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Der Heilige Stuhl und der „Kreißsaal der EU“

24. Oktober 2017

Eine wesentliche Entwicklungslinie, die zum Beginn und zur weiteren Förderung der europäischen Einheitsstaats-Bewegung geführt hat, zieht sich von Richard Graf Coutenhove-Kalergi, Winston Churchill und dem US-Geheimdienst über das „American Committee for a United Europe“ (ACUE), zur „Europäischen Bewegung“, der „Union Europäischer Föderalisten“ (UEF)  und den „Europarat“. Diese weitgehend vom CIA mitfinanzierten hauptsächlichsten Organisationen bilden den Humus, welche die heute bis zur EU entwickelte Brüsseler Organisation in Gang gebracht haben, weiter begleiten, fördern, unterstützen und vorantreiben.1

Zentrales Motiv der angloamerikanischen Förderung eines europäischen Staates ist es, eine Entwicklung Deutschlands als unabhängige, selbständige Nation für die Zukunft auszuschließen. Dies ergibt sich schon aus einem Papier des amerikanischen Außenministeriums vom Februar 1949, in dem es hieß, dass die Besatzungsherrschaft nur aufgelöst werden sollte, wenn „ein angemessener Rahmen einer allgemeinen europäischen Union, in die Deutschland absorbiert werden kann“, existiere. Die Initiative für einen solchen Rahmen solle man aber den Europäern selbst überlassen und sie nur von außen unterstützen.Die Initiative ist ja insbesondere von Coutenhove-Kalergi und Jean Monnet ergriffen worden. Aus den Erinnerungen von Hans-Dietrich Genscher geht hervor, dass die Fortführung der europäischen Integration zu einem Bundesstaat zu den Bedingungen der USA für eine Zustimmung zur deutschen Wiedervereinigung 1989 gehörte.

Der Einfluss der römisch-katholischen Kirche

Eine zweite Linie geht vom „Heiligen Stuhl“ in Rom aus. Die Päpste und die ihr unterstehenden Kirchenoberen haben die von den weltlichen „Eliten“ betriebene Entwicklung zu einem europäischen Bundesstaat von Anfang an unterstützt. Eine der treibendsten katholischen Kräfte war Papst Pius XII. Nach der Gründung der EWG und der EURATOM am 25. März 1957 in Rom, die der 1951 in Paris gegründeten Montanunion zur Seite traten, kritisierte er auf dem Europa-Kongress, dass insbesondere die EWG noch keine eigentliche Gemeinschaft sei, weil ihr eine eigene Autorität fehle, die „wirkliche Gewalt“ besitze und Verantwortung trage. Er gab den politischen Akteuren die Aufgabe mit auf den Weg, „für eine Stärkung der Exekutive in den bestehenden Gemeinschaften zu sorgen und damit die Konstituierung eines einheitlichen politischen Organismus ins Auge zu fassen.“ Eine europäische Außenpolitik schien ihm schon damals möglich und nötig.3

Otto von Habsburg

Zu den intensiv in diesem Sinne für die Interessen der katholischen Kirche Wirkenden gehörte Otto von Habsburg, der 1912 geborene älteste Sohn von Karl I., des letzten, 1922 mit 35 Jahren im Exil in Portugal gestorbenen Kaisers von Österreich-Ungarn. Kaiser Karl wurde „von seinen Biografen einhellig eine tiefe Religiosität und bedingungslose Treue zur katholischen Kirche bescheinigt. Kritiker sehen in Karl einen „Befehlsempfänger der Kirche“ (Brigitte Hamann), der als „politischer Diener der Kirche“ sich sklavisch an die Vorgaben der Kirche gehalten und dadurch die Trennung von Staat und Kirche ignoriert hätte.“ Aus Dankbarkeit wurde er am 3. Oktober 2004 „von Papst Johannes Paul II. in die Reihen der Seligen der römisch-katholischen Kirche aufgenommen. …  Die Kirche würdigte durch ihre Entscheidung Karls Sicht des Herrscheramtes als „Heiligen Dienst“ und erklärte ihn zum Vorbild für politische Verantwortungsträger.“ 4

Entsprechend tief war auch sein Sohn Otto mit der Katholischen Kirche verbunden. „Seine Mutter erzog ihren Sohn auch nach dem Untergang der Doppelmonarchie und der 1921 in Ungarn beschlossenen Dethronisation der Habsburger zu einem römisch-katholischen Monarchen.“ (Wikipedia) Er war Ehren- und Devotions-Großkreuz-Bailli (ein herausragender Ritter) des „Souveränen Malteserordens“, einer katholischen Ordensgemeinschaft, die ein vorbildliches Leben nach den Lehren und Vorschriften der Kirche vorschreibt. Ebenso gehörte er dem „Orden vom Goldenen Vlies“ an, dessen Ziel die Erhaltung des katholischen Glaubens, der Schutz der Kirche und die Wahrung der unbefleckten Ehre des Rittertums ist.

Ab Mitte der 1930er Jahre setzte sich Otto von Habsburg innerhalb der „Paneuropa-Union“ an der Seite des Gründers Richard  Graf von Coudenhove-Kalergi für die europäische Einigung, also einen europäischen Bundesstaat ein. Der römisch-katholische Laienorden „Opus Dei“ favorisierte ihn als künftigen Monarchen über ein vereintes katholisches Europa.5  Von 1957 bis 1973 war er Vizepräsident der Paneuropa-Union, von 1973 bis 2004 als Nachfolger Kalergis Präsident und von 2004 bis 2011 Ehrenpräsident. (Wikipedia) Nachdem er 1978 neben der österreichischen auch die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen hatte, war er von 1979 bis 1999 für die CSU Abgeordneter im Europäischen Parlament.

Als Gegner des Nationalsozialismus floh er 1940 in die USA. Er pflegte intensive persönliche Kontakte zu Präsident Franklin Roosevelt und insbesondere Winston Churchill, den er für das Nachkriegs- Konzept einer Donauföderation interessierte. Nach seinen Vorstellungen sollte auf dem Gebiet des früheren Österreich-Ungarns ein neuer monarchischer Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn nach dem Vorbild Belgiens entstehen, der zwei große Bevölkerungsgruppen vereinigte. Auch die Länder Bayern, Baden, Württemberg und Hohenzollern-Sigmaringen sollten als Monarchien wiederhergestellt und in einem so genannten „Süddeutschen Bund“ vereinigt werden. (Wikipedia)

Jòzef Retinger

Einen noch tiefer gehenden Einfluss übte der undurchsichtige Pole Dr. Jòsef Hieronim Retinger (1888-1960) aus. Er absolvierte die katholische (jesuitische?) St. Luke’s Catholic High School in Krakau6 und schloss, nach Gerhard Wisnewski, das Noviziat des Jesuiten-Ordens in Rom ab, hängte allerdings wegen der „zu großen Hürde des Zölibats“ den Priesterberuf wieder an den Nagel.7  Den Besuch einer katholischen Schule zu erwähnen, ist in unserem Zusammenhang nicht unwichtig, soll diese ihre Schüler doch im Geiste „katholischer Lehre und Praxis“ erziehen. Und die von den Jesuiten gegründeten Schulen und Universitäten sollen „Gewähr dafür bieten, dass kommende Generationen fest verwurzelt im katholischen Glauben heranwachsen – modern ausgedrückt, sicherten sie sich damit langfristig die kulturelle Hegemonie.“ (Wikipedia) Offensichtlich blieb Retinger auch Kirche und Orden weiterhin treu verbunden.

Während und nach seinem Studium der Literatur in Paris, Studien der Psychologie in München und der Ökonomie an der London School of Economics8, kam er dank seines Förderers Graf Zamoyski mit zahlreichen führenden Leuten aus Kultur und Politik in Berührung. „Etwa zur selben Zeit beginnt er seine politische Karriere – allerdings gar nicht so konträr zu seinem ersten Wunsch: der dem päpstlichen diplomatischen Dienst beizutreten“, schildert W. Chr. Taverne.9  Im Ersten Weltkrieg gelang es Retinger, „Polen zu verlassen. Er trägt eine Reihe sehr wichtiger Dokumente und Briefe bei sich, unter anderen einen von Erzbischof Bilczewski an seinen Kollegen in Westminster (Kardinal Bourne). Des weiteren bekommt er Instruktionen von Bilczewski, und die Dokumente, die an Retinger übergeben wurden, tragen die Unterschriften von einigen 20 führenden polnischen Persönlichkeiten. Dank dieser Papiere ist Retinger in der Lage zu beweisen, dass er derjenige ist, der das Sagen hat, mit der vollen Handlungsvollmacht überall als ein Art polnischer Botschafter zu agieren.“ 9

Seine Beziehungen zu führenden Persönlichkeiten der Westmächte führen nach W. Chr. Taverne dazu, dass er zur Verhandlungsdelegation des belgischen Prinzen Sixtus von Bourbon-Parma gehört, die Anfang 1917 geheim einen Separatfrieden mit Kaiser Karl I. von Österreich-Ungarn sondieren soll.
„Dies ist ein komplexes Thema, weil der so genannte Habsburg- oder Ledóchowski-Plan damit zu tun hat. Dieser Plan wollte für das Haus von Habsburg einen Staatenbund aus römisch-katholischen Ländern in Zentral- und Osteuropa arrangieren. Obwohl dieser Plan vom General der Jesuiten stammte, Graf Wladimir Ledóchowski (selbst ein Pole), so erwies er sich ebenso, der Traum des späteren Papst Pius XII. zu sein. Um dieses hochgesteckte Ziel zu erreichen, wurde Retinger zu einem der Verhandlungsführer, zusammen mit Prinz Sixtus von Bourbon-Parma und dem General der Jesuiten. Also machte sich Retinger auf, den General in seiner jesuitischen Festung zu besuchen, dem Schloss zu Zizers, nahe Chur. Da Graf Ledóchowski zu dem Freundeskreis von Retingers (früherem)Vormund gehörte, wurde er sehr freundlich empfangen, und darüber hinaus erwies er sich als der geeignetste Verhandlungsführer.“ 9

Während des Zweiten Weltkrieges wurde er einer der engsten Berater von General Sikorski, den Ministerpräsidenten der polnischen Exilregierung in England, der ihn den „Cousin des Teufels“ nannte. Nach dem Krieg setzte er sich intensiv für die europäische Integrationsbewegung ein und war 1947 maßgeblich an der Gründung der vom „American Committee for a United Europe“ geförderten „Europäischen Bewegung“ beteiligt, deren erster Generalsekretär er wurde und 1948 den Haager Europa-Kongress in Den Haag organisierte, an dem unter dem Vorsitz Churchills über 700 Delegierte aus ganz Europa und Beobachter aus den USA und Kanada teilnahmen. Damit gelang die entscheidende Weichenstellung für die Gründung der Europäischen Bewegung. Auch die Gründung des bis heute außerordentlich einflussreichen „Europarates“ geht auf seine Initiative zurück. Schließlich entsprang auch die Gründung der „Bilderberger-Konferenzen“ seinen strategischen Planungen, für die er Prinz Bernhard der Niederlande als Vorsitzenden und Symbolfigur gewann. (Wikipedia)

Das Wirken Jòzef Retingers für eine staatliche Einigung Europas im Sinne des Vatikans, sozusagen für ein „Heiliges Römisches Europa“, war also noch ungleich grundlegender als das Otto von Habsburgs.

Im „Kreißsaal der EU“ in Rom

Die feierliche Unterzeichnungszeremonie der Gründungsverträge von EWG und EURATOM, den Vorläufern der EU, fand am 25. März 1957 im Palazzo die Conservatori auf dem Kapitol in Rom, im sala degli orazi e curiazi statt. Von den für die 6 Gründungsländer Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Luxenburg und die Niederlande unterzeichnenden Staatsmänner waren die meisten (K. Adenauer, Chr. Pineau, A. Segni, J. Luns) katholisch geprägt.

Der Saal ist mit seinen Wandmalereien der Erinnerung an die kriegerischen Ursprünge des Römischen Imperiums gewidmet. Die Statuen zweier Päpste dokumentieren in geistiger Nachfolge des Imperiums den Machtanspruch der römisch-katholischen Kirche über die Seelen der Menschen. Nach der Erhebung des Christentums zur römischen Staatsreligion im 4. Jh. hatte die römische Kirche Struktur und juristische Denkweise des zerfallenden römischen Imperiums angenommen, der Bischof von Rom war mit Hilfe der Macht der römischen Kaiser gegen den Widerstand der meisten anderen Bischöfe zum Oberhaupt (Papst) aufgestiegen und hatte von den Kaisern das Amt des Pontifex Maximus, des obersten Priesters, übernommen. Die Auswahl des symbolträchtigen Ortes war sicher kein Zufall, sondern gezieltes Arrangement.

Auch die Unterzeichnung des „Vertrages über eine Verfassung für Europa“, der die EU bereits in einen Quasi-Bundesstaat erheben sollte10, fand 47 Jahre später, am 29. Oktober 2004, feierlich in diesem Saale statt, den die Süddeutsche Zeitung daher in wohlwollender Flapsigkeit als „Kreißsaal der EU“ bezeichnete. Dabei ist nicht unwesentlich, dass diese Verfassung maßgeblich unter der Leitung des Jesuitenzöglings und früheren französischen Präsidenten Valéry Giscard d’Estaing entworfen wurde, der wie Otto von Habsburg „Ehren- und Devotions-Großkreuz-Bailli des Malteserordens“ ist.11

Die unterzeichnenden Staatsmänner saßen direkt unter der mächtigen, überlebensgroßen Statue des Papstes Innozenz X., der gleichsam seine segnende rechte Hand über sie ausstreckt.
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http://vatikanische-nwo.blogspot.de/2009/11
Der britische Premierminister Tony Blair und sein Außenminister Jack Straw unterzeichnen den Vertrag für Großbritannien.

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Auch Schröder und Fischer unterwerfen Deutschland

Innozenz X. war Papst von 1644 – 1655. Als 1648 der Dreißigjährige Krieg – für die katholische Kirche praktisch erfolglos – mit dem Westfälischen Frieden beendet wurde, der den Herrschafts- und Einflussbereich der Protestanten festschrieb, wandte sich Innozenz mit aller Schärfe dagegen und verweigerte als einziger die Unterschrift unter den Friedensvertrag. Europa sollte katholisch bleiben und nicht teilweise unter protestantische Herrschaft geraten. Der Papst erklärte in einem Schreiben „Zelo domus Dei“

„kraft Apostolischer Machtvollkommenheit den Artikel des Westfälischen Friedens für nichtig, ungültig, unbillig, ungerecht, verdammt, verworfen, vergeblich, der Kräfte und Erfolge entbehrend für alle Zukunft, niemand sei zu ihrer Einhaltung verpflichtet.“ (Wikipedia)

Die unterzeichnenden Staatsmänner blickten genau gegenüber auf die gleichfalls übermächtige Statue von Papst Urban VIII. (1623 – 1644), des unmittelbaren Vorgängers von Innozenz X. Papst Urbans unerbittlicher Vernichtungswille der deutschen Protestanten kam anlässlich der Verwüstung Magdeburgs am 20. Mai 1631 durch die Truppen der katholischen Liga zum Ausdruck. Es war zu tagelangen Raubzügen, Vergewaltigungen und Gewalttaten gekommen, bei denen mehr als 20.000 Bürger getötet wurden.

In ganz Europa war man über dieses Massaker entsetzt, und es gilt als das größte und schlimmste während des Dreißigjährigen Krieges. Es hieß, die Taten und der Schrecken seien in ihrer Entsetzlichkeit ´nicht in Worte zu fassen und nicht mit Tränen zu beweinen`. Papst Urban VIII. hingegen verfasste am 24. Juni 1631 ein Schreiben, in dem er seine Freude über die „Vernichtung des Ketzernestes“ zum Ausdruck brachte.“ (Wikipedia)

Was drückt sich in dieser Symbolik aus?

Aus der Ich-Kraft und dem Freiheitsimpuls Mitteleuropas erhob sich mit der Reformation die größte Rebellion gegen den religiösen Herrschaftsanspruch des Papsttums.12 Zwar geht von der verflachten Evangelischen Kirche von heute keine Gefahr mehr für Rom aus, aber man weiß, dass in dem Geistesstreben der Deutschen, wie es in der deutschen Klassik, Romantik und Philosophie des Idealismus besonders zum Ausdruck kam, nach wie vor die größte Gegnerschaft schlummert. Goethe ließ repräsentativ den Faust dieses Streben aussprechen: „Dass ich erkenne, was die Welt / Im Innersten zusammenhält, / Schau alle Wirkenskraft und Samen, / Und tu nicht mehr in Worten kramen.“ Alle Wirkenskraft ist aber geistig und gründet im Göttlichen, das sonst dem Bereich der Religion angehört. Doch dieses Streben zielt danach, die Grenzen von Religion und Wissenschaft aufzuheben, so dass der Philosoph Schelling formulierte: „Die deutsche Nation strebt mit ihrem ganzen Wesen nach Religion, die mit Erkenntnis verbunden und auf Wissenschaft begründet ist.“

Damit wird der Priester als Vermittler zwischen irdischer und göttlicher Welt überflüssig. Das ist schon in Luthers Tat veranlagt, der die jedermann zugänglichen Evangelien über die Dekrete des Papstes stellte. Daher wird auch Rudolf Steiner, der in Anknüpfung an den deutschen Idealismus in der von ihm entwickelten Anthroposophie einen wissenschaftlichen Weg zur Erkenntnis der geistig-göttlichen Welt, eine Geistes-Wissenschaft begründete, von der katholischen Kirche auf allen Ebenen bekämpft. Im unmittelbaren Verhältnis jedes Menschen zur göttlich-geistigen Welt liegt die größte, existenzielle Bedrohung der Kirche.

Ein unabhängiges Deutschland mit einem freien Geistesleben muss daher verhindert und in einem europäischen Bundesstaat gebunden oder gar absorbiert werden.

Die 60-Jahr-Zeremonie

Die EU befindet sich gegenwärtig in einer schweren Krise, die einen besonders dramatischen Ausdruck in der Austrittserklärung Großbritanniens gefunden hat. Was lag da näher, als am 25. März 2017, dem 60. Jahrestag der Unterzeichnung der römischen Verträge, zusammenzurücken und im selben Saal in Rom die Gründungsideale erneut zu beschwören. Die Regierungschefs der verbleibenden 27 EU-Staaten unterzeichneten feierlich eine Erklärung, die das Versprechen der EU auf Frieden, Freiheit und Wohlstand erneuern soll. „Heute erneuern wir in Rom unser einzigartiges Bündnis freier Nationen, das vor 60 Jahren von unseren großartigen Vorgängern ins Leben gerufen wurde“, sagte EU-Ratspräsident Donald Tusk. „Sie hatten den Mut des Kolumbus, unbekannte Gewässer zu besegeln, eine neue Welt zu entdecken.“ 13

Am Abend zuvor war man von Papst Franziskus in Audienz empfangen und eingestimmt worden. Er sparte nicht mit Kritik und Ermahnungen.

Sechzig Jahre später nach Rom zurückzukehren darf nicht bloß eine Reise in die Erinnerungen sein, sondern ist vielmehr das Verlangen, das lebendige Gedächtnis jenes Ereignisses wiederzuentdecken, um dessen Bedeutung in der Gegenwart zu verstehen. … ´Die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft`, bekräftigte (damals) der luxemburgische Premierminister Bech, ´wird nur dann leben und erfolgreich sein, wenn sie in ihrem Bestehen dem Geist europäischer Solidarität, der sie geschaffen hat, treu bleibt und wenn der gemeinsame Wille des entstehenden Europas mächtiger ist als die nationalen Willensbestrebungen.` Dieser Geist ist angesichts der zentrifugalen Kräfte wie auch der Versuchung, die Gründungsideale der Union auf produktive, wirtschaftliche und finanzielle Erfordernisse zu reduzieren, heute höchst notwendig. …

Europa findet wieder Hoffnung in der Solidarität, die auch das wirksamste Heilmittel gegen die modernen Formen des Populismus ist. Die Solidarität bringt das Bewusstsein mit sich, Teil eines einzigen Körpers zu sein, und schließt gleichzeitig die Fähigkeit eines jeden Gliedes mit ein, mit dem anderen und dem Ganzen zu ´sympathisieren`. … Die Formen von Populismus hingegen sind eben Blüten des Egoismus, der in einen engen und erdrückenden Kreis einschließt und nicht zulässt, die Enge der eigenen Gedanken zu überwinden und darüber hinaus zu sehen. Man muss wieder beginnen, europäisch zu denken, um die gegensätzliche Gefahr einer grauen Uniformität oder des Triumphs der Partikularismen abzuwehren. …
Meinerseits kann ich nur versichern, dass der Heilige Stuhl und die Kirche ganz Europa nahe ist. An seinem Aufbau hat die Kirche stets mitgewirkt und wird immer mitwirken. Dazu bittet sie für Europa um den Segen des Herrn, damit er es beschütze und ihm Frieden und Fortschritt schenke.“
14 

Mit dem positiven Begriff „Europa“ ist natürlich das Konstrukt der Europäischen Union gemeint, womit suggeriert wird, beide als identisch aufzufassen. Aus den Worten des Papstes wird der Wille zu einem europäischen Gesamtstaat, einem einzigen Körper, deutlich, in dem sich die Einzelstaaten mit ihren nationalen Willensbestrebungen einfügen und unterordnen sollen. Denn diese zentrifugalen Kräfte seien heute verführerischer Populismus, der nichts anderes als beschränkter nationaler Egoismus bedeute, dem der notwendige Weitblick fehle.   

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nachrichten.at
Zum Bild: Der gegenüber der politischen Ebene erhöhte Heilige Stuhl, auf dem der Papst in gebührendem Abstand über den anderen thront, suggeriert, dass er einer höheren geistigen Ordnung angehöre, dass er der göttlichen Welt nahe stehe, aus der er letztlich seine Weisheit, seine Handlungsimpulse und den göttlichen Segen empfange, den weiter zu spenden, er kraft göttlichen Auftrags ermächtigt sei.

Die hierarchische Ordnung

Die römisch katholische Kirche hat eine streng gegliederte Priesterhierarchie, die sich über den Gläubigen auftürmt und deren Verhältnis zur göttlichen Welt regelt und bestimmt. In ihrem Anspruch auch auf weltliche Herrschaft greift sie im Grunde auf die Form altorientalischer und altägyptischer Theokratien zurück, in denen der gottgleich verehrte oberste Priester zugleich oberster weltlicher Herrscher, absoluter Monarch war. Eine Karikatur dieses Strebens ist im Vatikanstaat erhalten geblieben, „einer absoluten Wahlmonarchie, deren Monarch der Papst ist.“ (Wikipedia)

In der geschichtlichen Folge waren aber die Theokratien in den religiösen Teil der Kirchen und den weltlichen Teil der Monarchien auseinandergebrochen, wobei beide die unmittelbare Einsetzung und Legitimation durch die göttliche Welt geltend machten. Mit der Konkurrenz der Könige und Kaiser „von Gottes Gnaden“ musste sich die römische Kirche auseinandersetzen. Das ganze Mittelalter ist von diesem Kampf gekennzeichnet, in dem das Papsttum stets die oberste göttliche Legitimation behauptete und von Karl dem Großen an auch zumeist die Einsetzung und Krönung der weltlichen Herrscher des „Heiligen Römischen Reiches“ als erneuertes römisches Reich durchgeführt hat. Schon an der Wahl waren die „Fürstbischöfe“ der Kirche, die zugleich weltliche Landesherren waren, als Angehörige des Standes der Kurfürsten beteiligt. Die römische Kirche durchsetzte das weltliche Reich und übte auf Adel und Volk einen allgegenwärtigen Einfluss aus.

Reformation und Ende des „Heiligen Römischen Reiches“ waren ein schwerer Schlag für die Macht der römischen Kirche. Offensichtlich sieht das reaktionäre Papsttum in einem europäischen Gesamtstaat die Möglichkeit, ein „Heiliges Römisches Reich“ in neuer Form wieder aufzurichten, das natürlich unter den modernen Gegebenheiten einer demokratischen Fassade bedarf. Dahinter handelt es sich aber um ein hierarchisches System von Institutionen, die von einem neuen „politischen Adel“ beherrscht werden, der von Mitgliedern oder Sympathisanten der Kirche durchsetzt sind und die Impulse der Kirchen bewusst oder unbewusst realisieren. Den Bürgern ist eine gesellschaftlich wirksame Mit- und Selbstbestimmung in der EU genauso verwehrt wie den Gläubigen die religiöse Selbstbestimmung in der römischen Kirche.

Es handelt sich um die wüsteste Reaktion gegen die vom wahren Christentum impulsierte Entwicklung der Menschheit zu Freiheit und Selbstbestimmung. Die angeblich christliche römische Kirche arbeitet der zentralen Verheißung und dem damit verbundenen Auftrag Christi entgegen: „Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“ 15

Nachbemerkung:

Es passt in den Zusammenhang des Themas, dass der neue französische Präsident Emmanuel Macron, der zwei Tage nach der deutschen Bundestagswahl weitere Kompetenzübertragungen auf die EU durch einen eigenen Eurozonen-Haushalt mit Ministerium, einen EU-Verteidigungs-Etat und eine europäische Asylbehörde forderte, ebenfalls Jesuitenschüler ist. „Aus einer nichtreligiösen Familie stammend, ließ sich Macron als 12-Jähriger bei Eintritt in die Jesuitenschule La Providence (in Amiens) auf eigenen Wunsch katholisch taufen.“ (Wikipedia). Er besuchte diese Schule bis zum 17. Lebensjahr.
————————————
1   Vgl.: Hintergründe der europäischen Integrationsbewegung
2   Zitiert nach Andreas Bracher: Europa im amerikanischen Weltsystem,
Basel 2001, S. 86
3   Zitiert und referiert nach: Heinz Hürten: Papst Pius XII.
und die Einigung Europas, in: Heinz Duchhardt u.a. (Hrsg):
Die europäische Integration und die Kirchen, Teil 1, 2010, S. 31
4   habsburger.net
5   caroimchaos.wordpress.com
6   orwellski.blogspot
7   Referiert nach: vatikanische-nwo
8   wie Anm. 6
9   zitiert nach Anm. 7
10 Diese „Verfassung“ ist dann zwar an den Volksabstimmungen in  Frankreich und Holland gescheitert, mit dem „Lissabon-Vertrag“ aber, der angeblich in den beiden Ländern keiner Volksabstimmung bedurfte, inhaltlich zu 90 % doch eingeführt worden.
11   Vgl.: wikipedia.org
12   Vgl.: Luthers Rebellion
13    merkur.de 25.3.1017
14    radiovaticana.va
15    Johannes-Evangelium Kap. 8, Vers 32

 

 

 

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17 Kommentare
  1. Jürgen Elsen permalink

    Vielen Dank für die Arbeit und Hingabe der Textkompositon !! — mit Interesse gelesen …

    Anregung zu:
    > Es handelt sich um die wüsteste Reaktion gegen die vom wahren Christentum impulsierte Entwicklung der Menschheit zu Freiheit und Selbstbestimmung

    Aus heutige Sicht betrachte ich es eher als AKTION – oder salopp gesagt: Fußtritt – damit wir Menschen uns endlich einmal bewegen und zwar in Richtung unseres Potenzials: Freiheit und Selbstbestimmung. Ganz im Sinne von Goethe:
    > Schau alle Wirkenskraft und Samen, / Und tu nicht mehr in Worten kramen

    oder Franz von Assisi:
    > So viel hat der Mensch vom Wissen, wie er in die Tat umsetzt.

    Also Tat: vernetzen und gemeinsam neue Organisationsstrukturen aufbauen auf höchster Ebene

    Anregung zu Hierarchie:
    Hilfreich hier auch der Blogbeitrag https://fassadenkratzer.wordpress.com/2017/09/29/die-deutsche-obrigkeitshoerigkeit-und-ihr-ursprung/
    Abgesehen von der „Kind-Rolle“, die die meisten Deutschen einnehmen (Stichwort: „Vater Staat“) und die ihren Ausdruck in Worten findet wie: wir fordern, wir verlangen (egal ob auf Demos, Versammlungen, Blogs, Interviews oder in Büchern usw.) hier auch folgendes Video interessant:

    kommt hinzu das Phänomen, Strukturen und Regeln mehr Glauben und Akzeptanz entgegen zu bringen, wie den Menschen selbst.
    Wir wissen, daß über 80 % der Steuergelder, die eigentlich Gemeinwohlzwecken, Infrastrukturen usw. dienen sollten, über Umwege wieder direkt bei den Banken bzw. den „Investoren und Kapitalanlegern“ landen. Dies alles ist durch eine entsprechende Strukturarchitektur „geregelt“.

    Man stelle sich nun einmal folgendes vor: statt daß sein Einkommen (=Arbeit und Lebenszeit!) durch solche Strukturen abgesaugt wird, würde am Monatsende ein Staatsbediensteter an die Haustür klopfen und dabei verlangen, 80% aus der Kasse bitteschön ihm zu übergeben.
    Ich glaube, diese Bediensteten müßten über eine sehr gute Ausbildung in Selbstverteidung verfügen …

    Weil also wir Menschen Systeme nicht durchschauen wollen ODER sie durchschauen, aber nicht bereit sind, EIGENE an ihrer statt zu errichten, funktioniert die Hierarchie und ist nach wie vor das beste Mittel, um Macht über die Menschen zu erlangen oder zu behalten.

    Noch ein Weiteres kommt hinzu:
    Im Materiefeld wirken die Strukturen des Immateriellen oft 180 Grad entgegengesetzt:

    Wenn wir Im Geistigen auf Wachstumskurs sind, bedeutet dies eine Kommunion der Bewußtseine – ich erfahre mich im anderen und gleichzeitig bereichern sich diese Bewußtseine gegenseitig. Wir haben das Bild der wunderbaren Brotvermehrung.

    Inkarnieren wir nun und realisiert unsere Seele nicht richtig, daß wir im Materiefeld sind, übertragen wir diesen Wachstumskurs 1 : 1 in das Materiefeld, dann haben wir einen der größten Machtdespoten vor uns: jemand, der sich auf physicher Ebene alles einverleiben will und dabei geschieht das Gegenteil, wie innerhalb der Geistigen Ebene: er raubt allen anderen alles !

    Dies gelingt eben am einfachsten mittels Hierarchiebildung – denn auch diese ist das 180 Grad verkehrte Bild / Wirksamkeit aus der Welt des Geistes:
    Das „nach oben“ strebende Bewußtsein beinhaltet zwangsweise die Naturen der darunterliegenden Bewußtseine aber so, daß es diese dadurch mit „energetisiert und aufrecht hält“ (
    geht gar nicht anders) – umgekehrt fühlen sich die „unteren Bewußtseine“ durch die „höheren“ in eine Art Licht („Seraphime“) getaucht, welches sie zu ihrer eigenen Entwicklung anregt.
    Im Feld der Materie ist es jedoch wiederum 180 Grad umgedreht: die Seele, die sich an diese himmlichen Verhältnisse erinnert und meint diese 1 : 1 auf der Erde umsetzen zu können, wird sich so verhalten:
    Jegliche Kompetenz und Errungenschaft gilt es aufzusaugen und für sich abzusichern – zum Beispiel in Büchern hinter verschlossenen Türen, während gleichzeitig die Quellen ausgelöscht werden. Z.B durch „Patentgesetze“ (die aufgekauft werden können, wer die Mittel dazu hat).

    Auf der physischen Ebene sind das Menschen, die nach Kreativen suchen, diese so lange fördern, bis sie ihrer Energie sicher sind (und dann eventuell töten).

    So entsteht zwangsläufig eine „Wissenshierarchie“: auf den unteren Ebenen darf gerade nur so viel Wissen verfügbar sein, wie zur Leistung notwendig.

    So entsteht aus der unbewußt geistigen Verwandschaft der irdischen Hierarchie mit der Kosmischen der blinde Glaube und die Unterwerfung gegenüber diesen irdischen Systemstrukturen.

    Je mehr der Einzelne noch mit einer geistigen Welt verbunden ist – aber eben sehr unbewußt – um so mehr wird er geneigt sein, sich System-Strukturen zu unterwerfen.
    Je mehr der Geist in ihm erwacht, um so eher wird er bereit sein mit anderen GEMEINSAM EIGENE STURKTUREN aufzubauen …

  2. Zitat: “ Aus den Erinnerungen von Hans-Dietrich Genscher geht hervor, dass die Fortführung der europäischen Integration zu einem Bundesstaat zu den Bedingungen der USA für eine Zustimmung zur deutschen Wiedervereinigung 1989 gehörte.“

    Intuitiv misstraue ich dieser Aussage, ich wäre sehr dankbar, wenn irgendein Leser bzw. Kommentator dies evident bestätigen oder widerlegen könnte.

    • @Stahlfront
      Ich habe die Autobiographie von Genscher selber nicht. Diesen Hinweis habe ich vor einiger Zeit in einer vertrauenswürdigen Quelle gelesen, die mir aber leider abhanden gekommen ist. Ich habe ihn gegen meinen sonstigen Grundsatz, alles zu belegen, übernommen, da sie mir im Gesamtzusammenhang der Ereignisse glaubwürdig erscheint.

      So heißt es z, B. in einem Text der Bundeszentrale für politische Bildung, also einer staatlichen Behörde:
      „In den USA dagegen betrachtete man die Vorgänge in Deutschland durchaus positiv. Die Wiedervereinigung, die man selbst seit 1945 stets gefordert hatte, wurde nicht abgelehnt, sondern als Erfüllung eines langfristigen Ziels westlicher Politik nachdrücklich begrüßt. Präsident Bush und Außenminister Baker hoben lediglich die Notwendigkeit hervor, den Einigungsprozess mit der konstruktiven Entwicklung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen in Einklang zu bringen. Außerdem müsse die Vereinigung der beiden deutschen Staaten sich innerhalb der Institutionen von NATO und Europäischer Gemeinschaft vollziehen und die Rechte und Verantwortlichkeiten der Vier Mächte berücksichtigen.“

      Also Bedingung war, dass sich „die Vereinigung innerhalb der …Europäischen Gemeinschaft“ vollziehen müsse, und diese ist, wie dargelegt (Anm. 1), vom aus den USA unterstützten Anfang an auf einen europäischen Bundesstaat ausgerichtet.

      • Daß es diese grundsätzliche Bedingung schon seit langem gab ist durchaus möglich, wurde sie aber dann beim Eintreten der Vereinigung auch noch real gestellt.

        Ich habe z.B. auch gehört, daß Frankreich der Vereinigung (Eigentlich ein Anschluß an die BRD, übrigens ohne Volkabstimmung, wie beim Anschluß der Ostmark) nur zugestimmt hat, weil „wir“ als Bedingung die DM haben fallen lassen, nur um dann später zu erfahren, daß Frankreich gar nichts zu melden hatte und die Sache zwischen Washington und Moskau längst geregelt war.

        Und weil eine Sache logisch erscheint, muß sie noch lange nicht stimmen.

        Prinzipiell hat mein Vertrauen in Aussagen von Politikern (aus sicherlich verständlichen Gründen) sehr nachgelassen … trotzdem vielen Dank für Ihre Mühe mir zu antworten, aber wer weiß schon heutzutage noch was wahr ist und was nicht, ich jedenfalls weiß es immer weniger.

      • Jürgen Elsen permalink

        @Stahlfront »aber wer weiß schon heutzutage noch was wahr ist und was nicht, ich jedenfalls weiß es immer weniger.«

        Ist, finde ich, ein springender Punkt: eine Antwort haben Sie ja schon selbst gegeben mit: »intuitiv«
        Die andere Lösung liegt in dem Wort WAHRnehmung selbst: ich kann nur dort WAHRnehmen, wo ich auch persönlich, also physisch mit meinen Sinnesorganen anwesend bin.

        Ein äußerst empfehlenswertes Buch zu diesem Thema ist Rudolf Steiners Philosophie der Freiheit, welches unbedingt mit mehreren Bewußtseinen (Menschen) im Austausch »durchgearbeitet« werden sollte. Der Gewinn ist IMMENS und nicht beschreibbar!

        Alle technischen Medien (also auch Bücher usw.) sind Spiegel von Spiegeln: in ihnen spiegelt sich schon gespiegeltes menschliches Bewußtsein und damit ist für den Empfänger zunächst einmal nur eines sicher, nämlich die Ungewißheit.

        Die Intuition, als das im Geistigen verlaufende Erfassen eines rein geistigen Inhaltes, ist also die Vereinigung der Sender-Quelle mit der Quelle des Empfängers selbst. Hieraus wird deutlich, daß es sich nicht um eine Spiegelung oder Identifikation handelt, sondern das Erfassen des Wesentlichen oder Wahren selbst (Wesen in Wesen).

        Die Schulung der Intuition ist gleichzeitig Herzschulung und impliziert die des Verstandes. Eine direkt an den Verstand gerichtete Schulung desselben führt hingegen tendenziell zu einer Bewußtseins-Blockade, die das Intuitive und Herzliche behindert.

        Der ursprüngliche Spiegel ist das menschliche Nervensystem. Dieses ist jedoch ein Schöpfungsakt der Schöpfung selbst und somit in ihr begründet und rückbezüglich – im Gegensatz zu den Spiegelungen, die wiederum aus dem Spiegelorgan durch dieses selbst »erfunden« wurden oder werden (und auf denen maßgeblich die Schulung des Verstandes beruht).

        Die Blockade der Intuition läßt z.B. Watzlawik behaupten: »Im Gegensatz dazu handelt der sogenannte Konstruktivismus von der Einsicht, dass jede Wirklichkeit im unmittelbaren Sinn die Konstruktion derer ist, die diese Wirklichkeit zu entdecken und zu erforschen wähnen …«
        (Paul Watzlawick: »Die erfundene Wirklichkeit«, 1978)
        Logisch gesehen eine positive Tautologie: denn diese Erkenntnis ist selbstverständlich auch selbst eine Konstruktion, die der »Konstruktivist« für wirklich hält … ein Zirkelschluß, dessen Erkenntnis- oder Wahrheitswert = Null ist.

        Das Herz, da es selbst mit der Quelle verbunden ist, hat die Fähigkeit des Unterscheidens und Erkennens der Übereinstimmung von Spiegel und Quelle.
        So kann es sein, daß wir von einem Gebiet überhaupt keine Wissenskompetenz haben und doch erkennen, daß die dargelegte Widerspiegelung (egal mit welchen Medien oder Zwischenbewußtseinen) eben nicht in Überstimmung mit der Quelle ist, obwohl sie das von sich selbst behauptet.

        Echte Wissenschaftler lassen sich gerade von diesem Wahrheitsempfinden leiten und überprüfen Sachverhalte, die aus ihrer Logik richtig erscheinen aber dennoch falsch sind.

        Der Heilige Stuhl und der „Kreißsaal der EU“ – ist diesbezüglich ein weiteres Beispiel, wie Macht sich nur auf der Ebene der Spiegel ausweiten kann und daher die Wahrheit meiden, d.h. entsprechende »Zwischeninstanzen« = Hierarchien schaffen und erhalten muß.

        .

  3. Von ihrem Beitrag inspiriert, wollte ich ursprünglich nur einen Kommentar schreiben.
    Sehen sie hier, was daraus geworden ist.

    http://astroconsultant.de/autonomie-autarkie-und-direkte-demokratie/

  4. Michaela Wolff permalink

    „Der Heilige Stuhl“ Bin der Ueberzeugung, dass wir eine Reinigung des Denkens brauchen. Manche Begriffe sind vermischt und dadurch unrein. Da der Begriff „Stuhl“ doppeldeutig auch ist, möchte ich ihn unbedingt vom Begriff des Geistes trennen, weil das Heilige der Geist ist.

    • Jürgen Elsen permalink

      Stimmt – die Mehrdeutigkeit kommt insbesondere dann auf den Punkt, wenn man hinter dem Stuhl auch noch den Gang einschaltet.
      Wobei ich den Wortgebrauch in unserem Sinne (Artikel) sowieso schon als Persiflage auffaßte:
      es ist schon egel wer darauf sitzt, man betet eben den Stuhl (hier ohne Gang) an 😉

      • Michaela Wolff permalink

        @ Jürgen Elsen: ☺☻ Oh grüner Donner !

        „Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“

        Wenn es doch um die Erkenntnis geht, so ist diese ja die Frucht bzw. das Ergebnis einer Forschung, und Forschung geht von einer Fragestellung aus. Wer auch immer uns das Hinterfragen bzw. Erforschen verbietet, kann kein Christ sein. Der römische Katholizismus verbietet das Infragestellen seiner Dogmen und erklärt solches Hinterfragen für Ketzerei. Das ist eine prinzipiell antichristliche Ideologie, die den „Machtanspruch“ über „die Seelen der Menschen“ behauptet.(Siehe obigen Artikel) ☺

        Es soll damit nichts gegen den religiösen Glauben gesagt sein, weil doch der Glaube der Beginn einer Suche nach Erkenntnis sein kann. Zitat Artikel: „…dieses Streben zielt danach, die Grenzen von Religion und Wissenschaft aufzuheben.“
        Auch intern Wissenschaft gibt es zunächst Glauben an dieses oder jenes Forschungs -Ergebnis, das am Ende herauskommen wird. Der eine Forscher glaubt etwa, dass das Ergebnis x herauskommen wird, und der andere glaubt zunächst, y müsse am Ende herauskommen. Erst durch das Ergebnis der Forschung wird offenbar, welcher Glaube wirklich an der Wahrheit haftete.
        Erkenntnis ist unstrittig ! Es streitet kein Jude mit dem Hindu darüber, ob dreimal drei neun ergibt. Die Erkenntnis der Wahrheit bringt Frieden. Und Frieden ist das, was dieser Innozenz X nicht wollte. Diese römischen Väter werden aber nicht verhindern können, dass der lebendige Christus uns erkennt und wir Ihn erkennen.

  5. Russ permalink

    Sehr geehrter HwLudwig, erst mal ein ganz dickes Lob für Ihre hochgeistige Seite. Wenn die mal Frau Özuguz gelesen hätte, wäre Ihr der Ausspruch, es gibt abgesehen von der Sprache, keine spezifisch deutsch Kultur, erspart geblieben. Die fehlende Reaktion des „deutschen Kulturbetriebes“ aus der Kunst, der Musik und Literatur hat mich tief deprimiert. Wir sind, das ist kein Pessimus, in einer existenziellen Krise. Gott sei Dank, gibt es Seiten wie Ihre.

    Zur Betrachtung unseres Wesen,gehört zu diesem Thema auf jden Fall auch Kant mit seiner Definition von Aufklärung:

    Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!
    Wir Deutsche haben schon lange die Machtstrukturen, die zur Religion gehören erkannt. Leider lassen wir unsere Neubürger völlig in der geistigen Gefangenschaft stehen. Islam heißt Unterwerfung, wie bekannt ist, und wir üben hier falsche Toleranz und fehlende Humanität indem wir unsere über Jahrunderten erworbene Erkenntnis wie auch die daraus resultierende Freiheit Ihnen nicht weitergeben. Letztlich gefährden wir dadurch durch die demographische Entwicklung, die uns zur Minderheit macht, unsere eigene Freiheit.

  6. Hat dies auf HEIMDALL WARDA – Die das Gras wachsen hören rebloggt und kommentierte:
    Sehr lesenswert, auch die Kommentare.
    Bereits zu Beginn des ersten Weltkrieges hetzten gewisse Kreise aus dem Ausland, daß Deutschland, eigentlich Preussen, das Böse an sich sei, allein schon deswegen, weil es sich vom Vatikan losgesagt habe. Und natürlich sei das Böse, sei Preussen, nun der Alleinschuldige am (ersten Welt-) Krieg. Falsch, verlogen, papstlos = gottlos.

    • Theodor permalink

      Der deutsche Generalstab bzw. die deutsche Führung zur Zeit des Ersten Weltkrieges sollen in ihrem Vorleben als „romkirchliche Würdenträger“ inkarniert gewesen sein. Sie wirkten laut Markus Osterrieder vor einem „dunkelmagischen Hintergrund“ als Mitglieder bzw. im Umfeld der „Camorra“. Die Entelechie Helmuth von Moltkes soll damals als Papst Nikolaus d. I verkörpert gewesen sein.

      Markus Osterrieder folgt in seinem Artikel: „Helmuth von Moltke, Colmar von der Goltz und das Osmanische Reich“ den geisteswissenschaftlichen Forschungen Rudolf Steiners.

      https://www.academia.edu/27805721/Helmuth_von_Moltke_Colmar_von_der_Goltz_und_das_Osmanische_Reich

      • Ich kenne die Biografien der großen Entscheider in der Weltgeschichte zu wenig, daher ist der link interessant. Frustrierend, daß in der Reinkarnationslehre immer wieder die selben Gestalten Hauptrollen auf der Weltenbühne bekommen und (in meiner Wahrnehmung) grandios scheitern (Steiner sieht das wahrscheinlich etwas differenzierter). Vielleicht letztendlich doch sinnvoll gewesen, den Steiner zu kremieren, denn angesichts der „neu“zeitlichen Menschheitsentwicklung würde er wahrscheinlich seit Jahren in einem normalen Grab rotieren.

  7. Dr. Marie-Jeanne Decourroux permalink

    Zur Korrektur dieses wortreichen Pamphlets gegen den Katholizismus empfehle ich das exzellent recherchierte Buch des frz. Historikers Jean-François Chemain: «Une autre Histoire de la Laïcité». Und einen Eindruck von den Segnungen des Protestantismus vermittelt diese Studie:
    https://m.slate.fr/monde/84007/catholiques-allemands-vote-nazis-hitler

    • @ Dr. Marie-Jeanne Decourroux
      Der Artikel richtet sich nicht gegen den Katholizismus als Religion, sondern gegen die Politik der Päpste, der römischen Kirchenorganisation. Das ist ein Unterschied.

  8. Michaela Wolff permalink

    Was soll denn im „Kreiss-Saal der EU“ entbunden werden ? Die Bestrebungen gehen doch offenbar dahin, eine Hinterzimmerpolitik (TTIP, CETA usw.) zu etablieren, welche nach dem Willen des Wählers nichtmal mehr fragt. Geheimpolitik hinter verschlossenen Türen. Man will die Dinge, die existentiell sind, ins Okkulte (ins Verborgene) stellen. Das ist ein politischer Okkultismus, der den einzelnen Wähler geistig entmündigt und sogar Abgeordnete des Bundestages im Unklaren darüber lässt, was TTIP usw. beinhalten und nach sich ziehen. Zu einer wirklichen Demokratie gehört jedoch Transparenz dazu.

    Was nun das Namenschristentum betrifft, also die sogenannt christliche Exoterik (Kirche), so finden wir auch dort diese Intransparenz, diese Undurchsichtigkeit vor, was einem vielleicht erst dann auffällt, wenn man Rudolf Steiner`s Schriften und Vorträge studiert, z.B.:“Das Christentum als mystische Tatsache..“ (pdf), Besonders das Kapitel über Lazarus. Denn Steiner formulierte:
    “ Es wird erklärlich, dass einen solchen Vorgang“ – das betrifft die Erweckung des Lazarus -“ die Juden an Jesu ebensowenig ungesühnt lassen konnten, wie die Griechen es hätten an
    A e s c h y l o s ungesühnt lassen können, wenn er die Mysteriengeheimnisse verraten hätte.
    Es kam Jesus darauf an, in der Lazarus – Initiation vor alles „Volk, das umherstehend“ war, einen Vorgang hinzustellen, der im Sinne alter Priesterweisheit nur in der Verborgenheit des Mysteriums sich vollziehen durfte.“

    Der namenschristliche Klerus will gar nicht diese Verborgenheit abschaffen, gemäss der TAT des Jesus Christus da eine Transparenz für jeden Menschen ermöglichen. Sondern dieser Klerus hält nach wie vor am Alten fest, wie es in der vorchristlichen Zeit da war. Da wurde das „Volk“ betreffs der Initiation in die Mysterien aussen vor gehalten. Das Namenschristentum, welches die Mysterien längst abschaffte, tut so, als gäbe es keine geheimen Dinge, die hinterfragt werden müsssen.
    An die Stelle der geheimen Dinge stellt es Dogmen, die als nicht hinterfragbar gelten sollen.
    Das ist ein Heidentum im Gewand des Christlichen. Und dieses harmoniert mit der Oligarchie im Gewand der Demokratie.
    Wer da – wie Dr. Marie-Jeanne Decourroux es tut – Katholizismus gegen Protestantismus aufstellt, betreibt ein Scheingefecht, wodurch nur davon abgelenkt wird, die geistigen Hintergründe des Mysteriums von Golgatha zu hinterfragen, und zwar ohne Scheuklappen irgendwelcher kirchlichen Konfessionen zu berücksichtigen.

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