Ideologie schluckt Idealismus – Gedanken zur 68er-Bewegung

In den 1960er Jahren erheben sich, nur wenig zeitversetzt, weltweit immer mehr anschwellende Studentenproteste gegen Krieg und kapitalistische Ausbeutung, für Bürgerrechte, Hochschulreformen und eine gerechte Gesellschaftsordnung. Doch die hohen jugendlichen Ideale für eine bessere Welt finden als Lösungsmöglichkeiten nur Ideologien alter Professoren vor, die sie mit verführerischer intellektueller Brillanz an trügerische Theorien und Rezepte binden.

Weltweites Aufbegehren

Es beginnt 1964 an der Universität Berkeley in Kalifornien mit der ersten Hochschulbesetzung und greift schnell auf die übrigen USA über. In New York und San Francisco kommt es zu den größten Protestaktionen. 1968 entzündet sich in Frankreich der Funken. Wie schon ihre Vorreiter in Kalifornien fordern die Studenten in Nanterre bei Paris ein Ende des Vietnamkriegs und eine Entstaubung des Hochschulsystems. Anfang Mai 1968 greifen mit der Besetzung der Pariser Universität Sorbonne die „Mai-Unruhen“ auf ganz Frankreich über. An den Universitäten von Bordeaux und Nantes herrschen bürgerkriegsähnliche Zustände. Bald solidarisieren sich auch die Arbeiter mit den Studenten und protestieren zu Hundertausenden, besetzen Unternehmen und Fabriken, ein Generalstreik lähmt das ganze Land.

In ganz Europa flammen Jugend-Proteste auf. In Nord- und Mittel-Italien gehen Studenten, Schüler und Arbeiter auf die Straße, um für Veränderungen zu kämpfen: für ein allen frei zugängliches Bildungssystem, für bessere Arbeitsbedingungen, die Gleichberechtigung von Mann und Frau und gegen den Vietnamkrieg. „Wenig erfolgreich sind die Revolutionsversuche in Osteuropa. … In Polen werden 20.000 Studenten von den Universitäten verwiesen. … Auch wenn die Studentenproteste hier zu keinem Erfolg führen, so bringen sie doch einen Stein ins Rollen. Die breite Bevölkerung will die bestehenden Verhältnisse nicht mehr kritiklos hinnehmen. Der Grundstein für die spätere Demokratisierungsbewegung „Solidarność“ ist gelegt.“ 1

Auch in der benachbarten Tschechoslowakei kommen Studenten und Intellektuelle mit ihren immer lauter werdenden Forderungen nicht weit. Aber als 1968 Alexander Dubcek den Hartliner Antonín Novotný als Staats- und Parteichef ablöst, die Pressefreiheit einführt, die Trennung von Partei und staatlichen Einrichtungen sowie Wirtschaftsreformen angeht, wird er von Studenten und Intellektuellen freudig unterstützt. Doch am 21. August 1968 marschieren die Truppen des Warschauer Pakts mit Panzern in Prag ein und stellen innerhalb von 48 Stunden mit Waffengewalt die alten Verhältnisse wieder her. Knapp 96.000 Menschen, darunter viele Intellektuelle, verlassen das Land.

Deutschland

In Deutschland wachsen seit Anfang der 1960er Jahre ganz verschiedenartige Gruppierungen mit unterschiedlichen Motiven und Zielen heran, die zur großen Gesamtbewegung zusammenfließen.
Z.B. wirkt schon früh die Münchner Künstlergruppe SPUR (1959–1962), die ihre Wurzeln im Dadaismus und Surrealismus, aber auch in einem undogmatischen Marxismus hat. Den Mitgliedern ist gemeinsam eine radikale Absage an die bestehende Gesellschaft wie an deren Moral und Sexualvorstellungen, die sie ironisch, satirisch und sarkastisch verhöhnen. Aus der Gruppe geht 1962 die Subversive Aktion von Dieter Kunzelmann hervor mit Ablegern in München, Berlin und Nürnberg.

Die Subversive Aktion verband Kritik und Aktion zu radikaler Opposition gegen das Bestehende: ´Kritik muss in Aktion umschlagen. Aktion entlarvt die Herrschaft der Unterdrückung.` Der Berliner Gruppe traten zwei Jahre später auch Rudi Dutschke und Bernd Rabehl bei, die sich freilich weniger mit ästhetischen Fragen befassten als mit politischen und die vor allem den SDS auf einen radikaleren politischen Kurs bringen wollten.“ 2
Teile der Subversiven Aktion … gründen 1967 die Kommune I, um eine ganz neue Form des Zusammenlebens zu praktizieren, weg von der „spießigen Kleinfamilie“, den hierarchischen Familienstrukturen und gesellschaftlichen Moralvorschriften. Ihr gehören u. a. Dieter Kunzelmann, Fritz Teufel, Hans-Joachim Hameister und Rainer Langhans an. Sie rufen in den Hochschulen auf Flugblättern dazu auf, sich nicht weiterhin „von professoralen Fachidioten zu Fachidioten ausbilden zu lassen“.

Der SDS („Sozialistischer Deutscher Studentenbund“) war von 1946 – 1961 der Hochschulverband der SPD, die sich dann wegen seiner auch gegen sie selbst gerichteten radikalen Gesellschaftskritik von ihm trennte. Im Oktober 1961 erklärte sich der SDS zum „Teil der Internationalen Arbeiterbewegung“ mit dem „Ziel einer geeinten demokratischen Gesellschaft, in der die Menschen von privatwirtschaftlicher und bürokratischer Verfügung und Verplanung befreit sind.“ Der SDS grenzte sich scharf ab gegen den Realsozialismus im Ostblock und gegen die Bürokratisierung der Sozialdemokratie und deren Identifikation mit den herrschenden scheindemokratischen Verhältnissen.

Die Studenten erlebten in den Familien und in der politischen Öffentlichkeit, wie Fragen nach immer noch bestehenden Verflechtungen mit dem Nationalsozialismus weitgehend abgeblockt wurden. Mit der Kritik an dem Wirken von Nationalsozialisten in Hochschulen und in der Justiz der BRD zwangen sie die Politik „von innen her …, sich politisch, moralisch und theoretisch mit ihrer Herkunft aus dem nationalsozialistischen Deutschland auseinanderzusetzen, zum ersten Mal sahen sich […] Täter nicht ‚vom Ausland‘, sondern von ihren Kindern, ihren Studenten, ihren Untergebenen ihrer Taten wegen zur Rede gestellt.“ 3

Der SDS wurde wesentliches agitatorisches Zentrum der deutschen Studentenbewegung der 1960er Jahre. Ab 1964 suchte er das Bündnis mit anderen Hochschulgruppen und nahm eine beherrschende Stellung im Verband Deutscher Studentenschaften (VDS) ein. Viele Großdemonstrationen, Kongresse und Aktionen gegen den US-imperialistischen Vietnamkrieg, die totalitäre Notstandsgesetzgebung, den Schah-Besuch, die kapitalistische Ausbeutung der Lohnabhängigen u.a. gingen von ihm aus. Dabei darf jedoch nicht übersehen werden, dass der SDS eine verhältnismäßig kleine Gruppierung war. Seine gesellschaftlichen Analysen, wenn auch nicht seine linken Interpretationen, fanden aber in großen Teilen der Studentenschaft breite Zustimmung, wie ich selbst als ASTA-Mitglied einer Hochschule in dieser Zeit und Teilnehmer einiger VDS-Versammlungen von 200 – 300 Studenten-Vertretern aus den meisten deutschen Hochschulen beobachten konnte.

„Mit dem Attentat auf Rudi Dutschke am Gründonnerstag 1968 erreichte die Protestbewegung ihren Höhe- und Wendepunkt. Am Ostersonntag demonstrierten in über zwanzig Städten rund 50.000 Studenten. In München kamen ein Reporter und ein Student unter ungeklärten Umständen ums Leben, in Berlin wurden das Springerhochhaus und der Fuhrpark mit Molotow-Cocktails angegriffen. Diese lieferte, was gerichtlich festgestellt wurde, Peter Urbach – ein Mitarbeiter des Berliner Verfassungsschutzes. Nicht nur dieses hinterhältige Spiel über die Bande überforderte die Protestbewegung.“ 4
Im Laufe des Jahres 1969 und danach ebbte sie allmählich ab.

Insbesondere der SDS bezog sein theoretisches Rüstzeug von der „Frankfurter Schule“, einer Gruppe von Philosophen, Soziologen und Psychologen, die an die Theorien von Marx und Freud anknüpfen und deren Zentrum das 1924 an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main eröffnete „Institut für Sozialforschung“ (IfS) ist.

Die „Frankfurter Schule“

Die zentralen und bekanntesten Gründergestalten des Instituts waren insbesondere Max Horkheimer, Theodor W. Adorno, Herbert Marcuse, Leo Löwenthal und Erich Fromm. Finanziert wurde es von dem Millionärssohn Felix Weil, einem Marxisten, der an einen deutschen Rätestaat glaubte. Man sah in der Revolution der Arbeiterklasse keinen erfolgversprechenden direkten Weg mehr, die kapitalistischen Gesellschaftsordnungen zu überwinden, sondern wollte alle Anstrengungen unternehmen, eine „progressive Klasse“ von Gesellschafts-Wissenschaftlern heranzubilden, die von den Hochschulen aus über die Lehrerbildung das gesamte Bildungssystem beeinflussen und der breiten Masse des Volkes erst das „richtige Bewusstsein“ von ihrer Aufgabe als revolutionärer Klasse beibringen sollen.5

Aus dem Bestreben, den Marxismus wieder salonfähig zu machen, ging unter Horkheimers Leitung die ´Kritische Theorie` hervor“, wobei die marxistische Theorie zur Erklärung und Veränderung psychischer Verhaltensmuster mit den Theorien der Psychoanalyse Sigmund Freud verbunden wurde. „Die Kritische Theorie verpackte das marxistische Gedankengut in vermeintliche humanistische Forderungen wie ´Demokratisierung`, ´Diskussion`, ´Befreiung (Emanzipation) von allen Zwängen und Unterdrückungen`, ´Zerschlagung aller Ordnungen`, ´Chancengleichheit`, ´Überwindung der Entfremdung` usw. So gelang es später, viele unbedarfte Mitläufer wie jugendliche Idealisten für den Marxismus zu gewinnen.“ 6

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde das IfS gleich, am 13.3.1933, wegen “staatsfeindlicher Umtriebe“ geschlossen. Es emigrierte, auch wegen der jüdischen Abstammung vieler Professoren, über Genf in die USA, wo Horkheimer es ab 1934 unter der Bezeichnung „Institute of Social Research“ (Institut für Sozialforschung) an der Columbia-Universität in New York mit den meisten seiner früheren Mitarbeiter weiterführen konnte.

Die Förderung durch die Amerikaner war nicht uneigennützig. Die Frankfurter Emigranten wurden in Amerika Teil eines von Regierungsstellen und Geheimdiensten geflochtenen Emigrantennetzwerkes, das vorbereitet wurde, nach der militärischen Besetzung Deutschlands und in den Folgejahren dazu zu dienen, eine auf die intellektuelle Westbindung ausgerichtete Elite heranzubilden. Wie weit Horkheimer schon 1942 die US-Intentionen verinnerlicht hatte, zeigt ein Memorandum dieses Jahres, in dem es heißt: „Man muss eine Elite schaffen, die ganz auf Amerika eingestellt ist. Diese Elite darf andererseits nicht so beschaffen sein, dass sie im deutschen Volk selber kein Vertrauen mehr genießt und als bestochen gilt.“ 7
Die Emigranten kehrten nach dem Krieg als amerikanische Offiziere oder Ratgeber sowie als Professoren zurück und sorgten weitgehend dafür, dass in einem breit vorbereiteten Programm das deutsche Schul- und Hochschulsystem sukzessive von den Wurzeln der eigenen Geistesgeschichte abgetrennt und an die westlichen Wissenschafts-, Geschichts-, Kultur- und Demokratievorgaben gebunden wurde.8

Auf Einladung der Stadt Frankfurt und des Rektors der dortigen Goethe-Universität kehrte Horkheimer 1946 mit seinem Institut zurück und übernahm einen für ihn eingerichteten Lehrstuhl für Soziologie und Philosophie. Führende Vertreter des Kreises um Horkheimer erhielten wichtige Stellen an deutschen Hochschulen und wurden zunehmend zu Leitfiguren großer Teile der akademischen Jugend. Herbert Marcuse wurde Professor in den USA und nahm erst 1965 eine Professur an der Freien Universität in Berlin an. Vor allem stiegen sie zu einflussreichen Lenkern der öffentlichen Meinung auf, nicht zuletzt durch die Unterstützung und Förderung des deutschen Medien-Apparates.

 „Z.B. entfalteten Horkheimer und Adorno eine intensive Vortragstätigkeit, die im Hessischen Rundfunk eine breite Zuhörerschaft fand. Der Suhrkamp-Verlag verlegte, z. T. in Großauflagen, alles, was von der Lehrer- und Schülergeneration der Frankfurter Schule geschrieben wurde. Von 1963-1980 gab der Verlag 1.000 Bände ´Kritische Theorie` verschiedenster Fachbereiche heraus. Nach Auskunft des Suhrkamp-Leiters Siegfried Unseld erreichte Suhrkamp bis 1988 eine Auflage von 30 Millionen. … Der Einfluss der Frankfurter Schule geht schon allein aus der bezeichnenden Tatsache hervor, dass ab Ende der Sechziger Jahre Jürgen Habermas aus der Frankfurter Schule zum meistzitierten Autor der westdeutschen pädagogischen Fachzeitschriften wurde.“ 9

Die „Kritische Theorie“

Die Bezeichnung „Kritische Theorie“ wurde von Max Horkheimer im Exil „für das wissenschaftliche Projekt des Instituts“, ein von ihm „entwickeltes Forschungsprogramm eines interdisziplinären Materialismus“, erfunden. Davor firmierte die marxistische Gesellschaftstheorie des Instituts kurz unter dem Namen Materialismus. Trotz verschiedener Abweichungen von Marx blieb doch stets das marx´sche Postulat bestehen, dass alles Geistig-Kulturelle aus den sozioökonomischen Bedingungen als ein luftiger Überbau entstehe (Wikipedia). Das Geistesleben ist danach nicht von eigenständiger Bedeutung, sondern Interessen-geleitete Ideologie, welche aus den ökonomischen Herrschaftsverhältnissen aufsteige und diese wiederum begründe und stabilisiere. Dies gelte es zu entlarven, um die Gesellschaft verändern zu können. – Wobei allerdings die Frage unreflektiert blieb, woher denn die verändernden Ideen kommen sollen, wenn doch auch sie als aus den sozioökonomischen Bedingungen aufsteigende Ideologie zu gelten haben.

Diese materialistische Theorie musste in scharfe Opposition zur Philosophie des deutschen Idealismus treten, der gerade den Menschen als geistiges Wesen betrachtet, insofern es in den objektiven, realen Begriffen des reinen Denkens erfasst werden kann. Dem Idealismus warf man vor, aus der Metaphysik die Ergänzung dessen zu holen, was den bürgerlichen Wissenschaften abgehe: die Klärung der Sinnfragen. „Das geschehe in der idealistischen Metaphysik stets durch die Setzung einer idealen Welt hinter oder über der wirklichen Welt der hingenommenen Tatsachen und der Ableitung aus den ersten, höchsten, unbezweifelbaren Prinzipien dieser ´eigentlichen, idealen Welt`“ (Wikipedia). Diese jenseitige eigentliche ideale Welt konnte die kritische Theorie nur als irreale Illusion, mit Marx als „Opium fürs Volk“ ansehen.

Doch die erkenntnistheoretisch ungeprüfte Reduktion des Menschen und der Gesellschaft auf rein materielle Prozesse, also auf nur einen Teil der ganzen Realität, kann nicht beanspruchen, eine wissenschaftliche Erfassung der objektiven Wirklichkeit zu bieten. Sie wird auch von daher zur Ideologie, zumal sie in ihrem marxistischen Ansatz, dass es darauf ankomme, nicht die Welt zu beschreiben, sondern sie zu verändern, die Analyse des Bestehenden eng mit dem Interesse an seiner Veränderung verbindet, ja von diesem geleitet wird, so dass sich die reine objektive Erkenntnis dessen, was ist, bereits ideologisch verzerrt. Nur die reine Erfassung des Gewordenen kann Wissenschaft sein, nicht aber die Ideen seiner Veränderung; sie sind moralische Ideen oder Ideale zukünftigen freien praktischen, sozusagen sozial-künstlerischen Handelns des Menschen. Zur „wissenschaftlichen“ Theorie verklärt, werden sie zu handlungsleitenden Dogmen, die dem zwanghaften Herrschaftsanspruch der religiösen Dogmen der Kirchen nicht nachstehen.

„Die gesamte Programmatik der Frankfurter Schule und der neu-linken Bewegung lässt sich als Kulturrevolution, als Umbau des Menschen, seiner Psyche, seines Denkens und Strebens und seines Lebens, als Umbau der Institutionen, die das menschliche Bewusstsein und Verhalten prägen, (Familie, Schule, Staat und kapitalistische Strukturen der Arbeit. hl), sowie die Umwälzung der gesamten Kultur und Zivilisation beschreiben.“ 10
Im Mittelpunkt stand die „Emanzipation“, die Befreiung des Menschen von allen Zwängen, die von den Einrichtungen und der Moral der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaftsordnung ausgehen würden, den Einzelnen unterdrückten und ihn zu einer „autoritären Persönlichkeit“ deformierten. Insbesondere die sexuelle Befreiung nahm einen hohen Stellenwert im Kampf gegen die Repressionen der Jugend durch Familie und Gesellschaft ein. Da der Geschlechtstrieb ein mächtiger unbewusster Antrieb menschlichen Denkens und Handelns sei, gingen aus dessen Unterdrückung schwere seelisch-geistige Fehlentwicklungen und allgemeine Neurosen hervor. Sexuelle Unterdrückung ändere die Struktur des schon ökonomisch unterdrückten Menschen so, dass er unfrei gegen seine eigenen Interessen handle.

Die Deformierung der Jugend-Ideale

Schon in kleinen Schulkindern lebt ein tiefes Gerechtigkeitsgefühl, das sich mit vehementer Empörung eindrucksvoll geltend machen kann. In der Jugend steigt es an konkreten Wahrnehmungen wie der Ausbeutung der Abhängig-Beschäftigten, undemokratischer Herrschaftsstrukturen und imperialistischer Kriege des Westens, die mit unendlichem menschlichem Leid verbunden sind, als moralisch-kritische Instanz deutlich ins Bewusstsein. Da hängt alles von den Erwachsenen, insbesondere den Lehrern in Schule und Hochschule ab, der Jugend über die Analyse der Ursachen hinaus, heilsame Lösungswege aufzuzeigen, für die sie sich auf den Flügeln ihrer Ideale einsetzen können.

Aber die Frankfurter Schule konnte ihnen außer guten Teil-Analysen bloß Holzwege bieten, die nicht in einer tieferen Wirklichkeitserkenntnis begründet sind und letztlich nur zu weiteren Zerstörungen und Leiden führen. Durch ihren moralischen Anspruch, ihre humanitäre Verkleidung und z.T. sprachliche Brillanz übten sie aber eine verführerische Anziehungskraft auf sie aus.
Und vor allem: die materialistischen Theorien schnitten sie weitgehend von den Wurzeln ihrer eigenen deutschen Kultur ab. Die adäquat geistige Erfassung von Goethe und Schiller, Fichte, Schelling und Hölderlin z. B. hätte ihnen einen viel tieferen Begriff der Freiheit bieten können, die nicht nur in der Abwesenheit von äußeren Zwängen besteht, sondern sich primär in der Überwindung innerer, aus Leib und Seele aufsteigender Abhängigkeiten realisiert. Alle äußeren Zwänge gehen letztlich erst aus innerer Unfreiheit hervor.11

Mit der fundamentalen Erkenntnis eines niederen und eines höheren Ichs im Menschen, die stets miteinander im Streite liegen, brachte der deutsche Idealismus diesen Kampf in das reale Bild einer lebenslangen inneren Auseinandersetzung, in der der Mensch unbewusst oder mehr oder weniger bewusst danach strebt, sein niederes, an Triebe, Begierden und Leidenschaften gebundenes Ego mit seinem höheren Selbst, das sich im Gewissen äußert, immer mehr in Übereinstimmung zu bringen.
Demgegenüber band die marxistisch-freudsche Sexual-Ideologie die Jugend gerade an die leiblichen Triebe ihres niederen Ichs und verhinderte die innere Freiheit.

Doch darf man auch hier Auswüchse in Teilen der Studentenschaft, die sich im Protest gegen die traditionelle Familie und gegen die bürgerliche Moral zu sexuell ausschweifenden Lebensformen zusammenschlossen, nicht generalisieren. Sie sind auch von den Medien gewaltig aufgebauscht und genussvoll skandalisiert worden. Und der These, die Tragfähigkeit und Stabilität der Ehe sei durch die 68-Studentenbewegung beeinflusst worden, hielt der Vorsitzende des SDS von 1967-68 Karl Dietrich (KD) Wolff in einem Interview von 2018 entgegen:
Ich glaube eher umgekehrt: Die Entwicklung der Zusammenlebformen hat dazu geführt, dass sich diese Protestbewegung auch so entwickelte. Wir haben ja nicht deswegen angefangen zu protestieren, weil wir die Ehen kaputtmachen wollten, sondern wir wollten lebendiger leben und Diskussionen führen über die wirklich wichtigen Fragen. Und wir waren ja nicht glücklich damit, dass 68 erst mal alle Freundschaften und quasi Ehen kaputt gingen, sondern es waren nur Verhältnisse, wo es auf einmal ehrlicher zuging.“12

Damit deutet er darauf hin, dass alle tradierten Moralnormen und alle darauf gründenden traditionellen Formen des Zusammenlebens ihre Tragkraft immer mehr verloren haben, hohl geworden sind und einen Nullpunkt erreichen, in dem der Mensch sie aus eigener Erkenntnis sozusagen von innen selbst neu begründen muss. Alle äußeren Normen widersprechen letztlich auch dem Freiheitsanspruch des Menschen. Und gerade die starken Freiheitsimpulse der Jugend verlangen nach radikaler Befreiung von allen äußeren Zwängen, Abhängigkeiten und Bevormundungen. Freiheit duldet letztlich keine Unterordnung unter staatliche oder moralische Gesetze, und seien es die besten, wenn sie nicht inhaltlich in eigener Erkenntnis anerkannt und zu eigen gemacht werden können. Dass in diesem Prozess gerade die suchende rebellische Jugend leicht über das Ziel hinausschießt und es zu Auswüchsen kommt, ist unvermeidlich. In der Ideologie der Frankfurter Schule fanden sie jedenfalls nur destruktive Thesen der auslaufenden fremdbestimmenden Moral, die ihnen keinen inneren Halt und keine positiven Perspektiven vermittelten.

Auch die gesellschaftlichen Formen des Staates, der Wirtschaft und des kulturellen, insbesondere des Bildungswesens, wie sie historisch überkommen und von der parlamentarischen Demokratie nach 1945 fraglos übernommen wurden, sind innerlich hohl und widersprechen in ihrer weitgehenden Fremdbestimmung dem Selbstbestimmungs- und Freiheitsanspruch des modernen Menschen. Im Grunde richtete sich der letztlich ohnmächtige Protest der Studentenschaft in der Hauptsache gegen diese verkrusteten Strukturen aus obrigkeitsstaatlichen Zeiten, für den ihnen die Frankfurter Kritische Theorie auch nur Holzwege bot. Und diejenigen 68er, die in die Politik gegangen sind und den „langen Marsch durch die Institutionen“ gemacht haben, sind letztlich selbst Opfer und Bestandteil der alten Strukturen geworden. Verändert haben sie diese nicht, sondern nur mit linken Inhalten gefüllt.

Ausblick

Die ausgestaltete Idee einer neuen gesellschaftlichen Ordnung, die dem Freiheitsanspruch des Menschen voll gerecht wird, war für die Studenten nicht vorhanden. Das ist die große Tragik. Eine solche Idee lag nach meiner Überzeugung in der Konzeption der Dreigliederung des sozialen Organismus, die der Anthroposoph Rudolf Steiner nach dem Ersten Weltkrieg entwickelt hatte, bereits vor, konnte aber – auch durch das Desinteresse der meisten Anthroposophen selbst – keine ausreichende Bekanntheit und Popularität erreichen, bis heute. Schließlich stellen sich ihr auch die größten Gruppen-Egoismen massiv entgegen.

Das Zentrale dieser Gesellschaftsidee ist, dass sie vom freien Menschen und seinen dreifachen Beziehungen zu den anderen Menschen – den geistig-kulturellen, rechtlichen und wirtschaftlichen – ausgeht und die daraus entstehenden drei gesellschaftlichen Bereiche nach ihren inneren Lebensbedingungen der Freiheit, der Gleichheit und der Brüderlichkeit gestaltet. Mit der relativen Selbständigkeit dieser drei Bereiche zueinander wird der heute noch alle drei dominierende oligarchische Einheitsstaat seine Omnipotenz und Macht über den Einzelnen verlieren und auch die Grundproblematik des Kapitalismus gelöst werden können. In diesem Blog ist einiges in dieser Richtung skizziert worden.13

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1    planet-wissen.de
2    bpb.de
3    Lothar Baier, zitiert nach bpb.de
4    wie Anm. 2
5    Vgl. „ExpressZeitung.com“ Ausgabe 3 vom 3.1.2017, S. 4 f.
6    a.a.O. S. 7
7    Zitiert nach Stefan Scheil: Transatlantische Wechselwirkungen, Berlin 2012, S. 7
8    Siehe dazu ausführlich wie Anm. 7
9    wie Anm. 5, S. 8
10  Anm. 5, S. 10
11  Vgl. Näheres dazu in: Gegen Hass und irren Selbsthass
12  youtube.de
13  Siehe insbesondere: Wo sind Freiheit, Gleichheit Brüderlichkeit?;
Der Mensch als Maß der Gesellschaft ; Die kalte Macht des Kapitals

 

 

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16 Kommentare zu „Ideologie schluckt Idealismus – Gedanken zur 68er-Bewegung“

  1. Die Theorien für die „Entmenschlichung des Menschen“, wozu der Krieg das notwendig Chaos geschaffen hatte, um eine „neue Ordnung“ in die Köpfe zu bekommen, gehören zum Denken in der geistigen Kolonie. Damit das einigermaßen funktionieren konnte mußte man den „kalten Krieg“ organisieren, ansonsten hätten die Menschen die durchsichtige bezahl-Proposal-Wissenschaft einfach ignoriert. Das Ziel der ersten Zeit war es, „“den Deutschen“ fett und dumm“ zu halten.

    1. Es ist erstaunlich, wie in einer Kolonie „Demokratie“gespielt werden konnte. (In einem System der privaten Geldschöpfung ist eine Demokratie nicht mehr als eine Theateraufführung).

      US Präsident Donald Trump bietet Friedensvertrag mit Deutschland an!

      Nicht vergessen Politik ist das „Theater für die Deppen“.

        1. Die aufgezählten „Protestbewegungen“ gehören auch nur irgendwie zusammen, wie verschiedenfarbige Bonbons in einem Glas.

    2. „Das Ziel der ersten Zeit war es, „den Deutschen fett und dumm“ zu halten.“
      Dumm halten sie den Bundesdeutschen bis zum heutigen Tage, aber ansonsten war eher das Gegenteil der Fall, man hungerte ihn dermaßen aus, dass von Mai 45 bis Anfang `47 mehr Deutsche verreckt sind als während der sechs Kriegsjahre. Und man hätte diese (talmudistisch anmutende) Auslöschungsaktion gegen Amalek auch weiter betrieben, hätte Admiral Byrd nicht ein solches verlustreiches Fiasko während seiner „Expedition“ (mit diversen Kriegsschiffen, Kampfflugzeugen und tausenden Soldaten) in die Antarktis erlebt. Die gelungene Absetzbewegung des dritten Reichs dürfte der einzige Grund dafür sein, warum es überhaupt noch Deutsche -wenn auch nur als Geiseln in einer hochgradig tributpflichtigen Staatssimulation- gibt.

      Johannes Jürgenson hat in dem zweiten Teil -auch der erste ist absolut lesenswert, behandelt aber andere Themen- seines auf „archive.org.“ abrufbaren Buches „Das Gegenteil ist wahr“ so unglaublich viele Indizien und Beweise für die Existenz der Absetzbewegung gesammelt, dass man nicht ernsthaft daran zweifeln kann. Ebenso unzweifelhaft ist es nach der Lektüre, dass diese Absetzbewegung den Alliierten sowohl in puncto Fortbewegung ( unter Wasser wie auch in der Luft) als auch in puncto Waffensysteme um Lichtjahre voraus ist. Und ausschließlich unter der Annahme einer „dritten Macht“ ist der „Kalte Krieg“ (und auch seine jetzige Neuauflage) erklärbar, schließlich haben die „internationalen Eliten“ Russland spätestens seit dem Sturz des Zaren 1917 so unter Kontrolle wie sie die USA allerspätestens seit der Gründung der FED 1913 beherrschen. Die Globalisten mussten den „Kalten Krieg“ als Schauspiel für die Weltöffentlichkeit inszenieren, um die (in Wahrheit gegen das deutsche Reich gerichteten, die Feindstaatenklausel gilt weiterhin) exorbitanten Rüstungsetats legitimieren zu können.

      Vielleicht noch zum Artikel: natürlich sind nach Kriegsende peu a` peu all die deutschfeindlichen Gestalten, die während des Krieges ihre Zersetzungsarbeit von außen betrieben haben, in der Nomenklatura des neuen -bis heute von den „Befreiern“ kontrollierten- Staatsfragments gelandet, um die „Umerziehung“ hin zur „westlichen Wertegemeinschaft“ (als schöner Euphemismus für Zirkumzisokratie) und die innere Zersetzung des deutschen Volkes voranzutreiben. Die Professoren der Frankfurter Schule haben in diesem Prozess sicherlich „ganze Arbeit“ geleistet.

  2. „…vom freien Menschen und seinen dreifachen Beziehungen zu den anderen Menschen..“

    Diese Freiheit, um die es da geht, scheint manchen Menschen Angst zu machen, weil die andere Seite der Freiheit die Verantwortung ist. Verantwortung übernehmen kann nur, wer die Hand dafür frei hat. Doch wer will das denn ?
    Freiheit gab es weder bei Nazis noch bei Sozis in der „DDR“.
    Der Materialismus gebiert beide, Linke und Rechte.
    Um bis zu der erwähnten Dreiheit -„dreifachen Beziehungen“ – durchzudringen, müssen wir den Materialismus überwunden haben.

    1. @Michael
      „Freiheit gab es weder bei Nazis noch bei Sozis in der „DDR“.
      Es kommt immer darauf an, wann sich der Fisch an den Wänden des Aquariums stößt. Wenn er das gemerkt hat, beginnt „Entwicklung“. Der Propagandaapparat und die Lügenpresse sind ein paar Instrumente, die auf geistiger Ebene versuchen, die Wände des Aquariums virtuell aufzublasen.

      Merkt der Fisch die Grenzen/Scheiben nicht, kann er noch ein paar Runden schwimmen.

  3. Recht genaue Abhandlung der 68er; der RAF-Komplex haette noch reingepasst.
    Zuviel der FS gewidmet. Es ist bezeichnend, dass „schwurbelnden Verraetern“ wie Adorno („Wissen ist ein Werkzeug der Unterdrückung“) wieder wichtige Positionen gelassen wurden. Die FS-Hegelvariante war ein letzten Abkacken der deutschen Philosophie, die glücklicherweise unsere größten Geister nicht mehr miterleben mussten. Dass Habermas, das dialektische Fossil der FS, ziemlich der einzige „Denker“ ist, der bei jeder intellektuellen Huldigung zugange ist, zeigt das absolute Ende deutschen Denkens.

    „Mit der relativen Selbständigkeit dieser drei Bereiche zueinander wird der heute noch alle drei dominierende oligarchische Einheitsstaat seine Omnipotenz und Macht über den Einzelnen verlieren und auch die Grundproblematik des Kapitalismus gelöst werden können. “
    Werden sie nicht. Das Grundproblem des Kapitalismus ist, dass es in unserem Parlamentarismus keinen echten Kapitalismus auf gleichberechtigter Basis geben kann. Darin waren sich die Linken sogar mit Carl Schmitt einig.

  4. Ich betrachte diese Opferhaltung, also von bösen Ideologien verführtes Opfer zu sein das an den nicht mehr ignorierbaren Folgen garkeine Schuld hat, also ich betrachte das als ein Zeichen der Distanzierung von dieser Ideologie und das ist zu begrüssen. Allerdings nicht weil ich die Unschuldigkeit für wahr halte, sondern weil ein jeder Überläufer die Gegner schwächt.

  5. Wär es hier wirklich eine Ideologie die den Idealismus geschluckt hat?
    Oder waren es nicht massive Machtstrukturen die hier dagegen standen, die Bewegung letztlich „infiltriert“ haben ?

    Sie haben ja hier schon einige Artikel zum Thema Macht, ihrem Wesen und ihrer Wirkung geschrieben Herr Ludwig. Ein Schlüsselthema.

    „Das Sein bestimmt das Bewusstsein“ sagt Marx. Das halte ich ich für sehr zutreffend. Zumindest für die breite Masse der Menschen, die den „Olymp“ R.Steiners höherer Welten noch nicht erklimmen konnten.

    Unser Sein ist – heute mehr als jemals zuvor – von Konsum geprägt.
    Der Mann aus Nazareth sagt: „Wer Sünde tut, der ist der Sünde Knecht“ Auch das halte ich prinzipiell für zutreffend. Eine dieser Sünden – wenn ich recht erinnere „Unmäßigkeit“?

    Und da hätten wir es ja schon , das Herrschaftsmodell……….

    In diesem Zusammenhang wäre es hoch interessant einmal zu analysieren wie es dem Bürgertum damals eigentlich gelang die (weltliche) Macht zu erringen. Ich meine, ja, erst die Manufakturen, dann Industriealisierung und die damit verbundenen Gewinne….. alles richtig, aber das allein reicht nicht! Es geht nur mit einem System das die Masse mit wechselseitigen Abhängigkeiten durchsetzt.

    Warum bestimmt das Sein das Bewußtsein? Sind es die Wechselwirkungen zwischen der dinglichen Welt und dem Menschen?
    Fest steht jedenfalls das der Mensch der – woher auch immer – eine Schusswaffe im Handschuhfach seines Autos zu liegen hat, dadurch ein anderer geworden ist.
    Die Frage die sich stellt ist also nicht: Was können wir mit den Dingen machen? sondern vielmehr: Was machen eigentlich die Dinge mit uns?

    In diesem Sinne, vielen Dank für den schönen Artikel!
    (Aus einer Zeit, aus der ich selbst noch nicht viel mitbekam.)

    1. @ Mathias: „Was machen eigentlich die Dinge mit uns ?“

      Die einzigen, die etwas machen können, sind Lebewesen. Dinge sind etwas anderes als Lebewesen. Dinge sind leblos, wie z.B. Steine leblos sind, die von sich aus gar nicht fähig sind, etwas zu machen.
      Es sind Menschen, die mit einer Waffe im Handschuhfach etwas machen. Dinge sind völlig passiv. Marx war ein Materialist, dem viele 68 er auf den Leim krochen, weil sie unwillig waren, selbstständig zu denken. Das überfordert sie. Es ist wie mit dem Kochen. Wen die Kochkunst überfordert, der nimmt Konserven. Marx ist die Konservenbüchse der Linken. Materialismus pur. Mater = Mutter. Linke sind wie Kinder einer Mutter, die vom Vater noch nichts wissen.

  6. Nachdem ich die materielle Ebene angeschnitten hatte – polar, soll diese reduzierte Sicht ein wenig erweitert werden.

    In der DDR gab es die Buch-Zeitschriften „Sinn und Form“ und „Neue Deutsche Literatur“. In denen hätte man ähnliche Artikel finden können, oft sehr gut geschrieben. Das Bild der Gesellschaft stellten die nicht in Frage.
    Der Spiegel, den wir im Außen sehen, der hängt von unseren Kenntnissen und Ent-Wicklungen ab und von den „Philosophien“.

    „Aber die Frankfurter Schule konnte ihnen außer guten Teil-Analysen bloß Holzwege bieten, die nicht in einer tieferen Wirklichkeitserkenntnis begründet sind und letztlich nur zu weiteren Zerstörungen und Leiden führen. Durch ihren moralischen Anspruch, ihre humanitäre Verkleidung und z.T. sprachliche Brillanz übten sie aber eine verführerische Anziehungskraft auf sie aus.“
    Diese Schule sorgte dafür, einen Spiegel eines polaren Weltbildes an die Wand zu malen, um einen Gegenpart für das stalinistische und später poststalinistische System(oder schnöde materialistische System) zu schaffen, um eine Spaltung Deutschlands glaubhaft denkbar zu machen. Im Geschäftsmodell spaltet man „Staaten“, „die Welt“, die sich schnell entwickeln würde/n, und hetzt über das Politik-Theater beide Teile aufeinander. So sorgt man dafür, daß wenig Entwicklung stattfindet. Dazu spaltet man noch die Bewegungen nach dem jesuitischen Prinzip, um gewollte „Ent-Wicklungen zu erzeugen.

    Die reduzierte materielle Weltsicht erfaßt nur wenig, obwohl man die sehen könnte, wenn man könnte.

    „Eine abgestumpfte biologische Sinneswelt des Menschen, losgelöst von einer multidimensionalen Wahrnehmungsfähigkeit ist ungeeignet und trügerisch, die tatsächliche Wirklichkeit einzusehen. Sie kann gerade
    innerhalb der materiellen Formenwelt die operativen Funktionen erfüllen. Die operative Intelligenz – auf die wir so stolz sind – kann ohne weiterreichende Informationen die konkrete Welt des inkarnativen Lebens des Menschen weder erfassen noch erklären.
    Ohne metaphysisches Verständnis verfängt sich das operative lineare Denken zwingend in mentale Illusionen, wenn es sich anmaßt, die Welt zu erklären und ihren Sinn zu erfassen. Die patriarchale Zivilisationsgeschichte der Menschheit ist voll von gelebten Illusionen“. (http://www.maya.at/Literatur/download/Wenn_Seelen_Schoepfergoetter_werden.pdf, Kössner, S. 21)

    Alle Ideologien gehören dazu.
    Wenn man die alten Rune weltweit ansieht, dann wird man den Menschen als „Sohn Gottes“ geschrieben finden (zwei Runen).
    Das sollte uns bei den „Überdenkungsphantasien“ der Schulen immer daran erinnern, was wir sind.
    Und das trotz der in etwa 80 Ländern praktizierte „Mind control“-Programm (siehe Prof. Dr. Dr. Sergej Sall) , was eine andere Methode für etwas steht, was andere als wichtig erachten. Das nur, um wieder in der Materie anzukommen.

  7. @Michael „Dinge sind völlig passiv“

    Im Prinzip ja, natürlich, zumindest rein Physisch gesehenen.

    Und ja, Marx war durch und durch Materialist. Und als geb. Potsdamer sind mir die Ideologisierungsversuche des Politunterrichtes der Schulzeit noch gut in Erinnerung.

    „Der dialektische und historische Materialismus – untrennbarer Bestandteil der Weltanschauung der Arbeiterklasse“ So hieß das.

    Dennoch möchte ich noch einmal etwas präzisieren was ich meine:
    Wir können meiner Ansicht nach nicht außer acht lassen dass es in der jüngeren Geschichte sehr häufig technische Erfindungen waren , welche gesellschaftliche Veränderungen hervor gebracht haben. Weil sie die Verhaltensweisen der Menschen beeinflusst haben.

    Es gibt viele Beispiele dafür, jeder von uns kann sie jeden Tag beobachten.
    Wer heute ein Auto kauft, der kauft mitnichten nur ein Transportmittel ! Er kauft weeeiiit mehr! Das veranlasst bestimmte Hersteller sogar dazu zu meinen dass Sie Welten erschaffen. (welch ein Größenwahn)

    Dinge haben also ein Wesen. Man könnte auch sagen, sie sind Katalysatoren, die durch ihre blanke Anwesenheit zu Reaktionen führen, welche sonst ausblieben. Dies führt unter Umständen zu Wechselwirkungen. Vielleicht ist der Materialist gerade auf diesem Auge blind, erkennt dies nicht.
    Im schlimmsten Fall verliert er sich in den Dingen, baut eine „pseudo“
    Identität über die Dinge auf. Erich Fromm hat zu dem Thema einiges interessantes geschrieben.
    Dies ist jedoch die Grundlage der heute zu beobachtenden Konsumgesellschaft.

    Die Bibel mahnt deshalb: Sei in dieser Welt, nicht von dieser Welt. (So in etwa:-)

    Wer in der heutigen Zeit von sich behauptet, dass die Dinge auf ihn keinerlei Einfluss haben, verkennt nach meiner Ansicht die Wirklichkeit.

  8. Leider wird im Artikel der Zusammenhang der Stuidentenbewegungen usw. mit dem Tavistock Institut nicht erwähnt. Schade.

  9. Ich glaube, in heutiger Zeit besteht die Gefahr, die positiven Seiten der 68er-Bewegung zu übersehen. 1968 begann die größte Kirchenaustrittsbewegung in Deutschland nach der letzten großen Kirchenaustrittsbewegung, nämlich in den Jahren 1936 bis 1940. Diese Abwendung von veralteter, verquasteter Religiosität sehe ich als sehr positiv an.
    Horst Mahler beispielslweise hat im Gefängnis die Philosophie des Deutschen Idealismus weiter gedacht (auf seine Art halt).
    Rudi Dutschke starb in der Badewanne, hätte aber als ein „Linker“, der die Notwendigkeit von Querfronten sah für den Erfolg von Revolutionen, auch noch viel weltanschaulichen Ballast abgeworfen, wenn er länger gelebt hätte (das geht aus Gretchen Dutschkes Biographie über ihn meines Erachtens deutlich genug hervor).
    Überhaupt haben sich ja viele Vordenker der 68er zu „Rechten“ gewandelt, weil sie merkten, daß das eigentlich Revolutionäre anderswo zu verorten ist als in einseitig „linken“ Weltbildern.
    Insgesamt ist der Hintergrund der Manipulation durch linke Weltbilder und pseudowissenschaftliche Theorien im 20. Jahrhundert durch Kevin MacDonalds Buch „Kultur der Kritik“ hervorragend analysiert und aufgearbeitet worden. Auch MacDonald fühlte sich ursprünglich der 68er Bewegung in den USA (Anti-Vietnam-Krieg-Proteste) zugehörig.

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