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Die Nachrichtenagenturen – Zentren der medialen Meinungsmacht

27. April 2017

„Die Nachrichtenagenturen sind die ´AktualiTäter`,
sind die wichtigsten Stofflieferanten der Massenmedien.
Wir erfahren vor allem das, was sie ausgewählt haben.“
Roger Blum1   

Das obige Zitat bezeichnet die zentrale Stellung der Nachrichten- und Presseagenturen in der medialen Bewusstseinsindustrie, das der österreichische Medienmanager Wolfgang Vyslozil treffend auch so beschreibt:

„Nachrichtenagenturen stehen selten im Blickpunkt des öffentlichen Interesses. Dennoch sind sie eine der einflussreichsten und gleichzeitig eine der am wenigsten bekannten Mediengattungen. Sie sind Schlüsselinstitutionen mit substanzieller Bedeutung für jedes Mediensystem. Sie sind das unsichtbare Nervenzentrum, das alle Teile dieses Systems verbindet.“  2 

Diese Agenturen bieten Nachrichten über aktuelle Ereignisse als vorgefertigte Meldungen in Text, Audio- oder Filmmaterial, sowie in Form von Bildern an. Sie bestimmen wesentlich, was in den Medien weiterverbreitet wird und das Bewusstsein der Menschen erfüllen und beeinflussen soll.

Sie sind den Leuten weitgehend unbekannt, da Radio und Fernsehen ihre Quellen in der Regel nicht nennen, und die Quellenangaben in den Zeitungen nur aus einem in Klammern gesetzten Kürzel bestehen, das nur Spezialisten entziffern können. Die meisten Nachrichten und Beiträge sind von den Medien nicht selbst recherchiert, oft noch nicht mal selbst formuliert, sondern von den immer gleichen Nachrichtenagenturen bezogen. Das stellen sie nicht gerne groß heraus. Aber bei einem Vergleich fällt auf, dass viele Meldungen in vielen Zeitungen bis in die Formulierungen vielfach den gleichen oder ähnlichen Wortlaut haben.

So listete Swiss Propaganda Research in einer wichtigen Studie von 2016 u. a. folgende inhaltliche und sprachliche Ähnlichkeiten aus Meldungen  internationaler Zeitungen auf:
„Binnen weniger Stunden in Syrien. Putin droht mit neuem Militäreinsatz“
„Putin droht mit neuen Militäraktionen“
„Putin droht mit neuem Syrien-Einsatz binnen Stunden“
„ Putin droht nach Teilabzug aus Syrien mit weiteren Militäraktionen“
„Putin droht mit schneller Rückkehr“

Nato besorgt über russische Aufrüstung auf der Krim“
„Atomwaffen auf der Krim? Nato besorgt über Truppenaufmarsch“
„Nato besorgt über Konzentration Russischer nTruppen auf Krim“
„NATO concern over Russian planes in Crimea“
„NATO concerned over Russian forces in Crimea“                                                        „Moscou déploie des missiles en Crimée, l`Otan très inquète“ 3

Volker Bräutigam, der zehn Jahre für die Tagesschau der ARD gearbeitet hat, beschrieb die dortige Praxis so:

„Ein grundsätzliches Problem liegt darin, dass (die Nachrichtenredaktion) ARD-aktuell ihre Informationen hauptsächlich aus drei Quellen bezieht: den Nachrichtenagenturen DPA/AP, Reuters und AFP. … Der ein Nachrichtenthema bearbeitende Redakteur kann gerade noch einige wenige für wesentlich erachtete Textpassagen auf dem Schirm auswählen, sie neu zusammenstellen und mit ein paar Schnörkeln zusammenkleben.“  4

Das Forschungsinstitut für Öffentlichkeit und Gesellschaft der Universität Zürich kam in einer Studie von 2011 unter anderem zu folgendem Ergebnis über die Arbeit in Schweizer Redaktionen:

„Agenturbeiträge werden integral (im Zusammenhang) verwertet, ohne sie zu kennzeichnen, oder sie werden partiell umgeschrieben, um sie als redaktionelle Eigenleistung erscheinen zu lassen. Zudem herrscht eine Praxis vor, Agenturmeldungen mit wenig Aufwand ´aufzupeppen`; hierzu werden etwa Visualisierungstechniken eingesetzt: Ungezeichnete Agenturmeldungen werden mit Bildern und Grafiken angereichert und als umfangreiche Berichte dargeboten.“  4

Swiss Propaganda Research fasst zusammen:

„Tatsächlich stammen nicht nur die Texte, sondern auch die Bilder, Ton- und Videoaufnahmen, denen man in unseren Medien Tag für Tag  begegnet, zumeist von denselben Agenturen. Was für das uneingeweihte Publikum wie ein Beitrag der lokalen Zeitung, des bevorzugten Radiosenders oder der vertrauten Tagesschau aussieht, sind in Wirklichkeit (übersetzte) Meldungen aus New York, London, Paris und Berlin. …

Im Endeffekt entsteht durch diese Abhängigkeit von den globalen Agenturen eine frappierende Gleichartigkeit in der internationalen Berichterstattung: Von Wien bis Washington berichten unsere Medien oftmals über dieselben Themen und verwenden dabei sogar vielfach dieselben Formulierungen – ein Phänomen, das man sonst eher mit ´gelenkten Medien` in autoritären Staaten in Verbindung bringen würde.“ 4

Wer sind diese Agenturen?

Weltweit gibt es zurzeit über 180 Nachrichtenagenturen, von denen die meisten nur die Medien ihres eigenen Landes beliefern. Von größter Bedeutung sind die drei global agierenden Agenturen:
1. Die amerikanische Associated Press (AP)mit weltweit über 4000 Mitarbeitern. Die AP gehört US-Medienunternehmen und hat ihre Hauptredaktion in New York. AP-Nachrichten werden von rund 12.000 Medien genutzt und erreichen dadurch täglich mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung.
2. Die quasi-staatliche französische Agence France-Presse (AFP) mit Sitz in Paris und ebenfalls rund 4.000 Mitarbeitern. Die AFP versendet pro Tag über 3.000 Meldungen und 2.500 Fotos an Medien in aller Welt.
3.
Die britische Reuters in London, die privatwirtschaftlich organisiert ist und etwas über 3.000 Mitarbeiter beschäftigt. Reuters wurde 2008 vom kanadischen Medienunternehmer Thomson – einer der 25 reichsten Menschen der Welt – gekauft und zu Thomson-Reuters mit Sitz in New York fusioniert.“ 5

Im deutschsprachigen Raum ist führend die Deutsche Presse-Agentur (DPA), „die als semiglobale Agentur über rund 1.000 journalistische Mitarbeiter in circa hundert Ländern verfügt. Die DPA ist im Besitz von deutschen Medienverlagen und Rundfunkanstalten und hat ihre Hauptredaktion seit 2010 im Axel-Springer-Haus in Berlin.“ 5  Daneben gibt es die Austria Presse Agentur (APA) mit rund 165 Redakteuren, im Besitz von österreichischen Tageszeitungen und des ORF, sowie die Schweizerische Depeschenagentur (SDA) mit rund 150 Mitarbeitern, im Besitz von Schweizer Medienverlagen und des SRF.

„Die SDA und APA verfügen über kein eigenes Korrespondentennetz im Ausland. Stattdessen kooperieren sie mit der DPA und den globalen Agenturen, um Zugang zu den internationalen Nachrichten zu erhalten. … Die DPA kooperiert ihrerseits eng mit der amerikanischen AP und besitzt die Lizenz zur Vermarktung der AP-Dienste im deutschsprachigen Raum.“ 6

Geschichte der Deutschen Presse-Agentur

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die deutschen Zeitungen auf die Nachrichtenagenturen der Alliierten angewiesen, die in jeder Besatzungsmacht eine je eigene Nachrichtenagentur gegründet hatten. In der britischen Besatzungszone war dies der

German News Service, der 1947 in den Deutschen Pressedienst (dpd) umgewandelt wurde. Die deutschen Nachrichten wurden von Hamburg aus per Telegrafen nach London gesendet und von dort aus in die britische Besatzungszone per Funk weitergeleitet.
Die Franzosen gründeten in
Baden-Baden die Rheinische Nachrichtenagentur (Rheina), an der neben der französischen Militärregierung auch die Zeitungsverleger der französischen Besatzungszone Mitbesitzer waren. Die Agentur wurde später zur Süddeutschen Nachrichtenagentur (Südena) umgewandelt.
In der
amerikanischen Besatzungszone hieß die Agentur zunächst Deutsche Allgemeine Nachrichtenagentur (DANA), dann Deutsche Nachrichtenagentur (DENA). Sie hatte ihren Sitz in Bad Nauheim. Hier wurden neben den Tätigkeiten einer Nachrichtenagentur auch junge deutsche Journalisten ausgebildet. 1949 wurde aus dem Zusammenschluss der DENA, des dpd und der Südena die dpa gegründet.
In der sowjetischen Besatzungszone wurde zunächst das Sowjetische Nachrichtenbüro (SNB) gegründet. Sein Nachfolger wurde der Allgemeine Deutsche Nachrichtendienst (
ADN), die einzige und zugleich politisch abhängige Nachrichtenagentur der DDR.“ 7

Wir sehen, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) aus alliierten Vorläufern herausgewachsen und nach sorgfältiger Schulung in die betreute Freiheit entlassen worden ist. Ihre enge Zusammenarbeit mit der amerikanischen Associated Press (ap) spricht für sich. Dass nur die ADN in der DDR eine politisch abhängige Nachrichtenagentur gewesen sei, wie Wikipedia meint, ist daher eine Mär. Das Zusammenspiel von deutscher Politik und Medien und insbesondere die Ausrichtung beider auf die Unterstützung und Propaganda der USA- und NATO-Politik findet im Westen nur versteckter statt, wird aber im Internet immer mehr ans Licht gehoben.8

Propaganda-Multiplikatoren

Die globalen Agenturen beziehen ihr Nachrichten-Material zum einen von dem großen Netz ihrer Korrespondenten in aller Welt, aus dem in den Redaktionen nach Gesichtspunkten der Political Correctness ausgewählt wird, was die Medien-Konsumenten wissen und ihr Bewusstsein beschäftigen soll. Zum anderen leiten die Herrschenden vielfach direkt eigene Inhalte in die Agenturen ein. Zu den aktivsten Akteuren im „Einschleusen“ von fragwürdigen geopolitischen Nachrichten gehören dabei die Militärs und Verteidigungs­ministerien, oft in einer Art und Weise, die selbst folgsamen Agentur-Journalisten zu viel wird. So erhob im Februar 2009 der damalige Chef der Nachrichtenagentur Associated Press (AP), Tom Curley, schwere Vorwürfe gegen den US-Präsidenten George W. Bush und kritisierte insbesondere den Ausbau des Pentagon zu einer „weltweit agierenden Propagandamaschine“. Er machte publik,

„dass beispielsweise das Pentagon über mehr als 27.000 PR-Spezialisten verfügt, die mit einem Budget von fast fünf Milliarden Dollar pro Jahr die Medien bearbeiten und gezielt Manipulationen in Umlauf bringen. Zudem hätten hohe US-Generäle gedroht, dass man die AP und ihn `ruinieren` werde, falls die Reporter allzu kritisch über das US-Militär berichten sollten.“ 9

 „In einer Rede, die Curley anlässlich einer Preisverleihung an der Universität von Kansas hielt, warf der Nachrichtenagenturchef der Regierung unter Präsident Bush vor, dass sie Hunderte von Menschen, darunter Journalisten, der Menschenrechte beraubt habe. Als Beispiel zitierte er einen AP-Fotografen, der im Irak länger als zwei Jahre vom amerikanischen Militär festgehalten wurde, bis ein irakisches Gericht seine Freilassung wegen mangelnder Beweise verlangte. Seit 2003 seien insgesamt 11 AP-Journalisten länger als einen Tag im Irak festgehalten worden. Im letzten Jahr wurden 8 Angestellte länger als 48 Stunden festgehalten.“ 10

Dem Militär steht natürlich der Geheimdienst an Einflussnahme nicht nach. In einer Reportage des britischen Channel 4 im Jahre 2011 sprachen ehemalige Mitarbeiter der CIA und der Agentur Reuters offen über die systematische Verbreitung von Propaganda und Desinformation in der Bericht­erstattung zu geopolitischen Konflikten. Der ehemalige CIA-Offizier und Whistleblower John Stockwell zu seiner Arbeit im Angola-Krieg:

„Das grundsätzliche Ziel war, es wie eine gegnerische Aggression in Angola aussehen zu lassen. In diesem Sinne schrieben wir irgendwelche Geschichten und brachten sie in den Medien unter. () Ein Drittel meines Teams in dieser Mission waren PR-Experten, deren Aufgabe es war, Nachrichten zu erfinden und sie in der Presse zu platzieren. () Die Redakteure in den meisten westlichen Zeitungen sind nicht allzu skeptisch bei Meldungen, die den allgemeinen Ansichten und Vorurteilen entsprechen. () Einige unserer Geschichten liefen während Wochen. Aber es war alles erfunden.“

Fred Bridgland blickte auf seine Tätigkeit als Kriegskorrespondent bei der Agentur Reuters zurück: „Wir basierten unsere Berichte auf offiziellen Mitteilungen. Erst Jahre später erfuhr ich, dass in der US-Botschaft ein Desinformations-Experte der CIA saß und diese Mitteilungen erfand, die überhaupt keinen Bezug zur Realität hatten. () Aber ehrlich gesagt, die Agenturen können irgendeinen Mist publizieren und es wird von den Redaktionen dennoch aufgenommen.“

Und der ehemalige CIA-Analyst David MacMichael beschrieb seine Arbeit im Contra-Krieg in Nicaragua mit diesen Worten: „Man sagte, unser Geheimdienstwissen über Nicaragua sei so gut, dass wir sogar das Spülen einer Toilette registrieren können. Ich hatte aber eher das Gefühl, dass die Geschichten, die wir der Presse zuspielten, direkt aus der Toilette kamen.“ 11

Auch Ulrich Tilgner, langjähriger Nahost-Korrespondent des ZDF und des Schweizer Fernsehens, warnte 2003 im Rückblick auf den Irakkrieg:

„Mit Hilfe der Medien bestimmen die Militärs die öffentliche Wahrnehmung und nutzen sie für ihre Planungen. Sie schaffen es, Erwartungen zu wecken und Szenarien und Täuschungen zu verbreiten. In dieser neuen Art von Krieg erfüllen die PR-Strategen der US-Administration eine ähnliche Funktion wie sonst die Bomberpiloten. Die Spezial-Abteilungen für Öffentlichkeitsarbeit im Pentagon und in den Geheimdiensten sind zu Kombattanten im Informationskrieg geworden. (…) Dabei nutzen die amerikanischen Militärs die mangelnde Transparenz der Berichterstattung in den Medien gezielt für ihre Täuschungsmanöver. Die von ihnen gestreuten Informationen, die von Zeitungen und Rundfunk aufgenommen und verbreitet werden, können Leser, Zuhörer oder Zuschauer unmöglich bis zur Quelle zurückverfolgen. Somit gelingt es ihnen nicht, die ursprüngliche Absicht der Militärs zu erkennen.“ 11

Die Geheimdienste verfügen natürlich auch über zahlreiche direkte Kontakte zu den Medien, denen bei Bedarf „Informationen“ zugespielt werden können. Doch ohne die zentrale Rolle der globalen Agenturen wäre die weltweit synchronisierte Verbreitung von Propaganda und Desinformation so effizient nicht realisierbar.

„Durch diesen medialen Propaganda-Multiplikator erreichen die zweifelhaften Botschaften der PR-Experten von Regierungen, Militärs und Geheimdiensten mehr oder weniger ungeprüft und ungefiltert die breite Öffentlichkeit. Die Journalisten beziehen sich dabei auf die Agenturen, und die Agenturen berufen sich auf ihre Quellen. Zwar wird oft versucht, mit Ausdrücken wie „offenbar“, „angeblich“ und dergleichen auf Unsicherheiten hinzuweisen (und sich selbst abzusichern) – doch da ist das Gerücht längst in die Welt gesetzt und entfaltet seine Wirkung.“ 12

Doch die globalen Agenturen haben nicht nur – ob immer gewollt oder nicht – ein enges Verhältnis zu den Herrschenden, sondern manchmal sind sie auch in zukünftige Ereignisse eingeweiht. So las am 11.9.2001 kurz nach 17.00 Uhr die BBC-Reporterin Jane Standley vom Teleprompter eine Meldung der Agentur Reuters ab, dass nach den Zwillingstürmen auch das „Salomon Brothers Building“ (das 42 Stockwerk hohe WTC-Building Nr. 7) eingestürzt sei, obwohl dieses noch im Hintergrund zu sehen war und erst später um 17.20 Uhr in harmonischem freien Fall in sich zusammenfiel.13

Die Rolle der Medien-Korrespondenten

Der größte Teil der Medien muss sich für die Auslandsnachrichten völlig auf die globalen Agenturen verlassen. Nur die großen Tageszeitungen und die Rundfunk- und Fernsehanstalten haben noch eigene internationale Korrespondenten, deren Zahl aber gegen die der Agenturen gering ist. Die für internationale Berichterstattung bekannte Neue Züricher Zeitung (NNZ) unterhält (einschließlich  der Wirtschaftskorrespondenten) gerade 35 Auslandskorrespondenten.

„In riesigen Ländern wie China oder Indien ist lediglich ein Korrespondent stationiert, ganz Südamerika wird von nur zwei Journalisten abgedeckt, während im noch größeren Afrika gar niemand fest vor Ort ist. Auch in Kriegsgebiete wagen sich die Korrespondenten nur selten vor. Über den Syrienkrieg berichten die Journalisten der deutschsprachigen Medien beispielsweise aus Städten wie Istanbul, Beirut, Kairo oder gar aus Zypern.“ 14

Wie erfahren aber die Korrespondenten, welche Nachrichten in der Weltregion, in der sie sich befinden, gerade aktuell sind? Natürlich von den globalen Agenturen. Der holländische Nahost-Korrespondent Joris Luyendijk hat in seinem Buch „Von Bildern und Lügen in Zeiten des Krieges: Aus dem Leben eines Kriegsberichterstatters „die Arbeitsweise von Korrespondenten und ihre Abhängigkeit von den Weltagenturen eindrücklich beschrieben:

Ich hatte mir einen Korrespondenten immer als eine Art Echtzeit-Historiker vorgestellt. Wenn irgendwo etwas Wichtiges geschah, zog er los, ging der Sache auf den Grund und berichtete darüber. Aber ich zog nicht los, um irgendeiner Sache auf den Grund zu gehen. Das hatten andere längst erledigt. Ich zog nur los, um mich als Moderator an einen Original­schauplatz hinzustellen und die Informationen aufzusagen. ()

Die Redaktion in Holland meldete telefonisch, dass irgendwo etwas los war. Per Fax oder Mail kamen dann Agenturberichte, die ich im Radio mit meinen eigenen Worten nacherzählte und für die Zeitung zu einem Artikel zusammenschrieb. Es war den Redaktionen stets wichtiger, dass ich vor Ort erreichbar war, als dass ich im Bilde war. Die Presseagenturen lieferten genug Informationen, um sich durch jede Krise durchzuboxen. ()

Und so kommt es, dass man beim Blättern in Zeitungen und beim Zappen durch die Fernseh­nachrichten häufig immer wieder den gleichen Bildern und Geschichten begegnet. Unsere Männer und Frauen in London, Paris, Berlin und Washington  – alle fanden, dass oft die falschen Themen die Nachrichten beherrschten und dass wir uns allzu sehr und allzu sklavisch nach den Vorgaben der Presse­agenturen richteten. ()

 Die Vorstellung vom Korrespondenten ist, dass er »die Story« hat, aber in Wirklichkeit sind die Nachrichten wie ein Fließband in der Brotfabrik. Am hinteren Ende stehen die Korrespondenten, und wir tun hin und wieder so, als hätten wir die Brötchen selber gebacken, dabei haben wir sie nur eingetütet. ()

Später wollte ein Freund einmal wissen, wie ich während der ganzen Interviews mit dem Sender immer ohne zu zögern die richtige Antwort auf alle Fragen wusste. Als ich ihm schrieb, dass die Fragen genau wie in den Fernsehnachrichten vorher abgesprochen werden, bekam ich eine E-Mail voller Verwünschungen zurück, denn meinem Freund dämmerte, was ich bereits früher erkennen musste: Jahrzehntelang war er in den Nachrichten auf Schauspieler herein­ge­fallen.“ 14

Der typische Medien-Korrespondent kann also im Allgemeinen kaum eigenständige Recherche betreiben, sondern ist auch dort von den globalen Agenturen abhängig, deren vorgegebene Themen er zumeist nur bearbeitet und verstärkt – der berüchtigte „Mainstream-Effekt“. Und wenn einer versucht, selbstständig zu recherchieren und zu berichten, macht er folgende Erfahrungen: Nahost-Korrespondent Luyendijk:

„Immer wenn ich an den Presseagenturen, den großen angelsächsischen Medien und den talking heads (westliche Gesprächspartner und NGOs in arabischen Ländern) vorbei eine Reportage machen wollte, ging das daneben. () Offenbar konnte ich als Korrespondent ganz verschiedene Geschichten über ein und dieselbe Situation erzählen. Doch die Medien konnten nur eine davon bringen, und oft genug war das genau diejenige Geschichte, die das bereits vorherrschende Bild bestätigte.“ 15

Als ein ARD-Korrespondent im Libanesischen Bürgerkrieg über die mit eigenen Augen beobachtete materielle Unterstützung einer Miliz durch ein Nachbarland berichtete, kontaktierte der damalige Intendant der ARD wegen dieses nicht opportunen Beitrages sogleich den Chefredakteur, der dem betroffenen Journalisten umgehend einen Wechsel nach Südafrika nahelegte.

Der langjährige Nahost-und Afghanistan-Korrespondent Ulrich Tilgner verließ das ZDF, weil er aufgrund von „Bündnisrücksichten“ und „Eingriffen in seine Arbeit“ nicht mehr frei berichten konnte: „[Früher] wollte man wissen: Was haben die Leute vor Ort zu sagen? Heute werden Beiträge nur zu oft in den Redaktionen zusammengebaut und der Sendeablauf wird designed“.
Auch die langjährige Nahost-Korrespondentin Karin Leukefeld machte die Erfahrung, dass ihre Reportagen aus Syrien von deutschen Redaktionen plötzlich nicht mehr angenommen wurden. Man beschied ihr, sie müsse sich an die „einschlägigen Agenturmeldungen“ halten. Vgl.15

Fazit

Die Medien der Welt sind weitgehend von den nationalen und globalen Nachrichtenagenturen abhängig, wodurch eine frappierende Gleichartigkeit in der internationalen Berichterstattung entsteht. Die Nachrichtenagenturen wiederum arbeiten an den kurzen oder langen Fäden der Herrschenden. Der ehemalige AP-Journalist Herbert Altschull bezeichnete daher das Folgende als das Erste Gesetz des Journalismus:

„In allen Pressesystemen sind die Nachrichtenmedien Instrumente derer, die die politische und wirtschaftliche Macht ausüben. Zeitungen, Zeitschriften, Radio -und Fernsehsender handeln also nicht unabhängig, obwohl sie die Möglichkeit unabhängiger Machtausübung besitzen.“ 16

Zudem sind unsere führenden Medien bzw. deren Schlüsselpersonen oftmals selbst in die Netzwerke der transatlantischen Elite eingebunden.8

————————————–
1   Roger Blum et al. (Hrsg.): Die AktualiTäter. Nachrichtenagenturen in der Schweiz, Bern, 1995
2   zitiert nach Wikipedia – Nachrichten- und Presseagentur
3   Der Propaganda-Multiplikator,  S. 4, 6; siehe auch ExpressZeitung 4.2.2017
4   a.a.O., S. 5
5   a.a.O., S. 2
6   a.a.O., S.3
7   Wikipedia – Nachrichten- und Presseagentur
8   Vgl. den Artikel: Der Journalismus als Herrschaftsinstrument
und die ständigen Entlarvungen auf  https://propagandaschau.wordpress.com/
9   Vgl. Anm. 3, S. 9
10   heise.de 9.2.2017
11   zitiert nach Anm.3, S. 10
12   Anm. 3, S. 11
13   matrixwissen.de
14   Anm. 3, S. 6,7
15   Anm. 3, S. 13
16   Anm. 3, S. 14

                                                     

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15 Kommentare
  1. Wieder eine sehr gut fundierte Zusammenstellung, finde ich. Vielen Dank!

    Das Medienproblem (Propaganda, Manipulationsinstrumente usw.) ist ja eigentlich das Problem unseres eigenen Denkens, respektive des Verstandes, welcher immer nur eines machen kann: spiegeln, d.i. Identifikationen schaffen (a = b): ich bin „ein Guter“, ein „Professioneller“, ein „Vater“, ein „Christ“, „Anthroposoph“ usw. wozu dann wieder weitere Identifikationen folgen:
    ein guter Mensch ist, wer …c,d,e,f, usw..

    Wir gelangen also in eine Identifikationkette mit einigen Hauptidentifikationen (Synapsen) und deren Untersynapsen. Das Ganze wird dann eine „mentale Konstruktion / Gestalt“, die auch als „Weltbild“ bezeichnet werden könnte.
    Elementar ist für unsere Identifikationen, dass wir sie verteidigen wollen und müssen, denn andere haben garantiert andere. Auf dieser Ebene brauchen wir eine mehr oder weniger abgeschlossene Gestalt, so wie wir als physische Wesen eben auch eine mehr oder weniger abgeschlossene Gestalt brauchen und diese auch schützen müssen.
    Die eigene Manipulation hat also schon bei der Identifikations-/Gestaltbildung begonnnen und es ist jetzt auch nicht schwierig von außen nach demselben Schema a=b Fremdgedanken einzuschleusen. Einzige Bedingung: der Verstand hat einmal genickt: ja b = (gehört zu) a!

    Im Märchen mit den jungen sieben Geißlein und dem Wolf wird das sehr schön dargestellt: Irgendwann ist das Fremde im Mimikri der eignen Natur (das Mütterliche), die Tür wird aufgemacht und dann ist es auch schon passiert. Nur das jüngste ist im Uhrkasten. Die Uhr symbolisiert die Sonne, auch als Zeitengeber, aber vor allem als Herz – aurum.
    Das ist die Lösung, nicht nur im Märchen, und die Hoffnung – das Herz.
    Nur im Herzerleben finden wir Wahrheit, Mut und Liebe.

    Rudolf Steiner drückt diesen Prozess ganz präzise und knapp in dem Satz aus:
    »Wer sich der Idee nicht erlebend gegenüberstellt, gerät unter ihre Knechtschaft.«

    Die Medien tun dies, wenn wir nicht erlebend gegenüberstellen – aber sie geben uns gerade auch die Chance, dies zu erkennen, was wir mit uns selbst anstellen durch die Verstandestätigkeit.

    Und dann, wie Steiner schon in „Wie erlangt man die Erkenntnisse der höheren Welten“ sagt:
    Mache nach jedem Erkenntnisschritt zwei im praktischen Leben.

    Wie sieht es also mit unserer Umsetzungskompetenz aus?
    Die vom Herzen …

    Klick 😉

  2. wolfgang fubel permalink

    Das ist wie mit den Lebensmitteln. Alle konsumieren Sie,aber die Wenigsten wissen, wie diese entstehen. Wüssten die Allermeisten Das, würden Sie den Konsum, nicht nur überdenken, sondern auch total ändern!.
    Das ist nicht gewollt von den Verbreitern. Wir sollen das fressen, was sie uns weiterhin anbieten!!

    In dem Sinne
    Wolfgang Fubel

  3. Cato permalink

    Der vorgekochte Infobrei ist Teil der praktizierten Volksverblödung zum weiteren Machterhalt der führenden Politpsychopathen!

  4. suann mcdorsan permalink

    wir haben heute einen link auf ihren beitrag gelegt
    schoenes wochenende
    suann mcdorsan
    blogblick.de

  5. Michaela Wolff permalink

    Auch Facebook ist ein Zentrum von Meinungsmacht, Ein Medium für Meinungen.
    Normalerweise sind Gerichte dafür zuständig, darüber zu urteilen, welche Kommentare wirklich strafrechtlich relevant sind, welche nicht. Indem der deutsche Justizminister Facebook mit sehr hohen Geldstrafen bedroht, falls F. nicht „Hass-Kommentare“ löscht, überträgt er hoheitliche Kompetenzen an Zuckerberg bzw. an Facebook.
    Wäre ich M.Zuckerberg und man würde mir hohe Geldstrafen androhen, würde ich vielleicht ALLE die Kommentare löschen, die mir auch nur irgendwie verdächtig erscheinen. Ob diese aber sämtlich strafrechtlich relevant wären, müssten normalerweise Gerichte klären.
    All diese Auslagerung juristischer Kompetenz dient einerseits der Abschaffung von Meinungsfreiheit und andererseits der Abschaffung des Rechtsstaaates.

  6. Ein Leser hat mir noch folgende Ergänzung zugeschickt:

    „Ich glaube, der passt noch dazu:
    (siehe:) – Bloomberg L.P. – Wikipedia –
    Michael Bloomberg ist mit einem Anteil von 88 Prozent Haupteigner seines Unternehmens; der Rest ist Streubesitz. Das Unternehmen beschäftigt rund 15.000 Mitarbeiter in 72 Ländern. Insgesamt sind 2.300 Reporter für Bloomberg tätig.
    Bloomberg umfasst unter anderem die Produktbereiche Bloomberg Professional, Bloomberg.com, Bloomberg News, Bloomberg Radio und Bloomberg Television. Im Jahr 2009 übernahm Bloomberg BusinessWeek, ein populäres US-Wirtschafts-Print- und Online-Magazin, von McGraw-Hill.[5]
    Hauptkonkurrent von Bloomberg im Bereich Informationsprodukte und Finanzdienstleistungen ist das Unternehmen Thomson Reuters. Weitere Konkurrenten sind SIX Financial Information, FactSet Research Systems oder Morningstar.“

  7. TAH permalink

    Die „großen Demokratien“ Europas sind historisch ebenso jüngere Erscheinungen wie eine „Freie Presse“, oder die kapitalistische Wirtschaft; kaum betreten sie die große Weltbühne, taucht wie aus deren dunklem Schatten aus wienerischen Männerwohnheimen auch jener spätere Reichskanzler des Deutschen Volkes auf, der uns durch seinen Kampfbericht wie als Quintessenz des Zauberlehrlings der Massenmanipulation wissen lässt: “ Propaganda ist … nicht dazu da, blasierten Herrchen laufend interessante Abwechslung zu verschaffen, sondern zu überzeugen, und zwar die Masse zu überzeugen. Diese aber braucht in ihrer Schwerfälligkeit immer eine bestimmte Zeit, ehe sie auch nur von einer Sache Kenntnis zu nehmen bereit ist, und nur einer tausendfachen Wiederholung einfachster Begriffe wird sie endlich ihr Gedächtnis schenken.“(Adolf Hitler, Mein Kampf)

    Hitler erkennt wie Massen lenkbar, manipulierbar werden; und daran hat sich bis heute nicht soviel geändert, weil der Anteil derjenigen, die sich dabei beobachten, wie sie ein Vor-Gedachtes (die Nachricht) nachdenken, doch wahrscheinlich verhältnismäßig gering ist. Größer ist sicher der Anteil all derjenigen, die sich umgehend eine Meinung bilden- und dabei übersehen, dass sie dabei noch ganz innerhalb des ‚Gebildes der Nachricht‘ geblieben sind.

    Das Buch „Philosophie der Freiheit“ Rudolf Steiners endet mit dem Satz: „Man muss sich der Idee erlebend gegenüberstellen können, sonst gerät man unter ihre Knechtschaft.“ Das, was so verhältnismäßig simpel klingt, hat eine immense Bedeutung, denn nur durch dieses Tun mache ich mich – nachdem ich mit der Nachricht konfrontiert wurde – überhaupt erst wieder zum Individuum, welches ich doch sein will! Unterbleibt dieses Tun, bleibe ich Masse- und werde nicht nur ‚informiert‘ (in die gewünschte Form gebracht), sondern ich werde lenkbar, weil ich nicht mehr mir selbst folge, sondern wie einem Inkubus der (fremden!) Information!
    Nur müsste dieser Umstand auch erst einmal von mir selbst bemerkt werden!

    So verbleiben allerlei gebildete Zeitgenossen in Einsteins „Der Horizont vieler Menschen ist wie ein Kreis mit Radius Null. Und das nennen sie dann ihren Standpunkt“, weil das geforderte Gegenüberstellen der aufgenommenen Ideen ausbleibt- und das mit den bekannten, schweren Folgen!

    • @TAH
      Ja, das ist völlig zutreffend dargestellt, vielen Dank!
      Ich habe den Manipulationsvorgang in einem früheren Artikel noch erkenntnistheoretisch genauer zu beschreiben versucht:

      „Wir müssen also zwischen Begriffen, die wir selbst denkend hervorbringen und durchschauen, und solchen, die wir von außen aufnehmen, streng unterscheiden. Letztere haben andere produziert, und sie kommen uns, durch die Sprache transportiert, von außen entgegen. Wir haben sie nicht gedacht, sondern nehmen sie lesend oder hörend wahr. Diese Begriffe haben, obwohl sie ihrer inneren Natur nach Begriffe sind, für uns zunächst Wahrnehmungscharakter. Das bedeutet, wir müssen sie, wie andere Wahrnehmungen auch, erst mit unserem eigenen Denken begrifflich durchdringen, um sie zu verstehen. Sonst sind sie unbegriffene Begriffe. Dessen ist man sich im allgemeinen nicht bewusst. Denn bei den akustischen, optischen, Geschmacks- oder Geruchs-Wahrnehmungen z. B., erleben wir meist unmittelbar, dass sie der gedanklichen Durchdringung bedürfen. Gedanken dagegen haben, weil sie eben Begriffe sind, den Anschein begrifflichen Verständnisses, obwohl sie noch nicht wirklich verstanden sein können. Das sind sie erst, wenn wir sie „hinterfragt“, also den Zusammenhang ihrer Entstehung denkend nachvollzogen haben, aus dem sie als Ergebnis hervorgegangen sind.

      Der Verständnisanschein, den die wahrgenommenen Begriffe an sich tragen, verführt dazu, sich mit ihrer Aufnahme zu begnügen und es für überflüssig zu halten, über sie weiter nachzudenken. Man nimmt sie wahr und glaubt sie zu verstehen. Doch damit sind wir prinzipiell in der gleichen Lage wie bei den anderen Wahrnehmungen, bei denen wir auf das Nachdenken verzichten würden: Wir befinden uns ihnen gegenüber in einer Art träumendem, herabgedämpftem Bewusstsein. Denn diese Begriffe sind uns in Wirklichkeit dunkel; wir haben sie und die Realität, auf die sie sich beziehen sollen, nicht mit dem Licht unseres eigenen Denkens durchdrungen.

      Damit ist die Situation der am Tropf der Medien hängenden meisten Menschen gekennzeichnet. Ihr Bewusstsein wird von außen mit vorgefertigten Begriffen gespeist, die sie wie eigene in ihren Begriffsschatz aufnehmen, ohne sie aber selbst gedanklich durchleuchtet zu haben. Danach bilden sich dann ihre Einstellungen. Und es hat den Anschein, und sie leben auch in dem Glauben, dass sie selbst es seien, die denken und handeln. In Wahrheit werden sie aber durch die aufgenommenen Begriffe und Vorstellungen gelenkt. Sie sind nicht Herr ihres eigenen Bewusstseins. Das ist von „feindlichen Unterseebooten“ besetzt, die sie gedankenlos hereingelassen haben und die ihr Handeln bestimmen. Sie handeln im Grunde nicht selbst. Ihr Wille geht Wege, die von ihrem eigenen Denken und damit von ihrem eigenen Ich nicht gedeckt und verantwortet sind. Denn dieses ist stillgelegt, nicht aktiv, ausgeschaltet. Sie handeln gedankenverloren wie lebendige Automaten auf ein von außen in sie hineingesendetes Signal. Die Individualität des Menschen gibt sich gewissermaßen insoweit auf und wird zum Bestandteil einer lenkbaren Masse.“
      https://fassadenkratzer.wordpress.com/2014/11/14/der-folgsame-mensch-weshalb-konnen-die-medien-das-bewusstsein-lenken/

  8. TAH permalink

    @hwludwig. Wir haben Konsens und vielen herzlichen Dank für Ihre genaue Beschreibung des Vorganges (!)-aber was heißt das für den sich in Vertiefung übenden Blick in der gegenwärtigen Thematik? Kratzen wir noch einmal an der Fassade?

    Massenmedien und ihrem Konsum ist der beschriebene Zusammenhang von Vordenken und (häufig) ausbleibenden Nachdenken geradezu immanent und wir dürfen davon ausgehen, dass den Medienmogulen dieser Umstand sehr wohl umfassend bewusst ist- nur halt nicht all denjenigen, die z.B. Abend für Abend vom Deutschen Staatsfernsehen eben nicht aufgeklärt, sondern auf Linie gebracht werden- was aber bisher in seiner Breitenwirkung undurchschaut ist. Hier wird das in den Tod führende ‚ Lied des Rattenfängers von Hameln‘ ins (fernsehende) Bild gebracht- und viele sich linientreue findende Demokraten folgen in Wirklichkeit dem unerkannt befehlenden Medien-Meinungsmacher-Führer – aufgrund ihrer sich selbst vergessen habenden Sedierung!
    Und wir können noch auf einen weiteren Zusatz schauen, wie auf eine Art zusätzlicher Ingredienz des Lethetrankes der Meinungsmaschinerie. Die Caritas definiert „Sucht ist die umgangssprachliche Bezeichnung für die Abhängigkeit von einer Substanz oder einem Verhalten. Der Betroffene hat keine Selbstkontrolle mehr. Er steht unter dem Zwang, mit Hilfe von bestimmten Substanzen (z.B. Alkohol) oder bestimmten Verhaltensweisen (z.B. Glücksspielen), belastende Gefühle zu vermeiden. Unterschieden wird in sogenannte substanzbezogene und verhaltensbezogene Abhängigkeiten. Sucht ist als Krankheit anerkannt.“

    Einzusehen wäre, dass das Unterlassen des Bildens wahrhaft eigener Begriff nicht nur manipulativ, sondern wie ein suchtartiges Geschehen ist! Warum ist das so? Wenn sie Schillers Briefe zur ästhetischen Erziehung lesen, werden sie alsbald einsehen, wie schwierig es ist, Schillers Begriffe nachzudenken und sich zu eigen zu machen. Hier lauert alsbald Frust (=belastendes Gefühl!) und die Bequemlichkeit ist ein hervorragender Nährboden für Abhängigkeiten! Kaum vermeiden sie sich den Frust des nicht Begreifen einzugestehen- schon sind sie in der Falle. Denn hier lauert eine Art moderner Dämon, der das für sie tut und ihnen in vereinfachter Art und Weise wieder vorsetzt und sie dann auch noch glauben macht, sie hätten sich die Begriffe selbst erworben! Dieser moderne Dämon ist die so genannte eigene Meinung, die im krassesten Gegensatz zur tatsächlichen Tätigkeit der selbst erworbenen Begriffe steht! Auf den guten Nährboden der Bequemlichkeit fiel der Same der Illusion des sich angeblich selbst zu eigen gemacht Habens! Und der sprießt schneller als jedes genmanipulierte Saatgut und trägt reife Frucht- nämlich die der Sucht! In realiter konsumieren die Leser die Nachrichten nicht, sie werden auch nicht nur von den ihnen (ab-) gespeist, sie befriedigen eine ihnen gänzlich unbewusste Abhängigkeit! Wenn der 20 Uhr Gong der Tagesschau erklingt, ist das das dem Pawlowschen Hund ähnliche, ankonditionierte Signal für die Gabe des ‚ Meinungsopiums ‚ ! Und das, meine sehr verehrten Damen und Herren ist keinesfalls kostenlos, es kostet sie die Souveränität des Führens ihres eigenen Lebens! „Sie handeln im Grunde nicht selbst. Ihr Wille geht Wege, die von ihrem eigenen Denken und damit von ihrem eigenen Ich nicht gedeckt und verantwortet sind. Denn dieses ist stillgelegt, nicht aktiv, ausgeschaltet. Sie handeln gedankenverloren wie lebendige Automaten auf ein von außen in sie hineingesendetes Signal. Die Individualität des Menschen gibt sich gewissermaßen insoweit auf und wird zum Bestandteil einer lenkbaren Masse.“(hwludwig)

    Der Mensch der Neuzeit ist zur Individualität aufgefordert- verteidigt er sie nicht, wird er zur Masse degradiert und wie „die allerdümmsten Kälber, wählen ihren Metzger selber“ (Berthold Brecht) abgetan und zur Schlachtbank geführt.

  9. Michaela Wolff permalink

    @ TAH: „Sucht“ Solcher Begriff wird wirklich heutzutage kaum noch per selbständigem Denken hinterfragt. Eine „geistige Konservenbüchse“, von Andern „vorgekocht“.
    In den Medien kann man immer wieder und wieder lesen und hören, die Substanz X würde Menschen „süchtig machen“, und wenn man dann diese Definition der Caritas liest, glaubt man vielleicht, da bescheid zu wissen.
    Es gibt das Buch „Hausarzt“, das der Hausarzt Dr.med. Schneidrzik schrieb, das vom Lechner – Verlag rausgebracht wurde, und in diesem Buch gibt es ein ganzes Kapitel, das dem Plazeboeffekt gewidmet ist.
    Als „die Spitze“ der Plazeboforschung bezeichnet der Autor, wie man Versuchspersonen „echt plazebosüchtig“ machte, d.h., OHNE denen überhaupt REALE Sucht-Stoffe gegeben zu haben.
    Man gab denen Scheinmedikamente (Plazebos), die GAR KEINE realen Wirkstoffe enthielten und suggerierte (!) den Versuchspersonen UND den Hausärzten (Doppelblindversuche ohne Einweihung der Hausärzte), es seien reale Wirkstoffe drin und die würden als „Nebenwirkung Sucht“ verursachen.
    In Wahrheit bekamen die Leute nur winzige Mengen an gewöhnlichem Milchzucker, doch im ERGEBNIS der Suggestionierung entwickelten die Versuchspersonen sehr, sehr reale akute Sucht-SYMPTOME, und man musste die sogar per „Entwöhnungskur“ in Heilstätten behandeln.

    Schon die Idee selber, dass irgendein bloss materieller lebloser Stoff etwas „machen“ könne, ist doch reinste Fiktion. Man möge mal z.B. Mehl oder Waschpulver -beides ist materieller lebloser Stoff – auf den Tisch legen und schauen, ob der Stoff selber aktiv wird.
    Es sind Menschen, die AM Stoff und MIT Stoff etwas machen oder unterlassen, damit etwas zu machen. Beispiel: Nach dem Vietnamkrieg kehrten viele GI s als Heroinjunkies nach Amerika zurück. Man hat beobachtet, dass eine Gruppe in Amerika einfach aufhören konnte, das zu konsumieren. Die hörten auf, ohne von aussen irgendwie Hilfe zu beanspruchen.
    Die andere Gruppe konnte (oder wollte ?) den Konsum nicht beenden, trotzdem man denen Hilfe anbot. Beide Gruppen hatten etwa dieselbe Dosierung durch etwa dieselbe Zeit lang konsumiert, also am Stoff selber kann es nicht gelegen haben, dass die eine Gruppe aufhören konnte und die andere Gruppe das nicht vermochte.

    Die wahren Gründe für Sucht müssen wir zuerst im Geistig-Seelischen des einzelnen Menschen suchen. Vielleicht – das wäre mal wert, näher zu erforschen – glaubten diejenigen, die nicht aufhören konnten, an die Phrasen der Medien, die ja gerne behaupten, es liege am Stoff ?
    Vielleicht glaubten diejenigen, die aufhörten, eben weniger an diese hohlen Suggestionen ?
    Wo die Politik und so weiter über „Sucht“ redet, da gerät der einzelne Mensch und seine Moral bzw. Willenskraft, Ichkraft ganz ausser Betrachtung, indem man den Focus der Allgemeinheit auf irgendeinen „Stoff“ lenkt. Materialismus ist eine ganz naive Denkweise, was der Plazeboeffekt längst beweist.

  10. Ja, gut, dass die Medien durchleuchtet werden.
    Manche Medien sind bereits – wie ehemals – regelrechte Kriegstreiber.

    Eine etwas verstecktere MeinungsMacht ist Wikipedia.
    Wikipedia hat auf grund seiner Struktur ein paar Probleme.
    Wikipedia ist eine freie Enzyklopädie
    https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Starthilfe
    in die jedermensch Artikel einstellen kann und auch jedermensch jeden Artikel bearbeiten kann
    Die Bearbeitungs-Vorgänge werden gespeichert und sind für jedermensch einsehbar.
    Das Konzept ist also durchaus demokratisch und durchsichtig.
    Aber es hat auch Schwachstellen:
    a.) Tummelplatz für Lobbyisten
    b.) weitverzweigte Organisation:
    Ein Web-Projekt dieses Ausmaßes braucht eine ausgedehnte Organisation – weltweit, über viele Sprachen.
    Solche Organisationen sind anfällig für
    c.) Korruption:
    http://www.social-secrets.com/2012/09/wikipedia-und-die-korruption/
    http://www.danisch.de/blog/2012/09/19/korruption-bei-wikipedia/
    Und wenns ums Geld geht
    http://blog.wiki-watch.de/?p=2776
    Solange wir Geld verwenden, wird sich dieses Problem wahrscheinlich nicht lösen lassen.
    d.) Bei politischen Artikeln können gewisse Mächte so Einfluss nehmen, dass die Wahrheit auf der Strecke bleibt.
    e.) Eingebildete und echte Anti-Irgendwas, z.B.:
    https://www.jewiki.net/wiki/Antisemitismus_und_Korruption_in_der_deutschsprachigen_Wikipedia
    f.) unvollständige oder veraltete Artikel, wenn der Autor das Interesse verliert und sich niemand mehr weiter dafür einsetzt.
    Wikipedia bedarf daher immer einer Gegenüberprüfung.
    Auch denselben Artikel in mehreren Sprachen vergleichen, zeigt manchmal Unstimmigkeiten.
    Durch die einsehbare Versionsgeschichte kann das Tauziehen der einzelnen Lobbies verfolgt werden,
    das ist ein Vorteil für die WahrheitsFindung, den sonst kein anderes Medium bietet.
    Leider kann auch die Versionsgeschichte durch bestochene Administratoren verfälscht werden.
    Aber wenn es nicht geschickt genug gemacht wird, findet mensch das möglicherweise heraus oder riecht zumindestens Lunte – und Enthüller sind auch immer möglich:
    Zensur – die organsierte Manipulation der Wikipedia und anderer Medien (Trailer)

    Die dunkle Seite der Wikipedia


    Wikipedia kann bei intelligenter Benutzung sehr aufschlussreich sein – klarerweise kann mensch auch sich in einem Irrgarten verlaufen.
    Es ist durchaus möglich, dass Wikipedia bereits von vornherein als gut getarntes Beeinflussungsmedium geplant worden ist – derzeit ist ja vieles möglich.
    Geistige Wachheit ist bei der Nutzung von Wikipedia unerlässlich.

    • Vielen Dank für den Beitrag, den ich nur bestätigen kann. Wikipedia bedient sich schon seit langem der Zensur und Manipulation z.B. durch die Administratoren. Das konnte ich persönlich im Jahre 2006 erleben, als ich den „Ich“ Artikel ergänzte u.a. mit zwei Literaturhinweisen.
      Ich: Wie wir uns selbst erfinden (Focus-Autor Werner Siefer/Christian Weber)
      Ich – von der Geburt des Zukunftssinnes, Potenzialwahrnehmung und – umsetzung (siehe evtl. http://www.ich-buch.de)
      Alles das, was sich in dem Artikel auf den Menschen als geistige Entität und körperunabhängiges Bewusstsein bezog, was also auch die „Evolutionstheorie – big bang als omnipotente Schöpfung in gewisse Schranken verweist, wurde vom Admin gestrichen – ebenso der zweite Buchlink.
      Diese Streichungen waren messerscharf gezogen im Sinne einer Extirpation des menschlichen Geistes – während auf der anderen Seite die Beliebigkeiten eines in sich widersprüchlichen Konstruktivismus erhalten blieben.
      Auf meine Frage, warum ausgerechnet diese Inhalte verschwunden sind, antwortete der Admin: es handele sich nicht um gesicherte Erkenntnisse …
      Ganhz klar: da hat also jemand das Erkenntnismonopol !!! .. und Wikipedia unterstützt genau dieses Monopol.

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