Priesterherrschaft über die Seelen

„Sprach der König zum Priester: Halte du sie dumm, ich halte sie arm.“
Volksweisheit

Priester sind Sachverständige des Glaubens an Gott, so zu sagen. Sie wollen für die Menschen, die im täglichen Lebens- und Überlebenskampfkampf stehen, Vermittler sein zwischen der irdischen und einer ihr übergeordneten göttlichen Welt, die jeden Menschen auch nach seinem Tode erwartet. Für den, der die Existenz einer solchen Welt zumindest ahnt und der ehrlich nach einer seelischen Verbindung mit ihr strebt, sind die Priester daher Autoritäten, zu denen er vertrauensvoll aufschaut. Das bedeutet, die Priester haben ein Wissen, das sie zur helfenden Begleitung der strebenden Menschen auf ihrem eigenen Erkenntnisweg einsetzen oder aber zur Macht über sie missbrauchen können.

Historischer Ursprung

Je weiter man in der Geschichte zurückgeht, desto größer zeigt sich der Einfluss der Priesterschaft auf das gesellschaftliche Leben. In den orientalischen Reichen der Assyrer, Babylonier und Ägypter des 3., 2. Jahrtausends v. Chr. z. B. sehen wir, dass die Religion dem menschlichen Leben in seinem gesamten Umfang das bestimmende Gepräge gab, also auch die staatliche Verwaltung und Regierung sowie die Regelung des Wirtschaftslebens durchdrang und umfasste. Die Lenker waren die Priester-Hierarchien der Mysterien- und Tempelstätten, die in der einen oder anderen Form bei allen Völkern jener Zeit bestanden.

Nun wäre es falsch und unhistorisch, die damalige Priesterherrschaft vom heutigen Gesichtspunkt aus abzuurteilen und als verwerflich anzusehen. Die Priester hoben sich dadurch von der übrigen Bevölkerung ab, dass sie eine vieljährige innere Schulung – in verschiedenen Graden – zu durchlaufen hatten, an deren Ende sie der Initiation (Einweihung) teilhaftig wurden. Diese eröffnete ihnen, wie in alten Dokumenten vielfach beschrieben, Einblick und Zugang in eine übersinnliche, geistige Welt, so auch zu den göttlichen Wesen, die die Geschicke des Volkes lenkten. Offensichtlich entsprang dem Umgang mit diesen göttlichen Wesen die selbstlose Handhabung eines überlegenen höheren Wissens, das sie als deren „Stellvertreter“ auf Erden zur geistigen Führung ihrer Völker befähigte. Dieses Wissen blieb für die Nicht-Eingeweihten in absolutes Geheimnis gehüllt, da sie zur moralischen, verantwortungsvollen Verwendung nicht vorbereitet waren.

So wurden der Herrscher und seine Minister als etwas Höheres als gewöhnliche Menschen erlebt; Götter und Untergötter sprachen und wirkten aus ihnen. Das umfassende religiöse Leben umhüllte und versorgte kulturell, wirtschaftlich und als göttlich-staatliche Ordnung den Einzelnen, der dem gleichsam übermenschlichen Herrscher dafür Dankbarkeit und selbstverständlichen Gehorsam entgegenbrachte. Dieser hierarchische Staat setzte ein unmündiges Volk von Untertanen voraus, und die Überlegenheit der priesterlichen Autorität über den Einzelnen entsprach durchaus dem väterlichen Willen auf Gehorsam von Seiten eines Kindes.

Entwicklung

Aus dieser Unmündigkeit hat sich die Menschheit allmählich herausentwickelt. Die Fähigkeiten, eine geistig-göttliche Welt wahrzunehmen, gingen immer mehr zurück. Und mit dem in Griechenland entstehenden begrifflichen Denken erwachte in den Menschen ein wachsendes Selbstbewusstsein, das sich darauf stützt, die Wahrheit im eigenen Denken selbst erkennen und danach handeln zu können. Dies machte sich gesellschaftlich zunächst im politischen Leben geltend, weshalb sich die Theokratie in weltliche Königtümer bzw. Republiken einerseits und in religiöse Organisationen andererseits trennte, wobei letztere im Christentum in die Römische Kirche einmündeten.

Mit dem Erscheinen des Christus, des göttlichen Sohnes, unter den Menschen war eine grundlegende Wandlung, eine Zeitenwende eingetreten. Jetzt brauchten die göttlichen Wesen, welche die Menschheitsentwicklung lenkten, nicht mehr von wenigen Auserwählten in den geistigen Höhen gesucht zu werden; das Reich der Himmel war in ihm selber zu allen Menschen herunter gekommen. Daher forderte er die Menschen, nicht nur die Priester auf, sich mit der Kraft seines Wesens zu durchdringen, da sie damit das Licht der Welt in sich aufnehmen. Und er bezeichnete sich als die Tür zur himmlischen Welt. „Ich bin die Türe, wer durch mich den Zugang findet, dem wird das Heil zuteil. Er lernt die Schwelle zu überschreiten von hier nach dort und von dort nach hier.“ „… und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“ 1  

In seinem Innern kann so fortan jeder Mensch die göttlich-geistige Welt finden. Jeder kann zur umfassenden Wahrheit gelangen, ohne auf die äußere Autoritäten der Priester angewiesen zu sein. „Im Wesen des Christentums liegt daher die Überwindung aller Priesterherrschaft früherer Art veranlagt, – die Überwindung aller ´Stellvertreterschaft` Gottes durch äußere Autoritäten, – die Überwindung aller autoritativer äußeren Führung, – und das Prinzip, den Menschen in Bezug auf das religiöse Leben in Freiheit auf sich selbst zu stellen.“ 2

Ein christlicher Priester kann daher nur die Aufgabe haben, jedem suchenden Gläubigen beim Hineinwachsen in das Christentum, d.h. zum Erleben des Christus in seinem eigenen Ich und in der Gemeinschaft, behilflich zu sein, und mit dessen wachsender Selbständigkeit selber immer mehr zurückzutreten. Die Aufgabe des Priesters ist es also im Grunde, wenn er im Sinne des Christus handelt, sich selbst allmählich überflüssig zu machen.

Entstehung der Römischen Kirche

Im Römischen Reich hatten die Cäsaren als Alleinherrscher die Blüte der Römischen Republik beendet und die Dekadenz des Reiches eingeleitet. Sie griffen in die vergangene ägyptische Theokratie zurück und übernahmen auch das Amt des obersten Priesters, des „Pontifex Maximus“, vereinigten also wie der Pharao in sich die oberste staatliche und religiöse Herrschaft, um ihre unbeschränkte Macht zu legitimieren und eine gottgleiche Verehrung in Anspruch zu nehmen.

Als Kaiser Konstantin im Jahre 380 das Christentum zur Staatsreligion erklärte, übertrug er das Amt des Pontifex Maximus auf den Bischof von Rom, Sylvester I., womit dieser als Stellvertreter Gottes über alle anderen Bischöfe im Römischen Reich gesetzt wurde.

Damit floss der Geist des dekadenten Cäsarentums in die Kirchenorganisation ein, die in starkem Maße den Charakter einer hierarchischen, von oben nach unten anordnenden Rechtsorganisation annahm. Die christlichen Glaubensinhalte wurden nach Maßgabe des Papstes und der Konzilien dogmatisiert und wie Rechtsverordnungen für alle Gläubigen verbindlich gemacht. Die „ewige Seligkeit im Himmel“ konnte nur erlangen, wer gehorsamer Angehöriger der Kirche war. Wer dagegen verstieß, wurde aus der „allein selig machenden Kirche“ ausgeschlossen und, wie später im Mittelalter, als Ketzer verbrannt. Der Gläubige war in einem perfekten seelischen Zwangssystem gefangen, aus dem es nur den Ausweg der „ewigen Verdammnis“ gab.

Einen ungeheuren Einfluss auf das Denken der Menschen übte z. B. das Konzil von Konstantinopel 869 aus. Die selbstverständliche alte Lehre, dass der Mensch außer der irdischen, vergänglichen Seele eine höhere unsterbliche Geist-Seele habe, also aus der Dreiheit von Leib, Seele und Geist bestehe, wurde für ketzerisch erklärt und mit dem Bannfluch belegt. Durch die Macht, die solche kirchlichen Verfügungen im Mittelalter hatten, verlief das ganze geistige Leben in dieser Beziehung unter dem Schatten dieser Verketzerung. Sie wirkte sich nicht nur in der Theologie, sondern auch in allen Wissenschaften und in der Philosophie aus und legte in gewisser Weise mit den Grund für den sich entwickelnden Materialismus. Diese „Abschaffung des Geistes“ bildete eine besondere Grundlage für die Macht der Kirche und ihres Priestertums. Denn wenn der Mensch nicht selbst im Geiste urständet, bedarf er einer objektiv führenden Macht, eben der Kirche, die an die Stelle seines fehlenden Geistes tritt und ihn leitet. So bestand der Mensch fortan, pointiert ausgedrückt, aus Leib, Seele und Kirche.

Auch der theokratische Herrschaftsanspruch der Cäsaren ging in gewisser Weise auf die Römische Kirche über, insofern regionale Bischöfe im Mittelalter ihre autoritative religiöse Herrschaft auch auf die weltliche Herrschaft ausdehnten und als „Kirchen-Fürsten“ zu den Kurfürsten gehörten, die den Kaiser wählten. Und im Vatikanstaat hat dieser Anspruch bis heute seinen besonderen theokratischen Ausdruck erhalten, wo der oberste Priester zugleich auch der oberste weltliche Herrscher ist.

Verstößt dies schon diametral gegen das Wort Christi: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“, so steht die Bindung der Gläubigen an die Dogmen der Kirche vollends im Gegensatz zu dem oben skizzierten eigentlichen Sinn des Christentums. Die Priester-Hierarchie ist zur Seelen-Beherrscherin geworden, die den Menschen mit seinem eigenen Erkenntnisanspruch negiert und ihm ein aus innerer Freiheit selbst errungenes persönliches geistiges Verhältnis zum lebendigen Christus vorenthält. Der Mensch wird nicht als autonomes Subjekt geachtet, sondern als Objekt organisierter Macht im suggestiven Kleid der Religion missbraucht.

Protest und Reaktion

Dagegen empörte sich die nach Freiheit strebende Ich-Kraft Mitteleuropas in der reformatorischen Protestbewegung, die von Gestalten wie dem Tschechen Jan Hus, dem Deutschen Martin Luther, dem Schweizer Ulrich Zwingli, dem (mütterlicherseits) flämischen Johannes Calvin u.a. impulsiert wurde. Man forderte die innere „Freiheit eines Christenmenschen“. Doch eine Reformation der römischen Machtorganisation konnte sie nicht erreichen und schied in Gestalt einer Fülle von eigenen Kirchen aus der Römischen Kirche aus. Und diese formierte sich unter dem Einfluss der gegenreformatorischen Kampftruppe des Jesuiten-Ordens zu noch größerer Stärke und Geschlossenheit.

Im Konzil von Trient, das in der Zeit von 1545-1563 stattfand, reagierte die römisch katholische Kirche auf die These der Reformatoren, dass die göttliche Wahrheit allein durch die Bibel und damit für jeden Menschen direkt zugänglich sei, mit einer Präzisierung ihrer Lehre. In der vierten Sitzung (1546) „wurde ein Dekret verabschiedet, demzufolge die göttliche Wahrheit nicht allein in der Schrift, sondern in der Verbindung von Schrift und Tradition zu finden sei.“  Entsprechend müsse die Schrift ausgelegt werden, und diese rechte Auslegung der Bibel könne nur durch das kirchliche Lehramt erfolgen, „da nur so das Wirken des Heiligen Geistes als sicher gelten könne. … Die Bibel selbst erlange ihre Autorität erst durch die Kirche, die ja auch älter sei als die Bibel. Das kirchliche Lehramt habe den Kanon der Bibel festgelegt, was ebenfalls die Autorität der Kirche über die Bibel zeige.“ 3

Daher heißt es bereits im Vorwort des Dekrets: „Sie (die Synode, das Konzil) verbietet strengstens, daß jemand künftig anders zu glauben, zu predigen oder zu lehren wage, als es im vorliegenden Dekret beschlossen und erklärt wird.“ 4  Damit wurde der Anspruch der römischen Hierarchie, die Inhalte des rechten Glaubens verbindlich vorzugeben, erneut bekräftigt und verankert.

Der Anspruch des Papstes, der Stellvertreter Gottes auf Erden zu sein, trägt unausgesprochen in sich, auch in gewisser Weise an der Wahrheit, Unfehlbarkeit und der damit verbundenen Autorität Gottes teilzuhaben. Daher tauchte schon früh immer wieder in päpstlichen Dokumenten die Geltendmachung  der Unfehlbarkeit in besonders wichtigen Angelegenheiten auf. Und im Ersten Vatikanischen Konzil von 1870 wurde sie zum förmlich definierten Dogma erhoben. Als Bedingung und Beglaubigung für eine unfehlbare Lehrentscheidung legte man unter anderem deren Verkündung ex cathedra, d.h. vom Bischofssitz von Rom aus, festgelegt. Der Papst muss eine solche Dogmenverkündung, mit der er Unfehlbarkeit beansprucht, jedoch deutlich als eine Wahrheit bezeichnen, die ihm von Gott offenbart worden sei.

Doch nimmt die Kirche darüber hinaus „auch eine wesentliche Irrtumslosigkeit des päpstlichen und kirchlichen Lehramts hinsichtlich der in Kontinuität vorgetragenen Lehren an (vgl. Lumen gentium)“, wobei darunter fast sämtliche Hauptfragen des Glaubens fallen. „Auch bei der Anerkennung der Gründung neuer Ordensgemeinschaften wie auch bei Heiligsprechungen gilt das nicht definierende Handeln des Papstes als irrtumsfrei.“ 5
Mit dieser ungeheuren Hybris wird der Herrschaft über die Seelen die größtmögliche suggestive Rechtfertigung gegeben.

Gegenwart

Der Anspruch der „allein seligmachenden Kirche“ ist vom gegenwärtigen Papst Franziskus in seiner Generalaudienz vom 25. Juni 2014 erneut geltend gemacht worden. Eindringlich, in teilweise fast beschwörenden Wiederholungen sagte er:

„Wir sind nicht isoliert, und wir sind keine individuellen Christen, jeder für sich, nein, unsere christliche Identität ist Zugehörigkeit! Wir sind Christen, weil wir zur Kirche gehören. Es ist wie ein Nachname: Wenn der Name lautet »Ich bin Christ«, so lautet der Nachname »Ich gehöre zur Kirche«. (…)

 Keiner wird Christ aus sich heraus! Ist das klar? Keiner wird Christ aus sich heraus. Christen werden nicht im Labor hergestellt. Der Christ ist Teil eines Volkes, das aus der Ferne kommt. Der Christ gehört einem Volk an, das Kirche heißt, und diese Kirche macht ihn zum Christen, am Tag der Taufe, und dann im Laufe der Katechese, und so weiter. Aber keiner, keiner wird Christ aus sich heraus. (…)

In der Kirche gibt es kein ´Selbermachen`, gibt es keine ´Einzelkämpfer`. Wie oft hat Papst Benedikt die Kirche als ein kirchliches »Wir« beschrieben. Manchmal kommt es vor, dass man jemanden sagen hört: »Ich glaube an Gott, ich glaube an Jesus, aber die Kirche interessiert mich nicht…« Wie oft haben wir das gehört? Und das geht nicht. Es gibt Menschen, die behaupten, sie hätten eine persönliche, direkte, unmittelbare Beziehung mit Jesus Christus außerhalb der Gemeinschaft und der Mittlerschaft der Kirche. Das sind gefährliche und schädliche Versuchungen. (…)
Erinnert euch gut daran: Christ sein bedeutet Zugehörigkeit zur Kirche. Der Name ist »Christ«, der Nachname ist »Zugehörigkeit zur Kirche«.“ 6

Und nun setzt er in jesuitischer Manier generell eine Gemeinschaft mit anderen, mit Brüdern, mit der Kirche gleich, die natürlich die römisch-katholische ist:

„Liebe Freunde, bitten wir den Herrn durch die Fürsprache der Jungfrau Maria, Mutter der Kirche, um die Gnade, nie in die Versuchung zu fallen zu denken, ohne die anderen auskommen zu können, ohne die Kirche auskommen zu können, uns allein erlösen zu können, Christen »aus dem Labor« zu sein. Im Gegenteil, man kann Gott nicht lieben, ohne die Brüder zu lieben, man kann Gott nicht außerhalb der Kirche lieben; man kann nicht in Gemeinschaft mit Gott sein, ohne es in der Kirche zu sein, und wir können keine guten Christen sein wenn nicht in Gemeinschaft mit allen, die bestrebt sind, dem Herrn Jesus nachzufolgen, als ein Volk, ein Leib, und das ist die Kirche.“

Selbstverständlich sind Gemeinschaften möglich, und es gibt sie auch, die Christus nachstreben, ohne in der römischen Kirche zu sein, weil sie im Gegensatz zu dieser die Unantastbarkeit der Freiheit des individuellen Erkenntnisvermögens empfinden, das letztlich die Würde des Menschen ausmacht, und sich auf diesem Wege gegenseitig helfen und ergänzen.
Mit dem zutreffenden obigen Satz „Man kann Gott nicht lieben, ohne die Brüder zu lieben“, gewinnt  der „Papa“ die Zustimmung der kindlich gehaltenen Gläubigen, um sie dann unvermerkt in die unzutreffende Identität der Brüder mit der Kirche zu führen und die absurde Behauptung aufzustellen, man könne Gott nicht außerhalb der Kirche lieben, eine Gemeinschaft mit Gott könne es nur in der Kirche geben. Dass er unter „Gemeinschaft der Kirche“ eben diejenige versteht, der die Priester autoritativ vorschreiben, was sie zu glauben haben, das verschweigt er hier wohlweislich natürlich. Das steht diametral der Lehre Christi entgegen, der den Menschen verheißen hat: „Wo zwei oder drei in meinem Namen beisammen sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ (Mt. 18, 20)

Zum Schluss richtet der Papst noch einen herzlichen Gruß an alle Pilger deutscher Sprache. Die ja besonders gefährdet sind, da sie aus Ländern kommen, in denen die abtrünnige reformatorische Bewegung, die unabhängigen Denker der deutschen Klassik, Romantik und des Idealismus und weitere Ketzerbewegungen entstanden. Schließlich waren 2013 in Deutschland wieder ca. 180.000 Menschen aus der katholischen Kirche ausgetreten, und 2014 wurden es sogar 218.000.7
Liebe Freunde, bitten wir den Herrn auf die Fürsprache der Jungfrau Maria, der Mutter der Kirche, dass wir nicht in die Versuchung fallen zu denken, uns allein erlösen zu können. Man kann nicht mit Gott in Gemeinschaft sein ohne die Gemeinschaft der Kirche. Lieben wir daher die Kirche.“ Welchen Herrn bittet er hier eigentlich?

Politik

Noch immer greift der religiöse Herrschaftsanspruch der Kirche über die Seelen auch auf den politischen Bereich über. Der aus der ägyptischen Zeit vor 4.000 Jahren stammende Anordnungs- und Gehorsamkeitscharakter der Kirchenhierarchie verlangt auch im Staat nach einer hierarchischen Herrschaftsstruktur Weniger über das Volk, in der es ausreicht, die politisch Herrschenden in der Hand zu haben. Dies wird besonders bei der EU deutlich, deren geplante Entwicklung zu einem souveränen europäischen Superstaat vom Vatikan von Anfang an massiv unterstützt wird. Dies ist in einem vorangegangenen Artikel besonders behandelt worden.8

Doch auch die Seelen der Gläubigen werden vielfach mit religiös verpackten Botschaften in gewünschte politische Richtungen gelenkt, indem z.B. Papst, Bischöfe und Priester, oft von der Kanzel aus, zur Flüchtlingspolitik oder zur Qualität von Parteien Stellung nehmen. Dem steht die Evangelische Kirche nicht nach, deren Staatsnähe allerdings auch von Luther her eine lange Tradition hat, und an diesem Fehler, der für Luther damals kaum vermeidbar war, hartnäckig festhält.

Die Worte des Priesters ist der Gläubige auf religiösem Gebiet gewohnt, als wahr zu nehmen; seinem Wissen und Urteil bringt er Vertrauen entgegen und schaut in der Regel respektvoll zu ihm auf. Macht nun der Priester oder gar Bischof in seinem religiösen Amt Aussagen auf politischem Gebiete, wird dem Gläubigen suggeriert, sie auch als wahr zu nehmen, „Hochwürden“ zu vertrauen. Denn, sagt sich der autoritätsgläubige Mensch, wenn es schon der Priester, der Bischof oder der (unfehlbare) Papst sogar sagt, dann muss es ja schließlich stimmen. –

Das ist schamloser Missbrauch der Autorität des priesterlichen Amtes, der mit dem Wesen Christi und seinen Lehren nichts zu tun hat. Sein „Reich ist nicht von dieser Welt.“ Und er hat streng zwischen dem, was „des Kaisers“ und dem was Gottes ist, unterschieden.

Wir haben es mit einem vielfach deformierten Christentum in der Hülle z.T. antichristlicher Kirchenorganisationen zu tun. Hat Christus mit solchen Kirchen noch etwas zu tun? Nach Erich Kästner hat er längst die Konsequenzen gezogen:

Da hilft kein Zorn. Da hilft kein Spott.
Da hilft kein Weinen, hilft kein Beten.
Die Nachricht stimmt! Der Liebe Gott
ist aus der Kirche ausgetreten.

Innere Unabhängigkeit

Im Streben nach innerer Unabhängigkeit und Freiheit des Geistes können wir von den Vertretern der deutschen Klassik und den Philosophen des deutschen Idealismus noch viel lernen. Sie durchschauten die Dinge und wurden von den Kirchen auch immer heftig angegriffen. So sagte Goethe, von dem der amerikanische Kulturphilosoph Ralph Waldo Emerson meinte, er habe „die furchterregende Unabhängigkeit, die aus dem Umgang mit der Wahrheit stammt“, am Ende seines Lebens zu seinem Sekretär Eckermann:

Es ist gar viel Dummes in den Satzungen der Kirche. Aber sie will herrschen, und da muss sie eine bornierte Masse haben, die sich duckt und die geneigt ist, sich beherrschen zu lassen. Die hohe, reichdotierte Geistlichkeit fürchtet nichts mehr als die Aufklärung der untern Massen.“ 9

Inzwischen laufen den Kirchen aber die Menschen in Massen davon, auch wenn die Autoritätsgläubigkeit noch immer stark verbreitet ist und sich auf weltliche Autoritäten in Wissenschaft und Politik übertragen hat.

Der große Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel war mit dem Dichter Friedrich Hölderlin seit dem gemeinsamen Studium in Tübingen tief befreundet. Hegel war 26 Jahre alt, als er an seinen Freund eine Dichtung10 richtete, in der er eingangs die Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehn ausdrückt und sich die Szene der freudigen Begegnung ausmalt:

Dein Bild, Geliebter, tritt vor mich
Und der entfloh`nen Tage Lust. Doch bald weicht sie
Des Wiedersehens süßern Hoffnungen.
Schon malt sich mir der langersehnten, feurigen
Umarmung Scene; dann der Fragen, des geheimern,
Des wechselseitigen Ausspähens Scene,
Was hier an Haltung, Ausdruck, Sinnesart am Freund
Sich seit der Zeit geändert; – der Gewißheit Wonne,
Des alten Bundes Treue, fester, reifer noch zu finden,
Des Bundes, den kein Eid besiegelte:
der freien Wahrheit nur zu leben,
Frieden mit der Satzung
Die Meinung und Empfindung regelt, nie, nie einzugehn!

————————————————–
1    Joh. 10, 9; 8, 32
2    Hans Erhard Lauer: Die Volksseelen Europas, Suttgart 1965, S. 247
3    http://deacademic.com/dic.nsf/dewiki/1300807
4    http://germanhistorydocs.ghi-dc.org/pdf/deu/Doc.63-GER_Trient.pdf
5    Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Kathedra
6    de.vatican.va
7    de.statista.com
8    Der Heilige Stuhl und der Kreißsaal der EU
9    Goethe, Gespräche. Mit Johann Peter Eckermann, 11. März 1832
10  signaturen-magazin.de

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19 Kommentare zu „Priesterherrschaft über die Seelen“

  1. Umverteilung und Ausbeutung haben ihre Wurzeln in der Wirtschaftspolitik, die keltische Druidenpriester der katholischen Kirche aufzwangen. Geistliche, Geldverleiher und Staaten ziehen an einem Strang. Die Wirtschaftstheorien haben nur den Zweck, die Ausbeutung zu verschleiern. Kapitalismus und Sozialismus sind die zwei Seiten einer einzigen Medaille.

    2009 | Die unbequeme Nation: 2000 Jahre Wirtschafts- und Religionskrieg gegen die Deutschen von Georg Kausch

    Da Georg Kausch mit seinem Werk im deutschen Sprachraum einzigartig geblieben ist, führt kein Weg an den Zusammenhängen vorbei, die er aufzeigt. Es waren stets die Geistlichen und Mönche, welche den Landraub, die Ausbeutung und die Irreführungen vorantrieben, um dort, wo das ausbeutungsfreie Wirtschaften germanischer Völker vorherrschte, Fuß zu fassen.

    Immer, wenn es den Menschen gut ging, wandten sie sich von den verlogenen Kirchenfürsten und Geschichtsfälschern ab. Waren sie in Not, suchten sie Trost bei ihren Ausbeutern und Kriegstreibern. Absurder geht es kaum!
    http://www.GeorgKausch.de

  2. Ja, die Kirche, ein wunderbares Instrument über all die Jahrhunderte, um die Menschen in Abhängigkeiten jedweder Form klein zu halten.
    Das Erstaunen über die absolute Macht dieser Institution bis „in die letzte Hütte hinein“ wächst noch viel mehr, wenn man die Bücher „Die Fälschung der Geschichte des Urchristentums“ sowie „Die Fälschung der deutschen Geschichte“ von Wilhelm Kammeier, erhältlich auf archive.org., gelesen hat.
    Kammeier weist eindeutig nach, dass sowohl die Evangelien wie auch die gesamte Historie bis ins späte Mittelalter hinein blühende Phantasieprodukte einer gigantischen, konzertierten Fälschergenossenschaft darstellen. Den wohl wichtigsten Grund für diese über Generationen laufende Fälschungsaktion dürfte mein Vorkommentator genannt haben, nämlich „das ausbeutungsfreie Wirtschaften germanischer Völker“ zu beenden.

  3. Haben Sie Dank für einen auf den Punkt gebrachten Artikel. Frohe Pfingsten!
    TCL
    P.S.: Vergessen wir nicht, liebe Kommentatoren, das nichts nur böse ist, sondern der Widerstand uns in die Kraft bringt. Niemand hindert uns, das solidarische Wirtschaften und ein freies Geistesleben einzuführen – außer dem eigenen Misstrauen gegenüber der Bereitschaft unserer Mitmenschen, das auch zu wollen und zu können.

    1. Da zu Lebzeiten von Georg Kausch bis 2016 freigeldliche und freiwirtschaftliche Versuche mangels Akzeptanz und wegen behördlicher Störmanöver scheiterten, stellt er sich Landkäufe in großem Stil vor. Die dort ansässigen Gemeinschaften bilden intern die bewährten Vorgehensweisen ab, während die „Gemeinschaft“ in ihrer Außenwirkung als juristische Person den behördlichen Anforderungen entspricht. Somit entstehen Modelle, die Schule machen können und sich im Einzelfall sogar vergrößern können, wenn Nachbarn sich anschließen.

      Ich zitiere aus den Seiten 162 und 163:

      Eine Gemeinschaft, die offen auf gemeinsamem Volkstum und Rasse gegründet ist, wird gewiß die Wut der Internationalisten herausfordern. Die Klugheit gebietet, sich vorzusehen und rechtlich zu wappnen. Hunderte von Religionsgemeinschaften haben gemeinschaftliche Siedlungen errichtet und wurden vom Staate geduldet. Man hat denen alles gestattet, sogar ihre Kinder nach ihrem Sinne zu erziehen, besser gesagt zu verderben. Warum sollen wir uns nicht diese Bräuche zunutze machen und uns auf »Vorbilder« berufen, wenn sie uns den entsprechenden rechtlichen Anstrich geben? Um zu leben, soll uns und unserem Volke jedes Mittel recht sein, das uns die Staatsgesetze und ihre Maschen zur Verfügung stellen. Wir können uns ein Beispiel am Staate Israel nehmen, ja dessen Gesetze und Vorschriften abschreiben und anwenden. Denn es besteht kein Zweifel, daß der Judenstaat alles unternimmt, Eigenart und Bestand des Judentums zu sichern. Was für Juden recht ist, soll für uns Deutsche billig sein. Wer wagt es, das zu bestreiten?

      Es dürfte allerdings dem Feinde schwer fallen, einen rechtlichen Vorwand zur Zerstörung zu finden, denn ein durch Landeigentum gesichertes Gemeinwesen ist nicht zu verjagen ohne Rechtswesen und Staat zu zerbrechen. Man wird sich darauf beizeiten vorbereiten, bösen Plänen der Staatsmacht entgegenzutreten. Zuerst mit Vernunft und vor allem – leicht möglich – durch eine entsprechende Öffentlichkeitsarbeit. Je mehr von dem neuen Wirtschaftssystem gesprochen, um es gestritten wird, um so mehr Anhänger werden ihm zugeführt.

      Die germanische Lernfähigkeit wird die Freilandgemeindeführer vor ihren Aufgaben nicht versagen lassen. Das Wissen um wirtschaftliche Zusammenhänge, um die Ursachen von Ausbeutung, Krisen und Kriegen, um die Machenschaften der Priestergesellschaften und Geheimbünde ist in allen Einzelheiten bekannt, sie brauchen es nur anzuwenden. Sie brauchen sich nicht vor der politischen Unfähigkeit unserer Vorfahren zu fürchten: Eine erkannte Gefahr ist keine Gefahr mehr. Aus Fehlern lernt man. Der kapitalhörige Staat wird sich deshalb bald gezwungen sehen, nachzugeben. Man soll dem Staate durchaus loyal gegenübertreten, das
      aber von seinem Verhalten abhängig machen. Niemals – auch heute nicht – wird ein Staat Ergebenheit und Gehorsam erwarten können, wenn er seine Macht gegen das Volk mißbraucht. Mit einem wird man sowieso in den nächsten Jahren und Jahrzehnten rechnen können: Dem fortschreitenden Verfall von kapitalistischer Wirtschaft und Staatsautorität, dem Anwachsen der Unzufriedenheit aller Schattierungen von ‚Aussteigern‘ bis zu gewalttätigen Räuberbanden. Das Ansehen des Staates bei der Bevölkerung nimmt im gleichem Maße ab, wie mit jeder geborgten Milliarde die Staatsschulden zunehmen, das Massenelend sich vergrößert. Es verringert sich ebenso, wenn er dem Drucke rabiater Minderheiten auf Kosten des Staatsvolkes nachgibt. Wann und wie der große Zusammenbruch sich abspielen wird, läßt sich freilich nicht Voraussagen. Die Freiländer sollten bis dahin auf eigenen Füßen stehen können.

      1. „ein durch Landeigentum gesichertes Gemeinwesen ist nicht zu verjagen“.
        Doch, z.B. durch die exorbitante Erhöhung der Grundsteuer. Und genau das wird auch grad vorangetrieben.

    1. Eine Geschichtenerzählerin am Kamin. Bis zu ihrer Erklärung von autochthon war ich dabei. Dann fühlte ich mich veralbert.

      1. @Manfred Herr
        Rechtsgrundsatz: Das Urteil ist nichts, die Begründung alles.

        Karlheinz Deschner – Kirche und Faschismus

        Der Reichtum der Kirche ist Blutgeld – komplette Dokumentation

        12 BAR-Vermutungen

        Prof. Dr. Dr. Wolfgang Berger – Die City of London – Der mächtigste Staat der Erde

      2. Die deutsche Sprache soll 5,3 Millionen verschiedene Worte haben. Manche kommen halt mit sehr wenigen aus.

      3. Das ist auch religiös „angehaucht“, aber es zeigt einige Zusammenhänge:

        Die okkulten Endzeit Pläne der Jesuiten, Illuminaten, Freimaurer und Co. Prof. Dr. Walter Veith

    2. „Zum Schluß sagt sie: Es gibt nur den Menschen neben uns und der hat nur einen Namen in allen Sprachen der Welt, das ist Bruder, Schwester.“ Da redet sie vom Christentum, vorher hat sie vom Kirchentum geredet.
      Die Sonne ist überall da, wo ihr Licht ist. Im Bunker mit verschlossenen Öffnungen ist kein Sonnenlicht.
      Der Christus ist überall da, wo man innere Räume für sein Wesen aufmacht. Im inneren kirchlichen Bunkerbau: -„Liebe Freunde, bitten wir den Herrn durch die Fürsprache der Jungfrau Maria, Mutter der Kirche, um die Gnade, nie in die Versuchung zu fallen zu denken, ohne die anderen auskommen zu können, ohne die Kirche auskommen zu können, uns allein erlösen zu können, Christen »aus dem Labor« zu sein. Im Gegenteil, man kann Gott nicht lieben, ohne die Brüder zu lieben, man kann Gott nicht außerhalb der Kirche lieben; man kann nicht in Gemeinschaft mit Gott sein, ohne es in der Kirche zu sein, und wir können keine guten Christen sein wenn nicht in Gemeinschaft mit allen, die bestrebt sind, dem Herrn Jesus nachzufolgen, als ein Volk, ein Leib, und das ist die Kirche.“- kann er nicht sein.

      Und doch leben in der Kirche, in kirchlichen Orden, Menschen und Leben -Christentum- trotz Kirchentumbunkerbau.
      Ich denke , zum Beispiel Valentin Tomberg hat viel für die Rettung der spirituellen Substanz der katholischen Kirche getan, welche auf andere „Gefäße“ übergehen wird.
      Christentum ist mehr als eine Religion , es ist der Weg, der sich entwickelnden Menschheit und Welt.
      Christentum ist dort, wo die inneren Räume in einer besonderen Qualität offen sind, diese befanden und befinden sich gerade auch in Europa, aber natürlich auch woanders.
      Aus der Erinnerung: Es gibt eine Sure über den Djihad, den großen und den kleinen Djihad, der von den Sufis so neu gedeutet wird: Der große Djihad ist der schwerste Kampf, der Kampf mit sich selber. Der kleine Djihad ist der Kampf der einem von außen aufgezwungen wird, um sich zu verteidigen.
      Diese Umdeutung ist eine Wirkung aus der Wirklichkeit, -dem Gottesgrund- der Welt, der von den Sufis erlebt wurde: die Liebe hat die Welt erbaut! Nun ja, der Sufismus wird von den Rechtgläubigen als Defekt-Islam abgetan.
      Wichtig ist aber diesen Gottesgrund/Christusgrund zu sehen: mensch ist als Buddhist, als Hindu, als Moslem – Christ , weil er Mensch ist und die Potenz hat immer mehr Mensch zu werden – weil das Schöpfungswesen seit Golgatha der Urgrund der Entwicklung von Mensch und Erde -auf der Erde, unter uns, unter Bruder und Schwester- geworden ist.
      Nun gut, wir leben in der Zeit von – „Sprach der König zum Priester: Halte du sie dumm, ich halte sie arm.“ aber dies ist die Zeitspanne die dem Fürsten dieser Welt gegeben wurde.
      Was sehen wir: die Rückkehr der Wahrheit im ersten Morgenrot, die Erbärmlichkeit der Lüge wird offenbarer.
      Trotz der Schäfchen auf der Wiesen
      Frohe Pfingsten allen hier und vielen Dank für die vielen Pfingstartikel an Herr Ludwich

    3. Karl der Große – Fehlanzeige – Päpstlich-Römische Geschichtsfälschungen des Vatikan (dctp.tv)

  4. Vatikan – Weltregierung – Organisationen
    Der Ableger der exterritorialen City of London ist die BIZ (exterritorial in Basel, wie der Vatikan exterritorial in Italien existiert und NY DC auch exterritorial ist und der ESM rechtsunangreifbar gegründet wurde).
    Die Zentralbank aller Zentralbanken – Bank für Internationalen Zahlungsausgleich – Dr.Werner Rügemer

    BIZ – Die neuesten Erkenntnisse

    Die Steuern wandern übrigens auf die Kaiman Islands, ein Teil der geraubten Steuern landen auf die Konten Mikey Mouse I und Mikey Mouse II.

    Gerichtsbarkeit & Urteile mit BAR Vermutungen – Carl Peter Hofmann Teil 3| Bewusst.TV – 19.8.2017

  5. Dr. Walter Veith packt aus | Wie er das geheime Wissen der Freimaurer erhalten hat

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