde das meiste bisher nicht (siehe Target II etc und Krieg der USA gegen VW etc).

    Die hart arbeitenden Deutschen werden also durch die ausländischen Konzerne und die Hochfinanz als Arbeits-Sklaven gehalten und ausgebeutet.

    Außerdem steckt im bewährten und in Deutschland erfundenen System der Genossenschaften, die rein gar nichts mit Sozialismus zu tun haben, noch enormes Potential. Ich weiß wovon ich rede, denn ich habe mit Unternehmen dieser Gattung sehr sehr viel zu tun gehabt.

    Aber IMMER – absolut IMMER – ist privates und persönliches Eigentum und Verfügungsgewalt über „Kapital und Produktionsmittel“ die absolute Voraussetzung für Erfolg. Und dagegen haben Sie – wenigstens in der Überschrift – polemisiert, ohne eine Alternative aufzuzeigen.

    In einer solchen Situation von „Kapitalismus“ pardon – zu schwätzen, das ist nur kontraproduktiv und Wasser auf die Mühlen der Faschisten (also der Leute, aller einen dominanten Staat wollen und das sind fast ausnahmslos Sozialisten diverser Coleur, denn das wird als einzige Alternative zum „Kapitalismus“ gesehen), die uns heute in allen Parteien reGIERen.

    Was Sie enorm ehrt, das ist, daß Sie meine heftige und wahrlich nicht zimperliche Kritik veröffentlich haben.- Davor ziehe ich symbolisch meinen Hut!

    Belassen wir es dabei!

    Gruß

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