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Das politische Rechts-Links-Schema als Kampfinstrument

30. März 2017

„Ich bin weder links, noch rechts;
ich denke selbst.“
Ein Blogger

Die Bezeichnung von politischen Auffassungen als „links“ oder „rechts“ geht auf die 1789 im Zuge der Französischen Revolution entstandene Französische Nationalversammlung zurück, in der auf der linken Seite (vom Präsidenten aus) die revolutionären, republikanischen, verändernden Kräfte saßen, während auf der rechten Seite die mehr für den Erhalt der politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse eintretenden, der Monarchie freundlich gesinnten Vertreter ihre Sitze hatten. An die Stelle der festgefügten hierarchischen Sitzordnung in der Versammlung der feudalen Generalstände, trat die Auffächerung in ein Meinungs- und Auseinandersetzungs-Spektrum zwischen zwei Polen, zwischen denen sich dann noch weitere Differenzierungen bildeten.

Von Frankreich aus breitete sich die Links-Rechts-Sitzordnung in ganz Europa aus. In Deutschland konstituierte sich das Paulskirchen-Parlament von 1848 nach ihrem Muster. Die republikanischen Abgeordneten, die einen sofortigen Sturz der damaligen Monarchie forderten, saßen links und die Befürworter einer konstitutionellen Monarchie rechts. Auch die Parteien im Deutschen Bundestag sind nach diesem Schema platziert. Die Linkspartei, die die politische Richtung sogar zu ihrem Namen gemacht hat, sitzt ganz links vom Bundestagspräsidium, dann folgen SPD, die Grünen, die CDU/CSU und ganz rechts vormals die FDP. Wo die AfD in die Landtage eingezogen ist, wird sie rechts von der FDP angesiedelt.Dieses quantitative, räumliche Nebeneinander der Parteien in den Parlamenten wurde nun von den Politikern und Medien allgemein in ein lineares geistiges Spektrum abstrahiert, in das alle politischen Parteien, Gruppierungen und Einzelpersonen in der Gesellschaft wie in ein Prokrustesbett gepresst werden. Und an den linken und rechten Enden wurden zusätzliche Abstufungen mittels der Attribute radikal und extrem angefügt. Hieraus ergibt sich die heute gängige Skala: linksextrem – linksradikal – links – Mitte – rechts – rechtsradikal – rechtsextrem (vgl. Wikipedia: Politisches Spektrum).

Unzulänglichkeit des Schemas

Mit dem polaren Schema links-rechts werden die verschiedensten Gegensätze assoziiert: egalitär – elitär; progressiv – konservativ; internationalistisch – nationalistisch; sozialistisch – kapitalistisch oder auch basis-demokratisch – hierarchisch. Alle Ausrichtungen sind in sich wieder sehr vielschichtig, mitunter schwer voneinander abgrenzbar und treten auch als Mischungen auf. Wie soll man wissen, was mit links oder rechts jeweils gemeint ist. Es ist offensichtlich, dass eine Vielzahl von politischen Standpunkten und Auffassungen in ihrer Komplexität nicht hintereinander auf eine eindimensionale Linie angesiedelt werden können. So werden nur diffuse Gefühlswallungen erzeugt, in die jeder seine eigenen Vorstellungen hineinlegt, zumeist aber die, die von der veröffentlichten Meinung gerade vorgegeben werden. Es ist im Grunde absurd.

Die SPD bezeichnet sich in ihrem Parteiprogramm als „linke Volkspartei“, derweil auch kritisch von „rechten Sozialdemokraten“ berichtet wird. Die CDU, früher allgemein als rechts-konservativ eingestuft, hat einen linken Arbeitnehmerflügel und wird heute insgesamt in der Mitte oder gar links gesehen. Aber auch im Liberalismus wird zwischen einem „linken“ und einem „rechten Flügel“ unterschieden: Sozialliberale gelten als „Linke“, Nationalliberale als „Rechte“.
Der Nationalsozialismus in seinen diversen Ausprägungen wird heute von vorneherein der extremen Rechten zugerechnet, obgleich er zahlreiche Elemente sozialistischen Ideengutes hat. Das gleiche gilt für den Faschismus, der ursprünglich aus einem massiv nationalisierten italienischen Sozialismus entstammte. In neuerer Zeit sehen wir die extrem links verorteten Antifaschisten gegen alles, was sie als rechts betrachten, mit Methoden und Mitteln vorgehen, die eindeutig faschistischen Gewalt-Vorbildern gleichen, so dass diese Terrorgruppen auch als Linksfaschisten bezeichnet werden.

Das politische Rechts-Links-Schema kann prinzipiell nicht der adäquaten Beschreibung oder Charakterisierung der politischen Ausrichtungen und Parteien dienen, sondern eher ihrer gegenseitigen schlagwortartigen negativen Kennzeichnung und Diffamierung. „Rechts“ und „links“ sind Kampfbegriffe im politischen Unterholz.

Der Kampf um die Deutungshoheit

Dieses Schlagwort-Kampffeld hat noch viel tiefer gehende Auswirkungen. Es verhindert eine fruchtbare erkenntnismäßige Auseinandersetzung um die rechten Wege gesellschaftlicher Gestaltung zum Wohle aller. Jeder ernsthafte Entwurf gesellschaftlicher Veränderung, setzt die Erkenntnis der bestehenden Verhältnisse und ein Idealbild voraus, nach dem die Realität gerechterweise verändert werden soll. Aber was heißt Erkenntnis? Jeder steht einem Problem zunächst von einem bestimmten Stand- oder Gesichtspunkt aus gegenüber, von wo er, wie z. B. gegenüber einem Haus, nur eine Seite sieht. Andere stehen woanders und blicken auf andere Seiten derselben Sache. Natürlich sehen sie Verschiedenes, das sich nur scheinbar widerspricht, in Wahrheit aber zur Gesamt-Wirklichkeit ergänzt.

Sozialisten blicken auf die Situation der benachteiligten Arbeitnehmer, die für den Profit weniger Kapitaleigentümer ausgebeutet werden, und wollen diese entmachten. Liberale haben die unternehmerische Freiheit im Auge, die erst große Leistungen ermögliche und auch ihre Belohnung verdiene. Sozialdemokraten schauen auf den Staat, der die Arbeiter gesetzlich schützen und über Steuern zum Ausgleich ein Sozialsystem finanzieren soll. Jede Seite hält ihre Beobachtungen und Gedanken für richtig und die damit nicht übereinstimmenden der anderen für falsch, so dass sich die verschiedensten Auffassungen wie monolithische Blöcke gegenüberstehen, zumal die anderen ja nicht als wohlmeinende Erkenntnissuchende, sondern als Gegner um die Macht betrachtet werden.

Parteien (lat. pars = Teil) vertreten von vorneherein weltanschauliche, politische, wirtschaftliche oder kulturelle Teil-Interessen, die sie durch möglichst viele Vertreter im Gesetzgebungsverfahren des Parlamentes und in der Regierung durchsetzen und zu den allein bestimmenden machen wollen. Es handelt sich um organisierte Gruppeninteressen, die primär nicht das Ganze, das Wohl und die berechtigten Interessen aller, sondern Einseitigkeit, Egoismus und Macht eines Teiles im Auge haben.1 Parteien sind in ihrem Machtstreben auf Konfrontation und Kampf angelegt, was durch das unsinnige polare Links-Rechts-Schema noch schlagwortartig verschärft wird. Parteien sind daher Feinde eines freien und umfassenden Erkenntnisbemühens einer demokratischen Gesellschaft um die rechten Wege gerechter Gemeinschaftsgestaltung.

Das Streben nach Wahrheit

Die Wirklichkeit ist viel größer und umfassender als die schmale Seite, die wir durch unseren augenblicklichen Gesichtspunkt gerade erfassen. Halten wir diese für die volle Wirklichkeit, leben wir im Vorurteil und in der Illusion. Kommen mehrere Menschen zusammen, kommt objektiv eine Vielfalt von Gesichtspunkten und Seiten der Sache zusammen. Denn jeder steht biographisch an einem anderen Ausgangspunkt, von dem die Perspektive seines Wahrnehmens und Denkens bestimmt wird. In einem gemeinsamen Erkenntnisbemühen kommt es darauf an herauszufinden, von welchem Gesichtspunkt der andere spricht, und anzuerkennen, dass dieser ebenso berechtigt und notwendig ist wie der eigene. Falsch sind seine Gedanken nur, wenn sie auch von diesem Gesichtspunkt aus irrtümlich sind.

Wer sich mit seiner eigenen Ansicht zufrieden gibt, auf ihre unbedingte Gültigkeit pocht und daneben keine andere duldet, hat nicht den Willen zur Wahrheit. Es geht ihm in unbewusstem Egoismus um die alleinige Deutungshoheit. Oder – noch schlimmer – er verfolgt bewusst bestimmte Ziele, die nur erreichbar sind, wenn die eigene Ansicht als die einzig korrekte medial abgesichert, alle abweichenden Ansichten ignoriert oder dadurch aus dem Feld geschlagen werden, dass er gar nicht auf sie eingeht, sondern denjenigen, der sie äußert, als Menschen moralisch diskreditiert und verächtlich macht. Doch förderlich ist nur, wenn alle Aspekte einer Sache zu einem Gesamtbild zusammengestellt und daraus Handlungsinitiativen entwickelt werden. Denn „nur das Ganze ist die Wahrheit“ (Hegel).

Um auf das obige Beispiel zurückzukommen: Selbstverständlich ist die Forderung des Sozialismus objektiv berechtigt und notwendig, die Ausbeutung der Arbeitnehmer zu beseitigen, die auf einem Abhängigkeitsverhältnis vom Unternehmen beruht, das wiederum aus dem Privateigentum am Unternehmenskapital entsteht. Das heißt, das Privateigentum muss in eine neue Form eines sozial gebundenen Eigentums übergeleitet werden. Die Forderung der Liberalen nach der unternehmerischen Freiheit ist aber ebenso berechtigt. Das bedeutet, dass das neue Eigentum am Investitionskapital etwa kein Staatseigentum sein darf, sondern weiterhin ein individuelles Eigentum, über das der unternehmerisch Tätige zur Realisierung seiner unternehmerischen Ideen frei verfügen können muss. Aber die Früchte davon, die Gewinne, können nicht allein in seine Taschen fließen.2 Auch all die Forderungen der SPD nach gesetzlichem Schutz der Arbeitnehmer sind berechtigt, indem Arbeitszeit, Kündigungen, Lohnhöhe etc. an rechtliche Standards gebunden werden. Aber man muss sogar noch weitergehen und in der Betriebsverfassung alle Betriebsangehörigen, die unternehmerisch Leitenden wie die übrigen Mitarbeiter, im Verhältnis zum Unternehmen rechtlich auf eine Ebene stellen.

Wem es um die Erkenntnis und Förderung des Ganzen geht, was ja eigentlich das Normale sein sollte, der wird von Konservativen und Neoliberalen als Sozialist und Linksextremer und von Linken gleichzeitig als Neoliberaler und Rechter beschimpft, was natürlich absurd ist. Er ist in dieser irrsinnigen Schablone gar nicht unterzubringen.

Die einseitigen Argumente in der Massenmigration

Nehmen wir noch ein anderes Beispiel. In der sogenannten Flüchtlingskrise sind vor allem SPD und Grüne aus humanitären Gründen für eine unbegrenzte Aufnahme von Flüchtlingen, zu denen sie stillschweigend aber auch die großen Massen der Migranten zählen. LINKE nehmen die Invasion als selbstverschuldetes Schicksal Europas, dessen Länder nicht nur im Kolonialismus, sondern auch heute die afrikanischen Länder ausbeuteten und verarmen lassen. Nationalkonservative fordern geschlossene Grenzen zum Schutz der nationalen Identität und des Nationalstaates.

Hier tauchen drei verschiedene Aspekte der Sache auf, die alle Berechtigtes in sich tragen. Indem sie aber ins Extrem getrieben, verabsolutiert und die jeweils anderen Aspekte ausgeklammert werden, wird man der Wirklichkeit nicht gerecht, die eben nicht aus nur einer Seite besteht. Neben asylberechtigten Flüchtlingen auch Migranten grenzenlos aufzunehmen, ignoriert und bricht das bestehende Recht und führt zu Zuständen des Staates, in denen er schließlich selbst nicht mehr helfen kann. Die Schuld der westlichen Industriestaaten an der Ausbeutung und Verarmung Afrikas ist in der Tat ein großes Problem, das international gelöst werden muss. Es wird aber nicht dadurch gelöst, dass große Teile insbesondere der jungen Bevölkerung der dortigen Lösung entzogen werden.

Die Identität des bisherigen Volkes muss bei fortdauernden Massenimmigration allmählich verloren gehen. Das Volk hat aber einen Anspruch auf seinen verfassungsmäßigen Schutz. Ein globales Menschenrecht auf freizügige Niederlassung gibt es nicht, und es könnte auch nicht das verfassungsmäßig garantierte Recht der angestammten Bevölkerung auf Selbstbestimmung aufheben. Die Existenz des deutschen Volkes mit einer eigenen kulturellen Identität zu leugnen, ist kulturgeschichtliche Ignoranz und Dummheit, die auf ideologischer Verblendung, also auf Abwesenheit von Erkenntnis oder böswilliger Absicht  beruht.

Andererseits ist das Beharren auf dem Nationalstaat eine konservative Einseitigkeit, die zu Recht kritisiert werden kann, weil sie auf überholten  Vorstellungen von Nationalismus-anfälligen ethnischen Gemeinschaften beruht und ignoriert, dass das Volk keine Bluts-, sondern eine Seelen-, sprich Kulturgemeinschaft ist, die zwar überwiegend an die folgenden Generationen weitergegeben wird, aber nicht auf dem gemeinsamen Blut beruht. Ein Staat als Rechtsgemeinschaft könnte auch mehrere Völker umfassen, wenn aus ihren unterschiedlichen Kulturen gemeinsame Rechtsvorstellungen hervorgehen. Das Hauptproblem ist aber der nationale Einheitsstaat, der von Frankreich ausgehend auf der Fiktion beruht, die Nation habe einen einheitlichen Willen, der auf allen Lebensgebieten in regelnde Gesetze gefasst werden müsse. Diese Fiktion des einheitlichen Regelungswillens hat die oligarchische Herrschaft von wenigen zur Folge und hebt im Wirtschafts- und Kulturleben die Selbstbestimmung der dort Tätigen weitgehend auf.

Es soll ja hier keine umfassende Behandlung dieses Themas erfolgen, sondern nur angedeutet werden, wie komplex es ist und dass es darauf ankommt, den verschiedenen Aspekten gerecht zu werden und sie zum Bild der ganzen Wirklichkeit zusammen zu führen, um daraus nach Lösungen zu suchen. Aber wer eben dies versucht, wird aus den entsprechenden Winkeln nacheinander als linksextrem, linksradikal, rechts und rechtsextrem eingestuft. Was ist er denn nun? Es ist verrückt.

Stupidität der Oberflächlichkeit

Eine zentrale Aufgabe, die sich der Anthroposoph Rudolf Steiner stellte, war die genaue Erforschung der menschlichen Erkenntnis, ihres Zusammenhanges mit der Wirklichkeit und der Möglichkeiten, sie auf übersinnliche Welten auszudehnen. In der Einleitung zu seinem Buch „Vom Menschenrätsel“ schrieb er:

„Zwei voneinander abweichende Gedankenrichtungen können ihrem Wesen nach oftmals nur dadurch begriffen werden, daß man ihre Verschiedenheit so ansieht wie die Verschiedenheit zum Beispiele zweier Bilder eines Baumes, die von zwei Richtungen her durch einen Photoapparat aufgenommen sind. Die Bilder sind verschieden; aber ihre Verschiedenheit beruht nicht auf dem Wesen des Apparates, sondern auf der Stellung des Baumes zum Apparat. Und diese ist etwas ebenso außerhalb des Apparates Liegendes wie der Baum selbst. Die Bilder sind beide wahre Ansichten von dem Baume. Das Abweichende zweier Weltanschauungen hindert nicht, daß beide die wahre Wirklichkeit zum Ausdrucke bringen. – Die Wirrnis der Ideen entsteht, wenn die Menschen dieses nicht durchschauen. Wenn sie sich zu Materialisten, Idealisten, Monisten, Dualisten, Spiritualisten, Mystikern oder gar Theosophen machen, oder von anderen gemacht werden, und damit ausgedrückt werden soll: man käme nur zu einer wahren Ansicht über die Quellen des Lebens, wenn man seine ganze Denkweise im Sinne eines dieser Begriffe abstimmt. Aber es ist die Wirklichkeit selbst, die von der einen Seite her durch materialistische Ideen erkannt sein will; von einer anderen durch geistgemäße, von einer dritten als Einheit (Monon), von einer weiteren als Zweiheit.

 Der denkende Mensch möchte durch eine Vorstellungsart das Wesen der Wirklichkeit umfassen. Und wenn er bemerkt, daß er dieses umsonst unternimmt, so behilft er sich damit, daß er sagt: Alle Vorstellungen über die Wurzeln des wirklichen Lebens sind persönlich (subjektiv) gestaltet, und das Wesen des «Dinges an sich» bleibt unerkennbar. — Aus wie vielen Verwirrungen des Gedankenlebens heraus führte doch die Erkenntnis, daß gar mancher Mensch über eine von der seinigen abweichende Weltanschauung so spricht, wie einer, der das von einer Seite her aufgenommene Bild eines Baumes kennt, und der, gestellt vor ein von anderer Seite her erhaltenes, nicht zugeben will, daß dies ein «richtiges» Bild desselben Baumes ist!“ 3

Rudolf Steiner schärfte den Anthroposophen schon für die gewöhnliche Alltagserkenntnis die größte Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit ein. Er warnte vor der Autorität dessen, was „öffentliche Meinung“ genannt wird. Niemals solle das eigene Denken halbbewusst sich selbst überlassen, sozusagen unbewacht gelassen werden; insbesondere sollten nicht die in der Öffentlichkeit gängigen Redensarten und Worte gebraucht werden, bei denen man nicht genügend nachdenkt.4

Aber selbst Anthroposophen oder solche, die sich dafür halten, entblöden sich nicht, einen anderen bedenkenlos in dieses politische Links – Rechts – Kampfschema zu pressen: für den einen ist er ein Linker, für den anderen ein Rechter, ein Rechtsextremer gar, ein Nationalist. Es ist, sehen wir von dem verleumderischen Charakter ab, ein primitives assoziatives Mitschwimmen in der veröffentlichten Meinung, das nur die völlige Abwesenheit eigenen verantwortlichen Denkens offenbart.

Dabei verfällt man sogar in den verbreiteten Vorstellungs-Mechanismus, jemanden, der in einem Punkt mit der Auffassung der Sozialisten oder der Nationalisten übereinstimmt, deswegen als „Links- bzw. Rechtsextremen“ zu bezeichnen. Man ist aber doch nur ein Sozialist oder Nazi, wenn man einer ist und nicht, wenn man einen ähnlichen Hut trägt oder eine punktuelle Erkenntnis bestätigt, zu der ja jeder Mensch kommen kann, gleich welcher Weltanschauung er sonst angehört. Es genügt schon, einen bei Kommunisten (fälschlicherweise) als rechtsextremen Geschichts-Revisionisten verschrienen Historiker als Redner einzuladen, eine national-konservative Zeitung zu lesen oder sich mit einem Thema zu befassen, das auch bei „rechtsextremen“ Parteien auf der Tagesordnung steht, um in den Ruf eines „Rechtsextremisten“ zu geraten. Es ist ein oberflächlich-assoziativ verlaufendes, verlottertes  Denken, das Anthroposophen disqualifiziert, sich als solche bezeichnen zu können, da sie von der Einhaltung der zentralen Erkenntnisbedingungen, die Rudolf Steiner als Grundlage der Anthroposophie aufgezeigt hat, weit entfernt sind.

Sie schwimmen gedankenlos mit in dem, was als „Öffentliche Meinung“ so wirkt, dass sich von außen ein „Intellekt wie eine Art öffentlicher Macht unter den Menschen ausbreitet, …  der sich die Menschen fügen sollen, wie eine Art objektiver, außer den Menschenseelen wirkender Macht.“ „Wir schützen uns am besten dadurch, wenn wir uns immer mehr und mehr bestreben, ein klares und genaues Denken zu entfalten, so genau wie möglich zu denken, nicht einafch so hinzuhuschen im Denken über die Dinge, wie das heute gerade gesellschaftlicher Usus ist. … Eine solche Selbsterziehung sollte derjenige, der es mit den Aufgaben der Zeit ernst nimmt, gerade in solchen Intimitäten in ganz hervorragendem Maße in Angriff nehmen.4

—————————-
1   Vgl. Das Verhängnis der politischen Parteien
2   Vgl. Die ungebändigte Macht des Kapitals
3   Rudolf Steiner: Vom Menschenrätsel S. 14 f.
4   Vgl. Rudolf Steiner GA 254 S. 176
5    a.a.O., S. 174

 

 

 

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18 Kommentare
  1. Uwe Zöller permalink

    Das erinnert mich an einen jüdischen Witz : Zwei Kontrahenten treffen sich beim Rabbi . Der erste erklärt dem Rabbi seine Sicht der Dinge. Der Rabbi sagt daraufhin : “ Du hast recht.“ Dann teilt der andere ihm seine Argumente mit. Der weise Rabbi sagt wieder : “ Ja, du hast recht. “ Daraufhin ruft der Erste verzweifelt aus : “ Aber Rabbi, wir können doch nicht beide recht haben. “ Der Rabbi erwidert ; “ Ja, da hast du recht . “

    Wir können die beiden Seiten einer Münze nicht gleichzeitig sehen. Unsere Erkenntnis ist beschränkt und zeitgebunden.
    So ist es, wenn man in die Welt der Sprache eintaucht , also vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse nascht. Unter diesem Blickwinkel bildet sie die Welt ab. Schon in der Betrachtung unterwerfen die Welt unseren Bedürfnissen. Wir haben einen ausbeuterischen Blick auf die Dinge.
    Das Ganze, die Wahrheit, die Gerechtigkeit. die Welt, das Universum, das Göttliche…. ausgesprochen ist es schnell und einfach und doch entzieht es sich unseren Erkenntnismöglichkeiten und schwebt als Ahnung im Unfassbaren.

    Außerdem kommen wir nicht heraus aus der eindimensionalen Betrachtungsweise unseres Erkenntnisapparates. Was ich sehe, hängt von der Konstruktion meiner optischen Wahrnehmungswerkzeuge ab. Wie ich es ausdrücke, wird von der Konstruktion meines Gehirnes, meiner Zunge und meines Kehlkopfes bestimmt. “ Das Ganze “ ist mit beschränkten Mitteln nicht fassbar.

    Ihr idealistischer aufgeklärte Ansatz : Wir setzen uns zusammen, hören uns die unterschiedlichen Standpunkte an und bündeln die besten Argumente zu einer Lösung, funktioniert nur ab und zu.
    Sie haben recht : 4 Augen sehen mehr als 2. 40 Augen sehen aber wahrscheinlich weniger. Ein gefühlvoller Mensch nimmt andere Dinge wahr, als ein sachlicher, ein Hungriger andere als ein Satter, ein Bedrohter sieht die Welt anders als ein Geborgener. ein Egoist anders als ein Hilfsbereiter. Alle zusammen ergeben nicht dieWahrheit, sondern ein Chaos. Wenn wir Glück haben, findet sich ein Geist, der Ordnung schafft, die Spreu vom Weizen trennt in der verwirrenden Vielfalt der Beobachtungen.
    Ein gewisses Niveau erreicht man aber nur durch Selektion. Aber auch auf hohen Gipfeln kommt man der Sonne nicht wirklich näher.

    „Zu jedem Argument gibt es ein Gegenargument „, habe ich einmal in einer Gesprächsrunde eingebracht. Worauf ein anderer gesagt hat: „Das stimmt nicht.“ Ich habe mich natürlich bestätigt empfunden, es aber nicht gesagt.

    • Michaela Wolff permalink

      @ Uwe Zöller: „…das Göttliche….ausgesprochen ist es schnell und einfach und doch entzieht es sich unseren Erkenntnismöglichkeiten..“

      Erkenntnis ist eines, Meinungen gibt es viele. Was Sie da äussern entspricht ja genau der Lehrmeinung der Exoterik, der Kirchen. Diese behaupten, das Göttliche entziehe sich unseren Erkenntnismöglichkeiten. Deswegen müssten wir beim Glaubensdogma stehenbleiben und dürften dieses feststehende Dogma nicht hinterfragen, nicht frei erforschen.
      Es ist die Exoterik, welche unser Denken derart manipuliert. Wahre Esoterik gibt uns jedoch Mittel und Wege , mithilfe derer jeder Einzelne zu einem ERLEBEN des Göttlichen, des Geistigen und zum SCHAUEN kommen kann.

      Die Erkenntnis, dass in Wahrheit zwei plus zwei vier ergibt, ist gar nicht gebunden daran, ob jemand hungrig oder satt, bedroht oder unbedroht, egoistisch oder hilfsbereit ist. Kein Jude streitet mit einem Muslim oder Christen darüber, ob zwei plus zwei vier ergibt. Es sei denn, es wären solche, die unzurechnungsfähig wären. Das sind aber keine Erkenner.
      Worüber gestritten wird, sind Meinungen, nicht Erkenntnisse sondern blosse Meinungen.

      Gibt es dazu ein Gegenargument ?

    • Elisa permalink

      Ehrlich gestanden, hier wird mir zu viel auf Meta-Ebenen gescheit daher gesprochen. Dieser intellektuell verdunstende Wust verschwindet mir im Nu. Kurz, es bleibt fast kaum etwas Haltbares zurück. Ich plädiere für eine fassbarere Sprache.

      Einen Satz kann ich unterschreiben: „Wir haben einen ausbeuterischen Blick auf die Dinge.“
      Solange wir als Menschen in Abhängigkeitsverhältnissen leben – und das tun praktisch alle in irgendeiner Weise, sei es bei der Arbeit, in Beziehungen, in Verwandtschaftsverhältnissen, in Bezug auf Materielles, auf Gesundheitliches usw. – solange werden wir immer – nur – ein individuelles, die eigenen Vorteile suchendes Urteil über die Dinge abgeben und dieses entsprechend vertreten. Da spielen ganz einfach bekannte Unholde ihre missliche Tour, nämlich der Selbsterhaltungstrieb und der Machttrieb, die wir nie und nimmer überwinden können.

      Das Links-Rechts-Konstrukt und alles, was dem im Laufe der Zeit noch verwirrend und nicht selten bewusst manipulativ hinzugefügt wurde, sollte schon längst im Abfall der Geschichte vermodern. Es gibt Ansichten und Blickwinkel zu einem Thema, Basta!

  2. Michaela Wolff permalink

    Thema „rechts“ und „links“ Das rechts-links – Denken ist ja ein horizontales Denken. Es gibt Hypnotiseure, die ein Pendel verwenden. Der zu Hypnotisierende wird aufgefordert, der Pendelbewegung mal nach rechts, dann nach links usw. mit dem Blick zu folgen, immer hinundher, und die Wirkung ist dann die, dass er bewusstseinsmässig so tief einschläft, dass sein eigener Wille wie tot ist und der Wille des Hypnotiseurs ihn fernsteuert.

    Aehnlich macht es die Politik mit den Wählern. Sie sagt: Schaut nach rechts, dann sagte sie: Schaut nach links und so weiter, und heutzutage – so scheint mir – ist das Ziel erreicht: Die Allgemeinheit wurde hypnotisiert und schläft. Das Gegenmittel gegen diese Einschläferung des Willens ist darin zu finden, dass man sich bewusst rausreisst aus diesem horizontalen Denken und dieses durch ein vertikales Denken durchkreuzt. Das ist reine Willensfrage.

    Man kann damit beginnen, es zu durchkreuzen, indem man das eigene Denken selbst bestimmt und es an die Vorstellung bindet: Oben alles wie unten, unten alles wie oben.
    Man muss das dann immer wieder neu mit realen Inhalten füllen, z.B. kann man mit Himmel und Erde beginnen: Oben die Sonne. Unten die Sonnenblumen. Unten die Mohnblumen. Oben der Mond.
    Oder man wendet es auf das Politische an: Oben war früher mal die SPD. Unten war die CDU/CSU. Unten war die AfD. Oben ist in der wahren Demokratie der Souverän, der Wähler, ohne den keine Partei nach oben käme.
    Man kann so das bloss horizontale Denken durch bewusst erschaffenes vertikales Denken durchkreuzen. Das ist eine Willensübung. Ich habe diese Uebung 17 Jahre lang täglich für 10 Minuten lang jeden Morgen durchgeführt, habe täglich das mit neuen Inhalten gefüllt, weil ich das Gefühl hatte, dass dieses politisch gewollte rechts -links – horizontal -Denken mich fast schon einschläferte und ich aber dem etwas Aufrechtes entgegensetzen wollte.

    • Uwe Zöller permalink

      Das geht mir ähnlich. In einem Buch über die Mafia schreibt Dagobert Lindlau , dass er den Mafiachef von Moskau sprechen wollte. Dazu ist er zum Polizeichef gegangen, der ihm genau den Aufenthaltsort dieses polizeilich meistgesuchten Mannes sagen konnte.. Das klappt so überall, erklärt Lindlau.

      Das Gute und das Böse , sie brauchen einander in der dualen Welt. Ich stelle mir vor, dass die zwei, Räuber und Gendarme, zusammen abends, nach getaner Arbeit , ein Bier trinken. Sie bilden eine Einheit. Für Leute wie mich , eine Ebene tiefer, wird es von den Medien dual dargestellt. Aus der Synthese wird These und Antithese gemacht, da gibt es den Kampf zwischen Gut und Böse, um Sinn und Spannung zu erzeugen.
      Ich brauche diese duale Ordnung, um nicht in die Beliebigkeit zu stürzen, Ich will auf der guten Seite stehen. Die Angst vor einer Sinnleere ist groß. Dazu dienen auch die Dogmen.

      Ich stelle mir das wie einen Kuchen vor, der in zwei Hälften geschnitten wird, eine gute und eine böse. Wer wo das Messer ansetzt, bleibt mir oft verborgen. Der Mohammedaner und der Ungläubige, der Nationalist und der Universalist. der Faule und der Olympionike. Es werden vertikale Spannungen geschaffen..
      Die Vermutung, dass mediale Lieblingsgegensätze , auch wenn sie schon stinken und modern ,wie rechts und links , am Leben gehalten werden, damit brisantere Gegensätze, wie die von Macht und Ohnmacht, von Wahrheit und Manipulation von Befehlsgeber und Befehlsempfänger , von Freiheit und Gelenkt sein, aus dem Blickfeld geraten, liegt nahe. Wir kennen die Befehlsgeber oft nicht und noch schlimmer, wir merken nicht, wie wir gehorchen und halten es für das Eigene.
      Aber das Feld der Manipulationen, der Lügen , der Krisen, der Probleme, der Ungerechtigkeiten, der Zerstörungen wächst wie aus dem Nichts und überflutet mich wie ein Tsunami. Die Aufklärung gibt mir einen Löffel in die Hand, dagegen anzukämpfen.

      Ich möchte nicht, dass die Kommentarseite zum Dialog zwischen Michaela und mir wird und Sie als Themengeber überhäuft werden und ziehe mich etwas zurück. Vorerst ein Dankeschön für den Aufbau dieser Plattform.

  3. Rudolf permalink

    Die Bezeichnungen rechts und links können sich immer nur auf die Ausrichtung einer Partei oder politischen und weltanschaulichen Bewegung beziehen, ebenso auf eine Parteizugehörigkeit, auf Standpunkte, programmatische Inhalte, einzelne Meinungen usw., niemals aber auf einen Menschen. Das ist das Entscheidende.
    Wenn ein Mensch sich selbst aufgrund seiner Parteizugehörigkeit oder auch ohne eine solche als rechts oder links (oder natürlich auch Mitte !!) bezeichnen möchte, bitteschön, selber schuld. Aber es ist ein riesengroßes Unrecht, einen Menschen gegen seinen Willen, nur wegen seiner Parteizugehörigkeit oder seinen Meinungen, Überzeugungen, Standpunkten usw. als rechts oder links zu bezeichnen. Das dient nur der Ausgrenzung, Brandmarkung, Verunglimpfung und Schubladisierung, denn kein Mensch hat in seiner Gesamtheit exklusiv oder auch nur überwiegend rechte oder linke Standpunkte, Meinungen usw., das ist schlichtweg unmöglich.

    Rechts und links sind heute vor allem Schimpfwörter, vor allem „rechts“ wird in Form der Nazikeule inflationär verwendet, zur argumentationslosen Verunglimpfung des Meinungsgegners bei der kleinsten Abweichung.
    Rechts und links sind Schafställe, in welche die Herrschenden das Stimmvieh zu treiben trachten, mit dem für sie positiven Nebeneffekt seiner gegenseitigen Aufhetzung und Zerfleischung aus unwichtigen Anlässen.

  4. Heinz Raschein permalink

    Diejenigen die schon länger im Gebiet des vs-Besatzungskonstruktes leben, vergeben zwar ausgiebig nach links und nach rechts politische Etiketten, ohne allerdings darüber nachzudenken oder je nachgedacht zu haben, worin der begriffliche Inhalt dieser Bezeichnungen, Zuweisungen besteht. Insofern haben wir hier einen reflektierten Artikel zu diesem Thema, grosse Anerkennung!

    Man wird mich fragen, wie ich zum erstgenannten Befund komme. Es ist der Freundes- und Bekanntenkreis meiner langjährigen Münchner Lebenspartnerin, der mir die Erkenntnis vermittelt hat. Niemand kann mir eine intellektuell annehmbare Antwort auf die Frage geben, was denn die beiden politischen Richtungen ausmache, die man dennoch so oft „diagnostiziert“. Man wirft also mit Etiketten um sich, ohne sich zu überlegen, was sie denn überhaupt kennzeichnen sollen.

    Ich selbst bin aus diesem lechts-rinks-Zirkus ausgestiegen, ohne damit unpolitisch zu werden, zumal ja auch Desinteresse eine politische Betätigung wäre. Bis dahin aber hatte ich mir meine Gedanken zum Thema gemacht. Rechts stehen demnach Leute, die auf die schöpferische Kraft der Individuen vertrauen, links diejenigen, welche sich das Heil eher von einem wie immer gearteten Kollektiv erhoffen. In der nun errungenen Altersweisheit sage ich, dass die Wahrheit in der Mitte liegt, und zwar – Gott behüte – nicht in Merkels „Mitte“. Sondern in der Herausforderung zu erkennen, welche Aufgaben besser durch eine Mehrzahl von Menschen angegangen werden sollen oder wo der einzelne individuell für alle mehr bewirken kann. Diese notwendige Sachdiskussion wird in unserer Welt gezielt abgewürgt durch ideologische Kategorisierung.

  5. enrico permalink

    Für alle, die es noch nicht wissen und niiiiie selbst darauf gekommen wären: Die Rechts-Links-Unterscheidung für politische Meinungen ist (in unserer Zeit) völliger Unsinn. Und wer sie ab jetzt trotzdem noch verwendet, ist ein ungebildeter Blödmensch, mit dem Verstand einer zurückgebliebenen Nacktschnecke. Weitersagen!

    muss doch mal gesagt sein, oder? …enrico 😉

  6. Michaela Wolff permalink

    Denn „nur das Ganze ist die Wahrheit“(Hegel)“
    Und: „Die Wirklichkeit ist viel grösser und umfassender als die schmale Seite, die wir durch unseren augenblicklichen Gesichtspunkt gerade erfassen,.“

    Es gibt ein simples Beispiel, das aufzeigt, warum beide o.g. Aussagen zutreffen. Habe mal die Darstellung einer sog. „Optischen Täuschung“ gesehen. Weisser Hintergrund. Darauf lauter aneinander gereihte schwarze „Gitterkreuze“, deren Mittelpunkte ausgespart, also weiss waren.
    Wenn man das Ganze auf einmal ins Blickfeld nimmt, ohne die Konturen zu focussieren, dann wird eine Erscheinung erlebbar: In den weissen Mittelpunkten der schwarzen Gitterkreuze erscheinen schwarze Punkte, die objektiv betrachtet gar nicht da sind.

    Sobald man dann mit dem Blick weggeht von der Gesamtheit des Bildes und die einzelnen kleinen Teile und Konturen focussiert, sind die schwarzen Punkt verschwunden. Es hängt also von unserer ART der Betrachtung ab, ob wir diese ERSCHEINUNG überhaupt ERLEBEN.

    Und ähnlich verhält es sich mit unserem Blick auf die Gesamtheit, die man „Politische Landschaft“ nennen kann. Sofern wir nur fortwährend die kleinen Konturen und Teilchen (Parteien) in den Focus nehmen, entgeht unserem Bewusstsein etwas, das wir erst auffinden, indem wir zuerst das Ganze an-schauen. Wenn man versucht, das Ganze aus den kleinen Teilchen (Atomen und so weiter) heraus zu „erklären“, lässt man dadurch etwas ausser Acht, was im Leben allerdings zum Begriff des Ganzen dazugehörig ist. Zum Begriff „Wirklichkeit“ gehört auch der Begriff „Erscheinung“ dazu.

    Wenn man z.B. einem sog.“Wackelbild“ gegenüber nur einen einzigen festen Standpunkt einnimmt, entgeht einem gerade das Wesentliche solchen Bildes. Das Wesen solchen Bildes besteht ja darin, dass es je nach unterschiedlichem Standort ihm gegenüber ganz andere Dinge zur Erscheinung bringt. Politik will uns dazu verführen, den Erscheinungen des Lebens gegenüber nur einen einzigen Standpunkt einzunehmen, und das ist der Standpunkt einer einzigen Partei, die einen anderen Blickwinkel als ihren eigenen nicht gelten lassen will.

  7. nichtwähler2017 permalink

    Für mich gibt’s nur noch zwei Fraktionen:
    1. Menschenfeinde
    (also diejenigen, die seit fast 20 Jahren in der BRD eine menschenfeindliche Verarmungspolitik umgesetzt haben und am Laufen halten) und
    2. Nicht-Menschenfeinde
    (die sich für einen wirklich demokratischen, sozialen, gerechten Staat einsetzen).
    Mehr Unterscheidung braucht’s nicht; und macht das ganze Affentheater, das uns gerade vorgeführt wird (siehe Schulz-Hype) sehr leicht durchschaubar.
    Zur Vertiefung was unsere Nicht-Demokratie angeht empfehle ich Prof. Mausfelds Vortrag über die Angst der Eliten vor dem Volk auf Youtube ( https://www.youtube.com/watch?v=Rk6I9gXwack )
    Mahlzeit!

  8. Mike@t-onine,de permalink

    Es gibt ja diese komischen Fliegen, die aussehen wie Wespen aber keine sind. In ähnlicher Weise gab es in der Linken kurz nach ihren Anfängen bis heute solche, die eben Grundpositionen verraten haben und wie die SPD für den ersten Weltkrieg an der Seite von Kaiser Wilhelm im Reichstag stimmten. Die Rechte hat andere Ursprünge oder Repräsentanten wie das Junkertum oder den Stahlhelm aber auch die Humanisten zähle ich dazu.
    Heute allerdings unterstützt die Antideutschen, die Grünen und die meisten Linken im Grunde die staatstragende Politik zur Abschaffung der Souveränität der Nationalstaaten zu Gunsten einer imperialen EU. Sie lehnen Kritik an der Aufgabe der Nationalstaaten als „Nationalismus = Nazi“ ab. Diese Etikettierung der Kritiker wird von den Leitmedien übernommen. Die Grünen als Pseudolinke haben die Bombardierung von moslemischen Ländern wie Afghanistan und Lybien gestimmt. Die Rechte vertritt eher traditionelle linke Grundpositionen, z.B. die Ablehnung der Eskalation mit Russland und Ablehnung der o.g. Kriege. Allerdings sind im Schlepptau der Rechten viele Bauernfänger obenauf, die völlig zurückgebliebene Positionen vertreten wie die Flache-Erde-Theorie oder die Ablehnung der Evolution. Da kommt viel hoch von früher und es gesellen sich dazu christliche Fundamentalisten und Menschen die alle Moslems in einen Topf werfen und hassen. Das größte Problem ist aber die Mehrheit, die jeden Konflikt mit der Obrigkeit vermeidet, deren Meinung hauptsächlich durch ARD und ZDF geformt wird und die am Schluss anderen die Verantwortung geben, wenn sie als verarmter Rentner mit wertlosem Riester-Euro-Papiergeld ihren Ofen heizen. Sofern der Ofen dann nicht schon vorher gebührenpflichtig stillgelegt wurde. Denn warum sollte die Regierung eine kostenarme und steuerfreie Heizmöglichkeit für diesen Personenkreis dulden?

    • @Mike@t-onine.de: „…die eben Grundpositionen verraten haben und wie die SPD für den ersten Weltkrieg an der Seite von Kaiser Wilhelm im Reichstag stimmten.“

      Ich bin mittlerweile zum Schluss gekommen, dass die offizielle Geschichtsschreibung, die uns in Schule, Funk und Fernsehen bezüglich der letzten 120 Jahre vermittelt wird, falsch ist.

      Die britischen Eliten wollten einen Krieg gegen das Deutsche Kaisserreich, da es im internationalen Handel zu erfolgreich geworden war.

      Wobei die nichtbritischen Einflüsterer der britischen Eliten wussten, dass ein langer und verheerender Krieg (im Grunde genommen ein zweiter 30jähriger Krieg) – trotz Sieges – auch das Britische Empire zu fallen bringen würde.

      Diese einflussreichen „Einflüsterer“ verfolgten demnach eigene Ziele.

  9. Gerade die Vielfalt der politischen Themen führt die gängige Rechts-Links-Gesäßgeografie ad absurdum. Vor einiger Zeit hatte mal jemand das Dilemma an einem praktischen Beispiel erläutert. Er hatte erhebliche Bedenken sowohl gegen den Ausstieg aus dem beschlossenen Atom-Ausstieg wie auch gegen das beabsichtigte Ausländer-Wahlrecht. Ob er also Rot-Grün oder Schwarz-Gelb gewählt hätte, es wäre ziemlich unbefriedigend gewesen. In der Ablehnung von TTIP und CETA stehen sich AfD näher, als eine oberflächliche Betrachtung des Spektrums vermuten ließe. Hatte neulich ein paar Zeilen eines AfD-Lokalpolitikers zum Thema Natur gelesen, die ein Grüner kaum schöner hätte formulieren können.

    Politik ist eben eine mehrdimensionale Sache. Auch die Dimension Zeit spielt eine erhebliche Rolle. Früher hatte ich die Atomkraftgegner einfach nur als Spinner betrachtet. Heute sehe ich das Thema differenzierter. Wir können uns kein Restrisiko leisten. So lange solche Katastrophen wie in Tschernobyl und Fukushima möglich sind und sich der Reaktor im ärgsten Fall nicht sozusagen selbst zerlegt, um so die Kettenreaktion zu beenden, sollte man es besser beim Ausstieg belassen.

    Völlig absurd wäre eine einfache Gut-Böse-Assoziation mit dem einen oder anderen Teil des Spektrums oder mit Befürwortern oder Gegnern einer Sachfrage. Es gab in der Geschichte Bösewichte sowohl im rechten wie im linken Lager – und auch in der Mitte. Mitte … – da denke ich z. B. an das Rückgrat. Aber auch an einen anderen Körperteil.

    • Michaela Wolff permalink

      „Völlig absurd wäre eine einfache Gut-Böse Assoziation mit dem einen oder anderen Teil des Spektrums oder mit Befürwortern oder Gegnern einer Sachfrage.“

      Das ist wohl wahr, weil diese Begriffe: Gut-Böse gar nicht anwendbar sind auf „Teile eines Spektrums“, denn diese sind Gruppierungen und keine einzelnen Personen.
      Aber solche Denkschemata wirken heutzutage in der Welt. Als „die Bösen“ gelten aus der Sicht des Joschka Fischer offenbar „die Deutschen“ als Kollektiv, denn dieser Steinewerfer von der Frankfurter Schule ist der Meinung, es müsse darum gehen, soviel Geld wie möglich aus Deutschland fortzuschaffen, um „die bösen Deutschen“ in die Armut zu bringen, und es gibt Quellen im Internet, die behaupten, Fischer habe über „deutsche Helden“ geäussert, diese müsse man „gleich tollwütigen Hunden totschlagen.“ Und neuerdings gibt es ein Gerichtsurteil, gemäss dem jemand straffrei ausgeht, der uns Deutsche als „Köterrasse“ beschimpft.

      Wenn man nun – wie valjean72 es tut – die Hintergründe der Weltkriege im Wirtschaftlichen sieht und erkennt, dass die „britischen Eliten“ die deutsche Wirtschaftskraft als Bedrohung empfanden und diese Konkurrenz abschaffen wollen, ist das ein durchaus wahrer Gedanke.
      Nur ist wiederum dieser Wirtschaftskrieg ein SYMPTOM eines Geisteskampfes.
      Da geht es darum, ob die Lüge oder die Wahrheit siegt.

      Es ist ja auch absurd, dass zwar innerhalb der Wissenschaft man Revision macht, wenn man erkennt, dass eine frühere Annahme falsch war, dass man dann selbstverständlich das Richtige, Wahre an die Stelle des Irrtumes, des Falschen stellt, dass aber genau dieses Prinzip der Revision ausgerechnet am Thema der Geschichtsschreibung politischerseits (!) abgeschafft wurde.
      Die „Geschichtsrevisionisten“ werden heutzutage mit der Nazikeule bedroht.
      Ist nicht all das ein SYMPTOM eines hinter den Kulissen tobenden Geisteskampfes, in dem es darum geht, ob die Lüge oder die Wahrheit ins wache Bewusstsein kommen ?

      Mike(at)t.online,de : “ Das grösste Problem ist aber die Mehrheit, die jeden Konflikt mit der Obrigkeit vermeidet,..“ Sehe ich genauso. Solche Leute fragen nicht danach, ob etwas wahr oder unwahr ist. Die fragen nur danach, ob ihnen selber nützt, diese oder jene Meinung ungefragt zu übernehmen. Aber wenn diese Leute an die Schwelle des Todes gelangen, werden sie beurteilt werden gemäss dem, was sie NICHT getan haben, um der Wahrheit zu helfen, ans Licht zu kommen. In dem Geisteskampf zwischen Lüge und Wahrheit gibt es keine Neutralität.
      Das bestreiten die Materialisten, welche den Geist leugnen. Diese stellen sich vor, dass man unter dem Begriff „Geist“ etwas vorstellen müsste, was das materielle Gehirn absondere, wie die Leber die Galle absondert. Das ist jedoch in Wahrheit genau umgekehrt, denn es ist der Lebensgeist des Menschen, der Sich das materielle Gehirn als Werkzeug im Wachstumsprozess vom Kind bis zum Erwachsenen aufbaut. In der wahren Esoterik nennt man diesen Geist:Aetherleib.
      Und um ALLE Esoterik ABZUSCHAFFEN, spricht die Politik von „Rechtsesoterik“.
      Wer Zeit und Lust hat, kann sich folgendes Video an schauen, hoffe, der Link klappt:

  10. enrico permalink

    So dämlich die eindimensionale Einteilung in Rechts und Links ist, so dämlich ist auch überhaupt die ganze Parteiendemokratie, die ja eigentlich nie eine Demokratie sein kann. @Herbert Weiss hat das schön mit den genannten Beispielen dargelegt.

    Wesentlich demokratischer wäre es doch, jeweils die Vorsitzende der verschiedenen Aufgabenbereiche zu wählen und zwar als unabhängige Menschen und nicht als Parteifuzzies. Parteien müssen unbedingt abgeschafft werden! Parteien korrumpieren nur die Demokratie.

    LG enrico

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