Das japanische „umgekehrte Ich“

Ähnlich wie die koreanische Sprache hat auch das Japanische kein Wort, das dem deutschen Ich entsprechen würde. Das deutet darauf hin: Das eigene Wesen wird auch in Japan weniger individuell in sich selbst als vielmehr in den Beziehungen zu anderen und zur Welt, also im Gemeinschafts-Zusammenhang des wir erlebt. Der Einzelne ist von der traditionellen Kultur her primär nicht in sich unabhängige Individualität, sondern Glied der Gemeinschaft, der er naturhaft eingeordnet ist.

Der Artikel soll zu den bisherigen Beiträgen über die ganz andersartigen Seelenverfassungen und Kulturen der ostasiatischen Völker1 einen weiteren Mosaikstein hinzufügen. In der immer mehr zusammenwachsenden Menschheit ist das Verstehen des Fremden und ganz Anderen für ein friedliches Zusammenleben von fundamentaler Bedeutung.

Nachdem ich den Artikel „Über die Schwierigkeit des Koreaners, „ich“ zu sagen“, veröffentlicht hatte, gab mit ein Freund die Vortrags-Nachschrift eines in Deutschland lebenden Japaners,2 der über das gleiche Phänomen vom Gesichtspunkt des Japanischen handelt. So kann dieses wichtige und faszinierende Thema aus kompetentem Mund um eine weitere Facette ergänzt und vertieft werden.
Masao Naka ist 1951 in Tokio geboren und aufgewachsen, studierte dort von 1971 bis 1974 japanische Literatur und war daneben an verschiedenen Theatern in Tokio tätig. 1977 kam er nach Deutschland, wo er bis 1984 Heilpädagogik studierte und in diesem Beruf tätig wurde.

Selbst-Bezeichnung und Selbst-Bewusstsein in Europa

In jeder Sprache innerhalb der indoeuropäischen Sprachenfamilie gibt es ein Wort, mit dem der Mensch das eigene Selbst bezeichnet. Für den Deutschen ist es das „Ich“, mit dem er sein innerstes Wesen zum Ausdruck bringt, für den Engländer „I“, den Franzosen „Je“, den Russen „Ja“ usw.
Wird der Mensch des eigenen Daseins gewahr, so macht er es sich als ein Objekt bewusst. Er braucht in diesem Augenblick ein Wort für ein Objekt, das er selbst ist. Er kann das eigene Dasein, sich selbst, ergreifen und mit Hilfe dessen darstellen, was er als solches Objekt bzw. eigenes Dasein erkannt hat. Die Ich-Darstellung, dass man für sich ein dem deutschen „Ich“ entsprechendes Wort in Anspruch nimmt, setzt durchaus das Ich-Bewusstsein voraus, mit dem man des eigenen Daseins gewahr wird und es sich bewusstzumachen vermag.“ (S. 7)

Bis zu 2 ½ bis 3 Jahren spricht das kleine Kind in Bezug auf sich selbst noch nicht „Ich“. Es nennt sich mit dem Vornamen, ahmt ihn nach, den ihm andere Menschen, die seine Umgebung bilden, gegeben haben. Das Bewusstsein von sich selbst, das dem Kind bis dahin eigen ist, wird also von außen, von seiner Umgebung bestimmt. Und seine Bezeichnung hängt auf dieser Entwicklungsstufe davon ab, wie die Menschen, die seine Umgebung bilden, das Kind nennen. Würde der Mensch sich nicht weiterentwickeln, bliebe das Bewusstsein seines Daseins von seiner Umgebung abhängig; er könnte von sich selbst nur sagen, was seine Umgebung zu ihm gesagt hat.

In der vorausgehenden Entwicklungsstufe, in der Kind sich aufzurichten und zu sprechen beginnt, benennt es sich selbst überhaupt noch nicht. Es nennt nur die Dinge der Außenwelt, aber noch nicht seinen eigenen Namen, zu dem es erst allmählich fortschreitet. Bis dahin bemerkt es sich überhaupt nicht als etwas Eigenständiges im Umfeld der Außenwelt. Die erste Stufe dieses Bemerkens ist die Benennung mit dem Namen, den ihn seine Umgebung bestimmt.

Fängt das Kind an, „Ich“ zu sich zu sagen, so bedeutet dieser Schritt, dass das Kind sich mit seinem eigenen Dasein von seiner Umgebung löst, sich selbst zu erfassen und zu bestimmen beginnt.“ Von nun an ergreift das Kind sich selbst ohne die Bestimmung durch die Umgebung. Es beginnt die absolute Ich-Erfassung und -Bestimmung, in der man nicht mehr den Anlass irgendeiner Umgebung braucht, um sich zu bestimmen. Der Mensch wird nun fähig, „von sich aus sein Dasein zu fassen und es mehr und mehr in den Mittelpunkt zu stellen, von dem aus er wiederum seinen Umkreis, seine Umgebung zu bestimmen lernt.“ (S. 9-10)

Die Umgebung, deren Mittelpunkt der Mensch nun ist, ist nicht mehr dieselbe wie vorher. Zwar haben sich die Elemente der Umgebung nicht verändert, aber ihre Bedeutung ist mit dem umgekehrten Verhältnis zwischen Mittelpunkt (Mensch) und Umgebung eine andere geworden. Die alte Umgebung bestimmte als Autorität den Menschen im Sinne von: Meine Umgebung lässt mich da sein. Die neue Umgebung aber wird vom Mittelpunkt bestimmt, den der Mensch jetzt von sich aus einnimmt.

Selbst-Bezeichnung und Selbst-Bewusstsein in Japan

Sucht man das (dem „Ich“) entsprechende Wort im Japanischen, so findet man es dort nur schwer. … Man findet im Japanischen für die Ich-Darstellung entweder kein Wort oder mehrere. Warum? Weil das japanische Ich-Bewusstsein, das der Ich-Darstellung vorausgeht, sich auf einer anderen Entwicklungsstufe als das deutsche und damit auch das indoeuropäische befindet.“
Während das europäische Selbstbewusstsein mit dem Wort „Ich“ als Subjekt das Dasein des individuellen Menschen in die absolute Mitte der Welt stellt, das in sich gegründet, unabhängig der Welt um sich herum gegenübersteht, stellt die japanische Sprache das Menschenwesen noch in Abhängigkeit von der Welt dar.

„Dieses Menschenwesen heißt im Japanischen ´chito` (die Aussprache des ch gleicht dem deutschen ch). … ´chito` besagt ein Wesen, in dem das Göttliche, Geistige fortwirkt. Es besteht aus zwei Silben, ´chi` und ´to`. Die erste Silbe, ´chi`, die zugleich auch ein selbständiges Wort ist, bezeichnet das Göttliche, Geistige, zudem auch noch die Sonne. Die zweite Silbe, `to`, bezeichnet das Bleiben. Fassen wir die beiden Silben zu einem Wort zusammen, zu dem Wort ´chito`, dann bedeutet es ein Wesen, in dem das Göttliche, Geistige wirkend erhalten bleibt, also fortwirkt. Und das ist im Japanischen der Begriff des Menschen. … Das japanische Menschenwesen bleibt von der Wirkung des Göttlichen, Geistigen abhängig.“ (S. 12)

In der durch die Bibel geprägten hebräisch-abendländischen Geistestradition haben die Menschen die Verbindung mit den Göttern und Geistern durch den Sündenfall verloren. Sie wurden aus der gemeinsamen Welt des Paradieses vertrieben. Die Götter sind nun jenseits der irdisch-sinnlichen Welt, in der sich das Leben der Menschen abspielt. Aus dem Gefühl des Verlustes entstand die Sehnsucht nach einer Wiederverbindung mit den himmlischen Mächten durch die Religion.

Im Japanischen gibt es keinen Begriff für den Sündenfall, daher auch keinen Zwiespalt und keine Möglichkeit für die Entstehung einer Religion. Das Menschenwesen wird im Japanischen als Träger des Paradieses, in dem die Götter und Geister zu Hause sind, begriffen. Religion wird erst möglich, wenn der Mensch sich von den Göttern getrennt fühlt. Dort, wo die Götter und Geister unmittelbar mit den Menschen zusammen sind, gibt es keine Religion. Die Welt des Japanischen ist daher eine religionslose Welt. So trägt der Mensch das Paradies noch in sich. Das ist ´chito`. Das Dasein des Menschen wird im Japanischen (in der japanischen Sprache) daher noch in Abhängigkeit von den Göttern und Geistern dargestellt.“

Bezeichnet sich der Mensch als „Ich“, bringt er damit zum Ausdruck, dass er von dem Göttlichen und Geistigen getrennt ist und ihm gegenüber steht. Wenn der Japaner sich mit einem Wort wie „Ich“ bezeichnen würde, so müsste er vorher das Gefühl der Absonderung von der Welt der Götter und Geister in sich erwecken; also er müsste den Gedanken des Sündenfalles erlebt haben. „Es gibt im Japanischen diesen Gedanken nicht, und so kann man im Japanischen (von sich selbst) nur schweigen, wenn man noch mit den Göttern und Geistern zusammenbleiben will.“

Makrokosmos – Mikrokosmos

Das bedeutet mit anderen Worten: Das abendländische Ich-Wesen steht als abgesonderter Mikrokosmos dem Makrokosmos ganz und gar gegenüber. Das chito-Wesen im Japanischen trägt den Makrokosmos noch in sich, spürt ihn noch auf seinem Rücken; beide sind im Japanischen noch nicht getrennt.
Merkwürdigerweise hat das japanische „chi“ (das Göttliche) sprachlich eine Ähnlichkeit mit dem deutschen „Ich“. „Diese Wort-Silbe ´chi` besteht aus dem Konsonanten ch und dem Vokal i. Vertauschen wir die beiden …, so haben wir ´i-ch`: ´Ich`. So kann man das ´chi` äußerlich als ein umgekehrtes ´Ich` betrachten. Die innere Ähnlichkeit besteht darin, dass beide des Menschen Dasein bestimmen. … Der wesentliche Unterschied liegt darin, dass das ´chi` des Japanischen den Makrokosmos, das Paradies bedeuten kann, während das Ich des Deutschen der Mikrokosmos ist“, der sich aus dem Makrokosmos herausgelöst hat und ihm als ein mikrokosmisch Göttliches gegenübersteht.

Sieht der Apostel Paulus mit dem Satz: „Ich lebe, aber: doch nun nicht ich, sondern Christus in mir“ (Galater 2, 20) in der Aufnahme des Christus eine göttliche Erhöhung des gewöhnlichen menschlichen Ich, so besagt das Schweigen des Japaners über sein Selbst in etwa: „Nicht ´ich`, sondern ´chi` lebt in mir. ´Nicht ich` – also schweigt der Mensch, aber in ihm lebt ´chi`, Gott, Geist und Sonne“, mit denen er noch paradiesisch verbunden ist. „In dem Gedanken an ´chito`, der den Menschen offenbart, und in der Haltung des Schweigens leben die Mysterien Japans.“ (S. 17)

Subjektives und objektives Ich im Deutschen

Masao Naka bringt, um sich das deutsche Ich-Erlebnis völlig klar zu machen, die schöne Schilderung des deutschen Schriftstellers Jean Paul (1763-1825) über einen besonderen Moment in seiner frühen Kindheit: „An einem Vormittag stand ich als ein sehr junges Kind unter der Haustür und sah links nach der Holzlege, als auf einmal das innere Gesicht, ich bin ein Ich, wie ein Blitzstrahl vom Himmel auf mich fuhr und seitdem leuchtend stehenblieb: da hatte mein Ich zum erstenmal sich selber gesehen und auf ewig.“
„Der Satz ´ich bin ein Ich`, bemerkt Masao Naka, „führt uns deutlich zwei verschiedene ´Ich` vor Augen“: ein pronominales als Subjekt, das klein geschrieben wird, und ein substantivisches, das objektiv vor einem steht und groß geschrieben wird.

Aber das mehrmalige Auftauchen des Ich in einem Satz macht dem Japaner noch mehr Schwierigkeiten, wenn es als Objekt die Form des ´mich` oder ´sich` annimmt, z.B.: „Ich ziehe mich an. Ich wasche mich. – Für Menschen, die in ihrer Sprache eine vergleichbare Reflexion nicht nachvollziehen können, kann eine Wendung wie: Ich lege mich hin. sehr lustig klingen, denn – und das wird im alltäglichen Umgang kaum mehr bewusst – es kann die Frage entstehen: Wen ziehe ich an? Was lege ich hin?“

Der Deutsche empfindet seinen Körper so sehr als Bestandteil seines Ich, dass er sich sprachlich mit ihm identifiziert. Genau genommen, und das empfindet der Japaner, müsste er sagen, dass er seinen Leib wäscht, anzieht oder ins Bett legt und nicht s-ich, also sein Ich, das immaterieller Natur ist. Grotesk wird es für den Japaner geradezu, wenn jemand, der irgendwo sein Auto geparkt hat, zu einem anderen sagt: „Ich stehe dahinten“, sich also sogar mit dem Auto, das zu ihm gehört, identifiziert.

Das deutsche „man“

„Man kann im Japanischen das ´chito` nur in allgemeiner Form darstellen, man kann niemals zu sich ´chito` sagen; ´chito` ist ein Substantiv, kein Fürwort.“
In gewisser Weise sieht Masao Naka sich in Bezug auf das japanische „chito“ im Deutschen an das Wort „man“ erinnert, das unter Umständen an die Stelle des „Ich“ tritt, wenn mehr allgemein von allem, was menschliche Gestalt hat, die Rede ist. Aber es ist damit eben auch eine Unklarheit und Anonymität verbunden, die seine Anwendung begrenzt und auch begrenzen sollte.
Das ´man`, das das ´Ich` in gewissem Sinn vertreten kann, besagt ein anderes Verhältnis zur Welt. ´Ich` und ´man` sind einander unähnlich, wie das ´chito` des Japanischen und das Ich` des Deutschen. Es fehlt dem ´man`, was auch dem japanischen ´chito` fehlt, der Mittelpunkt, den das Ich in sich trägt.“ (S. 22)

Der subjektlose Satz oder das Schweigen des Selbst

Aus alledem ergibt sich bereits, das ein Satz wie: „Ich gehe nach Hause“, mit dem Ich als Subjekt, im Japanischen nicht möglich ist. Man formuliert dort einen solchen Satz ohne Subjekt, ohne „Ich“ und auch ohne „man“: „—– nach Hause gehen.“
Die deutsche Ich-Aussage trägt einen absoluten Charakter, „denn es besteht für sie kein äußerer Anlass, der von der Umgebung des Menschen nahegelegt wäre. Niemand hat danach gefragt, wer nach Hause geht. Der Satz beschreibt nur das Geschehen eines Menschen, der nach Hause geht. Das Ich als Subjekt bildet dabei den Mittelpunkt des menschlichen Geschehens, weil das Ich-Bewusstsein den Mittelpunkt des Daseins darstellt.“

Im Japanischen gibt es keine Ich-Aussage, „und auch die Konjugation des Verbs deutet kein Subjekt, kein Ich an (wie im Lateinischen, hl.). Zwar kennt das Japanische auch die Konjugation des Verbs, durch die Änderung der Endsilbe, aber sie gibt keinen Hinweis auf die Person. Die japanische Konjugation hat eine andere Bedeutung als die europäische. Das Subjekt des Ich-Satzes wird überhaupt nicht angedeutet.
Charakterisieren wir die deutsche Ich-Darstellung als ´absolute Ich-Aussage`, so können wir die japanische Ich-Darstellung als ´absolutes Schweigen des Ich` beschreiben. (…) Man muss darauf achten, wie tief die Haltung des Schweigens die ganze japanische Kultur und Lebensart durchzieht. Alle Erscheinungsformen der japanischen Mentalität beruhen auf dieser Haltung des schweigenden Ich. Charakterisierungen wie ´Die Japaner sind sehr zurückhaltend` oder ´Die japanische Kultur ist eine Kultur der Stille` usw., liegt die Haltung des Schweigens zugrunde, die zwar äußerlich schweigend erscheint, in sich aber ´chi` erlebt.“

Mehrere Wörter für das Selbst des Japaners

Tritt auf der einen Seite an die Stelle der europäischen absoluten Ich-Aussage im Japanischen das Schweigen, so gibt es auf der anderen Seite im Japanischen mehrere Wörter, die das eigene Selbst benennen. Diese japanische Selbstbezeichnung ist jedoch auch keine Daseinsbezeichnung im Sinne der Europäer.
„Sie ist sozusagen eine Beziehungsdarstellung, die Beziehung, die zwischen Menschen stattfinden kann. Es handelt sich bei der japanischen Ich-Darstellung um die Beziehungsdarstellung, in der das eigene Dasein und das Dasein des Gegenüber eine gleichwertige Rolle spielen. Die Japaner bezeichnen sich selbst unterschiedlich, je nachdem, wer das Gegenüber ist, das im Grunde genommen die Beziehung bestimmt. Es gibt in der japanischen Beziehungsdarstellung drei Grundformen:
1. 
Bescheidenheitsform (watakushi)
2. 
Innigkeitsform (boku oder watashi)
3. 
Autoritätsform (Bezeichnung der sozialen Stellung)

1.  Die Bescheidenheitsform wird von den Japanern verwendet, wenn der Andere, mit dem sie sprechen, eindeutig eine höhere Stellung einnimmt oder sonst eine wichtigere Rolle spielt. Einem Vorgesetzten oder einer Autorität gegenüber verhält man sich bescheiden und höflich. „Es handelt sich dabei um die Höflichkeit, die in der japanischen Mentalität tief verwurzelt ist. Zugunsten solcher Höflichkeit nimmt der Japaner für sich die Bescheidenheit in Anspruch.“
2.  In der Innigkeitsform spricht der Japaner mit Menschen, die er liebt. Sie hat natürlich einen ganz anderen Tonfall und Wortschatz usw. Hier gilt es nicht, sich höflich distanziert zu äußern, sondern mit Innigkeit, wie sie z.B. zum Gespräch unter Eheleuten gehört. Es klänge natürlich nicht nur seltsam, „sondern für das japanische Ohr unmöglich, wenn er sich seiner Frau gegenüber selbst mit der Bescheidenheitsform bezeichnen würde, so wie er mit einem Vorgesetzten spräche.“
3.  In der Autoritätsform spricht beispielsweise ein Lehrer mit seinem Schüler. Es wäre deplatziert, zu ihm in der Höflichkeitsform oder innig zu sprechen, sondern er muss dem Schüler gegenüber mit einer gewissen Autorität auftreten.

Die japanische Selbstbezeichnung ist hier also eine der jeweiligen menschlichen Beziehung, die von dem entsprechenden Gegenüber abhängig ist. „Man braucht im Japanischen immer ein Gegenüber, um sich selbst fassen, erkennen und bestimmen zu können.
Es muss allerdings hinzugefügt werden, dass dies in Wirklichkeit nicht alle Japaner betrifft. Wie es Japaner gibt, die ein deutsches Ich in sich tragen und damit umgehen können, so gibt es ja auch viele Deutsche, deren deutsches Ich noch nicht soweit gereift ist, die zwar das deutsche Ich für sich in Anspruch nehmen, weil die deutsche Sprache so gebaut ist, in Wirklichkeit dessen Sinn aber noch nicht ganz erfüllen können. So gibt es viele Unterschiede zwischen den einzelnen Menschen, zwischen einzelnen Entwicklungsstufen des Ich-Bewusstseins. Es handelt sich bei der (sprachlichen) Ich-Darstellung nicht um den einzelnen, individuellen Menschen, sondern um das Sprachleben, das das Volkswesen offenbart.“

Die Abhängigkeit des japanischen Selbsterlebens von der Welt

Die Absolutheit des europäischen, insbesondere des deutschen Ich sei im Japanischen nirgends zu finden, fasst Masao Naka noch einmal zusammen. „Das japanische Ich, das im Wort ´chito` lebt, bildet keinen Mittelpunkt, es stellt das Ich nicht in die Mitte der Welt, sondern lässt es den Mittelpunkt umkreisen, vergleichbar dem ´man` des Deutschen.“
Die Abhängigkeit der japanischen Selbst-Bezeichnung vom jeweiligen Gegenüber erinnert ihn auch an die Entwicklung, wie sie das Kind in den europäischen Völkern durchmacht. Wenn es sich noch selbst mit dem eigenen Namen bezeichnet, den ihm die Eltern gegeben haben, wird es ebenfalls von der Umgebung bestimmt und erlebt sein Selbst in Beziehung zu und Abhängigkeit von ihr. Das ist jedoch nicht ganz mit dem Japanischen vergleichbar, da man hier ein Wort, bzw. Wörter benützt, die bereits einen pronominalen Charakter tragen.

Die japanische (sprachliche) Ich-Darstellung liegt zwischen der Ich-Darstellung des Kindes und der des erwachsenen Deutschen, die im wahren Sinn die deutsche Ich-Darstellung ist. Denn die japanische pronominale Ich-Darstellung ist in ihrer Abhängigkeit einerseits derjenigen des Kindes nahe, in ihrem pronominalen Charakter andererseits derjenigen des erwachsenen Deutschen. Das Kind erfasst noch nicht das System des Personalpronomens, wozu eine Abstraktionsfähigkeit gehört, die eine nächste Entwicklungsstufe voraussetzt.“ (S. 28)

Wir sehen in dieser Schilderung eines Japaners große Ähnlichkeiten mit dem, was die Koreanerin Hoo Nam Seelmann über die Eigenart ihrer Muttersprache beschrieben hat.

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1   Das Wir ohne Ich – Von der asiatischen Seelenverfassung
Über die Schwierigkeit des Koreaners, „ich“ zu sagen
Anpassung und Unterordnung in China
2   Masao Naka: Ich-Darstellung im Deutschen und Japanischen, Stuttgart 1988

48 Kommentare zu „Das japanische „umgekehrte Ich““

  1. Ein interessanter Artikel.

    Obwohl ich nie in Japan war, kann ich als Düsseldorfer aus dem täglichen Leben japanischer Kultur sagen, dass Japaner zwar keiner Religion angehören, sich aber hinsichtlich ihrer Mentalität und ihres Verhaltens größtenteils am Buddhismus orientieren.

    In Düsseldorfs Innenstadt befindet sich bekanntlich die größte Enklave Europas. Ich hatte dort jahrelang guten Kontakt zu einem deutschen Direktor eines Hotels einer internationalen Kette, der mit einer Japanerin verheiratet war. Ich denke, dass in der japanischen Tradition das Handeln nach der buddhistischen „Drehung des Rades“ mit den 4 Wahrheiten nach wie vor tief verwurzelt ist, obwohl sich nur noch 50% der Bevölkerung dazu bekennen. Fremden zeigt es sich in ausgesuchter Höflichkeit und Gemeinsinn im Handeln, was man als Europäer anfangs nicht einordnen kann. Versucht man diese kulturelle Eigenart richtig aufzunehmen, dann sind Japaner eines der angenehmsten Gesprächs- und Geschäftspartner die ich je kennengelernt habe.

    Aktuell kann man sich an der ruhigen gesammelten Art von Prof. Sucharit Bhakdi (Thailänder) orientieren, der bekennender Buddhist ist und dem jedes Verständnis für das Vorgehen der Bundesregierung in der Corona-Krise fehlen muss weil er nicht versteht, dass der Gemeinsinn in der Politik – die Prosperität ALLER – keine Rolle spielt, denn das Fundament des Christentums ist verloren gegangen. Wir können es auch am Umgang der Japaner mit dieser Krise sehen, die dort keine ist. Japan 122 Millionen EW, 18.000 Infizierte, Deutschland 83 Millionen EW, 196.000 Infizierte. Die einen sehen die Gemeinschaft, die anderen ihre Interessen. Ausnahmen bestätigen natürlich auch hier die Regel.

    1. Die Japaner haben recht. Wenn man die Inversion am Einheitskreis als Modell heranzieht, kann man eine Innenwelt mit einer Außenwelt korrelieren. Die Trennung erfolgt jeweils durch eine Membran. Innen (Mikrokosmos) gibt es kein Zentrum, sondern die innere Unendlichkeit der Seele. Außen (Makrokosmos) gibt es eine expansive Entwicklung, die ebenfalls unendlich ist. Die Inversions – Membrane markiert dabei nur einen Entwicklungsstatus eines dynamischen Ich, das dem Wandel unterworfen ist. Man kann die Membranen laufend zurücknehmen und erhält eine geschachtelte Entwicklung nach innen und außen.

      Siehe dazu

      https://www.geolitico.de/2019/05/03/der-weg-zum-christentum-der-zukunft/

      1. Zum „Weg zum Christentum der Zukunft“:

        Wäre es nicht erst einmal wichtiger, die Probleme, die wir jetzt (!) haben, und zwar so massiv wie nie zuvor (!), anzugehen? Eine Glaubensgemeinschaft bildet sich so oder so (neu), wenn es sein muß, wenn es (noch) möglich ist. Wenn das aber gar nicht mehr möglich ist, weil die Obrigkeit ihre Untertanen (99,99% der Menschen) geimpft und „gechippt“, d.h. schlicht und einfach versklavt haben: was nützt wem dann noch eine (neue) Glaubensgemeinschaft – außer eben der Orbigkeit, den Globalisten also?

        Dagegen müssen wir uns erst einmal wehren. Danach können wir weitersehen. Nicht vorher.

    2. N’Abend, Hubi Stendahl.

      Schuld an dem Fehlen des Gemeinsinns in der Politik ist aber nicht nur der Verlust der Religion, wenn die überhaupt wirklich verlorengegangen ist. Und wenn die Japaner wirklich keine Religion haben, was man ja bezweifeln kann (enthält nicht jede Kultur zu einem großen Teil Religion?), dann bezeugen sie doch nur, daß der Grund Fehlen des Gemeinsinns in der Politik tatsächlich nicht nur der Verlust der Religion ist. Es ist hauptsächlich die Korruption bei gleichzeitiger Dekadenz (und in dieser Dekadenz steckt auch der Verlust der ursprünglichen Religion einer Kultur).

      1. Hallo Alf,

        „Und wenn die Japaner wirklich keine Religion haben, was man ja bezweifeln kann (enthält nicht jede Kultur zu einem großen Teil Religion?)“

        Ja, die Abgrenzungen sind ein großes Problem. Was ist Religon, was Philosophie, was natürliche weiße Esoterik usw.

        Im allgemeinen diskutiert man m.E. am besten darüber, wenn man den Begriff Religion mit den drei monotheistischen Glaubensbekenntnissen (ein Gott) und deren Ableger verbindet und den Rest aus der philosophischen oder esoterischen Schublade heraus argumentiert, um sich verständlich zu machen. Jede Argumentation ist natürlich immer auf der Grundlage des Weltbildes des Verfassers entsprechend gefärbt. Ein Atheist dürfte mit seinem völlig gottlosen Weltbild völlig anders argumentieren als ein Katholik, der in aller Regel aus den gelernten Informationen Dritter schöpft und statischer denkt.

        Damit können diejenigen gut leben, die den Dualismus verstanden und gelernt haben, ihn flexibel zu nutzen.

        1. Wenn man die gesamte Religionsgeschichte betrachtet und sie beispielsweise mit den henotheistischen (monotheistischen) Religionen im Sinne von Glaubensgemeinschaften vergleicht, dann fällt auf, daß letztere nicht der Normalfall, sondern ein ziemlich kleiner Ausnahmefall sind. Die meiste Zeit in ihrer Entwicklung sind die Menschen aus den unterschiedlichsten Gebieten Naturreligiöse gewesen, ist ihre Kultur stark von einer Naturreligion geprägt gewesen. Mit der Erfindung der Schrift änderte sich das in bestimmten Gebieten allmählich, obwohl die meisten immer noch den Primitivreligionen (keineswegs abwertend gemeint, sondern eher umgekehrt, weil: „prima“ = „erstklassig“) anhängend geblieben sind. Wenn wir diese Tatsachen berücksichtigen, dann fällt auf, daß auch die Japaner religiös geblieben sind – abgesehen davon, was unsere Moderne, unser Wohlstand bei ihnen angerichtet hat. Wenn sie es heute nicht mehr so sind wie vor ihrer „Verwestlichung“, dann liegt das eben an dieser „Verwestlichung“.

          Peter Sloterdijk hat einmal gesagt, daß „es keine »Religion« und keine »Religionen« gibt, sondern nur mißverstandene spirituelle Übungssysteme“ (Peter Sloterdijk, „Du mußt dein Leben ändern“, 2009, S. 12). Ich ergänze, daß die abendländische Moderne diese spirituellen Übungssysteme verdrängt, indem sie an ihre Stelle zwar auch immer mehr Wohlstand, ansonsten aber immer mehr Unsinn setzt. Verschwinden werden die Religionen aber erst, nachdem der letzte Mensch nach dem Lichtausknipsen vor Schreck verstorben sein wird.

  2. Die Synthese zwischen der fernöstlichen Auffassung und der westlich-christlichen besteht in einem dynamischen Ego, das sich entwickelt. Die fernöstliche Negation des Ich als Illusion ist dabei genauso „partiell“ wie die Behauptung seiner angeblich „ewig unveränderlichen“ Form im Westen. Die Korrelation zwischen innerer und äußerer Entwicklung ist eigentlich ein Gemeinplatz. Die innere Unendlichkeit mit der äußeren zu koppeln, also der Einbruch der Unendlichkeit in die (menschliche) Bewusstwerdung ist von einer Tragweite, die momentan von uns allen kaum zu ermessen ist.

    1. @waltomax

      „…der Einbruch der Unendlichkeit in die (menschliche) Bewusstwerdung ist von einer Tragweite, die momentan von uns allen kaum zu ermessen ist.“

      Im Prinzip ist die Entwicklung der Menschwerdung von Anbeginn eine unendliche Geschichte, bei der wir uns geistig noch in der frühen Steinzeit befinden. Das Einssein, der Ursprung und der ewige Kreislauf aus dem einen geistigen kosmischen Samen, war bisher nur wenigen vergönnt in seiner ganzen Tragweite bewusst zu erfahren. Sie waren die Boten einer Ordnung, die in ferner Zukunft allen Menschen zuteil und das Gegeneinander ablösen wird. Mit scheint, als würden alle Konzepte die wir derzeit sehen, in irgendeiner Form auf dem Weg dorthin dazu beitragen. Auch besonders rückschrittliche Dummheiten wie der Kommunismus, der als Zwischenschritt den Naiven vorbehalten bleibt, um in der Folge zu erkennen, dass diese Form des Divide et impera nur eine Teilung der anderen Art ist. Es ist gerade so, wie es die sichtbare Evolution im Überlebenskampf vormacht. Versuch und Irrtum, bis die Lösung erkennbar wird. Zu Jesus Zeiten nannte man es Erleuchtung.

      Im jetzigen Lebenszyklus werden wir es nicht mehr erleben. Aber was sind ein paar Jahrzehnte auf dem viele Jahrtausende dauernden Weg hin zur Erkenntnis der Einheit? Alle Konzepte haben in diesem Sinne ihre Berechtigung, um auf dem Weg zum kosmischen Bewusstsein EINS ZU WERDEN.

  3. @ hubi stendahl:“das Fundament des Christentums ist verloren gegangen.“

    Wen halten Sie denn für das Fundament des Christentums ? Ist es nicht der Christus ? Er sagt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ Genau da finden Sie das Ichbewusstsein, um das es im Christentum geht.
    Das Ichbewusstsein setzt nicht den Verlust von Gemeinsinn voraus, sondern es gibt dem Gemeinsinn ein Fundament von Menschen, die keine Ich-losen Kinder mehr sein müssen sondern Erwachsene sind. Die FREIHEIT, die der Erwachsene hat, macht ihn fähig, VERANTWORTUNG zu tragen.

    Die Freiheit & Verantwortung ist ein zweischneidiges Schwert.
    Einerseits gibt es hierzulande etwas, das offenbar macht, dass das Christentum verloren ging, sonst würden nicht so viele Erwachsene Leute Merkel wählen, die die Allgemeinheit zugunsten das Individuums Gates zu willenlosen Ich-losen Kindern degradiert. Andererseits – so scheint mir zumindest -ist FEIGHEIT hinter diesem Maskentheater, die
    ANGST vor FREIHEIT, weil erst diese die VERANTWORTUNG ermöglicht. Da tun viele lieber so, als seien sie geistig noch Kinder, die noch nicht frei sind, Ich zu sagen, die unmündig und deswegen für nichts selber verantwortlich sind.

    Und diese Angst vor Eigenverantwortung , die ein Ichbewusstsein voraussetzt, diese Angst vor dem Christentum, die hat Deutschland verführt, einem Kaiser nachzulaufen, der seine Briefe mit „Wir“ unterschrieb, und später ging dasselbe Volk dem A.H. auf den Leim, der wieder das Ichbewusstsein und die erst damit verbundene Freiheit abschaffte, und wenn dieses Volk nicht JETZT begreift, ERWACHSEN zu sein, wird der Christus jedes Individuum nachtodlich zur Verantwortung ziehen und im nächsten Erdenleben wird das seine Wirkung zeigen.

  4. Der Artikel suggeriert, dass das starre ICH einiger Zivilisationen, dem flexiblen und sich an die jeweilige Situation anpassende ICH anderere Zivilisationen, überlegen und entwickelter ist.

    Mir ist nicht ganz klar, wieso dies so sein sollte…. Denn in meiner Wirklichkeit, ist es des öfteren so, dass ich liebend gerne das scharfe und starre ICH durch eine etwas weichere Form ersetzen möchte….. aber nicht kann, weil es eben keine Alternative gibt.

    Eine grosse Auswahl an ICH’s mit einer entsprechenden grossen Interaktion unter den Menschen deutet doch eher auf eine sozial höher entwickelte Zivilisation hin.

    https://www.japandigest.de/alltag/sprache/japanisch/die-vielfalt-des-japanischen-ich/#:~:text=Es%20gibt%20kein%20grundlegendes%20und,Wasser%20in%20einem%20japanischen%20Garten.

    @Stendahl …. Japan 122 Millionen EW, 18.000 Infizierte, Deutschland 83 Millionen EW, 196.000 Infizierte.

    Ja das kommt wohl daher, dass in Japan soziale Distanz und Masken tragen, auch ohne Corona, ganz normal ist und seit Jahrzehnten zum täglichen Alltag gehört….. aus vielen verschieden Gründen

    https://theculturetrip.com/asia/japan/articles/why-do-japanese-people-wear-surgical-masks/

    1. @Dragao
      Punktgenaue Landung! Denn ein starres Ich mit dem Anspruch ewigen Bestehens erzeugt immer einen Todeskult. Ein dynamisches Ich hält demgegenüber eine Wiederauferstehung am jüngsten Tage weder für realistisch noch für erstrebenswert.

    2. @dragao
      „Mir ist nicht ganz klar, wieso dies so sein sollte…. Denn in meiner Wirklichkeit, ist es des öfteren so, dass ich liebend gerne das scharfe und starre ICH durch eine etwas weichere Form ersetzen möchte….. aber nicht kann, weil es eben keine Alternative gibt.“

      Irrtum, es gibt eine Alternative. Starr ist nur unser gewöhnliches, egoistisches niederes Ich, unser Ego. Die Aufgabe besteht darin, und das ist eigentlich nach J. G. Fichte der Sinn der ganzen Kultur, dieses niedere Ich immer mehr mit dem höheren Ich in Übereinstimmung zu bringen und dadurch in Beweglichkeit zu verwandeln.
      Vgl.:
      https://fassadenkratzer.wordpress.com/2017/09/29/die-deutsche-obrigkeitshoerigkeit-und-ihr-ursprung/

      1. @hwludwig ….. Starr ist nur unser gewöhnliches, egoistisches niederes Ich, unser Ego. Die Aufgabe besteht darin, und das ist eigentlich nach J. G. Fichte der Sinn der ganzen Kultur, dieses niedere Ich immer mehr mit dem höheren Ich in Übereinstimmung zu bringen und dadurch in Beweglichkeit zu verwandeln.

        Ok ja …. nur fehlt da irgendwie die sprachliche Übermittlungsfähigkeit…. etwas was man bei positivem Denken in den Zivilisationen des flexiblen ICH’s als integriert annehmen kann. …..

        1. Könnte man vielleicht bei dem flexiblem ,Ich‘ von einem der Schöpfung gegebenem ,Selbst“ und einem für die Umwelt sicht- und erlebbaren ,Ich‘ sprechen?

          Je kongruenter ,Selbst‘ und ,Ich‘ sind, desto authentischer wirkt und ist dieser Mensch.

          Manchmal oder häufiger trifft man auf Menschen mit verkümmertem, beschädigten oder nicht entwickeltem Selbst mit großem ,,Ego“ als Kompensation.

          Oder der zunächst unscheinbare Erimit, Weise oder Gelehrte mit ,,bescheidenem Ich“ und erleuchtetem ,Selbst‘.

        2. „Je kongruenter „Selbst“ und „Ich“ sind, desto authentischer wirkt und ist dieser Mensch.“

          Das Wort „Auto“bedeutet „Selbst“. Bevor es PKWs gab, ritten Menschen auf Eseln, aber sie haben damals gewiss nicht den Esel irgendwo angebunden und gesagt:“Ich stehe dahinten.“

      2. Fichtes Philosophie ist die wissentliche Selbstbeobachtung der schöpferisch-ethischen Aktivität der Persönlichkeit, des Ich. Seine Philosophie heißt darum Wissenschaftslehre (1794). Fichte stellte in diesem Sinne 3 Tathandlungen des Ich fest: 1.) Das Ich setzt sich selbst; 2.) Das Ich setzt sich einem Nicht-Ich entgegen; 3.) Das Ich setzt sich im Ich einem Nicht-Ich entgegen. Das Ich war für Fichte der Inbegriff des gegen die Trägheit ringenden Willens der Menschen. Demnach gäbe es ursprünglich nur eine absolute Tätigkeit: das Ich. So betrachtet stellen wir uns Dinge außer uns dadurch vor, daß das Ich eine Realität in sich aufhebt (außer sich setzt) und diese aufgehobene Realität in ein Nicht-Ich setzt, das ja auch eine Tathandlung des Ich ist.

        Fichte, für die meisten Romantiker der bedeutendste Philosoph, hatte zunächst die französische Revolution gefeiert (später aber nicht mehr!), galt als „Philosoph der Freiheit“, ja er wurde selbst zum „Napoleon der Philosophie“.

        Grundsatz lautet: „Das Ich setzt sich selbst.“ In diesem Grundsatz hängen alle Sätze des Systems zusammen. Sie bilden die systematische Form allen möglichen Wissens. Daher das Wort Wissenschaftslehre für dieses System. Fundament und Prinzip des Wissens ist demnach nicht etwas Vorgefundenes, keine Tatsache, auch nicht das Ich als Tatsache, sondern eine Tathandlung, schöpferische Tätigkeit, nämlich die, in der das Ich zu sich kommt und sich, wie sonst nur Gott, selbst erzeugt. Also gehört dazu, daß sich das Ich unterscheidet, von allem unterscheidet, was es nicht ist. Der zweite Grundsatz der Wissenschaftslehre lautet also: „Das Ich setzt sich einem Nicht-Ich entgegen.“ Da nun die entgegengesetzten Gegenstände im Bewußtsein sind, lautet der dritte Grundsatz, der die beiden anderen verbindet und umfaßt: „Das Ich setzt sich im Ich einem Nicht-Ich entgegen.“ Die drei Grundsätze bilden als These, Antithese und Synthese die Grundfigur der Dialektik. Alles, was im menschlichen Geiste vorkommen kann, muß sich, so Fichtes Forderung, aus den aufgestellten Grundsätzen ableiten lassen.

    3. @dagao

      „Ja das kommt wohl daher, dass in Japan soziale Distanz und Masken tragen, auch ohne Corona, ganz normal ist und seit Jahrzehnten zum täglichen Alltag gehört….“

      Sie wissen sicher selbst, dass dies für den vorliegenden Fall Unsinn ist. In Kaufhäusern in Tokio müsste bei einer Tragequote von 20 – 25 % wie sie dort üblich ist, trotzdem eine Explosion stattgefunden haben.

      Nicht immer reflexartig nach Gegenrede suchen; besser ist es, sich mit Fakten zu beschäftigen.

      https://www.deutschlandfunkkultur.de/schutz-aus-zellstoff-warum-so-viele-japaner-mundschutz.979.de.html?dram:article_id=292628

  5. Bis dahin bemerkt es (das Kind) sich überhaupt nicht als etwas Eigenständiges im Umfeld der Außenwelt

    Hier gehen meine eigenen Erfahrungen mit mir selbst als Kind (habe nahezu Bewußtseinskontinuität und keine Infantile Amnesie, Verstand weg -> Erleben an!) und mit dem, was ich an Kindern beobachte nicht konform:
    auch als Kind im Vorsprachlichen habe ich ein Gefühl von mir selbst. Nur deshalb kann ich als Kind auch Diskrepanzen erleben von mir selbst gegenüber dem Umfeld und diese dann durch Schreien, Weinen usw. ausdrücken.
    Umgekehrt rührt nicht alles „Schreien und Weinen“ von dieser Diskrepanz, sondern oft durch unmittelbar durch den eigenen Organismus herbeigeführtes Unwohlsein (auch durch Organe gespiegelte Bilder, die aufdringlich und heftig wirken und erlöst/aufgelöst werden wollen)

    Hilfteich finde ich hier das Modell von Waltomax, wo die Kreislinie durch die Schnittpunkte einer Tangentenschar jeweils aus dem Unendlichen kommend entsteht und der Rand mit dem jeweiligen Bewußtgegenwartszustand verglichen werden.
    So bilden verschiedene Völker verschiedene Bewußtgegenwartszustände ab bewegen sich aber trotzdem im selben Prozeß (= gleiche Augenhöhe) – der Bewußtwerdung des Makrokosmos im Mikrokosmos so daß mit dieser Bewußtwerdung gleichzeitig organisch fruchtbare Bezüge von Mensch und Gemeinschaft erwachsen.

    Dies ist insbesondere seit dem 19. Jhdt. die Aufgabe im mitteleuropäischen Raum – das von der Individualität als Souverän ergriffene Subsidiaritätsprinzip aus dem schließlich die Volks-Selbst-Organisation durch die Einzelnen in Gemeinschaft entwickelt wird.

    1. „Dies ist insbesondere seit dem 19. Jhdt. die Aufgabe im mitteleuropäischen Raum – das von der Individualität als Souverän ergriffene Subsidiaritätsprinzip aus dem schließlich die Volks-Selbst-Organisation durch die Einzelnen in Gemeinschaft entwickelt wird.“

      Präzise so verhält es sich.

    2. @Jürgen Elsen …. Hier gehen meine eigenen Erfahrungen mit mir selbst als Kind (habe nahezu Bewußtseinskontinuität und keine Infantile Amnesie, Verstand weg -> Erleben an!) und mit dem, was ich an Kindern beobachte nicht konform:

      Ich kann Ihnen da nur zustimmen…. ich nehme Babies und Kleinkinder auch nicht so wahr, wie im Artikel beschrieben. …. Im Gegenteil… denn, schon von Geburt an, wollen diese, Ihren eigenen Standpunkt völlig ungehemt durchziehen. … Erst durch die Sozialisierung ab drittem, vierten Lebensjahr, wird das Ganze Ich bezogene Getue in erträgliche Bahnen geleitet.

      1. Es ist aber schon ein eindeutiger Prozeß zwischen Subjekt (Kind) und Objekt (Umwelt wie z.B. die Familie), vermittelt (mediatisiert [vgl. Medium]) durch Sprache. Kein Lebewesen wächst ohne Umwelteinflüsse auf. Das Verhalten eines jeden Lebewesens ist Sprache, ein Zeichensystem, bestimmt durch die gegenseitigen Einflüsse zwischen Subjekt und Objekt, die jeweils wechseln können. Die Grammatik der Sprache selbst ist ebenso aufgebaut, und zwar nicht aus Zufall.

  6. Die für mich bis jetzt beste Erklärung dafür, das es uns Menschen gibt, habe ich im WingMaker Material des 3. Teiles von Jason Mason´s Buch, „Mein Vater war ein MiB“, gefunden.

    Hier ein kurzer Auszug:
    „Der grundlegende Prozess der Existenz ist es, Lebensformen und Vielfalt zu erweitern, um es dem Ersten Schöpfer zu ermöglichen, den vollsten Ausdruck und die vollste Wahr­nehmung des Lebens zu erlangen. Die menschliche Spezies ist nur eine unter zahllosen, empfindsamen Lebensformen, die zielsicher wächst und sich durch Vielfalt in den Kos­mos ausbreiten wird. Sie ist nur ein Atom im Körper des Kollektiven Gottes. In ihrem Bewusstsein ist die Menschheit auf die Wahrnehmung des Universums der Ganzheit auf ihre fünf Sinne angewiesen. Diese Sinne sind machtvolle Kräfte, die das menschliche In­strument auf eine separate Realität fokussieren, die wie eine Tauchermaske wirkt, mit der
    ein Taucher sich auf die Unterwasserwelt fokussieren kann.“

    Grundsätzlich geht es darum, dass jede einzelne Seele ein Teil der Schöpfung/des Schöpfers ist. Die Rede ist dabei von einem „Souveränen Integral“, was soviel bedeuten soll, dass dieser die Summe der „Erfahrungen“ jeder einzelnen Seele in dieser Welt/der Illusion/des Maya bildet.

    Eine absolut phantastische Vorstellung wenn man bedenkt, dass wir mittlerweile auch von einem Multiversum sprechen, also einer unendlichen Vervielfachung des „Souveränen Integrals“ ausgehen können mit einem unendlich großen Erfahrungsschatz.

    Zum Thema des „Ichs“ will ich nur eines noch anmerken. Nur wer sich selbst bewusst ist, kann sich selbst lieben und damit auch die Fähigkeit erlernen, mit der „Nächstenliebe“ eine nachhaltige Gesellschaft aufzubauen.
    Rudolf Steiner hat damit auch den „Christus Impuls“ definiert.

    Meine Frau ist Professor für Klavier und eine der größten Probleme beim unterrichten ist das fehlende Ich – Bewusstsein der Koreaner, Chinesen und Japaner.
    Den Artikel über die Koreaner hat sie bereits gelesen und ihn voll bestätigt.

    1. Hallo pedrobergerac

      „Meine Frau ist Professor für Klavier und eine der größten Probleme beim unterrichten ist das fehlende Ich – Bewusstsein der Koreaner, Chinesen und Japaner.“

      Wie manifestiert sich im Unterricht denn dieses „Problem“?

      Bleiben wir als Sammelbegriff mal bei Asiaten, obwohl es natürlich feine Unterschiede gibt und beim Begriff Religionen, auch wenn es sich um philosophische Anschauungen handelt.

      In den fernöstlichen Religionen geht es vornehmlich um das „Wissen um Einheit“ und das Zurückstellen des Egos. Der asiatische Mensch empfindet sich nicht als abgetrenntes Teil von einem Ganzen. Hier spielt das Prinzip des Yin-Yang, der wertfreien Polarität die dominierende Rolle. Das Ego ist damit nicht verschwunden oder nie existent gewesen, sondern dient als Aufgabe des Einzelnen dem Ganzen. Asien und der Westen sind an dieser Schnittstelle (etwa 5.Jhd. v.Chr.) m.E. einfach andere Wege gegangen, weshalb ich hier keine qualitative Wertung vornehmen wollte oder gar eine evolutorische Zeitreihe, bei der die Asiaten hinter dem Abendland zurückgeblieben wären oder umgekehrt. Es sind unterschiedliche Lebens-Konzepte, die weit über das Ich-Bewusstsein hinausgehen. Das unterentwickelte Ich-Bewusstsein im Vergleich zum Abendland ist dabei notwendiger Bestandteil.

      Asiaten im allgemeinen verstehen die Zeit z.B. ganz anders als wir im Westen. Das Gestern Heute oder Morgen sehen Asiaten wie ein fließendes Zeitenmeer, was sich auch im Sprachgebrauch ausdrückt. Zu Beginn meiner Kontakte wirkte es verwirrend, auch für meine Gesprächspartner. Während wir dem Einst und Gestern unterschiedliche Bedeutungen zuweisen, hat dies für Asiaten kaum Bedeutung. Das Fundament dieser Entwicklung ist m.E. der Daoismus, dessen Grundlagen sich sowohl im Buddhismus als auch im Shintoismus der Japaner wiederfinden, was in Japan 90 % der Bevölkerung ausmacht. Auch bei uns finden wir im gnostisch-christlichen Gedankengut vieles der daoistischen Idee ihrer dualen Weltsicht wieder, die nicht etwa gegensätzlich sondern ergänzend wirkt. Unter diesem Aspekt lehnte Jesus den Dualismus nicht ab, wie Frau Kässman wohl folgern würde, sondern zeigte auf, dass er nicht als Widerstreit sondern Gemeinsamkeit zu versehen ist. Vorausgesetzt man liest auch die Qumran und Nag Hammadi Schriften, die es nicht in die Bibel schafften. Ja bin ich denn ein Teiler, fragte Jesus einmal seine Jünger. Nein, ein Teiler war er nie, aber er wusste um den dualen Aufbau, denn sonst hätte er das Vorhandensein der Teilung und deren Überwindung nicht immer wieder zum Thema machen müssen.

      Mir ist deshalb nicht klar, warum Ihre Frau „Probleme“ mit asiatischen Schülern beim Klavierunterricht hat. Spricht der weltberühmte Lang Lang nicht für das Gegenteil?

      1. @hubi
        Das Problem des fehlenden „Ichs“der asiatischen Klavierschüler resultiert dann in die Unfähigkeit, sich in die Gefühlswelt der europäischen Komponisten hineinzudenken und damit werden diese letztendlich zu mehr oder weniger seelenlosen Interpreten. Technisch teilweise durchaus perfekt und fulminant, aber ihnen fehlt dann doch das Verständnis für diese Gefühlswelt. Es sei denn es gelingt, ihnen adäquate Gefühlsvorstellungen ihrer eigenen Welt zu vermitteln und sich der der Europäer anzunähern. Und dies gelingt leider nicht immer.
        Fortschritt in der Schulung ist dann nicht möglich. Frust für Lehrer und Schüler ist vorprogrammiert.
        Die Koreaner z.B. können nicht sagen „Ich habe Kopfschmerzen“ sondern sagen dann „der Kopf tut weh“ oder „die Hände wollen das nicht machen“.
        Dieses gilt aber nur für diejenigen Klavierspieler, welche hierher kommen und Europäische Klassik studieren. Das mag vielleicht auch instrumentenspezifisch sein. Violine ist da vielleicht wieder ganz anders.
        Die jungen Frauen können mit einem entsprechenden Studium ihren Wert auf dem Heiratsmarkt erhöhen, viele junge Männer drücken sich mit diesem Studium vor dem Militärdienst.
        Lang Lang selbst hatte viele Förderer aber sicherlich nicht die besten Lehrer. Aber vielleicht hat er ja auch noch die Fähigkeit „zu reifen“.

        Interessant ist vielleicht noch die Tatsache, dass sich sehr viele dieser Klavierschüler „im Schoß der Kirche“ befinden. Vielleicht liegt darin ja die Ursache für ihre „Verwirrung“.

        Ich persönlich finde, dass es sehr viele und sehr gute Komponisten moderner Klassik in Asien gibt. Die meisten davon eben aus Japan.

        1. @pedrobergerac

          „Aber vielleicht hat er ja auch noch die Fähigkeit „zu reifen“.

          Jeder Interpret muss letztlich bis zum letzten Atemzug reifen. Ganz klar.

          Mir geht es darum, dass wir hier auch verallgemeinern, was sinnvoll sein kann, aber nicht immer sinnvoll sein muss. Übrigens denke ich, dass Lang lang zu den derzeit weltbesten Interpreten von mehreren europäischen Komponisten gehört. Ich folge Ihnen jedoch in der Annahme, dass die europäische Musik als Ausdrucksform, nur selten von asiatischen Interpreten auf das notwendige europäische Niveau gehoben werden kann.

  7. Hallo @Hubi
    Manchmal ist es anschaulich und praktisch, sich ein konkretes Modell seines Weltbildes zu machen. In dem Artikel bei GEOLITICO über Kondratieff wurde der Versuch unternommen, mit einem Toroid zu operieren, um die Welt als ein offenes und unendliches System darzustellen. Die meisten sind immer noch von der Welt als einem geschlossenen System überzeugt, das man eines Tages mathematisch in einer so umfassenden wie endgültigen Form wird darstellen können. Gemeint ist die finale Weltformel, die dann im Zentrum der Welt zu verorten wäre. Ein Toroid dagegen hat kein Zentrum und ist auch keine Hierarchie.
    Wenn man mittels eines Toroids die Expansion des Universums mit einer zumehmenen Komplexität im Mikrokosmos korrelieren (und anschaulich darstellen) kann, dann gibt es keine elementaren Teilchen, um die Welt als Legobaukasten zu beschreiben. Denn die Ordnung im Mikrokosmos, wie sie sich in den Beschleunigern darstellt, reflektiert dann nur eine Phase in der Entwicklung der Welt.
    Die Japaner mit ihrer ZEN – Tradition haben viel bessere Voraussetzungen, die innere und die äußere Unendlichkeit zu ertragen. Eben darum weil sie sich in diese Unendlichkeit meditativ fallen lassen in dem Bewusstsein, sie letztlich nicht berechnen zu können.

    1. Hallo waltomax,

      „Manchmal ist es anschaulich und praktisch, sich ein konkretes Modell seines Weltbildes zu machen. In dem Artikel bei GEOLITICO über Kondratieff wurde der Versuch unternommen……“

      Es war m.E. ihr bester Artikel den Sie dort hinterlassen haben. Aber er setzte aufgrund notwendiger Vorkenntnisse der Leserschaft dann doch zwangsläufig zu wenig Akzente. Es wäre m.E. besser gewesen ihn in 2 Teilen zu veröffentlichen, damit mit den notwendigen Grundlagen einem größeren Publikum die Zugänglichkeit erleichtert worden wäre. Viele haben ihn nicht verstanden.

      Erzählen Sie Ihrem Nachbarn mal etwas von einem Netzwerk (Heterarchie), welches aus unendlichen dualen Gegensätzlichkeiten besteht, wie wir es als „Spontanordnung“ aus der Natur kennen, das gegensätzlich nur in der Individualität wirkt, als Netzwerk jedoch durch das Verweben ausgleichend.

      In meinem durchaus nicht ungebildeten Umfeld habe ich noch keinen gefunden der überhaupt verstanden hat, wie ein solches Netzwerk auf gesellschaftlicher Ebene funktionieren könnte.

    2. Dazu passend:

      Gemäß Oswald Spenglers Kulturmorphologie ist das Ursymbol des faustischen Abendländers „der unendliche Raum“. Mit anderen Worten: Abendländer kennen keine Grenze. Ihre Moderne hat zwar eine gute Seite dank der unendlich (!) vielen Entdeckungen und technischen Erfindungen, eben den Wohlstand (den auch alle Nichtabendländer gerne übernehmen), aber auch eine negative Seite, die ihre ganze Tragik am Ende verdeutlicht (vgl. Goethes Faust II, V. Akt).

      Alle Nichtabendländer, also auch Chinesen, Koreaner und Japaner, die hier das Thema sind, wollen zwar die positive Seite des faustischen Westlers ebenfalls genießen, lehnen dessen negative Seite aber rigoros ab. Es ist leicht verständlich, warum sie das tun. Nicht ganz so leicht verständlich ist, daß es für sie auch relativ einfach ist, das zu tun. Die Nichtabendländer haben eben kein faustisches Seelenbild (wie die Abendländer) und sind deshalb auch nicht dem „unendlichen Raum“ als einem kulturellen Ursymbol verhaftet, so daß sie Grenzen akzeptieren können und darum auch politische oder religiöse Macht nicht bis in alle Unendlichkeit verbreiten wollen, sondern statt dessen abwarten und ihren Weg (chinesisch: „Tao“ / „Dao“) unerschütterlich weitergehen können.

      1. Nur eine kleine Ergänzung noch zu dem, was Waltomax über den Umgang der Japaner mit der Unendlichkeit als – wie ich sage – dem abendländischen Ursymbol sagte und an anderer Stelle erwähnte, daß seine Frau ein Professor für Klavier sei und eines der größten Probleme beim Unterrichten damit habe, weil den Koreanern, Chinesen und Japanern das Ich-Bewußtsein fehlt:

        Das von mir angesprochene abendländische Ursymbol – der „unendliche Raum“ – läßt sich in allen Bereichen finden, also auch in der Musik. Wenn Abendländer komponieren, dann geht ihnen genau dieses Ursymbol durch den Kopf, weil sie es fühlen, empfinden und folglich auch denken. Der Kontrapunkt ist so ein Beispiel. Ihn haben andere Kulturen niemals entwickelt und hätten es auch gar nicht können, weil ihnen dieses Ursymbol und das dazu passende Seelenbild – das Faustische – fehlen. Die chinesischen, koreanischen und japanischen Komponisten bringen zwar die Intelligenz für die abendländischen Kompositionen mit, verstehen aber nicht die in ihm angelegte faustische Unendlichkeitssymbolik, weil sie anders fühlen, empfinden und folglich auch denken.

  8. Das Ich-Bewußtsein und das „Ich“-Sagen entwickeln sich zwar ganz klar in einem korrelativen Verhältnis, doch das Ich-Bewußtsein verursacht nicht allein das „Ich“-Sagen und das „Ich“-Sagen nicht allein das Ich-Bewußtsein, sondern beide wirken wechselwirkend aufeinander ein. Wenn man beide unbedingt in ein kausales Verhältnis bringen will, dann wird man bald eher feststellen, daß das „Ich“-Sagen zum Ich-Bewußtsein führt, und zwar dadurch, daß dem Menschenkind von seinen Eltern oder älteren Kindern gesagt bekommt, was „ich“ – als Personalpronomen – bedeutet (später auch das, was das „Ich“ – als Nomen – bedeutet, viel später auch, was Personalpronomen und Nomen bedeuten), wodurch es sein Ich-Bewußtsein erfährt. Das Bewußtsein hätte ja ansonsten auch überhaupt keinen Anhaltspunkt, an dem es festmachen könnte, daß ein „Ich“ vorliegt – das Bewußtsein muß also ein bißchen auf die Sprache warten . Doch fast gleichzeitig dazu beginnt das Ich-Bewußtsein auf das „Ich“-Sagen Einfluß zu nehmen. Zuvor muß aber unbedingt ein Sprechen so vollzogen worden sein, daß dem Kind aus seiner sprachlichen Umwelt heraus bedeutet worden ist, daß es auch „ich“ zu sich sagen kann, weil es identisch mit seinem Namen ist (später mit seinem „Ich“). Wenn dem Kind diese sprachliche Umwelt fehlt, dann lernt es weder das „Ich“-Sagen noch das Ich-Bewußtsein in eben diesem Sinne, dieser Semantik. Und genau das ist z.B. in der japanischen und koreanischen Sprache der Fall (es gibt noch viele andere Sprachen, in denen dies der Fall ist), deren Sprecher das Ich-Bewußtsein entweder gar nicht oder erst sehr spät entwickeln, wenn sie es erstmals über eine der indogermanischen Sprachen (am besten über die deutsche Sprache, weil die die komplexeste von ihnen ist und das grammatische Ich in vielen deklinierten und auch abgeleiteten Formen verwendet) wahrnehmen.

    „Der Deutsche empfindet seinen Körper so sehr als Bestandteil seines Ich, dass er sich sprachlich mit ihm identifiziert.“ (Herbert Ludwig). Dieser Satz ist ein Beispiel dafür, was ich meine, denn man kann die in ihm enthaltene Kausalität auch umdrehen (wobei die Korrelation trotzdem bestehen bleibt): „Der Deutsche identifiziert sich sprachlich mit seinem Ich, weil die deutsche Sprache ihm das so vermittelt hat, und zwar so sehr, daß er seinen gesamten Körper dazurechnet.“ Und warum soll er das auch nicht tun? Es gibt ja mehrere Wege zu einem Ich (ob in der gesprochenen oder gedachten Sprache). Und Herbert Ludwig betont ja auch, wie sehr all dies „von außen, von seiner Umgebung bestimmt“ wird.

    Das Ich ist ein typisches Merkmal auch der gesamten abendländischen Kultur, wenn auch für die Germanen mehr als für die anderen Abendländer, denn die germanischen Sprachen sind ohne das Ich nicht denkbar – das Ich, ob nominal oder pronominal verwendet, kommt hier ständig vor, während es z.B. in den romanischen Sprachen kaum vorkommt (Ausnahme: die französische Sprache).

    Daß der Japaner Masao Naka eine semantische Nähe zwischen dem japanischen Wort „chito“ (ich übersetze: „beim Göttlichen, Geistigen und auch der Sonne bleiben“, „das Paradies“) und dem deutschen Wort „man“ herstellt, ist interessant, zumal Martin Heidegger, der sich intensiv mit dem deutsche Wort „man“ auseinandergesetzt hat, in Japan große Aufmerksamkeit hervorgerufen hat.

    Danke für den interessanten Beitrag.

  9. Wer kein ich hat, kann es bauen;
    einfach auf die Anderen schauen.

    Manches ich, ist aufgeblasen;
    dient als Köder, bei den Hasen . . .

    Andere wieder sind geschlagen;
    können kaum das ich ertragen . . .

    Beim ich, da ist es wie im Leben;
    viele nehmen, manche geben . . .

    Und wenn sie mal gestorben sind;
    kommt ich zurück mit jedem Kind.

    Wenn Du das dann gut behandelst;
    Du den Kosmos bestens wandelst.

    Ich & ich & ich & ich, ich bin so frei;
    ich liebe Dich & Dich & Dich & Dich!

  10. Aus den Sprachen Mentalitätsunterschiede herauszulesen, ist sehr schwierig. Im Japanischen gibt es Personalpronomina, auch der ersten Person, nämlich „watashi“ oder weniger vornehm-zurückhaltende Varianten („boku“, „ore“). Diese werden auch eingesetzt, aber oftmals kommt man gut ohne sie aus, wie übrigens auch im Lateinischen oder sogar noch im Italienischen, wo sie in Endungen impliziert sind. Manchmal bezeichnen sich Japaner auch selber mit ihrem Namen statt mit einem Pronomen, und auch das muss man nicht psychologisch erklären. Sprachökonomie reicht auch. Vollends schwierig wird es, wenn man von den japanisch-koreanischen Sprachgewohnheiten, die eine Art Sprachbund bilden (vgl balkanischer Sprachbund), auf ganz Ostasien schließen will. Chinesen verwenden das Personalpronomen der 1. Person ziemlich ungehemmt und häufig. Man kann es auch, anders als im Japanischen oder Italienischen, selten elidieren (einsparen). Und es ist fast immer das gleiche. Auch hier gab es in der Geschichte Situationen, wo man sich mit diesem Pronomen zierte und je nach sozialem Kontext andere einsetzte. Das taten insbesondere Herrscher oder mit ihnen sprechende Untergebene. Auch im Japanischen ist das so, und wir kennen ähnliches aus Formulierungen wie „meine Wenigkeit“.

    1. Das Japanische ist nicht ganz leicht zuzuordnen, denn in grammatischer Hinsicht ist es am meisten verwandt mit dem Koreanischen, in lautlicher mit der austronesischen (malayisch-polynesischen) Sprachfamilie, doch diese Sprachfamilie gehört zur austrischen Supersprachfamilie, während die altaische Sprachfamilie, der die japanische, die koreanische, die tibetische, die mongolische, die samojedischen Sprache, die Turksprachen u.a. Sprachen angehören, zur nostratischen Supersprachfamilie gehört. Auch die Genetik spricht bei weitem mehr für die Verwandtschaft von Japanern und Koreanern. Sogar mit uns Indogermanen scheinen die Japaner sprachlich und genetisch verwandter zu sein als mit den Völkern der austrischen Supersprachfamilie, jedenfalls der Karte über Sprache und Gene zufolge, auf die ich hier verweisen möchte: http://www.hubert-brune.de/bilder/sprache_und_genetik.jpg .

      Kulturelle Unterschiede bzw. das, was Sie mit dem Wort „Mentalitätsunterschiede“ zu meinen scheinen, sind von Sprachen und Genen noch einmal zu trennen, denn es gab und gibt Kulturangehörige, die sich sowohl sprachlich als auch genetisch untereinander mehr unterschieden bzw. unterscheiden als solche, von denen sie sich sprachlich wie genetisch weniger unterschieden bzw. unterscheiden (z.B. die Perser, Araber, Türken, die dem Islam angehören, sprachlich und genetisch aber relativ stark bis sehr stark voneinander abweichen: Perser sind Indogermanen, Araber Semiten und Türken eines Völker der eben genannten altaischen Sprachfamilie, also viel näher verwandt mit den Japanern und Koreanern als mit Arabern und Persern).

  11. @hwludwig

    Erhellender Artikel, meinen Dank!

    Das höhere Ich tritt laufend in Beziehung zu seinen kreativen Potentialen und sucht diese auszuleben.

    Wer an der Macht ist, versucht diese Potentiale zu kontrollieren, was von der blanken Unterdrückung bis zur „Innovation“ reicht.
    Persönliche Anmerkung: Bei dem Begriff „Innovation“ kommt mir immer die Galle hoch…Denn Innovation bedeutet systemkonforme und damit „domestizierte“ Kreativität.

    Von Anfang an wird dem Menschen bedeutet, auf ihn und seine Fähigkeiten komme es erst einmal gar nicht an, sondern auf Gehorsam.

    „Der Untertan“ ist bereits seinem kreativen Wesen entfremdet und ein Zombie. Schuld ist er daran nicht. Denn das System ist meist nur im destruktiven Sinne kreativ. Und parasitär. Es braucht den Kreativen, erträgt ihn aber nicht.

  12. Herzlichen Dank für den Artikel.

    In diesem Zusammenhang lesenswert:
    Wo steckt unser Ich?: Beiträge einer „sphärischen Anthropologie“
    von
    Andreas Neider (Herausgeber, Mitwirkende),
    Gernot Böhme (Mitwirkende),
    Thomas Fuchs (Mitwirkende),
    Jan Vagedes (Mitwirkende)

  13. Vielen Dank, Herr Ludwig,
    für den (für mich) überaus wertvollen Artikel, der mich meinem Selbstverständnis einen großen Schritt näher gebracht hat.

    »Jede Erscheinung auf Erden ist ein Gleichnis, und jedes Gleichnis ist ein offenes Tor, durch welches die Seele, wenn sie bereit ist, in das Innere der Welt zu gehen vermag, wo du und ich, Tag und Nacht, alle eines sind. Jedem Menschen tritt hier und dort in seinem Leben das geöffnete Tor in den Weg … Wenige freilich gehen durch das Tor und geben den schönen Schein dahin für die geahnte Wirklichkeit des Innern.“
    Hermann Hesse

    Die Frage ist nun: Ist der japanische Gemeinschaftssinn, das japanische Leben im Kollektiv, das japanische »alle eines sind«, wie Hermann Hesse es ausdrückt, ein Zeichen niederer oder höherer seelisch-geistiger Entwicklung? Ein Zeichen kollektiver Unfreiheit oder kollektiver Freiheit?

  14. ICH hätte da mal eine bescheidene Frage:
    Wenn ICH zum Beispiel in einem Nah-Tod-Erlebnis direkt nach (m)einem Verkehrsunfall (m)einen toten Körper unter mir auf der Straße liegen sehe, und den hektisch agierenden Not-Arzt mit dem Defibrillator, seinem high-tech Gerät zum elektrischen Neustart des Herzens durch variable Stromstösse rund um das Herz beobachte, wie er die umstehenden Rettungs-Sanitäter in höchster Eile anbrüllt, damit sie sich entfernen, und SELBST auch seine Worte höre, obwohl ICH mich weit unter mir tot auf der Straße liegen sehe, und dann auch noch meine nur leicht verletzte Frau erkenne, wie sie hysterisch von zwei Polizisten daran gehindert wird, zu mir durchzukommen – WO bitte, ist in diesem Moment mein „ICH“?

    Ist mein ICH dann ein Teil meines toten Körpers in einer Blutlache auf der Straße . . . ?

    Oder ist mein ICH dann dieser offiziell NICHT existierende, außersinnliche Teil von mir – der über der Unfall-Stelle schwebt – und von dort oben die ganze Szene beobachtet & ein Leben lang fasziniert erinnert . . . ?

    Medi-Zyniker schwören, daß die unzähligen Berichte & Dokumente, die sich alle in den entscheidenden Punkten ähneln, auch von Neurologen, Ärzten & anderen Fachleuten aus aller Welt, alles nur Quatsch, Hokus Pokus, Phantasie, Halluzination & Spinnerei seien – die bei jedem SELBST erlebten Nah-Tod-Erlebnis, sich SELBST & die gesamte Szene von außen gesehen, gehört & jede Menge andere Wahrnehmungen aller Art, OHNE ihren toten Körper erlebt, aufgezeichnet & gespeichert haben – BEVOR dann der Defibrillator sie im dritten Versuch, zurück in den eigenen Körper gezwungen hatte . . . ?

    Alte Ur-Scientologen schwören dagegen, daß sie GENAU diese Fähigkeit 24/7 besitzen & trainieren – den eigenen Körper, inklusive dem ICH, auch OHNE spektakulären Nah-Tod verlassen zu können – und daß dieses ein sehr erhabener, geradezu begeisternder Zustand sei, in dem das eigene Wissen & die eigenen Fähigkeiten in’s schier Unendliche wachsen . . . !

    Ist dieses, allen Lügen überlegene „science & logos“ Wissen, vielleicht für die geheime Globalisten-MAFIA & ihre kriminellen & satanischen PLÄNE – zur totalen Unterwerfung & Kontrolle des ICH – zu gefährlich . . . ?

  15. „Der Deutsche empfindet seinen Körper so sehr als Bestandteil seines Ich, dass er sich sprachlich mit ihm identifiziert. Genau genommen müsste er sagen, dass er seinen Leib wäscht, anzieht oder ins Bett legt und nicht
    s – ich, also sein Ich, das immaterieller Natur ist. Grotesk wird es für den Japaner geradezu, wenn jemand, der irgendwo sein Auto geparkt hat, sagt:“Ich stehe dahinten.“, sich also sogar mit dem Auto, das zu ihm gehört, identifiziert.“

    Offenbar sind die Japaner uns Deutschen (allgemein zumindest) haushoch überlegen in der Fähigkeit, zwischen Geist und Körper zu trennen. Trotzdem die Deutschen mehr als zweitausend Jahre Zeit hatten, zwischen immaterieller Natur und materieller Natur zu differenzieren, seit der Christus es vor – praktizierte, sind die Deutschen unfähig, zwischen dem Ich und dem Körper zu unterscheiden und beweisen dadurch, dass sie
    Materialisten sind. Mater bedeutet Mutter. Das kleine Neugeborene hat noch kein Ichbewusstsein und weiss noch nichts vom Vater, dem Geist, dem Ich, das getrennt auch ist von der Materie.

  16. ZITAT @ Herbert Ludwig:
    „Während das europäische Selbstbewusstsein mit dem Wort „Ich“ als Subjekt das Dasein des individuellen Menschen in die absolute Mitte der Welt stellt, das in sich gegründet, unabhängig der Welt um sich herum gegenübersteht, stellt die japanische Sprache das Menschenwesen NOCH (groß = KBM) in Abhängigkeit von der Welt dar.“

    Mich stört hier das Wort „noch“ – dem @ Hubi Stendahl auf der Spur ist – wenn er am 3. Juli 2020 um 11:23 schreibt:
    „In den fernöstlichen Religionen geht es vornehmlich um das „Wissen um Einheit“ und das Zurückstellen des Egos. Der asiatische Mensch empfindet sich nicht als abgetrenntes Teil von einem Ganzen.“

    und weiter @ Hubi Stendahl:
    „Asien und der Westen sind an dieser Schnittstelle (etwa 5.Jhd. v.Chr.) m.E. einfach andere Wege gegangen, weshalb ich hier keine qualitative Wertung vornehmen wollte . . . “

    Und so kommt @ Hubi Stendahl zu seinem Fazit:
    „Das Fundament dieser Entwicklung ist m.E. der Daoismus, dessen Grundlagen sich sowohl im Buddhismus als auch im Shintoismus der Japaner wiederfinden, was in Japan 90 % der Bevölkerung ausmacht.“

    Kommen wir zurück zu dem Wort „NOCH“ von @ Herbert Ludwig – was ja eine knallharte Bewertung IST – und suggeriert, daß wir („europäisches Selbstbewußtsein“) an dieser Stelle bereits „WEITER“ sind – während die japanische Sprache „NOCH“ in der Vergangenheit verhaftet, hier „NOCH“ auf einer bereits „veralteten“ Entwicklungsstufe zurück „hängt“ . . . ?

    Jetzt möchte ich bitte auch mal klar werten:
    Genau HIER liegt der europäische Denkfehler – den @ Hubi Stendahl mit chirurgischer Präzision bereits ZEITLICH sehr präzise lokalisiert hat:
    „Asien und der Westen sind an dieser Schnittstelle (etwa 5.Jhd. v.Chr.) m.E. einfach andere Wege gegangen . . . “

    Und meine Wertung prangert unseren europäischen & fundamentalen VOR-christlichen Denkfehler an – der uns (etwa 5.Jhd. v.Chr.) „passierte“ – was ich der Einfachheit halber, die Entscheidung des Westens für den „SATANISMIS“ nenne, also UNSERE europäische Abkehr vom „Wissen um Einheit“, was @ Hubi Stendahl folgendermaßen auf den Punkt bringt:
    „In den fernöstlichen Religionen geht es vornehmlich um das „Wissen um Einheit“ und das Zurückstellen des Egos. Der asiatische Mensch empfindet sich nicht als abgetrenntes Teil von einem Ganzen.“

    Wie Sie leicht erkennen können – stellt das Wörtchen „NOCH“ in diesem Zusammenhang – die LOGIK dieses Artikels, auf den Kopf.

    Und das Wörtchen „NOCH“ zeigt WARUM & seit WANN das „europäische“ & das DARAUS genährte, amerikanische „Selbstbewußtsein“ in seiner halluzinierenden Übersteigerung eines Barack Obama („we are the exceptional people“) unser „europäisches Selbstbewußtsein“ durch Atom-Bomben, Drohnen-Kriege & zuletzt globalem BIO-TERROR auf dem Fundament dieser VOR-christlichen FAKE-ENTSCHEIDUNG zum SATANISMUS aus der Welt-Gemeinschaft verabschiedet hat . . .

      1. @Möllmann – der gelinkte Artikel ist die „saubere“ Arbeit eines Wissenschaftsjournalisten. Besten Dank für den Hinweis.

        Auf orbisnjus.com können Sie weitere Informationen zu diesem m.E. weit wichtigeren Thema bekommen. Interessant in diesem Zusammenhang auch „Global Vaccination Summit“ vom 12.09.2019 – ten actions towards vaccination for all – ein 10-Punkte-Programm von der Europäische Kommission und der WHO .

    1. @Kalle Möllmann
      Das „noch“ ist keine Bewertung, sondern eine chronologische Feststellung. Das Abendland hat sich aus dem spirituellen Gegründetsein in einer kosmischen Göttlichkeit, die alles durchdringt, dadurch herausentwickelt, dass sich über die Ausbildung des begrifflichen Denkens in Griechenland bis zur geistleeren Naturwissenschaft heute das Bewusstsein immer mehr auf die materielle Außenseite der Welt reduziert hat.

      Ob das zum Guten führt, muss sich erst noch herausstellen. Der Osten hat dieses spirituelle kosmische Bewusstsein über Jahrhunderte weitgehend beibehalten und weiter gepflegt. Warum dieser Unterschied entstanden ist, das ist eine Frage der Evolution der Menschheit.

      Wenn eine göttliche Regie der Menschheitsentwicklung besteht – von der ich sinnvollerweise ausgehe -, könnte man sich vorstellen, dass die Entwicklung der Menschheit nicht in geschlossener Front gleichzeitig vor sich gehen kann, sondern das Ausbilden neuer Fähigkeiten wie das individuelle Ich-Bewusstsein – das wir ja doch mit der damit verbundenen Freiheit als etwas wertvolles empfinden – von einigen dafür veranlagten Völkern geschieht, während andere das bisher gottgeschenkte kosmische Wir-Bewusstsein weiter pflegen, damit es auf Erden erhalten bleibt.

      Denn klar scheint mir, dass von diesem Gesichtspunkt aus das auf die materielle Außenseite reduzierte westliche Bewusstsein eine Sackgasse ist, die – bei allen individuellen Errungenschaften – den Untergang bedeuten müsste, wenn es nicht durch individuelle Anstrengung wieder in das Erringen eines spirituellen kosmischen Bewusstseins und damit in die volle Wirklichkeit der Welt einmündet.

      Dann aber würde es sich mit dem östlichen Bewusstsein, dieses mit dem errungenen individuellen Errungenschaften befruchtend, auf höherer, nämlich selbst errungener Ebene vereinen.
      Also das wäre das durchgehend Entwicklungsprinzip, wie Goethe es als „Polarität und Steigerung“ formuliert hat.

      Es sind also zwei verschieden Wege menschheitlicher Entwicklung, die beide notwendig scheinen. Und jeder einzelne Mensch nimmt in seinen verschiedenen Inkarnationen an beiden Teil.

      1. „Menschheit“ ist ein kulturgeschichtliches Wort. „Die Menschheit“ als „die Menschen“ entwickelte sich biologisch fast einheitlich, ansonsten aber völlig uneinheitlich und regional, gemäß der Landschaften (Umwelt), so daß unterschiedliche menschliche Einzelkulturen entstehen konnten und auch tatsächlich entstanden. Es gibt also eine Evolution der Menschen, aber keine Historie (auf Schrift basierende Geschichte) der Menschen, weil es bis heute keine einheitliche menschliche Kultur gegeben hat. Eine „Menschenkultur“ (größenwahnsinnig auch „Universalkultur“ genannt) scheint sich zwar heute anzubahnen, ob sie Wirklichkeit werden wird, kann niemand beurteilen. Ich glaube eher, daß dieses Wort dazu mißbraucht wird, um die Menschen gemäß dem Muster „panem et circenses“, das dem Muster „divide et impera“ untergeordnet ist, gefügig zu machen. Für die globalistischen Herrscher ist es doch viel einfacher, die Unterschiede bestehen zu lassen, ja sogar noch zu verstärken, ständig aber die niemals zu verwirklichende Gleichheit zu predigen bzw. predigen zu lassen (Massenmedien). „Wer »Menschheit« sagt, will betrügen.“ (Carl Schmitt **). Vielleicht will z.B. einer, der sich „Philanthrop“ nennt, 7 Milliarden Menschen impfen, dadurch die Anzahl dieser Menschen drastisch verringern und die restlichen Menschen versklaven.

        1. „Wer „Menschheit“sagt, will betrügen.“ Carl Schmitt“

          Carl Schmitt ist mir nicht bekannt, deswegen weiss ich nicht, ob er ein Betrüger oder ein Idiot war oder ist.
          Wenn ich von der „Menschheit“spreche oder schreibe, meine ich damit die Ganzheit der Menschen, um diese Ganzheit nicht mit dem Tierreich gleich zu mogeln, wie es z.B .die von der Politik bestellten Lehrer tun, die ja heutzutage schon ihre Schüler zwingen, Masken zu tragen, damit sie als menschliche Individuen nicht mehr erkennbar sind.

          Das Ende aller Glaubenssysteme ist seit ca. zwei Jahrtausenden schon da, und der Schlusspunkt aller Philosophien ist seit der Philosophie der Freiheit auch schon da.
          WOLLEN oder KÖNNEN wir Menschen das nicht verstehen ?

          Das Ende früherer Naturwissenschaft, die glaubte, Mücken entstünden aus dem Schlamm von Gewässern, war eingeläutet, als erkennbar wurde, dass sie durch Ei-Ablage im Schlamm sich vermehren.
          Das Ende der Religionen war gekommen, als Christus die Mysterien verriet.
          Nur können ängstliche Seelen die Erkenntnis der Wahrheit nicht ertragen, weswegen sie die Freiheit scheuen, wie ein Pferd das Huhn scheut, das schnell über den Weg läuft. WER den Carl Schmitt ritt oder WAS den ritt, ist mir unbekannt. Ich muss mich nicht „Betrüger“schimpfen lassen, aber wer mich Idiot nennt, dem verzeihe ich, weil ich schon idiotische Fehler im Leben beging.

      2. ZITAT @ Herbert Ludwig:
        „Das Abendland hat sich aus dem spirituellen Gegründetsein in einer kosmischen Göttlichkeit, die alles durchdringt, dadurch herausentwickelt, dass sich über die Ausbildung des begrifflichen Denkens in Griechenland bis zur geistleeren Naturwissenschaft heute das Bewusstsein immer mehr auf die materielle Außenseite der Welt reduziert hat.“

        OK!

        Ich übersetze das mal auf einfaches Deutsch für so einfache Geister wie mich: Am Anfang der Ur-Germanen, gab es auch bei uns im Abendland ein spirituelles Fundament – inmitten einer kosmischen Göttlichkeit – die ALLES durchdrang!

        Dann kamen die vom VOR-christlichen Satanismus Geleerten, die wir bis heute als die neuen Götzen anbeten & verehren & die als die vom universellen Wissen & der GEISTIGEN Welt getrennten Technokraten, Spezialisten, Experten, Virologen etc. – also denjenigen „kastrierten“, weil auf die rein materialistische Welt fixierten & von allem Göttlichen mit größter Sorgfalt isolierten Schmalspur-Bastlern der Atome – die im globalen Sekten-Wahn der Mammon-MAFIA, systematisch & vorsätzlich „geteilt & beherrscht“ sind, und weil von JEDEM universellen Wissen abgekoppelt, nur noch das inzwischen in immer neue Abstrusitäten entgleitende, weil rein materielle Elend verwalten . . . ?

        Die schon damals nötigen LÜGEN, um diese bereits vor 2.500 Jahren getroffene, FALSCHE Entscheidung unserer damaligen Führer zu rechtfertigen – waren bereits vor 2020 Jahren dem VOLK intuitiv & derart klar ersichtlich – daß das VOLK mit Begeisterung dem geistigen Welten-Lehrer mit dem Namen JESUS von NAZARETH folgte, selbst nachdem die Führer des Abendlandes glaubten, der Begeisterung des VOLKES, durch den M0rd am Christus, einen Riegel vorschieben zu können . . . !

        Dennoch blieb das Abendland bis heute UNBELEHRBAR – in seinem VOR-christlich satanischen Wahn – die Welt allein durch die Materie zu kontrollieren & zu beherrschen! Mag sein, das manche Führer erst durch die Pleite, das Scheitern, den Konkurs, die Kapitulation oder den Untergang lernen – aber derartige Psychopathen sind im besten Falle – SCHLECHTE Führer.

        Und inzwischen haben uns sogar diejenigen, weit klügeren Menschen & VÖLKER – die sich weder dem Satanismus, NOCH der VERLEUGNUNG unserer Göttlichkeit hingegeben haben – auch auf den rein materiellen Gebieten eingeholt und sogar überholt . . . !

        Die Frage bleibt: WANN sind wir „reif“ – unser totales SCHEITERN des reinen Materialismus zu begreifen – und mit JESUS von NAZARETH, Buddha, Rudolf Steiner, Hubbard, Hamer, Tamme Hanken & den Millionen von unerkannt unterdrückten Geistern & spirituellen Menschen & ihren Erfahrungen & ihrem Wissen über mentale Ursachen von Krankheiten & Millionen von anderen spirituellen Zusammenhängen, endlich, nach 2.500 Jahren psychopathisch kriminellem Satans-Kult, auch im weit abgehängten Abendland, WIEDER eine Stimme zu geben . . . ?

    2. „Die Abhängigkeit des japanischen Selbsterlebens von der Welt“

      Herzlichen Dank an Kalle Möllmann für den Mut und die Unabhängigkeit, die seine Kommentare beweisen, denn er
      erwähnt einen „Satanismus“, den manche Leute für Nonsens halten, die zuerst das Göttliche für Nonsens denken, aus dem das Materielle entstanden ist.
      Die Abhängigkeit des japanischen Selbsterlebens von der Welt beruht vielleicht auf deren Auffassung von Zeit.
      Zeit wird dargestellt wie ein Kreis. In diesem Kreis gibt es allerdings weder Götter, Engel noch Satan, und so gesehen auch keinen „Satanismus“.
      Wenn wir beobachten, wie unsere Kinder im Kindergarten im Kreis tanzen, wobei sich alle an der Hand nehmen,
      entspricht auch dieser Kreis einem Selbsterleben, bei dem zwar die Welt rund ist, aber manches Wissen, das den Erwachsenen vorbehalten sein muss, wird den Kindern noch erst vorenthalten, bis sie reif sind.

      Und es gab zur Zeit, wo Jesus Christus auf der Erde lebte, den Zeitpunkt, wo die gesamte Menschheit reif geworden war, bisher geheim gehaltenes Wissen zu empfangen, das damals in den Mysterien vor dem Volk geheim gehalten wurde, und wir erkennen (!) erst dann, was Christentum ist, wenn wir hinterfragen, WARUM Jesus gekreuzigt wurde.
      Er wurde gekreuzigt, weil er dieses Wissen nicht geheim hielt sondern es auch dem Volk( !) bei der Erweckung des Lazarus preisgab. Das war sein „Verbrechen“.

      Wenn wir Zeit nicht mehr als Kreis denken, wie Kinder im Kreis tanzen, sondern Zeit als eine Gerade denken,
      hat das mit dem nachtodlichen Erleben zu schaffen, wie der Christus uns vor-praktiziert hat, denn in dem nachtodlichen Erleben, wie die Erweckung des Lazarus beschreibt, läuft die Zeit rückwärts und wir werden geistig
      JÜNGER. Doch solches Erleben wollen IMMER NOCH gewisse Geheimgesellschaften vor dem Volk ( !) geheim halten,
      und in deren Dienst steht der Satan, dem heute die Menschen „verdanken“, einen Maulkorb zu tragen.
      Erst wenn die ganze Menschheit ein UNABHÄNGIGES Selbsterleben von dieser materiellen Welt entwickelt hat,
      wird eine Freiheit da sein, die wir der Erkenntnis der Wahrheit verdanken.
      Wenn wir nicht selber uns um Bildung kümmern, wird diese Politik es tun, doch ebenso gut könnte es eine Kindergärtnerin tun, die die Kindlein – unabhängig vom Alter – lehrt, im Kreis zu tanzen, mit Maulkorb und vielleicht demnächst noch mit Augenbinde ???

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