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Der Systemfehler in der heutigen Demokratie – Ursache der Herrschaft weniger

24. November 2016

Von Dezember 2013 bis Juni 2014 veröffentlichte der Wissenschaftsjournalist Wolfgang J. Koschnick auf TELEPOLIS eine Serie von 30 Artikeln unter dem übergreifenden Titel „Eine Demokratie haben wir schon lange nicht mehr“, die auch inzwischen als Buch erschienen ist. Darin liefert er eine umfassende Analyse der heutigen Parteiendemokratie, in der er überzeugend nachweist, dass sie weltweit in einer „existenziellen Fundamentalkrise“ steht.

„Die Völker der demokratischen Staaten sehen sich von Oligarchien beherrscht, die ihre eigenen, höchst eigennützigen Interessen verfolgen und sich nicht mehr um die wirtschaftlichen, sozialen, politischen und kulturellen Interessen der Menschen scheren, die sie eigentlich vertreten sollen. Die Wirtschafts- und Sozialpolitik aller entwickelten Demokratien geht in immer stärkerem Maße an den Bedürfnissen der Bevölkerungsmehrheit vorbei und richtet sich zunehmend gegen die eigene Bevölkerung.“ 1

Das verbreitete Klagen über „die Politiker“ und die allgemeine „Politikverdrossenheit“ bleibe an der Oberfläche und verstelle den Blick auf die fundamentale Systemkrise. Von der Meinung der Demoskopin Elisabeth Noelle-Neumann, die öffentliche Geringschätzung der Politik untergrabe die Fundamente der Demokratie, sei gerade das Gegenteil  wahr: „Die Politik hat das Vertrauen der Bevölkerung untergraben und missachtet. Verdrossenheit ist keine Stimmungsschwankung der Bevölkerung. Es ist die Reaktion auf die Missachtung des allgemeinen Wohls durch die gewählten Repräsentanten und ihre Politik.“ 1  Doch vielen fällt es schwer, dies nicht als vorübergehende Erscheinung, sondern als grundlegenden Konstruktionsfehler zu durchschauen, da mit der Demokratie ja unbestreitbar wesentliche Ideale und Menschenrechte errungen wurden.

„Es ist allerdings auch leicht nachzuempfinden, weshalb sich viele dagegen sträuben, die Krisen der Gegenwart als Systemkrisen der Demokratie zu erkennen. Demokratie ist untrennbar verknüpft mit der Achtung und Verteidigung von Menschenwürde, Freiheit, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit, Menschen- und Bürgerrechten. Das macht sie so kostbar. Und niemand kann sich deren Abschaffung wünschen. Doch darum geht es auch gar nicht.“ 1

Die Systemkrise der Demokratie spiele sich auf einem ganz anderen Feld ab: den Mechanismen und Apparaturen der politischen Willensbildung und Entscheidungsfindung. Die Krise der Demokratien sei eine Krise des politischen Willensbildungsapparats. Und diese Krise habe inzwischen eine Eigendynamik entfaltet, in der sich das System gegen die eigene Bevölkerung wende und ihr in stets wachsendem Maße Schaden zufüge. – Dem kann nur uneingeschränkt zugestimmt werden.

Der Entscheidungs-Mechanismus

In der repräsentativen Demokratie werden die maßgebenden Entscheidungen für das politische, wirtschaftliche und kulturelle Leben von den gewählten Volksvertretern im Parlament getroffen und in allgemein geltende Gesetze gegossen. Je mehr Lebensbereiche gesetzlich zentral bestimmt und inhaltlich reglementiert werden, desto mehr Macht konzentriert sich in den Händen des Parlaments, das auch die Regierung mit ihren Ministerien als ausführende Organe wählt. Und desto mehr wird das Parlament zu einem magnetischen Anziehungspunkt für die verschiedensten Gruppen in der Gesellschaft, die auf seine Entscheidungen Einfluss nehmen wollen, um ihren unterschiedlichsten und vielfach entgegengesetzten Teil-Interessen Geltung zu verschaffen und sie möglichst – auf Kosten der anderen – zu den bestimmenden zu machen.

Die größten Interessengruppen sind indessen die politischen Parteien, die sich aber nicht damit begnügen, Einfluss auf die Volksvertreter auszuüben, sondern diese gleich selber stellen. Sie haben darin praktisch ein Monopol errungen und so das entscheidende Machtzentrum dieses demokratischen Systems in Besitz genommen. Die Wähler haben nur die Wahl zwischen den von den Parteien aus ihren Mitgliedern nominierten Direktkandidaten und zwischen den von den Parteien aufgestellten Kandidatenlisten. 40 % der Abgeordneten kommen schon über einen sicheren Listenplatz der Parteien in das Parlament. Sie stehen also schon vor der Wahl fest, werden gar nicht von den Bürgern, sondern praktisch von den Parteien bestimmt, in denen nur 2,4 % des Volkes organisiert sind.

Parteien-Oligarchie

Damit haben sich die Parteien schon vom Volk abgesetzt. Wer Abgeordneter werden will, muss treu gedientes Parteimitglied sein und die Interessen der Partei vertreten, sonst wird er nicht oder nicht mehr aufgestellt. Hinzu kommt: „Wer als Abgeordneter seinen ursprünglichen Beruf aufgibt – und das tun die meisten – ist wirtschaftlich abhängig und darauf angewiesen, bei der nächsten Wahl wiedergewählt zu werden. Um wiedergewählt zu werden, braucht er das Wohlwollen seiner Partei und seiner Fraktionsführung, und das erwirbt er sich durch Wohlverhalten.“ 2

Die Hoheit der Gesetzgebung liegt also de facto nicht beim Abgeordneten, der entgegen dem Grundgesetz in Wirklichkeit nicht unabhängig ist, sondern bei seiner Partei. Gesetzgeber ist daher de facto nicht das Parlament, sondern die Regierungspartei oder die Koalitionsrunde der Regierungsparteien. Es wird das Parlament nur formal als Forum benutzt, als Theater fürs Volk. Die tatsächlichen Entscheidungen werden vorher in den Führungsgremien der Partei gefällt, in der Legislative und Exekutive eins sind, die Gewaltenteilung also aufgehoben ist. Der Verfassungsrechtler und Ex-Bundespräsident Roman Herzog konstatierte präzise:

Wenn sich in der politischen Wirklichkeit eines Staates nicht mehr wie bei Montesquieu Legislative und Exekutive als miteinander echt konkurrierende Gewalten gegenüberstehen, sondern einerseits ein Konglomerat aus Regierung und parlamentarischer Mehrheit und andererseits die Opposition als parlamentarische Minderheit, die zudem durch das Mehrheitsprinzip jederzeit überstimmt werden kann, kann von einer Gewaltenteilung vernünftigerweise nicht mehr die Rede sein.“ 3

W.J. Koschnick zitiert auch den Politikwissenschaftler Wilhelm Hennis, der schon 1983 feststellte, dass sich die politischen Parteien „von der autonomen Willensbildung des Volkes in einer Weise abgekoppelt (haben), dass ihre demokratische Funktion, wenn nicht gefährdet, so in der verschiedensten Weise problematisiert erscheint.“ Und Koschnik schließt an:

„Er hat damals nur noch viel zu nebulös ausgedrückt, was längst klar war: Die Parteien haben ein oligarchisches Feudalsystem errichtet. Der Parteienstaat hat die freiheitliche demokratische Grundordnung außer Kraft gesetzt. Er ist in Wahrheit eine Form der milden Funktionärsdiktatur und hat keinerlei Lösungskompetenz für die existenziellen Fragen des Gemeinwohls, weil er Eigensucht, Opportunismus und Korruption zu Prinzipien politischer Herrschaft erhoben hat. … Durch Ämterhäufung und Bildung von Seilschaften hat ein kleiner Einflusszirkel seine Macht etabliert. ´Als neue Obrigkeit wickelt der innere Kreis dieses politischen Hochadels alle Staatsgeschäfte unter seinesgleichen ab. Von den Gefolgschaften wird bedingungslose Treue verlangt, wofür diese dann allerlei Brosamen erhalten´“. 4

„Zwischenparteilich entsteht so ´eine Gruppe von Eingeweihten, die nur noch Scheingefechte gegeneinander liefern, um das Herz des Wählers zu erfreuen. In Wahrheit sind sie sehr einig, und nur manchmal fechten sie stille, aber erbitterte Kämpfe aus um den Anteil an der großen Futterkrippe, die Macht heißt´“. 4

Diese Futtergrippe muss durch Geheiß der regierenden Parteien auch noch von den Steuern-zahlenden Untertanen finanziell gefüllt werden. Die Parteien sind heute so gut wie vollständig vom Staat finanziert und nähren sich prächtig von den Tributzahlungen der Steuerzahler. Auf die Zahlungen der Mitglieder, die ihre Existenz wollen, sind sie schon längst nicht mehr angewiesen. „Der Staat ist zu ihrem Selbstbedienungsladen geworden, und je mehr sie sich bedienen, desto stärker koppeln sie sich von der Bevölkerung ab. Sie können auch überleben, ohne von der Bevölkerung sonderlich respektiert zu werden. Die Parteiendemokratie ist zum Parteienstaat heruntergekommen, in dem das Volk keine große Rolle mehr spielt.“ 5

Anspruch auf fachliche Regelungen ohne Fachkenntnisse

Das Parlament entscheidet per Gesetz über viele inhaltliche Regelungen des Wirtschafts- und des Kulturlebens, zu denen detaillierte Fachkenntnisse erforderlich sind. Doch die Mitglieder dieses Gremiums, das im Rahmen seines Haushaltsrechts über mehrere hundert Milliarden Euro zu entscheiden hat, brauchen dafür keinerlei spezielle Vorbildung. Sie kommen aus irgendeinem Beruf, zumeist aus dem öffentlichen Dienst oder direkt aus dem Kreißsaal über den Hörsaal in den Plenarsaal „und verstehen von nichts etwas – außer davon, wie man im Ortsverein seine Mehrheit organisiert. Zudem mangelt es ihnen an genau jenen Fähigkeiten, die nach Max Weber den guten Politiker auszeichnen: Augenmaß und Urteilskraft, dem „Pathos der Distanz“ (Wilhelm Hennis).6

„Dementsprechend sieht es auch bei den Ministern mit der fachlichen Qualifikation eher düster aus. Hochqualifizierte kommen bei ihnen so selten wie bei den Abgeordneten vor. ´Also sitzen um den Kabinettstisch viele Leute, die außerhalb der Politik eher Mühe hätten, in Spitzenpositionen zu kommen. ´Berufspolitiker sind Dilettanten der Politik. Das ist leider kein Wortspiel.“ 6  So fragte 1992 einmal die SPD-Abgeordnete Matthäus-Maier im Bundestag kritisch, aber nicht an alle, sondern an die FDP gerichtet: „Erst hatten wir einen Bangemann, dann hatten wir den Haussmann, jetzt haben wir den Möllemann; wann kriegen wir als Wirtschaftsminister denn endlich einmal einen Fachmann?“ Richard von Weizsäcker fällte über die Fähigkeiten von Abgeordneten noch ein vernichtenderes Urteil: „Bei uns ist ein Berufspolitiker im Allgemeinen weder ein Fachmann noch ein Dilettant, sondern ein Generalist mit dem Spezialwissen, wie man politische Gegner bekämpft.“ 6

Der zentrale Systemfehler

Aber in der Unfähigkeit der Abgeordneten liegt nicht der eigentliche Systemfehler. Denn selbst wenn sich das Parlament aus lauter exzellenten Fachleuten für die verschiedensten Lebensgebiete zusammensetzen würde, die die denkbar besten Vorschriften erließen, bliebe das zentrale Problem der Macht bestehen, das von Koschnick immer wieder allgemein benannt, aber nicht konkret erfasst wird. Am nahesten kommt er ihm in der Formulierung: „Das war und ist der Grundgedanke aller Demokratie: Dass die Menschen nicht länger Untertanen sind, sondern ihr Geschick in die eigenen Hände nehmen können, dass nicht andere ihr Leben bestimmen, sondern sie selbst, und dass es ihnen besser ergeht als zuvor.“ 7

In die eigenen Hände nehmen die Menschen ihr Geschick aber nicht dadurch, dass sie die besten Leute wählen können, die im Interesse des Gemeinwohls alle Lebensbereiche inhaltlich regeln. Dies wird vielfach als wahre demokratische Selbstbestimmung bezeichnet. So prägte der  Soziologe Jürgen Habermas den Satz: „Demokratische Selbstbestimmung bedeutet, dass die Adressaten zwingender Gesetze zugleich deren Autoren sind. In einer Demokratie sind Bürger einzig den Gesetzen unterworfen, die sie sich nach einem demokratischen Verfahren gegeben haben.“ 9

Die Bürger als die Adressaten der Gesetze sollen zugleich deren Autoren sein, weil sie sich die Gesetze nach einem demokratischen Verfahren, also den Wahlen, selbst gegeben hätten. Und weil die Abgeordneten die demokratisch gewählten Vertreter der Bürger seien, seien Autoren und Adressaten der Gesetze identisch. Was für eine fiktive Abstraktion! Selbstbestimmung bezieht sich dem Begriffe nach stets auf das Selbst des einzelnen Menschen. Sie bedeutet die Unabhängigkeit von jeder Art von Fremdbestimmung und die Bestimmung des Handelns nur aus dem eigenen Selbst, aus der eigenen Erkenntnis und Kompetenz. Dieser Begriff der Selbstbestimmung der menschlichen Individualität wird einfach unbesehen auf die Gesamtheit der Bürger übertragen. Eine Gemeinschaft wie das Volk hat jedoch kein Selbst, das sich bestimmen könnte. Wenn eine gewählte Gruppe für alle geltende Gesetze beschließt, bestimmt diese, wie die anderen leben sollen, und das Recht des einzelnen Menschen, sein Leben selbst zu bestimmen, wird dadurch gerade ausgeschaltet.

Auch die besten selbst gewählten Wirtschafts- und Bildungsfachleute, die diese Gebiete inhaltlich durch die verschiedensten Gesetze und Vorschriften bestimmen, heben die Selbstbestimmung der dort (zumeist fachkundig) tätigen Menschen auf. Dies hob schon Wilhelm von Humboldt in einer wenig beachteten genialen Jugendschrift hervor:

„Ein Staat, in welchem die Bürger … genötigt oder bewogen würden, auch den besten Ge­setzen zu folgen, könnte ein ruhiger, friedliebender, wohlhabender Staat sein; allein er würde mir immer ein Haufen ernährter Sklaven, nicht eine Vereinigung freier, nur, wo sie die Grenze des Rechts übertreten, gebundener Menschen scheinen.“ 8

Wer genau liest, bemerkt, dass Humboldt nur das Recht zu den Aufgaben des Staates zählt. Der zentrale Systemfehler der bisherigen Demokratieform liegt darin, dass sich das Parlament der Volksvertreter über seine eigentliche Aufgabe hinaus Gesetzgebungskompetenzen anmaßt, durch die die Selbstbestimmung des Einzelnen aufgehoben und er erneut zum Untertanen degradiert wird.

Angemaßte Gesetzgebungskompetenz

Humboldt unterscheidet treffend zwischen der „Sorgfalt für das positive Wohl der Bürger“, d. h. der Sorge um die bestmögliche Entwicklung ihres physischen und moralisch-geistigen Lebens auf der einen Seite und andererseits der „Sorgfalt gegen das negative Wohl der Bürger“, d. h. der Sorge vor der Gefährdung der äußeren und inneren Sicherheit, die Gegenstand des Rechts ist. Nur dieses ist Aufgabe des Staates, der seiner Natur nach eben eine Rechtsgemeinschaft ist. Wenn der Staat „für das Glück und das Wohl, das physische und das mo­ralische (geistige), der Nation sorge“, ist dies „der ärgste und drückendste Despotis­mus.“ Denn dann greift er in die Selbstbestimmung und Freiheit des Menschen ein und schaltet sie aus.

Für das physische Wohl wird im Wirtschaftsleben, für das geistig-moralische Wohl im geistig-kulturellen Leben gesorgt, das im Bildungsleben veranlagt wird. Beide Bereiche liegen daher außerhalb der Zuständigkeit des Staates. In ihnen hat allein die sich in Freiheit und Selbstbestimmung entfaltende Persönlichkeit des Menschen, die als Grundrecht auch in Art. 2 des Grundgesetzes garantiert ist, aus eigener Erkenntnis und eigenem Willen heraus zu wirken. Gesetze des Staates, die das Handeln der Menschen inhaltlich diktieren, und wären es die bestmöglichen, bedeuten hier nichts anderes als eben Diktatur.

Und damit haben wir es in der Demokratie noch immer zu tun. Dies ist der Punkt, wo sich die Interessengruppen wie die Fliegen um das Aas versammeln, die größten, die politischen Parteien, den Gesetzgebungsmechanismus okkupieren und die Demokratie zur Parteien-Oligarchie deformieren. Die Wurzeln der heute unrechtmäßigen Macht des Staates liegen darin, dass historisch überlebte gesellschaftliche Strukturen des früheren theokratischen totalen Versorgungsstaates unzeitgemäß aufrechterhalten werden.10 Die staatliche Macht ist usurpiert, sie ist in der Demokratie die widerrechtliche Aneignung eines Gewaltinstrumentes durch wenige, um über die Anderen zu herrschen.

Begriff des Rechts

Das Problem ist, dass nicht streng zwischen Gesetzen, die den Schutz und die Würde der physischen und seelisch-geistigen Integrität des einzelnen Menschen betreffen, und solchen unterschieden wird, die aktiv das physische und geistig-sittliche Wohl der Menschen in Wirtschaft und Kultur von außen fördern und entwickeln wollen. Nur die ersteren bilden das eigentliche Recht, das Aufgabe des Staates ist. Für sein leibliches und moralisch-geistiges Wohl zu sorgen, ist Sache der Bürger selbst. Wenn Handlungen aber verletzend oder zerstörend in Gesundheit, Leben, Eigentum, Freiheit des Willens usw. eines anderen eingreifen, muss die staatliche Gemeinschaft sie unter Strafe stellen bzw. im Zivilrecht durch positive Regeln gerechten Verhaltens rechtlich ungültig machen.

Das Recht gehört zur Moral. Es verhindert oder sanktioniert den Teil des unmoralischen Handelns, der in gravierendem Maße sozial zerstörend wirkt. Indem aber auch Handlungen in Gesetze gekleidet werden, die wirtschaftlich und kulturell das Leben der Menschen vorbestimmen,  werden diese nicht zum Recht, sondern im Kostüm des Rechts zum staatlichen Unrecht, das die selbstbestimmte, freie Entfaltung der Persönlichkeit ausschließt. Recht und Gesetz sind heute nicht identisch. Viele Gesetze enthalten Bestimmungen, die zwar als „geltendes Recht“ bezeichnet werden, aber kein wirkliches Recht sind. Das gilt es zu unterscheiden. Dies ist bereits in vorherigen Artikeln genauer betrachtet worden.11

Strukturelle Konsequenzen

Das hat zur Konsequenz, dass der staatliche Machtapparat aufgelöst werden muss, indem eine Verfassungsänderung die Gesetzgebungs-Kompetenz der staatlichen Legislative auf das oben skizierte reine Rechtsgebiet beschränkt. Die Aufgaben der ausführenden Verwaltung reduzieren sich dadurch entsprechend. Das Wirtschafts- sowie das Geistesleben mit seinem Zentrum, dem Schul- und Hochschulwesen, müssen eine je eigene Selbstverwaltung erhalten, in denen es keine vertikalen Direktiven, sondern nur horizontal koordinierende Vereinbarungen und Verträge freier Menschen und entsprechender sachkundiger Gremien gibt. Der Staat hat da überhaupt nicht mehr hineinzuwirken. Er setzt lediglich das verbindliche Recht, in dem sich die jeweiligen freien Handlungen und Beziehungen der Menschen bewegen müssen, um die physische und seelisch-geistige Integrität jedes Menschen, d. h. seine freiheitlichen Grundrechte zu wahren.

Wolfgang Koschnick zitiert in seinem letzten Artikel den portugiesischen Nobelpreisträger für Literatur José Samarago mit dessen Parabel „Die Stadt der Sehenden“, die er als die utopische Vision einer echten demokratischen Wirklichkeit bezeichnet.

Und so lautet wohl Samaragos Utopie: Der Mensch kann sich mehrheitlich und direkt für das Gute entscheiden, ohne den Umweg über die Politik und ihre Repräsentanten. Wahre Freiheit braucht keinen Staatsapparat – und sei er noch so demokratisch -, sondern die moralische Integrität der Bürger, und Toleranz ist die Mutter der Ordnung, nicht die Staatsgewalt. – Es ist wahrscheinlich eine viel zu naive, allzu weltfremde Utopie. Ein schöner Traum. Aber man wird ja wohl noch träumen dürfen…“ 13

Es kommt aber darauf an, diese Vision gesellschaftlich und verfassungsrechtlich zu konkretisieren. Wahre Freiheit „braucht keinen Staatsapparat“, aber freiheitliche Ordnungsstrukturen in Wirtschaft und Kultur, wie sie oben angedeutet sind, die neben dem Staatsapparat bestehen und von dessen Recht eingerahmt werden.13  Das muss kein Traum bleiben.

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1   Telepolis 19.12.2013
2   Telepolis 26.12.2013
3   Roman Herzog in: Maunz-Dürig-Herzog: Kommentar zum Grundgesetz,
Anm. zu Art.20 GG, Kap. V, Rdn.29.
4   Telepolis 1.1.2014
5   Telepolis 13.1.2014
6   Telepolis 6.1.2014
7  
Telepolis 16.6.2014
8   Wilhelm von Humboldt: Ideen zu einem Versuch, die Grenzen
der Wirksamkeit des Staates zu bestimmen,  Stuttgart 1962, S. 93
9   Jürgen Habermas: Zur Verfassung Europas, Berlin 2011, S. 49; s. Genaueres dazu:  Die Phrase demokratische Selbstbestimmung
10   Vgl. Der Staat als Instrument
11   Macht macht untertan
Staatsanleihen – oder warum leiht der Staat
12   Telepolis 23.6.2014
13   Siehe dazu genauer: Der Mensch als Maß der Gesellschaft

 

30 Kommentare
  1. Schon mal über Anarchie nachgedacht?

    • hubi stendahl permalink

      @rote Pille

      Zitat:
      „Schon mal über Anarchie nachgedacht?“

      Stellt sich zunächst die Frage, ob im heutigen Sinne oder im ursprünglichen. Anarchie in den vielen Auslegungen, ist nichts weiter als eine Luftblase in hoch entwickelten Staaten.

      Es geht hier um Entwicklung.

      Im derzeitigen geistigen Mittelalter wäre die Menschheit noch gar nicht bereit, ein vollständig freies Leben zu führen.Die Massen sind derzeit zu gekleistert mit falscher Moralvorstellung, die sie nicht einmal mehr von Ethik unterscheiden können, haben sich von den Vorgängen in der Natur abgewandt und suchen seit Beginn des Industriezeitalters als Masse den charismatischen Führer, der ihnen den Weg weist. Soll die Entwicklung der Zerstörung der Pseudo – Demokratien eine positive Menschheitserfahrung werden, die zu einer Höherkultivierung führen soll, dann beginnt dies immer im eigenen Geist. Davon sind wir aber derzeit dank der Manipulationen Lichtjahre entfernt.

      Die nächste evolutorische Entwicklungsstufe wäre eine Marktwirtschaft, statt Kapitalismus, was automatisch zu einer Dezentralisierung der Macht der Konzerne und deren Steigbügelhalter in den Parteien führen würde. Insofern beschreibt der Artikel die Wirkungen nicht aber die Ursache, da man erst einmal zur Macht kommen muss.

      Dies geht über Gewalt oder – und über die Herrschaft des Geldes. Dort liegt der sorgfältig versteckte Schlüssel, der Politiker mit abgebrochenem Studium der Theaterwissenschaften zu Entscheidern über Familienpolitik macht; von Gnaden des Geldadels.

      • @hubi standahl
        Zitat:
        „Die nächste evolutorische Entwicklungsstufe wäre eine Marktwirtschaft, statt Kapitalismus, was automatisch zu einer Dezentralisierung der Macht der Konzerne und deren Steigbügelhalter in den Parteien führen würde. Insofern beschreibt der Artikel die Wirkungen nicht aber die Ursache, da man erst einmal zur Macht kommen muss.“

        Um den Kapitalismus zu entmachten, ist es auch notwendig, die Macht über das omnipotente Parlament zu erringen, um entsprechende Gesetze beschließen zu können. Diese Gesetze bezögen sich aber auf einen Teilbereich der Gesellschaft: das Wirtschaftsleben. Damit müsste zugleich eine verfassungsrechtliche Entflechtung des Einheitsstaates in die drei von einander unabhängigen Lebensbereiche der Kultur, der Wirtschaft und des rechtlich-politischen Lebens einhergehen, von denen allein der letztere Sache des Staates und seines Parlamentes wäre.

        Dass dies gelingt, ist gegenwärtig wenig wahrscheinlich. Solche Ideen müssten sich erst in einem Geistes- und Bildungswesen, das sich durch freie Schulen und Hochschulen vom Staat emanzipiert, durchsetzen. Nur dadurch könnte sich auch erst eine Höherkultivierung, die „immer im eigenen Geiste beginnt“, entwickeln.

      • Conrath permalink

        @Hubi

        „Die nächste evolutorische Entwicklungsstufe wäre eine Marktwirtschaft, statt Kapitalismus, was automatisch zu einer Dezentralisierung der Macht der Konzerne und deren Steigbügelhalter in den Parteien führen würde. Insofern beschreibt der Artikel die Wirkungen nicht aber die Ursache, da man erst einmal zur Macht kommen muss.“ Zitatende H.

        Unbedingt, und Zustimmung zu dem Rest. Es sind schwerwiegende Gründe in Ihrer Erörterung. Die Bewusstseinsentwicklung ALLER hat ihre eigene Gesetzmäßigkeiten, braucht vor allem viel Zeit, mehr als in ein Leben hineinpasst. Und bestimmte gesellschaftliche Ziel, etwa eine reformierte, kritische ordoliberale Konzeption, Freiburg-2.0 oder 3.0 je nach Sichtweise, ist eine Forderung, die als Zukunft bereits in der Vergangenheit und unter Sonderbedingungen, kurz aufgeleuchtet hat, mehrfach, zu Walter Euckens Zeit und dann nochmals im ‚Rheinischen Kapitalismus‘, der immerhin eine Tendenz zu einer später einmal lebbaren ““Anarchie/ Heterarchie““ enthält und zwar im Bereich der Produktion, dem Quadranten des, grobgesagt freien Wirtschaftens, oder der freiheitsbedingten Produktivitätskompilation – es ist eine Sphäre der Wechselseitigkeit, aber! und das hat eben der ordoliberale Ansatz bereits entwickelt (er kann/ muss nur weiter entfaltet werden), er braucht die stabilisierenden Rahmenbedingung der restlichen drei Gesellschaftsfunktionssphären, alles in der Nomenklatur an Parsons AGIL-Schema angelegt und nur minimalistisch erweitert (wie in der Wissenschaft üblich).

        Anarchie darf/ kann es im Bereich der Wirtschaftssphäre erst dann geben, wenn die Beteiligten, wie Sie ja ausführen, die entsprechende intrinsische Orientierung auch realisieren können. So ist es eine typische Verfrühung, mit all ihren Auswirkungen. –

        Bei den Eliten ist es die Differenz zwischen Erkenntnis und Einsicht. Erst letzteres ist die moralische Realisierung der bereits vorliegenden Orientierung aus Erkenntnis, die viele der Beteiligten haben, aber noch nicht persönlich verantworten. Das ist dann aber kein Ruf an Charaktermasken, wie er von M & E einmal, als Kommunistisches Manifest, ausging. Dessen Inhalt ist zwar nicht völlig falsch, enthält nur nicht die Bedingung der Ausreifung von Persönlichkeit auch unter Bedingungen der äußeren Entfremdung. Der inneren Überwindung an Selbstentfremdung folgt die Verbesserung der Gesamtbedingung der Allgemeinheit, ihrer allgemeinen ‚Nichtentfremdung‘.

        Das Wirtschaftsfeld, von der Arbeitsgemeinschaft des Verfassers, bereits Ende der 90-iger, ‚Wirtschafts-[Funktions-]Quadrant genannt und argumentativ auch akademisch, verteidigt als viergliedriges, basales METECHON-Teilhabe-Eigentumsrecht, kann in aller Kürze so charakterisiert werden:

        A) Oben-links (aktiv-organisch) Adaptation oder ‘gelungen angepasstes Handeln‘ [Produktionssphäre/ -quadrant]

        Zum Kontext von A > AGIL siehe meinen Einzelbeitrag hier:
        http://www.geolitico.de/2016/12/01/gefangene-der-funktionaersdiktatur/#comment-2275 und
        https://de.wikipedia.org/wiki/AGIL-Schema erste Abbildung oben.

        Wen dieses Thema interessieren sollte, kann sich über den Blogbetreiber gerne mit mir per Email in Verbindung setzen und weitere Ausarbeitungen dazu bekommen.

        Ansonsten sieht es so aus, als ob sich viele der Vorgänge aus dem 20. Jahrhundert gerade teilwiederholen.

        Gemütlich geht anders, aber den Kopf in den Sand zu vergraben, in/ bei der derzeitigen Zuspitzung der Weltlage (dieser Menschheit) ist nicht sonderlich originell, das hat schon früher nicht gereicht und wird es wohl diesmal auch nicht.

        Allerdings sehe ich bei diesen Aspekt-Wiederholungen, geschichtlichen Umfangs, auch deutlich die starken Variationen, die diesen Teilwiederholungen wiederfahren.

        Für ein nihilistisches ewiggleiches Kreisen, a la Nietzsche und Heidegger, sehe ich keinerlei Gründe. Erst dies könnte ja die/ eine, heute unter Nachdenklichen weitverbreitete, Schopenhauersche Schwermut und Verbitterung, auch hinreichend begründen.

      • „Für ein nihilistisches ewiggleiches Kreisen, a la Nietzsche und Heidegger, sehe ich keinerlei Gründe. “

        Ich sehe nur Gründe für dieses.
        Ich sehe KEINERLEI Gründe, die dagegen sprechen. Das sieht man ja auch wenn man mit Leuten wie Ihnen diskutiert.
        Marktwirtschaft statt Kapitalismus, ist so eine Aussage. Es kann in diesem Geldsystem keine freie Marktwirtschaft geben. Denn dadurch wird sich IMMER Macht bei denjenigen ansammeln und auch immer noch mehr werden, Macht, die selbstverständlich auch benutzt wird, denn was soll ein Superreicher mit so viel Geld, das kann er gar nicht ausgeben, ergo nutzt er es, um gesamtgesellschaftlich Einfluss zu nehmen.
        Ganz abgesehen von der Tatsache, dass so viel Geld in den Händen von Wenigen eh unmoralisch ist, wenn man dazu noch in Bezug setzt, dass die Ärmsten der Armen auch nie eine Chance haben, an diesem ihrem SChicksal etwas zu verändern.

        Sie schreiben, Bewusstseinsentwicklung brauche mehr Zeit, als in ein Menschenleben passt, das ist richtig, und was geschieht mit dem Geld währenddessen? Viel Geld korrumpiert IMMER und Menschen mit viel Geld haben i.d.Regel KEIN entwickeltes Bewusstsein, einfach weil sie es nicht benötigen. Sie können sich ja alles kaufen, das reicht.
        (Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel.)

        Um Anarchie leben zu können, braucht es ein ganz hohes Bewusstsein, nämlich die simple Aussage, tu dem anderen nicht an, was du selbst nicht erleiden wilst, muss VOLLSTÄNDIG umgesetzt werden. Mit „vollständig“ meine ich vollumfänglich. Wenn das jeder umsetzen würde in Deutschland, dürfte keiner mehr arbeiten gehen und Steuern zahlen (dies nur als Beispiel für die Umsetzung moralischer Prinzipien).

        Und jetzt kommen Sie mir nicht mit der „Mehrheitsmeinung in der sogenannten Demokratie“, da hätte ich doch gerne ein paar bessere Argumente.

      • Conrath permalink

        @TeutoburgerWaldnerin

        Sie beginnen mit meinem Resümee, das ist schade, da ja vorher doch Argumente aufgeführt wurden.

        Und wenn Sie meine Darlegungen berücksichtigen würden, dann wäre es mit der Macht und dem Geldverdienen und Ansammeln nicht ganz so, wie Sie es darstellen, jedenfalls gibt es keinen Automatismus zum Machtmissbrauch, aus Wirtschaftserfolg.

        Nehmen wir an, Sie erfinden das beste Teutoburger-Waldeis oder bauen eine Hermann-Universität auf (für moderne Druiden- und Keltenkultur > Erfahrungswissenschaftstransformation, soetwas gibt es auch schon andernorts) oder lassen beste Vandalen-Sandalen produzieren. Solange Sie mächtig werden in der Produktionssphäre (A-Quadrant in dem 4.er-AGIL-Schema) und würden vielen Menschen Arbeit, Dienstleistung und Produkte verschaffen und reinvestieren, vielleicht mehr als die heute üblichen 5 % die Hubi oder die Querschüssler zitieren, dann ist die Macht gutes Eis oder Kleidung zu produzieren, gut und gesellschaftlich-kulturell gewollt und so noch keine Korruption, wenn Umweltstandards, Tarifverträge,… eingehalten werden. –

        Ab dem Moment wo Sie mit dem Geld völlig frei (Geldanarchie) spekulieren, sich eine Truthergruppe oder NWO-NGO kaufen können oder mehrere, entsteht das Problem, was Sie eingangs als ein ‚automatisches‘ gesehen hatten, meine Ausführungen garnicht konkret lesend und erfassend. Es gibt diese Probleme, aber nicht automatisch, wie Sie unterstellen. –

        Nun das macht nichts, es kann ja noch erfolgen, wir alles sind zu Korrektur fähig. Wenn Sie mehr erfahren wollen zu einer Idee der sinnvollen Gesellschaftsentwicklung schreiben Sie mir. habe übrigens auch im Teutoburgerwald einige schöne Sachen gebaut, na ja geplant, aber auch realisiert, zum Bauen braucht es eben doch immer viele.

        Sie grüßend

      • “ jedenfalls gibt es keinen Automatismus zum Machtmissbrauch, aus Wirtschaftserfolg.“

        Den gibt es nicht, aber Erfolg macht bekanntlich gierig und was Gier ist, wissen Sie wohl, ansonsten empfehle ich Ihnen Schmicklers „Die Gier“. Die Gier sorgt dafür dass der Mensch total verroht und den anderen notfalls totschlägt.

        Wer viel Geld hat, will noch mehr Geld und in der Regel kriegt er das auch, ohne dafür arbeiten zu müssen, darum geht es mir.
        Er kriegt das auf Kosten der Armen.
        Darum geht es mir.

        Alles andere ist mir jetzt irrelevant.

  2. Michaela Wolff permalink

    @ rote pille: „Schon mal über Anarchie nachgedacht?“ Ja, ja, schon mein Leben lang tue ich kaum was anderes, als über Anarchie nachzudenken und selber möglichst gemäss dem Motto zu leben: Frei sein und freilassen. Geben und nehmen. Leben und lebenlassen.
    Sich selbst regieren.
    Man muss Anarchie bzw. Geistesfreiheit allerdings als IDEAL betrachten, um irgendwie damit durchzukommen, anstatt in der „Matrix“ gefangen zu sein und wie ein Goldhamster im Hamsterrad sich abzustrampeln.
    IDEAL ist doch, dass wir weder Polizei noch Militär überhaupt notwendig hätten, zu finanzieren, nur setzte das voraus, dass wir allesamt uns soweit moralisch selbst erzogen haben, dass kein einziger Mörder,Räuber, Vergewaltiger und Betrüger, Dieb usw. mehr unter uns wäre.
    Dann erst – wenn dieses nicht jemals real erreichbare IDEAL Wirklichkeit ist – wären sowohl Gesetze als auch bezahlte Uniformierte überflüssig. Sie sind es LEIDER noch nicht, und deswegen halte ich all dasjenige für eine Notwendigkeit, was Herr Ludwig als Notwendigkeit beschreibt, das Geistesleben vom Einfluss der Politik zu befreien.
    Wie siehst Du das denn selber ? Oder wie sieht auch jemand anders das selbst ?

    • AJD permalink

      @Michaela Wolff, ich glaube, dass es nicht funktioniert. Alleine schon wegen unserer Natur, die aus der Tierwelt stammt. In der Natur hat jede Gruppe von Tieren einen Anführer, ein Alphatier. Die Betatiere sind dem Alphatier untergeordnet. Wer sich nicht unterordnet wird aus der Gruppe ausgestoßen oder getötet. Nennen wir die ausgestoßenen Einzelgänger Gammatiere.
      Die meisten Menschen sind Betatiere, dies nicht nur durch Erziehung, sondern auch wegen Körperbau, Aussehen, weniger aggressiveren Auftretens, Sprachfähigkeit, gesundheitliche und energetischen Merkmalen. Heute hat sich das meines Erachtens erweitert auf Status, Geld und Medienpräsenz und andere Merkmale wie den Körperbau ersetzt.

      Dass soll natürlich nicht heißen, dass ein Betatier nie ein Alphatier werden kann, wenn in einer Gruppe ein Alphatier ausfällt, kann ein Betatier zu einem Alphatier „aufsteigen“.
      Ich beobachte die Alphatiere immer, wenn ich eine Gruppe Menschen sehe, man erkennt sie recht schnell, wenn man das Spiel durchschaut hat. Sie sprechen meist am lautesten und längsten.
      Ich betrachte mich übrigens als Gammatier.

      In der Anarchie müsste jeder ein Gammatier sein. Dazu müssten die Alphatiere ihre Macht aufgeben und die Betatiere Zehntausende Jahre Evolution überwinden, um den Instinkt über den Haufen zu werfen, den Alphatieren nachzulaufen.
      Würde heute die Anarchie eingesetzt, gäbe es wohl inner kurzer Zeit wieder neue Gruppen mit neuen Anführer und in einigen hundert Jahren würden daraus Staaten oder Königreiche entstehen.

      Ich denke, eine Politik wie bei uns in der Schweiz taugt von allen mir bekannten Systemen am meisten. Das heutige System ist natürlich auch nicht perfekt. Ich möchte, dass die Schweizer über alle Themen abstimmen sollten, und nicht nur über einige wenige. Alle Stimmbürger müssten über Umfragen die politische Ausrichtung vorgeben. Dann wäre die Politiker nur dazu da, diese Entscheide umzusetzen und fertig. Die Macht der Alphatiere wären so etwas eingedämmt. Die Stimmbürger müssten dann natürlich etwas mehr wissen und ev. in Abendschulen ihr politisches Wissen vergrößern.

      Der Unterschied der Schweiz zu anderen Ländern ist, dass sie eine Eid-„genossenschaftliche“ Republik ist. Meine Idee von einem Prinzip der „erweiterten Genossenschaft“ wäre m.E. die Lösung, um den Raubtierkapitalismus zu überwinden. Das heißt, es gibt kein Aktienrecht mehr, sondern nur noch ein Genossenschaftsrecht. Eine Firma wird durch Wahlen von den Mitarbeitern gelenkt und alle Mitarbeiter, alle Länder wo der Gewinn entsteht, alle Bürger und ev. auch Kunden partizipieren von dem Erfolg einer Firma.

      • Michaela Wolff permalink

        @ AJD: „…ich glaube, dass es nicht funktioniert.“ Liegt das nicht an uns allen selbst, ob das funktioniert ? Wir haben den Bock zum Gärtner gemacht, indem wir Erziehung und Bildung zur Staatssache erklärten. Ergebnis dieses Fehlers ist u.a. eine Entspiritualisierung unseres Denkens, welche folgende mir widerliche Blüten treibt: Moritz Heuberger von der „grünen Jugend“ erklärte ausgerechnet auf einer Veranstaltung der Evangelischen Kirche:
        „Ich stelle mir die Frage,ob es (…) noch sinnvoll ist,dass christliche Feiertage einen Grossteil der Feiertage in Deutschland ausmachen.“
        Und auf der Webseite der Parteigliederung: “ An Weihnachten vereinigen sich Kapitalismus und christliche Ideologie , und was dabei herauskommt, ist noch schlimmer als die Grundzutaten.“

        Dagegen nichts vorzubringen, erweckte den Eindruck, man sei mit diesem gepanten Kulturtod einverstanden. Diese „Intellektuellen“ wähnen, superschlau zu sein, wenn sie als verbeamtete Lehrer daherkommen, um uns die Spiritualisierung des Denkens auszutreiben.
        Vom Gesichtspunkt eines esoterischen Christentumes aus betrachtet sind solche Leute geistige Blindfische. Blind für alles Geistige, Spirituelle.
        Wir haben Blinde zu Lehrern gemacht, und wenn wir von Farben sprechen, erklären die uns für verrückt. Es ist an der Zeit, Bildung selber zu organisieren.

        Du redest von der „Macht der Alphatiere“. Als sei der Mensch ein Vieh.
        Als die Juden den Christus steinigen wollten, sprach Er zu denen: Steht nicht geschrieben: Ihr seid Götter. ?
        Was sind denn Tiere im Vergleich zu Göttern ?
        Die Schweine von heute sind die Schinken von morgen. Die Reste für die Fische.

      • Die ausgestoßenen Einzelgänger einer Gruppe nennt man Omega.
        Der Mensch sollte schon die „Natur, die aus der Tierwelt kommt“, mit der Zeit, im Rahmen der persönlichen Entwicklung, überwinden lernen. Dazu zählt und zählte für mich als erstes, niemandem, keinem Führer, keinem Heilsbringer, und keiner Ideologie hinterher zu laufen – was ein langwieriger Prozess war. Aber auch die Erkenntnis dass die Masse Mensch eben nie zu einer Erkenntnis kommen wird, weil die Masse das verhindert durch ihre ihr innenwohnenden Gesetzmäßigkeiten, ist wichtig gewesen.

        Das mit dem Macht-Aufgeben wird schwierig, ich fürchte, das wird nicht klappen. Freiwillig macht das keiner, weil es für die Betreffenden einfach zu angenehm ist, Macht zu haben.

        Der Artikel ist richtig und gut und wichtig, wenn auch etwas langatmig.

  3. Ranma permalink

    Zum Artikel: Sehr intellektueller Stil, langatmig, kommt nie zum Punkt, eigentlich nur eine Aneinanderreihung von Binsen. Aus dem Grund konnte ich mir bereits die Artikelserie bei Telepolis nicht antun. Manchmal habe ich selbst schon Texte dieser Art produziert, aber die betrachte ich im Nachhinein als mißlungene Versuche und mache nicht auch noch ein Buch draus!

    Übrigens kommt der springende Punkt im Artikel sogar vor, wird aber nicht als solcher erkannt, sondern sogleich übergangen: ‚Die staatliche Macht ist usurpiert, sie ist in der Demokratie die widerrechtliche Aneignung eines Gewaltinstrumentes durch wenige, um über die Anderen zu herrschen.‘ Das ist allerdings keine Usurpation, sondern das ist Staat!!! Wo nicht wenige gewaltsam über andere herrschen, da verschwindet jeglicher Staat sofort und komplett!

    Wenigstens lohnt es sich, die Kommentare zu lesen.

    @rote Pille:

    „Schon mal über Anarchie nachgedacht?“

    Eine voll entwickelte Demokratie wäre von einer Anarchie nicht mehr zu unterscheiden.

    @hubi stendahl:

    „Soll die Entwicklung der Zerstörung der Pseudo – Demokratien eine positive Menschheitserfahrung werden, die zu einer Höherkultivierung führen soll, dann beginnt dies immer im eigenen Geist. Davon sind wir aber derzeit dank der Manipulationen Lichtjahre entfernt.“

    Dem muß ich leider im vollen Umfang zustimmen. Zarathustra aus dem Gelben Form nennt diesen Beginn im eigenen Geist den ‚Kampf gegen den inneren Staat‘. Dazu zitiert er gerne Nietzsche. Das führt uns deutlich vor Augen, daß eine gewisse Bildung notwendig ist, um überhaupt zu verstehen, worum es geht und mit dem Kampf gegen den inneren Staat zu beginnen. Nachdem der Staat bereits die Macht über das Bildungssystem ergriffen hat, wird er sie genau deswegen nicht mehr aufgeben, damit die Untertanen nie auf die Idee kommen werden, daß es ihnen ohne eine über sie herrschende Obrigkeit besser gehe.

    @hwludwig:

    „Dass dies gelingt, ist gegenwärtig wenig wahrscheinlich. Solche Ideen müssten sich erst in einem Geistes- und Bildungswesen, das sich durch freie Schulen und Hochschulen vom Staat emanzipiert, durchsetzen.“

    Du erkennst also das Problem und du schreibst die Artikel und doch übergehst du darin diesen wichtigen Punkt? Woran es eigentlich fehlt, ist eine Strategie, wie diese Emanzipation des Bildungssystems vom Staat erfolgen könnte! Das wird der sich nämlich nicht einfach gefallen lassen! Schon mit der Einführung der Schulpflicht in Preußen war das Kind in den Brunnen gefallen. Natürlich bestreite ich nicht, daß die Schulpflicht auch nützliche Auswirkungen hatte und hat. Ich habe selbst sehr davon profitiert. Hauptsächlich weil das viel weniger Zeit im Kreise meiner Familie für mich bedeutete…

    @Michaela Wolff:

    „IDEAL ist doch, dass wir weder Polizei noch Militär überhaupt notwendig hätten, zu finanzieren, nur setzte das voraus, dass wir allesamt uns soweit moralisch selbst erzogen haben, dass kein einziger Mörder,Räuber, Vergewaltiger und Betrüger, Dieb usw. mehr unter uns wäre.“

    Nachdem du schon ausdrücklich danach fragst, wie andere das sehen, hören wir erstmal Tolstoi dazu: „Soldaten sind Mörder.“ Du willst also deswegen, weil es Mörder (und anderes Gesindel) gibt, weitere Mörder (und anderes Gesindel) bezahlen und erwartest allen Ernstes, daß dadurch Mörder (und anderes Gesindel) komplett verschwinden??? Das ist nicht sehr durchdacht!

    Sogenannte primitive Völker kommen übrigens ohne Gesetze oder bezahlte Uniformierte aus. Die sogenannten primitiven Völker sind dann wohl in Wirklichkeit viel weiter als wir? Obwohl wir ihnen auf so vielen Wissensgebieten voraus sind?

    @AJD:

    „Die Stimmbürger müssten dann natürlich etwas mehr wissen und ev. in Abendschulen ihr politisches Wissen vergrößern.“

    Der erste Teil dieser dieser Idee ist klasse, denn ohne kann Demokratie nicht funktionieren! Der zweite Teil bedeutet allerdings, daß dieses Wissen sofort vom Geldbeutel abhängig gemacht wird. So gibst du der Geldelite, die für die Abendschulen kräftig abkassieren und darüber hinaus die Inhalte bestimmen wird, sogar noch mehr Macht in die Hand. Die Vermittlung von genügend Wissen, um ein Demokrat zu sein, kann man nicht Abendschulen überlassen! Stattdessen bedarf es einer gründlichen Reform. Aber es reicht nichtmal, nur das Bildungswesen zu reformieren, sondern die gesamte Gesellschaft muß zu einer Wissensgesellschaft umgebaut werden, in der jedermensch jederzeit alles kostenlos lernen kann und darf. Praktischerweise und bestimmt nicht zufällig läßt sich so eine Wissenschaftsgesellschaft auch gut mit der Konkurrenzfähigkeit der Wirtschaft im internationalen Wettbewerb begründen.

    „Eine Firma wird durch Wahlen von den Mitarbeitern gelenkt und alle Mitarbeiter, alle Länder wo der Gewinn entsteht, alle Bürger und ev. auch Kunden partizipieren von dem Erfolg einer Firma.“

    Klar, an Erfolgen wollen immer alle partizipieren. Entscheidend für das Modell ist jedoch, was passiert, falls die Firma am Markt scheitert? Werden die Bürger und Kunden auch so gerne an den Verlusten partizipieren? Noch dazu, wenn du die Wahrscheinlichkeit des Scheiterns so stark erhöhen willst?

    Übrigens gefällt es mir garnicht, wie du biologische Fachbegriffe geradezu vergewaltigst. Aber in letzter Zeit machen das viele Leute, also mache ich dir keinen Vorwurf, sondern liefere eine Erklärung nach.
    Ranma

    • AJD permalink

      @Ranma,
      […] Klar, an Erfolgen wollen immer alle partizipieren. Entscheidend für das Modell ist jedoch, was passiert, falls die Firma am Markt scheitert? […]

      Nein, es würde nur der Gewinn verteilt – so wie bei Aktiengesellschaften auch und auch dann gäbe es die Möglichkeit, Gewinn für Investitionen zurückzuhalten. Wenn die Firma am Markt scheitert, dann scheitert sie halt. Wenn sie keinen Gewinn macht und alle Rechnungen bezahlt werden können, dann wäre sie nach meinem Empfinden eine gute Firma, die dem Gemeinwohl dient.

      Wenn man die Genossenschaft in ein fliessendes Geldsystem implementiert, wo es keine verzinsten Kredite mehr gäbe, würde es vermutlich kaum noch zwingende Konkurse geben. Wenn ein Produkt keine Nachfrage findet, dann sollte man nicht zur Brechstange greifen, so wie es heute getan wird. Die Firma würde Zeit kriegen, ein anderes Produkt auf den Markt zu bringen.

      […] Der zweite Teil bedeutet allerdings, daß dieses Wissen sofort vom Geldbeutel abhängig gemacht wird. […]

      Der Staat finanziert die kostenlosen Abendschulen und sorgt dafür, dass an Abendschulen ein Thema neutral erklärt wird – oder Vertreter beider Seiten erklären ihre Sicht. So, dass sich jeder seine Meinung selbst bilden kann. Der Kampf von Links, Mitte, Rechts würde vermutlich weitgehend wegfallen, wenn Politiker nur noch Befehlsempfänger vom Volk sind. Von dem her wäre m.E. auch eine neutrale Bildung und neutrale Staatsmedien möglich. Natürlich kann man über den Begriff „neutral“ streiten. Ich denke, wenn das Volk regiert, ist die Gefahr eines totalitären Regimes praktisch bei Null, und Machtkämpfe würden sich verringern.

      Ich würde auch Wahlen vom Staat finanzieren lassen und zwar so, dass alle Kandidaten die gleichen Mittel und Sendezeit kriegen und in den gleichen Medien vorgestellt werden. So verhindert man, dass nur noch Oligarchen Politik machen können. (siehe Trump, Berluscoini, Poroschenko, Blocher usw.) Auch alle Vorsteher von wichtigen Bundesämter müssten vom Volk gewählt werden – ist aktuell nicht der Fall. Idealerweise würde es auch keine Parteien mehr geben (Partei=Parte=Teilen – Teile und herrsche).

      […]Übrigens gefällt es mir garnicht, wie du biologische Fachbegriffe geradezu vergewaltigst. […]

      Sorry, wusste nicht, dass es eine eigene Wissenschaft ist. Hauptsache meine Message kam rüber, dass wir im Grunde immer noch Tiere sind und trotz Maschinen, Internet usw. wie diese funktionieren – die Merkmale der Alphatiere verlagerten sich einfach etwas. Wir können das in Überlegungen bei der Bildung von zukünftiger (ev. nach 3.Weltkrieg) gesellschaftlicher Strukturen nicht ausklammern. Bisher fehlte dieser Hinweis bei solchen Themen.
      Es wird in jedem System immer Menschen geben die mehr Macht und oder mehr Geld haben. Die Frage ist nur, wie sich diese in die Gesellschaft einbringen. Wenn sie, so wie heute, gegen Teile der Gesellschaft regelrecht Krieg führen, dann müssen sich die Elite auch nicht wundern, wenn ihre aufgespiesten Köpfe wieder einige Brücken zieren, wir sind nicht mehr allzuweit davon weg.

      Meines Erachtens müsste man erst das Geldsystem in z.B. ein fliessendes System ändern, und ein direktdemokratischer, genossenschaftlicher Staat einführen, der Rest kommt vermutlich von alleine.
      Natürlich wäre auch dann nicht immer alles bestens und auch Frieden gäbe es nicht einfach so. Doch der wichtigste Kriegsgrund der letzten 5000 Jahre, der Zins und Zinseszins wäre ausgeschalten.

      Noch ein Hinweis zu direktdemokratischen Staaten, neben der Schweiz ist auch Lichtenstein ein solcher, nur kann dort der Fürst noch sein Veto einlegen. Es ist auf allen Ebenen eindeutig ersichtlich, dass die Direkte Demokratie, eine eigene starke Währung, Souveränität und ein übersichtliches Staatsgebiet weit erfolgreicher ist, als eine zentralistisches System und der repräsentativen Demokratie weit überlegen ist.
      Die Schweiz ist in praktisch allen Statistiken über Zufriedenheit, Glücklichkeit, Reichtum, Schulbildung usw. zuforderst in der Ranglisten.

      Gerade heute konnte ich über die schnellere Abschaltung unserer alten AKWs abstimmen und ob ich eine neue (teure) Strasse in meiner Region will – gefordert von einem Initiativkomitee, oder lieber den (etwas günstigeren) Gegenvorschlag, den die Kanotonsregierung aufstellte, oder ob ich keine der beiden Vorschläge will.

      […] klingonischem Brauch […]

      Der war gut😉

      • Ranma permalink

        @AJD:

        „Wenn die Firma am Markt scheitert, dann scheitert sie halt. Wenn sie keinen Gewinn macht und alle Rechnungen bezahlt werden können, dann wäre sie nach meinem Empfinden eine gute Firma, die dem Gemeinwohl dient.“

        Das wäre ideal. Nur bleibt die Frage, wer wird für das Scheitern verantwortlich gemacht? Muß jemand dafür leiden? Falls niemand verantwortlich ist, wie kommt so eine Firma überhaupt erst zustande? Falls aber jemand verantwortlich ist und zwar die Verantwortung für das Scheitern, nicht jedoch für den Erfolg tragen soll, wie kommt so eine Firma dann überhaupt erst zustande?

        „– oder Vertreter beider Seiten erklären ihre Sicht. So, dass sich jeder seine Meinung selbst bilden kann.“

        Das ist sehr konfuzianisch. Gefällt mir.

        „Meines Erachtens müsste man erst das Geldsystem in z.B. ein fliessendes System ändern, und ein direktdemokratischer, genossenschaftlicher Staat einführen, der Rest kommt vermutlich von alleine.“

        Das kann ich mir zwar auch vorstellen, aber es fehlt an einem Plan, wie das geschehen könnte. Man kann sich viele Verbesserungen ausdenken. Hier wurden und werden viele Verbesserungen vorgeschlagen. Sie haben jedoch alle miteinander gemeinsam, daß sie den Interessen der Herrschenden exakt entgegengesetzt sind. Wieso sollte ein machtbesessener Herrscher ein System einführen, das ihn gerade dieser Macht beraubt, an der er so sehr hängt?

        Die direkte Demokratie in der Schweiz führte bereits zu einer Abstimmung über ein BGE. Das ist bewundernswert. Trotzdem wurde der Vorschlag in Bausch und Bogen abgelehnt. Angeblich befassen sich eidgenössische Stimmbürger ernsthaft mit einem Vorschlag bevor sie darüber abstimmen. Das kann aber nicht geschehen sein! Bei einer abschließenden Umfrage (‚exit-poll‘) wurden immernoch die gleichen Argumente vorgebracht, die man überall sonst hört. ‚Das ist nicht bezahlbar.‘ Also können self-made Multimillionäre wie Götz Werner nicht rechnen? Ist er zu seinen Millionen gekommen, indem er nicht richtig gerechnet hat? ‚Ich will keine Leute finanzieren, die nicht arbeiten.‘ Was tut denn die Schweiz jemals anderes, wenn sie mit reichen Leuten die Steuersätze von Einzelfall zu Einzelfall verhandelt? Damit tut sich doch gerade die Schweiz weltweit hervor! Also offensichtlich klappt das doch nicht so mit dem erst informieren und dann abstimmen.

        @Michaela Wolff:

        ‚Ergebnis dieses Fehlers ist u.a. eine Entspiritualisierung unseres Denkens, welche folgende mir widerliche Blüten treibt: Moritz Heuberger von der „grünen Jugend“ erklärte ausgerechnet auf einer Veranstaltung der Evangelischen Kirche:
        „Ich stelle mir die Frage,ob es (…) noch sinnvoll ist,dass christliche Feiertage einen Grossteil der Feiertage in Deutschland ausmachen.“
        Und auf der Webseite der Parteigliederung: “ An Weihnachten vereinigen sich Kapitalismus und christliche Ideologie , und was dabei herauskommt, ist noch schlimmer als die Grundzutaten.“‘

        Wenn wir bedenken, daß in unserem Staat doch eigentlich Staat und Religion voneinander getrennt sein sollen…

        Kirchliche Feiertage zu gesetzlichen Feiertagen zu machen und sie so mit den staatlichen Feiertagen gleichzusetzen, ist eigentlich schon eine unzulässige Vermischung. Oder plädierst du ernsthaft für einen Gottesstaat? Also entweder dürften nur noch staatliche Feiertage gesetzlich geregelt sein oder die Feiertage aller Religionen müßten gleichberechtigt berücksichtigt werden. Für den ersten Fall sollte man mehr staatliche Feiertage einführen. Im anderen Fall würden sich die Feiertage auf wundersame Art vermehren. Nicht die kleinste Sekte dürfte unberücksichtigt bleiben.

        Es gab schon Umfragen, denen gemäß Weihnachten nichts mit christlicher Ideologie zu tun hat. Es sei ausschließlich ein Fest des Kommerzes und des Konsums. Solltest du dem etwas entgegenhalten wollen, dann sind die Jungen Grünen eher nicht als deine Gegner geeignet. Mit ihrer Ansicht wären sie dann doch eher Verbündete.

        „Nur sehe ich einen grossen Unterschied zwischen Verteidigung der eigenen Kultur, der eigenen Geistesfreiheit, und dem heimtückischen Angriff eines geldgierigen feigen Raubmörders, der selber nichts riskiert, der nur das Leben anderer für seine egoistischen Ziele opfert. Sehe ich das denn falsch ? Oder übersehe ich da etwas ?“

        Also, zunächst mal übersahst du, daß das Zitat, daß du mir zuschreiben möchtest, von Tolstoi stammt. Weswegen ich den Namen auch angab. Die Ehre ist doch zu groß für mich, mit Tolstoi in einen Topf geworfen zu werden.

        Dann vergleichst du hier sehr ehrenhaft motivierte Helden mit feigen Raubmördern, obwohl der gepreßte Soldat ein Drittes ist. Normalerweise werden Soldaten zu ihrem Dienst gezwungen. Die Ukraїne lieferte in letzter Zeit, vor allem letztes Jahr, ein Beispiel dafür. Viele Leute flohen von dort während mehrerer Aushebungswellen in Nachbarländer, um der Zwangsrekrutierung zu entgehen. Die zwangsrekrutierten Soldaten sollten nämlich keineswegs ihre Kultur und ihre Heimat verteidigen, sondern auf Freunde und Angehörige schießen. Genau dafür werden Soldaten eingesetzt und sie werden unter Zwang eingesetzt. Zwar können sie dafür nichts, aber irgendwie scheint das schon zu rechtfertigen, daß man umgekehrt auch auf die Soldaten schießt. Weil der aber nicht freiwillig dort ist, wo man auf ihn schießt, deshalb versucht er einfach nur alles zu tun, um dort wieder lebend herauszukommen. Es liegt in der Natur der Sache, daß sich ein Soldat keineswegs opferbereit oder sonstwie heldenhaft verhält. Der feige Raubmörder nutzt seinen Vorteil aus, keine Skrupel zu besitzen. Er begibt sich in eine gefährliche Situation, tötet seine Opfer und schlägt Profit daraus. Das unterscheidet den feigen Raubmörder zwar sehr vom opferbereiten Helden, aber vom Soldaten unterscheidet sich der feige Raubmörder nur darin, daß er die gleiche Tätigkeit freiwillig und auf eigene Rechnung ausübt.

        Schließlich übersiehst du noch, daß der Vergleich eigentlich nicht das Thema war, sondern es um den Idealzustand ging, daß es keine Räuber und Mörder und so weiter mehr gebe. Wozu ich meinte, daß dies wohl kaum gelänge, indem man weitere Leute in Uniformen steckt, mit Dienstwaffen ausstattet und dafür bezahlt, daß die auf andere Leute schießen. Ideal ist der Beruf nämlich nur für Leute, die genau die gleichen psychischen Voraussetzungen aufweisen wie die feigen Raubmörder. Will man diese Leute nicht mehr in der Gesellschaft haben, dann sollte man nicht auch noch genau deren Eigenschaften fördern! Es wäre stattdessen sinnvoll, die exakt entgegengesetzten Eigenschaften zu fördern. Nur damit ich auch hier nicht zu sehr mit fremden Federn geschmückt werde: das wußte schon Konfuzius.
        Ranma

    • Michaela Wolff permalink

      @ Ranma: „Soldaten sind Mörder.“ Das sehe ich anders. Soldaten können auch im Dienste der Verteidigung freiheitlich- christlicher Kultur ihr eigenes Leben riskieren und ggf. opfern, und deswegen meide ich absolut, die mit irgendwelchen feigen Raubmördern zusammen in einen Topf zu werfen.
      Selbstverständlich wäre es ein Idealzustand, wenn kein Mensch mehr Waffen bräuchte und jeder den andern freilassen würde, so zu leben, wie er leben will. Leider sind wir allgemein zumindest davon Lichtjahre entfernt. Nur sehe ich einen grossen Unterschied zwischen Verteidigung der eigenen Kultur, der eigenen Geistesfreiheit, und dem heimtückischen Angriff eines geldgierigen feigen Raubmörders, der selber nichts riskiert, der nur das Leben anderer für seine egoistischen Ziele opfert. Sehe ich das denn falsch ? Oder übersehe ich da etwas ?

    • @Ranma
      Zitat:
      „Zum Artikel: Sehr intellektueller Stil, langatmig, kommt nie zum Punkt, eigentlich nur eine Aneinanderreihung von Binsen.“

      Der Artikel besteht zum großen Teil aus dem Referieren der Analysen von W. Koschnik. Das kann Ihnen langatmig erscheinen, erschien mir aber notwendig, um bis zu dem Punkt zu führen, an dem er kurz vor der entscheidenden Konsequenz seiner eigenen Erkenntnisse steht, diese aber nicht zieht. Auf diese notwendige Konsequenz habe ich am Schluss hingewiesen.

      Wenn Sie schreiben, der Artikel käme „nie zum Punkt“, ist er Ihnen offenbar durch allzu flüchtiges Lesen vieler „Binsen“ entgangen.

  4. Ranma permalink

    Erklärung ein paar biologischer Fachbegriffe:

    Alphatier: Der Anführer eines Rudels. Nicht irgendeiner Gruppe. Als Gruppe kann man etwas nach frei gewählten Kriterien zusammenfassen, weil ‚Gruppe‘ so ziemlich der einzige Begriff ist, der sich nicht auf besondere Eigenschaften bezieht, also eigentlich kein biologischer Fachbegriff ist. Daher ist ein Rudel zwar eine Gruppe, aber keinesfalls umgekehrt. Man kann zum Beispiel alle vierbeinigen Tiere zu einer Gruppe (den Tetrapoden) zusammenfassen, aber die Gruppe der Tetrapoden hat keinen Anführer. Es gibt darunter sogar viele Arten, in denen es ausschließlich Einzelgänger gibt. Normalerweise wird ein Tier nicht dadurch zum Alpha, indem es geduldig wartet bis der vorherige Alpha verschwindet und es dann gemäß Rangfolge nachrückt. So läuft es nur in den Armeen der Menschen ab. Das auf das Tierreich zu übertragen ist eine unzulässige Anthropomorphisierung. Ein Tier wird dadurch zum Alphatier, indem es den vorherigen Alpha vernichtet, also aus dem Rudel vertreibt oder ihn tötet. Dafür sind gewisse physische, aber auch psychische Voraussetzungen erforderlich.

    Betatier: Ein Tier, das gerne Alpha sein möchte (psychische Voraussetzung). Betas ordnen sich dem Alpha unter, aber nicht weil sie damit einverstanden wären, sondern weil sie das müssen. Ein Alpha bleibt solange Alpha wie er den Betas seines Rudels physisch und psychisch überlegen ist.

    Ein einigermaßen anthropomorphisierender Vergleich wären der Kapitän und der erste Offizier auf einem klingonischem Raumschiff. Der Kapitän ist der unbestrittene Alpha. Alle tun das, was er befiehlt. Sie alle wissen, daß der Kapitän seine Befehle zum Besten der gesamten Crew geben wird, weil im lebensfeindlichen Weltraum (genau wie in einem Rudel in freier Wildbahn) alle aufeinander angewiesen sind. Der erste Offizier ist gleichermaßen loyal. Doch überwacht der den Kapitän auch. Sollte der Kapitän Schwäche zeigen, so wird der erste Offizier den Kapitän gemäß klingonischem Brauch ohne zu zögern beseitigen und dessen Platz einnehmen. Genau so verhält sich ein Beta.

    Gammatier: Ein Gamma ist keineswegs ein Ausgestoßener. Ganz im Gegenteil, die Gammas sind der tragende Teil eines jeden Rudels. Einem Gamma ist bewußt, daß er dem Alpha und wahrscheinlich auch den Betas unterlegen wäre, falls es zu einem Kampf zwischen ihnen käme. Darum hat ein Gamma keinerlei Ambitionen in jener Richtung. Zwar erlaubt es die lebensfeindliche freie Wildbahn auch dem Gamma nicht, sich auf eine Couch zu setzen und fetttriefende Kartoffelscheibchen in sich hineinzustopfen, aber beim Menschen entspricht das einem Gamma.

    AJD ist also eigentlich kein Gamma. Seiner mißverständlichen Beschreibung nach, dürfte er eher zu den Omegas zählen. Der Omega ist der am häufigsten und schlimmsten falsch verwendete biologische Fachbegriff.

    Omegatier: Beim Omega handelt es sich um ein Tier, das zwar eigentlich die Fähigkeiten eines Alphas hätte, aber seine Fähigkeiten verbirgt. Der Benennung liegt der Gedanke zugrunde, daß ein Ende, hier das des griechischen Alphabetes, aus der Gegenrichtung betrachtet ein Anfang ist! Omegas trennen sich gerne vom Rudel, zum Beispiel zum Zweck der Gründung eines eigenen Rudels. Wozu sich den ganzen Streß machen und sowohl den vorhandenen Alpha als auch die häufigeren Betas zu überwinden, wenn man auch ganz gut ohne die anderen klarkommt? Die große Stunde der Omegas kommt immer dann, wenn tatsächlich mal ein unvorhersehbares Ereignis den Anführer auslöscht. Dann kämpfen die Betas um die Macht, während die schlaueren Tiere (Gammas) sich um die kompetenten Tiere (Omegas) sammeln und sich mit denen zusammen davonmachen, um neue Rudel zu bilden.

    Omegas haben also auch eine Machtstrategie. Weitere Strategien warten noch darauf, gegebenenfalls entdeckt zu werden. Universell sind die hier erklärten vier Strategien nur auf männliche Tiere anwendbar. Bei den Weibchen ist das artabhängig. Bei den meisten Arten sind alle Weibchen Gammas. Wolfsrudel werden jedoch von einem Alphapaar (aus einem Alphamännchen und einem Alphaweibchen) angeführt. Auf den Menschen läßt sich das nicht ohne weiteres übertragen. Beim Menschen gibt es mindestens patriarchale Kulturen und matriarchale Kulturen und emanzipierte Kulturen und das Chaos, das in unserer Kultur zur Zeit herrscht, weil sich hier etwas neues (innerhalb der Evolution so neu wie die Anti-Baby-Pille) entwickelt und noch nicht weiß, was es werden will.
    Ranma

  5. Michaela Wolff permalink

    Wir können ja mal das soziale Ganze, in dem wir leben, als Organismus betrachten. Man spricht ja z.B. auch von „Organen“ des Rechtes und so weiter.
    Das speziell an AJD: Goethe hat den Unterschied zwischen Mensch und Tier so gefasst: „Das Tier wird durch seine Organe belehrt. Der Mensch kann seine Organe zurückbelehren.

  6. Michaela Wolff permalink

    @ Ranma: „…Gottesstaat?“ Nein, nein, sondern was ich will, ist, dass der Staat – also das Beamtentum der Politik – sich aus den Hochschulen raushält, die er derzeit leider noch immer verwaltet. Genau das sehe ich als ein Grundproblem unserer Zeit.
    AJD schrieb Dir: “ Der Staat finanziert die kostenlosen Abendschulen und sorgt dafür, dass an Abendschulen ein Thema neutral erklärt wird…“
    Ich halte für naiv, zu wähnen, dem Staatsbeamtentum liege etwas daran, uns – den Bürge(r)n -etwas „neutral“ zu „erklären“.
    Denn das Ziel jeder wirklich guten Erziehung und Bildung ist Freiheit und Selbständigkeit, um nicht zur Last fallen zu müssen. Das Staatsbeamtentum allgemein will jedoch uns und unsere Kinder zu Untertanen erziehen, die dieser „Klasse“ von Politikbeamten die Steuern zahlen sollen.
    Unsere eigene Freiheit und Selbständigkeit liegt dem allgemeinen Staatsbeamten nicht am Herzen, sondern was dieser Mischpoke allgemein am Herzen liegt, ist Gleichmacherei und Untertanentum.

    Wer einen „Gottesstaat“ wollte, der müsste zurück wollen in die Zeit vor der französischen Revolution. Damals verwaltete ein der Wissenschaft und der Esoterik feindlicher Klerus die Universitäten. Gott sei Dank dafür, dass diese Zeiten vorbei sind !
    Ich muss Dir in dem Punkt Recht geben, was Kirchen betrifft. Sie sind auch für meinen Geschmack zu sehr mit dem Staatsbeamtentum verbandelt. Einen „Gottesstaat“ wollen offenbar viele Islamisten.
    Du forderst ja „Religionsfreiheit“ für alle Sekten. Auch das halte ich für naiv, weil das bedeuten müsste, ausgerechnet derjenigen Ideologie deren eigene Freiheit einzuräumen, welche die Religionsfreiheit aller anderen Religionen abschaffen will. Das ist der Islam, dessen Koran dazu auffordert, „Ungläubige“ zu töten.
    Du benennst „Christentum“ als „Ideologie“. Ich meine, wir haben noch kein Christentum, sondern was wir haben ist ein Kirchentum ohne den lebendigen Geist.

    Was ich will, ist ein dreigegliederter sozialer Organismus, in dem die Hochschulen gemäss dem Ideal der Freiheit sich selbst verwalten, ohne dass der Staat da reinredet.
    Das Rechtsleben – also die Politik – sollte sich zurückziehen aus der Verwaltung des Geisteslebens bzw. der Hochschulen und Schulen überhaupt, um sich auf deren ureigenstes Gebiet konzentrieren zu können: Gleichheit aller vor dem Recht durchzusetzen, unabhängig davon, ob es sich um Superreiche oder Arme handelt. Dafür müsste die Politik erstmal befreit werden von der Verwaltung durch Mammonsdiener und Lobbyistengruppen.

    Was das Wirtschaftsleben betrifft, möchte ich eine auf Brüderlichkeit gegründete Wirtschaft haben, die nicht mehr auf Konkurrenzkampf und Wirtschaftskrieg basiert sondern auf eine Basis der Brüderlichkeit zwischen Produzierenden und Konsumierenden lebt.

    Wir haben jedoch de facto heute das Gegenteil solcher Verhältnisse. Wirtschaft setzt nicht auf Brüderlichkeit sondern auf Konkurrenzkampf und Krieg.
    Politik verwaltet sich nicht selbst. Sondern sie wird durch die Grossbanken verwaltet und ferngesteuert. Nicht wahr: Justizia wird mit Augenbinde abgebildet. Doch wir haben den Ueberwachungsstaat, der längst diese Augenbinde der wissenschaftlichen Forschung – also dem Geistesleben – übergestülpt hat. Was dabei im Ergebnis herauskommt, ist Gendermainstream-Schwachsinn und die „neutrale Erklärung“:Schwarz müsse Weiss sein.

  7. AJD permalink

    @Ranma, […] Hier wurden und werden viele Verbesserungen vorgeschlagen. Sie haben jedoch alle miteinander gemeinsam, daß sie den Interessen der Herrschenden exakt entgegengesetzt sind. Wieso sollte ein machtbesessener Herrscher ein System einführen, das ihn gerade dieser Macht beraubt, an der er so sehr hängt? […]

    Das ist natürlich richtig. Es läuft auf vier Wege hinaus.

    – Erstens, die Herrschenden übernehmen die Verantwortung und sehen es selbst ein. Die Minuszinsen und Freihandel sind im Grunde schon ein Teil von Silivo Gesells Programm. Sie müssten nur noch zwei Schritte weiter gehen.
    Ein Land wie die Schweiz könnte dies auch wieder über eine Initiative fordern – siehe Freigeldinitiative von 1949. Danach müssten die anderen Länder mitziehen, weil Schweizer Produkte 30-80 Prozent billiger wären, wenn der Zins entfällt.

    – Variante zwei, es gibt Parteien wie z.B. „Neue Deutsche Mitte“, die ein Geldsystemwechsel fordern und es vermutlich auch einführen, wenn man sie wählt. Der Übergang könnte durch die Streichung der Schulden geschehen. Franz Hörmann hat den Vorgang auf seiner Seite beschrieben, wo der Übergang fliessend möglich wäre. Die Parteimitglieder müssten dann vermutlich im Panzerwagen zur Arbeit fahren, um sich von der CIA/MI6/Mossad und den Söldnern der Oligarchen zu schützen. Ummöglich ist es nicht.
    http://www.franzhoermann.com/bankenrettung-ohne-geld.html

    – Variante drei, es gibt ein Putsch/Bürgerkrieg von unten. Vorgehen siehe Punkt 2.

    – Variante vier, nach einem Weltkrieg und oder Totalcrash baut man ein neues System auf und man sorgt dafür, dass diejenigen die wollen, dass es wie vorher läuft, nichts zu melden haben. Notfalls auch mit roher Gewalt.

    Wir werden uns bald entscheiden müssen, ob wir bereit sind für die Freiheit zu kämpfen oder Sklaven bleiben wollen. Zwar ist das Christentum – wie ich auch – gegen jegliche Gewalt, doch man hat sich die letzten 2000 Jahre keinen einzigen Tag daran gehalten, dann kommt es m.E. auch einige Tage länger nicht drauf an, wenn danach Frieden ist.
    Der Tag wo ich in den bewaffnete Krieg trete, ist dann, wenn mir einer einen Chip implantieren will. Derjenige und sein Auftraggeber wird in einen Lauf blicken. Wenn ich danach im Wald als Nomade leben, und jedem Menschen aus dem Weg gehen muss, dann ist es eben so – gesünder wäre es auf jeden Fall.

    @Michaela Wolff
    […] Ich halte für naiv, zu wähnen, dem Staatsbeamtentum liege etwas daran, uns – den Bürge(r)n -etwas „neutral“ zu „erklären“ […]

    Bei den aktuellen Strukturen sehe ich das auch so.
    Ich halte es nicht für unrealistisch, wenn es einen Systemwechsel gibt, mit Freidenkern an der Macht, die wirklich nur das Volkswohl im Auge haben. Wenn eine Regierung vom Volk regiert wird, dann haben die korrupten Ego-Politiker kaum mehr den Willen, da mitzumachen.

  8. Ranma permalink

    @Michaela Wolff:

    Aus den Hochschulen soll das Beamtentum sich also heraushalten, aber religiöse Feiertage sollen als solche durchgesetzt werden, wobei genau eine Religion bevorzugt werden soll? Den einen Teil wird das Beamtentum aber so garnicht einsehen. Es behauptet sogar, die Hochschulen geschaffen zu haben. Der andere Teil hat eigentlich nichts mit den Hochschulen zu tun. Vielmehr definiert der eine Staatsreligion. Dann ist es vorbei mit der Trennung von Staat und Kirche. Obwohl der Uni, an der ich studiert habe, zwei Kirchen gehören (andersherum soll das häufiger sein), sind Bildung und Religion doch getrennte Themen. Gewisse Verflechtungen gibt es und in Deutschland ganz besonders (da bestimmen die beiden großen Kirchen nämlich sogar über die Besetzungen von Professuren mit als Teil der Entschädigung für die Säkularisierung), aber Verflechtungen lassen sich zwischen zwei beliebigen Themen immer finden.

    Willst du also die Trennung von Beamtentum und Religion, wie können dir dann die Ansichten jener (es ging um die Junggrünen) widerlich sein, die Gleiches fordern?

    Was Christentum ist und was nicht oder was Ideologie ist und inwiefern sich beide überschneiden, darüber könnten wir tagelang diskutieren. Nur sollten wir das vielleicht aufschieben bis es mal um ein dafür passenderes Thema geht. Willst du jedoch den Staat von der Religion getrennt halten, dann müssen die Religionen wohl oder übel alle gleichberechtigt sein. Der Islam eingeschlossen. Dem würde dann genau gleichviel erlaubt und verboten wie allen anderen Religionen auch. Was dir gesetzlich erlaubt oder verboten ist, hängt keineswegs von der Religion ab. Erst bei der Abschaffung des Staates müßte dafür Sorge getragen werden, daß die Religion nicht wieder übernimmt.

    @AJD:

    „Erstens, die Herrschenden übernehmen die Verantwortung und sehen es selbst ein. Die Minuszinsen und Freihandel sind im Grunde schon ein Teil von Silivo Gesells Programm.“

    Die Herrschenden werden garnichts einsehen. Minuszinsen und Freihandel sind zwar Teil von Silvio Gesells Programm, aber was uns heutzutage unter den Namen Minuszinsen und Freihandel untergejubelt wird, hat mit den ursprünglichen Bedeutungen dieser Begriffe fast nichts zu tun.

    Falls ich mein Girokonto überziehe, dann kostet mich das nach wie vor ungefähr sechzehn Prozent Zinsen und zwar plus. Das hat mit Minuszinsen offensichtlich nichts zu tun. Gesell schlug Minuszinsen vor, um einerseits das Aufnehmen von Krediten zu erleichtern. Anscheinend können manche Staaten das inzwischen machen, aber wenn ich ein Unternehmen gründen will, dann bekäme ich den Kredit nur zu hohen positiven Zinssätzen, wenn ich ihn überhaupt bekäme. Tatsächlich bekomme ich ihn nicht (obwohl ich wirklich gerne Unternehmen gründen würde), weil ich keine Sicherheiten dafür hinterlegen kann. Könnte ich Sicherheiten hinterlegen, dann wäre ich nicht so arm, daß ich einen Kredit für eine Unternehmensgründung bräuchte. Aus diesem Teufelskreis wollte mir Silvio Gesell eigentlich heraushelfen. Andererseits zielte Gesells Minuszinsvorschlag darauf ab, Geldbesitzer vom Geldhorten abzuhalten. Dadurch stünde wiederum mehr Geld für Kredite (eigentlich Darlehen, weil sich das Kreditwesen seit dem Abkommen von Bretton-Woods verändert hat) zur Verfügung. Dann würden sich diejenigen, die viel Geld haben, vielleicht nochmal überlegen, ob es nicht sinnvoller wäre, das Geld einem Unternehmensgründer zur Verfügung zu stellen. Aber noch so üble Minuszinsen auf der Habenseite würden heutige Geldhalter nicht vom horten abhalten, weil Geldhorten heute eine Notwendigkeit zur Altersvorsorge ist. Um Minuszinsen im Sinne der Freiwirtschaft wirksam zu machen, müßte man sowohl am System der Altersvorsorge als auch an den Privilegien der Banken erstmal einiges ändern.

    Die Idee des Freihandels wurde von Gesell nur aufgegriffen und geht bereits auf die Ideologie des Merkantilismus zurück, also auf die Zeit der Renaissance. Damals lieferten Händler auch während eines Krieges mit Rückendeckung der Herrschenden direkt an deren Armee vorbei Waffen an die Armee des Feindes. Kein Ding. Auch wenn die Soldaten das anders sehen wollten. Freihandel bedeutete wirklich, daß der Handel in jeder Hinsicht frei war. Vom Merkantilismus werden heute nur noch heute noch unsinnigere Verhaltensweisen (Streben nach Exportüberschüssen) praktiziert. Wenn afrikanischen Bauern der Zugang zum europäischen Markt verwehrt wird, dann ist das kein Freihandel. Was uns heute als Freihandel untergejubelt wird, hieße korrekt Unilateralismus. Das heißt, die USA dürfen alles, die EU-Staaten fast alles und alle anderen dürfen sich nur den Regeln des Westens unterwerfen.

    Aus dem ersten Weg wird also nichts.

    „Ein Land wie die Schweiz könnte dies auch wieder über eine Initiative fordern – siehe Freigeldinitiative von 1949.“

    Das gab es also auch schon. Muß ähnlich fatal gescheitert sein wie kürzlich das BGE. Direkte Demokratie führt offensichtlich doch nicht zu Verbesserungen.

    „Danach müssten die anderen Länder mitziehen, weil Schweizer Produkte 30-80 Prozent billiger wären, wenn der Zins entfällt.“

    So weit mitzudenken weigern sich sogar die meisten Anhänger Gesells. Dabei ist das ganz logisch und dazu eines der besten Argumente, um das System Gesells einzuführen. Schließlich will doch heutzutage jeder im internationalen Wettbewerb bestehen.

    „Variante zwei, es gibt Parteien wie z.B. „Neue Deutsche Mitte“, die ein Geldsystemwechsel fordern und es vermutlich auch einführen, wenn man sie wählt. Der Übergang könnte durch die Streichung der Schulden geschehen.“

    Vielleicht. Darum werden solche Parteien nicht gewählt. Hätten solche Parteien eine Chance, dann hätten schon die Initiativen zum Freigeld und zum BGE in der Schweiz Chancen gehabt. Hatten sie jedoch nicht. Wie der Übergang durch Streichung der Schulden fließend möglich wäre, das erschließt sich mir jedoch nicht. Mit der heute üblichen Mentalität führt die Streichung von Schulden nur zur sofortigen Entstehung von neuen und größeren Schulden.

    „Variante drei, es gibt ein Putsch/Bürgerkrieg von unten. Vorgehen siehe Punkt 2.“

    Es sprechen auch die gleichen Gründe dagegen wie bei Punkt 2. Die Schweiz hat bis heute kein Freigeld und nichtmal ein BGE eingeführt. Wenn die Schweiz das nicht schafft, dann werden andere das erst recht nicht schaffen.

    „Variante vier, nach einem Weltkrieg und oder Totalcrash baut man ein neues System auf und man sorgt dafür, dass diejenigen die wollen, dass es wie vorher läuft, nichts zu melden haben. Notfalls auch mit roher Gewalt.“

    Das ist noch die wahrscheinlichste Variante. Aber sogar die setzt voraus, daß die Minderheit, die wirklich an Verbesserungen interessiert ist, zumindest waffentechnisch überlegen ist. Sonst wird die Mehrheit, die das BGE ohne sich wirklich zu informieren in Bausch und Bogen abgelehnt hat, dafür sorgen, daß die Minderheit, die für ein neues System ist, nichts zu melden hat. Also scheidet die Möglichkeit wohl auch aus. Damit sind vier von vier Möglichkeiten raus.

    „Der Tag wo ich in den bewaffnete Krieg trete, ist dann, wenn mir einer einen Chip implantieren will. Derjenige und sein Auftraggeber wird in einen Lauf blicken.“

    Schweizer haben es wirklich gut. In Deutschland stieg dieses Jahr die Vergabe Kleiner Waffenscheine stark an. Damit kann man sich dann eine Schreckschußpistole kaufen. Schreckschußpistolen wurden früher für Silvesterknallereien verwendet, was in Deutschland inzwischen auch verboten ist. Das soll nur zeigen, wofür die Dinger überhaupt gut sind. Gedacht wird in Deutschland nur noch selten.

    Wollen wir wirklich etwas verändern, dann muß das in einer Weise ablaufen, die kaum jemand mitbekommt. Dämlich genug dafür sind die Leute. Das beweist unsere Legislative zu jedem großem Sportereignis oder jeder sonstigen Ablenkung für die Massen.
    Ranma

    • AJD permalink

      […] „Ein Land wie die Schweiz könnte dies auch wieder über eine Initiative fordern – siehe Freigeldinitiative von 1949.“
      Das gab es also auch schon. Muß ähnlich fatal gescheitert sein wie kürzlich das BGE. Direkte Demokratie führt offensichtlich doch nicht zu Verbesserungen. […]

      Die Initiative ging damals bachab, weil man den damaligen Goldstandard hätte beenden müssen, was die Bevölkerung nicht wollte. Da dieses nun nicht mehr existiert, könnte man es irgendwann nochmals versuchen. Doch zuerst muss man das nötige Bewusstsein und das Wissen in der Bevölkerung schaffen.

      Hier einige interessante Infos zu Freigeld von Wörgel und Schweiz:
      http://userpage.fu-berlin.de/roehrigw/woergl/alles.htm

      Man darf nicht vergessen, dass es damals in der Schweiz im Vergleich zu Europa recht gut ging. Im Wallis miete ich gelegentlich eine Ferienhütte, die 1943 gebaut wurde und schon damals nur dem Zweck des Ferienaufenthaltes diente, während in Resteuropa gemetzelt und ganze Städte eingestampft wurden.
      In der Regel ändert man ein System nicht, wenn es keine zwingende Gründe gibt. Auch jetzt geht es der Schweiz „noch“ viel zu gut, um so etwas durchzubringen. Die Leute glauben „noch“ der Politik und diese kann mit dämlicher Angstmacherei viele gute Ideen verhindern.

      Die Vollgeldinitiative zum Beispiel, die einige gute Ansätze hätte – der Zins und Zinseszins wäre jedoch immer noch enthalten. Die Vollgeldinitiative und zuvor die Geldinitiative hat zumindest erreicht, dass die Leute in Blogs der Massenmedien über das Geldthema sprechen und es ganz langsam ein Bewustseinswandel gibt. Ich gehe zwar davon aus, dass sie hochkant abgelehnt wird. Aber das Thema hat sich in den Köpfen festgesetzt. Ich schreibe immer wieder ein Leserbrief zu dem falschen Geldsystem in Schweizer Massenmedien, damit die Leute die Zusammenhänge checken. Und immer wenn ich die Diskusion anstosse, kriege ich ein grösseres Feedback.
      „Stegiger Tropfen höhlt den Stein“.

      Nun, solange es den Schweizern noch gut geht, muss man nicht zuviel erwarten. Aber wehe, wenn es durch Zinserhöhrungen zu einer Hyperinflation/deflation kommt, dann wird es für die Elite ungemütlich und die Lügen werden (hoffentlich) nicht mehr verfangen.

    • Michaela Wolff permalink

      @ Ranma: “ Aus den Hochschulen soll das Beamtentum sich heraushalten, aber religiöse Feiertage sollen als solche durchgesetzt werden, wobei genau eine Religion bevorzugt werden soll?“

      Ein für mich schwieriges Thema, weil Politik mir wie ein Glatteis vorkommt, das sprichwörtlich ein Esel nur dann betritt, wenn es ihm „zu wohl“ wird. Komme mir bei dem Thema selber wie solches Grautier mit langen Ohren vor, nur ist mir beim Thema Politik nicht „zu wohl“. Bin eigentlich diesem Thema bisher gerne ausgewichen. Gehöre zu den Nichtwählern. Aber heutzutage muss man nicht mehr selber solches „Glatteis“ betreten, weil die Politik uns eingeholt hat. Wo wir leben, kommen Kommunalpolitiker an die Haustüre und werben direkt für ihre Sache. Sage dann „Nein danke“ zu denen und lasse die gar nicht erst in mein Haus kommen.
      Aehnlich wie mit diesen „Zeugen Jehovas“, dieser antifreiheitlichen Sekte von Schnüfflern.

      Die Religionen – die Exoterik – betrachte ich als Wirkung oder Symptom einer Ursache, welche diese Religionen direkt bekämpfen. Ursache ist Esoterik. Das Paradoxe der Religionen liegt für mich darin, dass die sozusagen ihre eigene Herkunft bestreiten. Zuerst war doch eine Esoterik vorhanden, etwas ganz Esoterisches, das lebendig gewesen ist. Ein Beispiel: Zuerst war da der Hellseher namens Hesekiel, der geistige Schauungen erlebte. Was dieser Hellseher geschaut hatte, finden wir in der Bibel beschrieben. Da ist dieses ursprünglich Esoterische ganz exoterisch geworden. Und die Kirchen, welche uns auffordern, an diese Beschreibungen zu glauben, reden uns gleichzeitig ein, alle Esoterik müsse lauter abergläubiges dummes Zeugs sein.
      Diese Kirchenvertreter predigen direkt gegen die Astrologie, aber dann erzählen sie uns, dass drei Magier einen Stern beobachteten und durch diese Beobachtung den Weg zum Stall in Bethlehem fanden.

      Auch die Entstehung anderer Religionen ist etwas Esoterisches. Man bestreitet ja, dass der Buddhismus eine Religion sei, aber beschrieben ist die Erleuchtung des Buddha unter dem Bodhibaum. Der Begriff der Erleuchtung ist vom Begriff der Esoterik nicht zu trennen.
      Der Islam entstand dadurch, dass der Stifter dieser Religion mit einem Engel in Kontakt kam.
      Auch soetwas ist zunächstmal ganz esoterisch. Und auch dieses ursprünglich Esoterische wurde dann zu einer Religion.
      Wenn wir historisch forschen, kommen wir hin zu den antiken Mysterienhochschulen. Es gab sie in Aegypten und u.a. auch in Griechenland. Das waren allerdings Bildungsinstitutionen, die den höheren Klassen und deren Günstlingen vorbehalten blieben. Gewisse Urchristen hatten noch die höheren Weihen dieser Schulen erlangt. Was dort gelehrt wurde, war eine Ganzheit, die aus drei Teilen bestand: Wissenschaft, zu der auch Esoterik damals gehörte, Kunst und Religion.

      Heutzutage haben wir nur noch drei Trümmerbruchstücke dieser ehemaligen Ganzheit. Wir haben einerseits eine Wissenschaft, andererseits das Religiöse und dann die Kunst. Diese drei Bruchstücke scheinen keinerlei Verbindung zueinander zu haben.
      Meine Meinung – die ja keiner teilen muss – ist die, dass wir Freie Hochschulen brauchen, die so frei sind, sich über das uralte kirchliche Verbot gegen die esoterische Forschung hinwegzusetzen und Geisteswissenschaft dadurch neu begründen. Eine Geisteswissenschaft, welche die zwei o.g. anderen Bruchstücke geistig befruchtet. Eine Wissenschaft, die diesen heute vorherrschenden Materialismus um eine Stufe höher bringt bis hin zur Erkenntnis der Lebenskräfte.
      Materialisten „erklären“ sich die „Entstehung des Lebens“ aus toter Materie, was ich für einen gefährlichen Aberglauben halte. Es kann meiner Meinung nur aus einer so erweiterten Wissenschaft heraus zu einem wahren Fortschritt auch auf sozialem Gebiet kommen.
      „Professor“ bedeutet „Bekenner“. Aber wer heute als verbeamteter Professor sich zu einer spirituellen Anschauung bekennt oder `gar eine Religion bevorzugt, der macht sich dadurch angreifbar, weil das IDEAL des Beamtentumes GLEICHHEIT und nicht FREIHEIT ist.
      FREIHEIT der Forschung an Objekten ist jedoch VORAUSSETZUNG der Erlangung von ERKENNTNISSEN, ohne die ein BE-KENNTNIS eine PHRASE bleibt.
      Wenn das Ziel guter Erziehung und Bildung die Freiheit und Selbständigkeit sein soll, dann sind Gleichmacher kein Vorbild, weil deren Denk- und Handlungsweise „uniformiert“ daherkommt.

  9. Ranma permalink

    @hwludwig:

    Zwar hätte ich Koschnik nicht ellenlang zitiert, stattdessen habe ich mir sogar erspart dessen Artikelserie zu lesen (es gibt nämlich auch Telepolis Besseres, allerdings ist die Qualität dort schon seit Jahren auf dem absteigendem Ast), aber jetzt läßt sich wenigstens darauf verweisen, falls dir mal die Kommentare zu langatmig werden sollten…🙂

    @AJD:

    „Die Initiative ging damals bachab, weil man den damaligen Goldstandard hätte beenden müssen, was die Bevölkerung nicht wollte. Da dieses nun nicht mehr existiert, könnte man es irgendwann nochmals versuchen. Doch zuerst muss man das nötige Bewusstsein und das Wissen in der Bevölkerung schaffen.“

    1949 war kurz vor dem Bancor-Abkommen? Also dem Anfang vom Ende des Goldstandards. Hätte die Bevölkerung sich damals also interessiert und sich etwas Wissen angeeignet, dann hätten die Stimmbürger gewußt, daß es mit dem Goldstandard sowieso so gut wie vorbei war. Hinweise darauf gab es genug: Die Veröffentlichungen Silvio Gesells; falls nicht von denen hätte man auch anderweitig erfahren können, daß der Versailler Vertrag mehr Reparationen forderte als weltweit Gold im Umlauf war; viele Staaten verwendeten bereits zusätzlich oder ausschließlich Silber als Geld.

    „Nun, solange es den Schweizern noch gut geht, muss man nicht zuviel erwarten.“

    Ging es irgendwann mal in der Geschichte den Schweizern weniger gut als anderen Europäern? Von Schweizern sollte man also besser garnichts erwarten. Vielleicht ließen sie sich überreden, andere Europäer in direkter Demokratie zu unterrichten? Wie die funktioniert ist sogar in anderen deutschsprachigen Ländern immernoch ein Mysterium. Aber je mehr sich die Schweiz der EU annähert, desto mehr müßte es doch im schweizerischen Interesse liegen, daß alle Europäer zumindest wissen wie Demokratie aussehen sollte.

    @Michaela Wolff:

    „Gehöre zu den Nichtwählern.“

    Dann bist du an den heutigen Zuständen mitschuldig! Das ist dir hoffentlich klar. Wobei unbestritten ist, daß es sich bei der Politik um Glatteis handelt. Wahrscheinlich wähle ich das nächste Mal die PARTEI. Der wesentliche Punkt dabei ist, daß die etablierten Parteien mit jeder der weggeworfenen Stimmen (bei der letzten Bundestagswahl waren das vierzehn Prozent!) weniger Prozente bekommen. Außerdem sollte man auch demonstrativ zeigen, daß man zur Wahl geht. Hinterher hat man dann jeden gewählt, der danach fragt, weswegen man dann verlangen kann, daß die/der die Interessen des Wählers vertritt. Die Verfasser des Grundgesetzes haben sich etwas dabei gedacht als sie festlegten wie eine Wahl stattzufinden hat.

    „Wo wir leben, kommen Kommunalpolitiker an die Haustüre und werben direkt für ihre Sache.“

    Das ist in meiner Gegend nicht so problematisch. Eher kommen hier noch die Zeugen Jehovas. Man braucht die alle nicht ins Haus zu lassen. Viel schlauer wäre es, du sorgtest dafür, daß deine Kommunalpolitiker dich zur Wahl gehen sehen. Da kannst du einen großen Smiley quer über den Wahlzettel malen. Der Teil ist völlig egal. Erst wenn wieder Kommunalpolitiker bei dir klingeln kommt der nächste wichtige Teil. Dann kannst du darauf hinweisen, daß du gewählt hast und nur noch darauf wartest, daß der Politiker deine Interessen vertreten wird. Dazu solltest du jene auffordern, die gewählt werden wollen. Also schick die Politiker nicht deshalb weg, weil du dich nicht für Politik interessierst, sondern deshalb weil sie deine Interessen nicht ernsthaft genug vertreten. Dabei darf dir sogar egal sein, ob sie das wirklich versuchen oder nicht.

    Das Problem war schließlich nie, ob du dich für Politik interessierst. Das Problem war schon immer, daß die Politik (die gesellschaftliche Klasse der politischen Eliten) sich für dich interessiert!

    „Und die Kirchen, welche uns auffordern, an diese Beschreibungen zu glauben, reden uns gleichzeitig ein, alle Esoterik müsse lauter abergläubiges dummes Zeugs sein.
    Diese Kirchenvertreter predigen direkt gegen die Astrologie, aber dann erzählen sie uns, dass drei Magier einen Stern beobachteten und durch diese Beobachtung den Weg zum Stall in Bethlehem fanden.“

    Ja, das ist schon schräg. Vor allem das Vertrauen, das die Kirchen trotzdem genießen. Fallen solche Widersprüche sonst keinem auf?

    Tatsächlich ist es heute so, daß du einen beliebigen Teilnehmer an einem kirchlichem Fest nach dem Inhalt der Religion fragen kannst und du auf jeden Fall an den Pfarrer verwiesen werden wirst. Der ist für den theoretischen Teil zuständig. Die anderen feiern nur das Fest. Die Lehre bleibt für sie Theorie und die muß man nicht kennen, um an den Feiern teilzunehmen. Darüber hinaus ist es ihnen höchstens noch wichtig, gegen die Religionen von anderen zu sein. Warum ist ihnen auch egal, Hauptsache dagegen.

    „Das waren allerdings Bildungsinstitutionen, die den höheren Klassen und deren Günstlingen vorbehalten blieben.“

    Also kein Unterschied zu heute. Bis auf den, daß durch die öffentlichen Schulen den anderen Gesellschaftsschichten die Aussicht auf Bildung vorgegaukelt wird.

    „Meine Meinung – die ja keiner teilen muss – ist die, dass wir Freie Hochschulen brauchen, die so frei sind, sich über das uralte kirchliche Verbot gegen die esoterische Forschung hinwegzusetzen und Geisteswissenschaft dadurch neu begründen.“

    Andere wollen die Geisteswissenschaften gleich ganz abschaffen. Ich dagegen sage nur, daß du keine Freien Hochschulen bekommen wirst. Vordergründig eine Frage der Finanzierung. Der Staat kann Hochschulen finanzieren, aber der hat keinerlei Interesse an Freien Hochschulen. Also ‚bestenfalls‘ kannst du so etwas wie die Trump-Universität bekommen.

    „Eine Wissenschaft, die diesen heute vorherrschenden Materialismus um eine Stufe höher bringt bis hin zur Erkenntnis der Lebenskräfte.“

    Die Lebenskräfte wurden mal an Universitäten gelehrt und zwar noch als bereits die Naturwissenschaften darin Einzug gehalten hatten. Darin wurzelt die bis heute noch gängige Einteilung in eine anorganische Chemie und eine organische Chemie. Inzwischen gibt es für diese Unterteilung eine andere, jedoch weiterhin nicht so logisch zwingende Definition. Inzwischen gab es nämlich einen ‚Fortschritt‘. Wie gerne ich doch mal einen echten Fortschritt sehen würde!

    Für Freie Hochschulen, die richtige Bildung leisten können, fehlt eigentlich nur eines: ein Modell der Finanzierung.
    Ranma

    • Michaela Wolff permalink

      @ Ranma: Thema ist ja der „Systemfehler“ in der heutigen Demokratie, und zu Habermas wurde gesagt: “ Eine Gemeinschaft wie das Volk hat jedoch kein Selbst, das sich bestimmen könnte. Wenn eine gewählte Gruppe für alle geltende Gesetze beschliesst, bestimmt diese, wie die anderen leben sollen, und das Recht des einzelnen wird dadurch gerade ausgeschaltet.“ Wertvoller Beitrag, weil der mir erklärt, warum es eine Phrase wäre, von der „Selbstbestimmung der Völker“ auszugehen, statt auszugehen von der Selbstbestimmung des Individuums.

      Du hast mir als bekennder Nichtwählerin ja geschrieben: “ Dann bist du an den heutigen Zuständen mitschuldig! Das ist dir hoffentlich klar.“ So richtig klar ist mir das nicht. Denn bisher ging ich davon aus: Nur die dümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber.
      Dachte bisher: Ich habe die Politik nicht bestellt. Was geht mich eine Politik an, die sowieso nichtmal souverän genug dafür ist, geltendes Recht auch durchzusetzen ?
      Aber was Du vorbringst, könnte doch irgendwie Sinn ergeben, auch wenn dieser Sinn mir derzeit noch nicht so ganz aufging. Will das mehrfach lesen und neu darüber nachdenken.

      @ AJD: „Chip implantieren“ Geht mir da genauso wie Dir. Da ist auch bei mir Ende Gelände.
      Da würde mein Pazifismus aufhören. Da käme zumindest unsere neue Mistgabel zum Einsatz.
      Dann ggf. sterben, bevor ich „gechipt“ enden müsste. Ich denke das auch mit der Apokalypse zusammen, mit dem Zeichen an der Hand oder Stirn.
      All diese Dinge – auch die geplante Abschaffung des Bargeldes – sind ein Anschlag auf die Freiheit und Selbstbestimmung des Individuums. Eine Respektlosigkeit sondersgleichen, jemand dazu nötigen zu wollen, sich chippen zu lassen. Gemäss dem Motto: Wir gehen dir unter die Haut, ob du willst oder nicht ist uns egal.

      Thema sogenannter „Demoskopie“: Mir kommt das vor wie bewusste Anwendung von Suggestionen. Die meisten Menschen – glaube ich zumindest – wollen doch selber auf der Seite der Gewinner sein. Und wenn diese Demoskopie denen vor den Wahlen suggeriert, dass die eine Seite am Gewinnen sei, könnte das manche dazu bewegen, diese vermeintlichen Gewinner auch mit zu wählen. Und wir haben ja bei der Trump-Wahl beobachten können, wie sich diese Demoskopen entweder geirrt haben oder bewusst falsche Suggestionen gegeben haben.
      Die lagen ja mit ihren „Einschätzungen“ komplett daneben.

      Zur Frage der Finanzierung Freier Schulen: Hört sich heutzutage vielleicht ketzerisch an, aber warum sollte das nicht eine Industrie finanzieren, die derzeit eine Wettbewerbsverzerrung am Markt erlebt ? Das ist die Tabakindustrie, der verboten ist, Unsummen in Werbung zu investieren.
      Die könnten mal etwas Gutes tun ! Der Schnapsnasenindustrie ist nicht verboten, Werbung zu machen, obwohl an deren Produkten zigtausende Menschen per anno sterben.
      Ist das nicht eine Wettbewerbsverzerrung ?
      Politik erzwingt suggestive „Warnhinweise“ auf Zigaretten und Tabakprodukten, obwohl die Wissenschaft längst bewiesen hat, dass Suggestionen selber eigene Wirkungen verursachen.
      Beweis dafür ist der Plazeboeffekt. Deklariert man negative „Neben“wirkungen an den Mogelpackungen ohne reale Wirkstoffe, die extra für diese Plazeboforschung hergestellt werden und täuschend echt aussehen, treten reale und messbare negative Symptome auf, genau gemäss Suggestion. Was ist denn daraus zu schlussfolgern ?

    • AJD permalink

      […¨] Ging es irgendwann mal in der Geschichte den Schweizern weniger gut als anderen Europäern? […]

      Natürlich, vor dem ersten Weltkrieg – ca. ab 1860 bis ca. 1913, während der Industrialisierung, herrschte in der Schweiz Hungersnöte und regelrechte Armut bei der Arbeiterklasse. Damals war die Schweiz sogar eines der ärmsten Länder von Europa.
      1846 wurde übrigens die direkte Deokratie eingeführt, obwohl das Ausland uns deswegen den Krieg erklären wollte. Die Politiker hatten damals noch Eier.

  10. Ranma permalink

    Übrigens denke ich bei allen möglichen Modellen, um etwas zu finanzieren, immer an Steuern. Tatsächlich ist es ja so, daß Unternehmer gerne Steuern bezahlen. Die einzige Voraussetzung dafür ist, daß die nicht in dunklen Kanälen verschwinden oder anderweitig verschwendet werden, sondern etwas sinnvolles damit getan wird. Unternehmer sind diejenigen, die davon am meisten profitieren, wenn mit Steuern etwas sinnvolles getan wird und das ist der Grund, warum sie solche Steuern gerne bezahlen würden! Also bräuchte nur noch dafür Sorge getragen werden, daß Steuergelder nicht mehr in dunklen Kanälen verschwinden können. Also müßte Steuerverschwendung zum Straftatbestand werden. Dabei sollte man noch berücksichtigen, daß der Steuerzahler ein Dilettant ist, während der Staat Steuern professionell eintreibt und ausgibt. Daraus folgt, daß der Steuerverschwender nicht gleich, sondern sogar sehr viel härter bestraft werden muß als der Steuerhinterzieher!!! Selbstverständlich werden Steuerverschwender vernünftige Gesetzesvorschläge in dieser Richtung mit allen Mitteln verhindern. Unter den Wählern sind dagegen die meisten zugleich Steuerzahler und verstehen darum, daß der Vorschlag sehr sinnvoll ist. Alleine dafür lohnt sich schon die Einführung einer direkten Demokratie!

    Dafür gibt es zwei Wege. Entweder wir lernen über Jahrzehnte ganz langsam von der Schweiz und beten derweil dafür, daß die Demokratie der Eidgenossen nicht schneller abgeschafft wird als wir davon lernen können. Leider ist es in dieser Variante wahrscheinlicher, daß die Schweiz sich an Deutschland angleicht als umgekehrt. Oder wir gehen über die EU-Schiene. Da gibt es die Möglichkeit zu Volksabstimmungen und es gibt kaum Leute, die sich für europäische Politik interessieren. Gegenstimmen sind also nicht besonders wahrscheinlich. Es gibt sogar schon ein Parlament, falls es zu umständlich sein sollte, neue Strukturen auszuarbeiten. Eine Initiative bräuchte also nur die Macht in Brüssel zu blockieren und sie nach Straßburg zu verlagern. Leider bin ich bis jetzt der einzige, der das begriffen hat.
    Ranma

  11. Ranma permalink

    @AJD:

    „Natürlich, vor dem ersten Weltkrieg – ca. ab 1860 bis ca. 1913, während der Industrialisierung, herrschte in der Schweiz Hungersnöte und regelrechte Armut bei der Arbeiterklasse. Damals war die Schweiz sogar eines der ärmsten Länder von Europa.“

    Industrialisierung betraf ganz Europa. Zusätzlich gab es den deutschen Bruderkrieg 1866, den preußisch-französischen Krieg 1870/71, während das osmanische Reich in Zeitlupe zerfiel, weswegen auch ein Balkankrieg in dem genannten Zeitraum liegt. Das sind nur die besonders interessanten Daten, weil sie für den deutschsprachigen Raum wichtig sind. Da soll es den Schweizern schlechter gegangen sein? Außerdem hätte Österreich zu der Zeit gut Verstärkung gebrauchen können und bevor man gleich nebendran Hunger leidet…

    „1846 wurde übrigens die direkte Deokratie eingeführt, obwohl das Ausland uns deswegen den Krieg erklären wollte.“

    Doch so spät erst und gegen den Widerstand des Auslandes statt gegen dem der eigenen Eliten? Dann sollte der Vorgang gut dokumentiert sein. Das ist gut, denn nun stellt sich für viele Europäer die Frage: Wie konnte das überhaupt passieren?
    Ranma

  12. Michaela Wolff permalink

    @ teutoburgswaelder: “ Das mit dem Macht-Aufgeben wird schwierig.“

    Vielleicht geht es gar nicht primär darum, Macht aufzugeben. Sondern darum, die Macht, die man selber irgendwie hat, nicht zu missbrauchen. Selbst eine Omi von 90 Jahren, die ein Kartoffelschälmesser in der Hand hat, hat dadurch auch Macht, das Ding als Mordwerkzeug zu missbrauchen. Sie tut es nicht, weil ihr Motiv einfach darin liegt, Kartoffeln zu schälen.

    Aehnlich ist es doch mit dem Geld. Man braucht es, um frei leben zu können. Man kann es auch dazu missbrauchen, sofern man z.B. Multimillardär wäre, die Freiheit anderer Menschen abzuschaffen. Aber wo läge denn da die eigene Motivation ? Sie läge im Wunsch, andere zu versklaven. Es wäre nicht primär das Motiv, selber frei zu leben, sondern es wäre das Motiv, sich über andere zu erheben, um die zur „Ware“ zu degradieren.
    Und ich glaube zumindest, dass dahinter einfach nur Angst verborgen ist. Vielleicht ist es die Furcht, selber versklavt zu werden, die manche dazu antreibt, immer mehr und mehr Reichtümer aufzuhäufen. Möglicherweise ist hinter solcher Gier einfach nur Angst verborgen.

    Macht an sich ist ja ein Mittel, um frei sein zu können. Sie ist weder gut noch schlecht. Es ist der Mensch bzw. das Individuum, was gut oder schlecht ist, und ich glaube, dass diejenigen besonders schlecht sind, die voller Angst sind. Macht bedeutet ja zunächstmal Freiheit.
    Und eigentlich wollen doch auch die Sklaventreiber nur Freiheit,nämlich ihre eigene, doch sie haben Angst davor, dass wenn auch alle anderen frei wären, sie selber versklavt werden könnten.
    Geht es nicht eigentlich darum, die Angst in Mut umzuwandeln ?

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  1. News 24.11.2016 | Krisenfrei

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