Ilja und der Fremde

Die tiefe Verbindung zum auferstandenen Christus, die im vorigen Artikel 1 als eine besondere Veranlagung des russischen Volkes geschildert wird, kommt auch in seinen Sagen und Legenden zum Ausdruck. Eine davon ist eine alte russische Sage von „Ilja“. Als Krüppel geboren, fast gelähmt und dazu noch blind – doch sind wir das im Grunde nicht alle? – wird er von einem Fremden um Wärme, Brot und Wasser gebeten. Indem sich Ilja selbstlos zu bisher undenkbaren Anstrengungen überwindet, strömen ihm gewaltige gesundende Kräfte zu. War der Fremde derjenige, der verheißen hat: „Was ihr dem geringsten meiner Brüder tut, das habt ihr mir getan“? (hl)

ILJA

nacherzählt
von
Herbert Hahn2

In einer Bauernfamilie, in der sonst lauter starke und gesunde Kinder waren, wurde ein schwächlicher und gebrechlicher Knabe geboren. Es erwies sich bald, dass er seine Glieder kaum regen konnte und dazu auch blind war. In der Taufe erhielt er den Namen Ilja.

Ilja wuchs zum Jüngling heran, doch er blieb immer an das Bett gefesselt und konnte von den Spielen der Jugend kein einziges mitmachen. Aber er war guten Gemütes und lächelte, wenn er hörte, wie die anderen sich freuten. Eltern und Geschwister waren lieb zu ihm, doch oft, wenn die Arbeit drängte, mussten sie ihn ganz allein lassen. Dann sann er am liebsten über die schönen Heldengeschichten nach, die der Vater ihm an langen Winterabenden zu erzählen pflegte. „Ach ja“, seufzte er wohl ab und zu, „so reiten zu dürfen, die herrliche Welt zu sehen, Ungeheuer zu besiegen, Räuber zu strafen, was für eine Lust muss das wohl sein! Mir bleibt sie ein Leben lang versagt.“

Aber so ist Gottes Wille: den einen schafft er zum Helden, den andern lässt er zum Krüppel werden. Alles muss man hinnehmen aus seiner Hand und kann ihm nur danken dafür.

Eines Tages, als wieder die Erntezeit gekommen war, ging alles aufs Feld hinaus. Wie immer versorgte die Mutter den leidenden Sohn gut, gab ihm zu essen und zu trinken; dann eilte auch sie zur Arbeit.

Ilja lag ganz friedlich da. Nach einiger Zeit schien es ihm, als ob er vom Hof her Schritte hörte. Und wirklich kam es näher, schleppend und schwer, wie wohl jemand geht, der alt und müde ist. Die Tür wurde aufgemacht, und jemand trat ein, mühsam nach Atem ringend, und blieb einen Augenblick stehen. Dann schleppten sich die Schritte an Iljas Bett heran.

Ilja erschrak keinen Augenblick, sondern fragte nur: „Gott zum Gruß, wer bist du?“
„Gottes Dank“, erwiderte eine tiefe aber leise Stimme, „ich bin ein müder Wanderer.“
„Sei willkommen, Wanderer“ -, sagte Ilja, wie er oft von den Eltern gehört hatte. „Es ist mir leid, dass ich nichts für dich tun kann; aber ich kann ja nicht aufstehen. Raste immerhin ein wenig!“

Der Fremde schwieg eine Weile. Dann sprach er, und seine Stimme zitterte: „Ich kann jetzt nicht rasten. Der Morgen ist kühl, und ich bin schlecht bekleidet. Mich fröstelt. Wärme mich, Ilja!“
„Du kennst meinen Namen?“ rief Ilja erstaunt. „Bist du vom Dorf?“
„Ich bin nicht vom Dorf, ich komme weit her. Doch Gottes Engel haben die lieb, die reinen Herzens sind, und kennen alle ihre Namen. – So wärme mich doch, Ilja!“

Der Jüngling fühlte Erbarmen. „Nimm die Decke von meinem Bett“, sagte er freundlich, „und hülle dich ein!“
„Ich darf sie nicht nehmen, Ilja, du musst sie mir geben.“
„Aber ich kann ja die Arme kaum heben!“ sagte Ilja.
„Wenn du mir die Decke gibst, wirst du sie heben können. Tu´s nur immer!“

In dieser Stimme, so sanft sie klang, war etwas, das keinen Widerstand litt. Ungläubig zwar und wie um seinen guten Willen zu zeigen, machte Ilja eine schwache Bewegung. Doch siehe, er spürte ein wenig Kraft in Armen und Händen. Er konnte die Decke heraufziehen und dem Fremden zureichen, der nach ihr griff. Dann schienen die Arme Iljas ganz erschöpft zu sein und sanken herab.
„Gottes Dank!“ sagte der Fremde. Er schien sich einzuhüllen, und es entstand ein längeres Schweigen.

Da ertönte wieder die Stimme: „Ich bin hungrig, Ilja. Willst du mir nicht etwas zu essen geben?“
„Ich kann ja nicht aus dem Bett heraus, guter Fremder. Aber in der Ecke steht ein Schrank, dort hat die Mutter immer etwas Brot bereit. Geh nur und nimm dir davon!“
„Ich darf mir nicht selber Brot nehmen, du musst es mir reichen, Ilja!“
„Ach, ich habe mein Bett doch noch niemals verlassen“, seufzte der Jüngling.
„Verlass es nur jetzt“, sagte der Fremde: „Deine Beine werden dich tragen, wenn du mir Brot holst.“

Wieder gehorchte Ilja, und unter unsäglicher Mühe tastete er sich zum Bett heraus und kroch zum Schrank, den er lange nicht öffnen konnte. Aber es wurde ihm doch so viel Kraft gegeben, dass er das Brot langen und es dem Fremden reichen konnte. Dann schienen ihm fast die Sinne zu schwinden, und er sank auf sein Bett zurück.
„Gottes Dank“, sagte der Fremde wieder. Er aß bedächtig, und abermals wurde es still.

Doch ein drittes Mal wandte sich der Unbekannte an den Jüngling. „Ich habe Durst, Ilja. Willst du mir nicht zu trinken geben?“
„Frisches Wasser ist nur draußen im Brunnen auf dem Hof, dort wohin ich niemals gelangen kann. Sei doch so gut, lieber Gast, geh selbst hin und schöpf` dir welches!“
„Ich darf mir nicht selber Wasser schöpfen, du musst es mir bringen, Ilja!“
Jetzt wurde der Jüngling ganz traurig. „O, ich kann ja nicht einmal sehen, wo der Brunnen ist!“ rief er traurig. „Meine Augen sind blind.“
„Gott wird dich leiten, wenn du das Wasser suchst. Du wirst es finden.“

Noch einmal verließ Ilja sein Bett. Fast schien es ihm noch mühsamer als zuvor. Mit zitternden Händen ertastete er sich ein Gefäß, machte mit aller Anstrengung die Tür auf – und stieß erst gegen etwas ganz Großes und Hartes. Das Gefäß drohte ihm aus der Hand zu fallen.
„Geh nur unbeirrt weiter!“, rief von drinnen die Stimme des Fremden.
Ilja atmete tief. Er war wie betäubt von der frischen Luft, und doch schien es ihm selig, sie zu atmen. Und wirklich, es gelang ihm den Brunnen zu finden und das Wasser zu schöpfen.

Als er in völliger Unbeholfenheit am Brunnen hantierte, machte er so viel Geräusch, dass ein alter abgetakelter Gaul seinen Kopf zur Stallluke herausstreckte. Das Pferd war zu nichts mehr nütze und sollte nächstens an einen Schinder verkauft werden. Gleich Ilja war es zu Hause gelassen worden. Der Gaul hatte diesen ärmsten Sohn des Bauern noch nie zu Gesicht bekommen. Und, wer weiß, wie es zuging, er wieherte plötzlich.

Ilja hatte Freude daran, tappte sich zu dem Gaul heran, fuhr ihm mit seiner nassen Hand über das Maul und sagte: „Ja, ja, mein gutes Pferd, wir verstehen uns schon.“ Dann schleppte er sich wieder langsam zu seinem Gast zurück. Seine Hand konnte das schwere Gefäß schier nicht mehr halten, und sein Hemd war feucht vor lauter Anstrengung.

„Gottes Dank!“ sagte der Gast, nahm das Gefäß entgegen und trank. Er hatte den Jüngling an der Hand gefasst. „Nun trink auch, Ilja“, sprach er, und seine Stimme klang plötzlich hell wie Erz.
Ilja trank. – Und siehe, da knackte und krachte es in allen seinen Gliedern, sie reckten und streckten sich, und eine gewaltige Kraft fuhr in sie hinein. Er hatte aber gar nicht Zeit, darüber nachzudenken, denn der Fremde spritzte ihm jetzt von dem Wasser über beide Augen. – Es war zugleich wie ein Blitz und wie ein Sonnenaufgang. Als aber Ilja seine sehend gewordenen Augen auftat, war der Fremde verschwunden.

Behend sprang Ilja zur Tür hinaus, ob er ihn wohl noch erreichen könne. Da stieß er wieder an den Stein. Jetzt sah er, dass es ein riesiger Felsbrocken war, mannshoch und wohl drei Klafter breit.
„Ach, du warst es, der mich vorhin nicht vorbeigehen ließ“, sagte er lächelnd und warf ihn beiseite, als ob es ein Kieselstein wäre.

Der Fremde war nirgends zu erblicken, aber auf dem Hof stampfte ein feuriges Streitross, das wieherte, sobald es Ilja sah, und kam auf ihn zu, als wollte es ihn heißen aufzusitzen. Ilja wollte seinen Augen nicht trauen, schüttelte den Kopf und ging erst in den Stall, um nach dem Gaul zu gucken. Aber der war nirgends zu sehen. Und abermals wieherte das schmucke Ross, als er wieder herauskam. Da erkannte Ilja die Stimme, und er musste schließlich glauben, dass es das Pferd war, das er vorhin mit seiner nassen Hand gestreichelt hatte.

Vom Brunnen her glänzte ihm etwas entgegen. Er sah, dass da eine golden schimmernde Rüstung mit Schild und Schwert hingelegt war; auch neue Kleider lagen daneben. Ohne Zögern tat Ilja alles an, und siehe da, es saß wie angegossen.
Trotz der schweren Rüstung schwang er sich mit einem federnden Schwung aufs Pferd, und dieses trabte gleich los, als wisse es die Richtung schon von selber. Es trug seinen Reiter zu dem großen Weizenfeld, wo Iljas Eltern und Geschwister daran waren, die reife Frucht zu schneiden. Ein Viertel war geschnitten, und eben verschnauften sie sich ein wenig. Da sahen sie aus der Ferne den leuchtenden Ritter auf dem herrlichen Ross daherkommen. Der Glanz blendete ihnen schier die Augen.

„Gütiger Himmel!“, rief die Bäuerin, „das ist ja der Heilige Georg!“ Sie schickten sich schon an niederzuknien, das schrie plötzlich die jüngste Schwester in lautem Jubel auf. „Vater! Mutter! Das ist nicht der Heilige Georg, dort kommt ja unser Ilja!“
„Schwätz keinen Unsinn“, fuhr die Mutter sie an, „wie kann denn Ilja hierher kommen!“
Aber schon hielt der Reiter sein Ross an und sprang ab. „Vater, Mutter, ihr Lieben alle, erkennt mich doch, ich bin es ja, bin euer Ilja!“ – und er tat Helm und Rüstung ab, um sie nach Herzenslust zu umarmen. Sie aber waren vor Staunen noch immer wie erstarrt, ihren armen blinden Bettlägerigen so heil, so gesund, so herrlich angetan zu sehen.

Mit den Augen erblickten sie Ilja, aber in ihren Herzen dachten sie, es müsse doch wohl ein Engel sein. Da erzählte er ihnen rasch, wie der Fremde zu ihm gekommen und was geschehen sei.
Nun mussten sie es wohl glauben, und die Mutter schlug ein Kreuz und sagte: „Der Engel des Herrn hat dich selber aufgesucht, mein Sohn.“

Ilja aber klatschte freudig in die Hände und rief: „Ei, gibt es denn hier nichts zu tun? Meine Arme jucken mich, zeigt mir doch einmal, wie man auf dem Felde schafft!“
Sie mussten ihm alle recht geben; die Sonne stand schon ziemlich hoch am Himmel. Rüstig gingen sie wieder ans Mähen. Nur eine kurze Weile schaute Ilja zu. Dann rief er: „Gebt mir doch auch einmal solch ein Ding in die Hand.“ Und er nahm eine Sense und begann auszuholen, wie sie noch nie einen hatten mähen sehen. Das ging wie der Blitz und so, dass niemand ihm folgen konnte. Nur von Zeit zu Zeit rief er: „Macht sie mir wieder scharf und gebt mir eine andere!“ Und im Nu hatte er den ganzen Weizen gemäht.

Immer wollte der Vater „Halt“ rufen, und als er endlich rief, war die Arbeit auch richtig zu Ende. „Halt“, sagte der Vater aber doch einmal. „So wird das nicht weitergehen. Ich sehe, dass du Zwölfmännerstärke hast, mein Sohn, und das ist für einen Landmann zuviel. Da wird nichts übrig bleiben, du musst ein Held werden!“
„Vater, darf ich das wirklich?“ rief Ilja jubelnd. Und er musste sich in acht nehmen, dass er den Vater nicht erdrückte, als er ihn in seine Arme schloss.

Sie begaben sich alle miteinander nach Hause. Ein kleines Fest wurde gefeiert, und auch die Nachbarn kamen, staunten und freuten sich mit. Nur die Mutter war traurig, denn sie ahnte wohl, dass sie Ilja werde hergeben müssen. Doch im Herzen dachte sie: „So ist es, so ist Gottes Wille – als Krüppel lässt er einen geboren werden und schafft ihn, wenn es sein soll, zum Helden. Einen Helden aber kannst du nicht halten, der muss hinaus in die Welt.“ Und damit tröstete sie sich auch wieder.

In dieser Nacht schliefen beide, Ilja und sein Streitross, zum letztenmal an der alten Stätte. Der eine in seinem vertrauten Bett, das ihm nur ein wenig zu kurz war. Das andere im gewohnten Stall, in dem es aber den Boden gewaltig zerstampfte.

Als alles still war, setzte sich der Vater noch ein wenig zu seinem Sohn. „Hast du dir auch schon überlegt, wenn du morgen ausreitest, Ilja, was für einen Spruch du dir auf deinen Schild schreiben willst?“
„Nein, Vater, in aller Eile habe ich noch gar nicht daran gedacht. Meinst du so etwas wie: ´Alle Falschen sollen zittern!` oder ´Mein Blut für Gott`?“
„Ja, du weißt es doch noch? Eine richtige Losung.“

Ilja schwieg eine Weile und überlegte. Noch einmal dachte er an das, was ihm heute Morgen begegnet war. Da wusste er seine Losung. Er blickte zum Vater auf und sagte: „Mein Spruch soll sein: Ich helfe den Schwachen.“

——————————-

Artikel auch zum Hören –
Sprecher: Nikolas Gerdell:


——————————-

Anmerkungen:
Die tiefere Kultur Russlands – Eine Besinnung in Zeiten des Hasses
2  in Herbert Hahn: Das goldene Kästchen, 2. Aufl. Stuttgart 1975

19 Kommentare zu „Ilja und der Fremde“

  1. ZITAT @ Gottes Engel:
    „Ich darf sie nicht nehmen, Ilja, du musst sie mir geben.“

    DAS ist der Kern eines der wesentlichen Gesetze des GEISTIGEN Universums – der gute deutsche VOLKS-Mund sagt dazu – man kann niemanden zu seinem Glück zwingen!
    HIER liegt auch das zentrale Versagen der derzeitigen US-UN-Kultur – die wie ebenso fast alle imperialen Kräfte & Kulturen vor Ihr – die Menschen mit materieller GEWALT, also mit Lügen, mit Korruption, mit Erpressung & mit Waffen auf ihre erfolgreiche Linie zwingen will!
    HIER liegt die MENTALE Ursache für das Versagen der Erziehung durch „strenge“ Eltern.
    HIER liegt der Grund warum knallharte US-Gefängnisse nur immer irrere Kriminalität produzieren.
    HIER liegt der Grund für das Scheitern aller autoritären Konzepte in der Psychiatrie.
    HIER scheitern alle völlig UN-heiligen politischen Sankt-ionen.

    DENN DER MENSCH IST IM GRUNDE GUT!
    Wenn er sich dennoch auf Abwegen befindet – dann findet er die Ursache immer in seinem eigenen Verstand, und kann sie auflösen – um wieder seine ursprüngliche Güte & Freiheit zurück zu erlangen.
    Dabei kann ein echter Profi hilfreich sein.
    DAS funktioniert prächtig – wenn wir die Gesetze des GEISTIGEN Universums kennen & anwenden – wie sie uns in „ILIA“ aus russischer Sicht & wunderbar nachvollziehbar erzählt werden.

  2. „Eine davon ist eine alte russische Sage von „Ilja“. Als Krüppel geboren, fast gelähmt und dazu noch blind – doch sind wir das im Grunde nicht alle? “
    Ja, so ist es und ist die eigene Schuld, „Die Liebe zur Macht“ welche uns unsere Ohnmacht offenbart. In dieser Erfahrung wird die Demut geboren und erfolgt die Umkehr und Hinwendung zur „Macht der Liebe“.

    „Was ihr dem Geringsten meiner Brüder tut, das habt ihr mir getan.“
    Ja, aber zuerst in uns selber und dann im Weinberg des Herrn.

  3. „Als Krüppel geboren, fast gelähmt und dazu noch blind – doch sind wir das im Grunde nicht alle? “

    So tragisch diese Frage ist, entreißt sie mir doch ein lautes Lachen. Tragischer als ein Russe/die Russen – kann man das Leben wohl kaum betrachten. Es gibt in unserer Familie eine genetische Verbindung zum russischen Volk und ich spreche aus Erfahrung, wenn ich sage: Für Russen ist es ein selbstverständlicher Sport, das Leben noch düsterer zu sehen, als jede andere Nation. Sie haben sogar das Talent, eine völlig harmlose Situation zu einem Drama zu stilisieren!!!

    Noch einmal: Sie haben ein ausgesprochenes Talent, eine völlig harmlose Situation zu einem Drama zu stilisieren. Sie graben sich förmlich in das einzige Detail einer Gesamtsituation, das Einzige, welches das Potential hat, doch noch ein Drama zu fabrizieren. Einmal erlebte ich es, dass ein Mann darüber so verwirrt war, dass er nur noch dastand und den Kopf schüttelte.
    Pauschale Urteile gehören dazu. Völlige Aburteilungen ganzer Landstriche und Menschengruppen. Jede Relativierung oder gefühlvolle Versuche zum Einlenken: Sinnlos! – Fatalismus im wahrsten Sinne des Wortes. Das Recht, das Leben so negativ sehen zu MÜSSEN!!! Ständige Beschwerden über die Vergangenheit, Wiederkäuen von negativen Erlebnissen. Es kann sich kein Mensch vorstellen, der keine Russen kennt, wie das gemeint sein könnte. Mir wird schon übel, wenn Treffen bevorstehen. Ich ersinne Tricks, wie ich diesen stundenlangen, negativen Redeschwällen entgehen kann. Alles ausprobiert, verschiebt diese unvermeidbaren Sequenzen nur nach hinten und das Drama wird noch schauerlicher!!!

    Die „Kunst“, sich selbst als weitestgehendes Opfer von Unglück und Leid zu sehen, beherrscht der genetische Ostmensch perfekt!!! Womöglich erklärt sich daraus dieser Drang zur vorauseilenden „Verteidigung“ in physischer und psychischer Manier.

    1. @ Ela
      Ihre Erfahrungen schließen die in „Ilja“ geschilderte Veranlagung nicht aus, worauf aber Ihr Kommentar nicht eingeht.

    2. Werter Ela
      Sie beschreiben die anerzogene oder vielleicht genetische Veranlagung der Menschen. Sie zweifeln, weil man dem Gegenüber nicht vertrauen kann! Die Umsetzung der Agenda zum Sozialkreditsystem zeigt es doch weltweit deutlich, dass es eben sinnvoll ist zu zweifeln, zu hinterfragen.
      Die Virusexistenz kann nicht nachgewiesen werden, dann widerspricht man korrekt diese Behauptung, man leugnet nicht!
      Aber vielleicht können Sie es besser erklären, warum die Russen zweifeln, der Rest der Welt nicht?

      1. „Aber vielleicht können Sie es besser erklären, warum die Russen zweifeln, der Rest der Welt nicht?“

        Das ist eine Pauschalisierung. Die Russen zweifeln, der Rest der Welt nicht? Wie meinen sie das? Lassen sich die Russen nicht impfen? Sollte es genau so sein, dann denke ich, dass es so ist, weil die russische Regierung beschlossen hat, dass sie und ihr Volk nicht mitmachen? Gratulation, falls es so ist. Mein Kommentar war nicht allumfassend und nicht auf die C-Situation bezogen. Ein kleiner Blick durch ein Astloch auf spezielle Erkenntnisse.

    3. Das habe ich nach der Wende allerdings auch bei sehr vielen ins Wessiland gewechselten Ossis erlebt – nicht bei allen, aber bei den meisten. Jammern, jammern, jammern – bis zum Abwinken.

  4. Es ist ein Geheimnis, was die Russen so anziehend macht. Sie lieben zutiefst, hassen zutiefst. Sind elementar verbunden mit der Geistheilung, dem Okkulten und Phantastischen.

  5. „War der Fremde derjenige, der verheißen hat: „Was ihr dem geringsten meiner Brüder tut, das habt ihr mir getan“?

    Er ist der Christus. Er bringt uns geradewegs dasjenige auch ins Bewußtsein, was mit dem vorgeburtlichen und vor der Zeugung liegenden Bewußtsein zu schaffen hat. Manche Kirchen reden zwar vom nachtodlichen Dasein der Seele, doch das vorgeburtliche und vor der Zeugung bestehenden Ichbewußtsein blenden die aus. Wem dient das? Den Stellvertretern??
    Übrig bleiben nur die von Müttern geborenen Kinder, die zuerst nur im Bett liegen können. Aufstehen können sie noch nicht, nur kriechen.

    Der Riß zwischen zwei Weltanschauungen:
    1.) Geisteswissenschaft Steiners und
    2.) einer um diesen Geist durch manche Kirchen betrogenen Naturwissenschaft ist wie der Riß im Felsengrab, der durch Erdbeben entstand.
    Eine Mutter, die ihren erwachsenen Sohn sieht, der zuvor das Bett noch nicht verlassen konnte, mag an St. Georg denken. Solche Mutter, welche Sprache sie auch spricht, behält evtl. die winzigkleinen ersten Schuhe des Kindes auf. Nur nicht die zerrissenen alten Socken.
    Den Schwachen helfen zu können, setzt Rüstzeug voraus.

  6. Sehr geehrter Herr Ludwig,
    herzlichen Dank für diesen Beitrag und für Ihre vorhergehende Veröffentlichung, „Die tiefere Kultur Russlands – Eine Besinnung in Zeiten des Hasses“!
    Für mein Verständnis ist es angesichts der gegewärtigen Lage ein heilsames Unterfangen, auf die tiefe Herzens-Verbundenheit mit Christus hinzuweisen, die im russischen Volke lebt.
    Wer sich um einen tieferen Einblick in diese für die menschheitliche Zukunft wichtige und höchst wertvolle und kostbare Tatsache bemühen will, dem kann ich wärmstens ein kleines Buch des tief christlichen russischen Denkers Iwan Iljin empfehlen, des „Lieblingphilosophen Wladimir Putins“:
    „Wesen und Eigenart der russischen Kultur – drei Betrachtungen“.
    Darin werden in wunderbarer Schlichtheit und Herzensgebildetheit drei Bereiche dargestellt:
    Die Seele, der Glaube und der geschichtliche Werdegang des russischen Volkes.
    Das Buch kann helfen, das gegenwärtige Geschehen um die Ukraine, die Bedrohung Rußlands durch den Mammon-Geist und die russische Antwort darauf zu begreifen.

    1. Direkt zum aktuellen Zeitgeschehen passt auch das zweite Buch von Iwan Alexandrowitsch Iljin:
      „Über den gewaltsamen Widerstand gegen das Böse“

      Der russische Philosoph Iwan Iljin (1883-1954) ist im Westen immer noch wenig bekannt, obwohl er im Russland Wladimir Putins eine Renaissance der Rezeption erfahren hat. Er war ein unabhängiger Geist, wurde sechsmal von den Bolschewisten verhaftet, bevor er ausgewiesen wurde, nur um im Berliner Exil in Konflikt mit den Nationalsozialisten zu geraten, vor denen er in die Schweiz fliehen konnte. Er war ein christlicher Denker, der von der Interpretation Hegels ausgehend besonders zur Rechtsphilosophie und politischen Ethik veröffentlichte. Dazu gehört auch seine berühmte Studie Über den gewaltsamen Widerstand gegen das Böse (1925), mit der er den Kampf gegen die für die „Tragödie eines Volkes“ (Orlando Figes) verantwortliche kommunistische Ideologie unterstützen wollte und die nun endlich erstmals auf Deutsch erscheint.

      Iljin argumentiert gegen die westliche Lehre vom gerechten Krieg, dass Gewaltanwendung manchmal „notwendig“, aber nie „gerecht“ ist. Dennoch kann es gelegentlich sein, dass zu kämpfen der einzige Weg ist, mit dem der Mensch seine Pflicht, dem Bösen zu widerstehen, erfüllen kann. In solchen Fällen muss er es tun. Weil man aber immer wenigstens teilweise verantwortlich ist für die Situation, die Gewalt notwendig machte, muss man verstehen, dass das Handeln zwar notwendig, aber ungerecht ist. Ohne sich vor seiner Verantwortung zu drücken, muss der Kämpfer seiner Schuld ins Auge sehen, weil nur das verhindert, dass der Krieg sein seelisches Gleichgewicht unterminiert. Iljin liefert mit seiner anspruchsvollen Gewaltethik vor allem Christen, die zu unverantwortlicher Selbstaufgabe neigen und einem sentimentalen Pazifismus frönen, der aber nur Verrat an den Schwachen und Teilnahme am Bösen ist, eine über die bloße Selbstverteidigung hinausgehende Begründung für den gewaltsamen Widerstand gegen das Böse. Iljin hilft durch die Exaktheit seiner Untersuchung, auch heute unter den neuen Bedrohungen das Böse zu erkennen, gegen das tatkräftig aufgetreten werden muss.

  7. ZITAT @ Ilja:
    „Mein Spruch soll sein: Ich helfe den Schwachen.“

    In Ilja’s Ablehnung des Vorschlages seines Vaters: „´Alle Falschen sollen zittern!` oder ´Mein Blut für Gott`?“ steckt auch der Schlüssel zum Verständnis dieser sagenhaften Legende: Vater hatte – wie das seit ewigen Zeiten von vielen Vätern ganz ähnlich in der ganzen Welt erwartet wird – seinem Sohn schon sehr früh den vermeintlichen „Sinn“ des Lebens erklärt, nämlich ein blutiger Krieger „FÜR Gott & GEGEN das Unrecht“ zu werden!
    DAS ist das „Auge um Auge-Prinzip“ aus dem ALTEN Testament – mit dem ewigen Teufelskreis von Krieg & Unterwerfung – dem auch Klaus Schwab, Joe Biden & Ursula von der Lügen verfallen sind!
    DAS war aber NICHT der Sinn des Lebens für Ilja, sodaß diese FALSCHE Lebensaufgabe aus der Erwartung des Vaters, Ilja eben NICHT groß & stark werden ließ, sondern – ganz im Gegenteil – in eine tiefe Depression abgleiten ließ, die immer größere Kreise zog, je älter er wurde, weil er sich weigerte „groß & stark“ zu werden im kriegerischen Sinne seines nichts ahnenden Vaters.

    Erst der Besuch von „Gottes Engel“ aus dem NEUEN Testament, mit dem „Passepartout“ der Vergebung, öffnete für Ilja die Tür zu seinem eigenen SELBST – weil er nun endlich erkennen konnte, daß nicht Krieg & Blut, sondern „Hilfe für die Schwachen“ – SEINE UREIGENE SELBST-BESTIMMUNG FÜR SEIN EIGENES LEBEN WAR.
    Wir können außerdem von Ilja auch noch lernen, wie echter WIDERSTAND gegen den gerade im Westen verbreiteten, ALT-testamentarischen WAHN-Sinn geht – einfach NICHT mitmachen – bis der, die, oder das RICHTIGE kommt!

    1. Ich verstehe Ilja nur allzu gut, denn ich habe etwas Ähnliches SELBST erlebt – als ich kurz nach dem Freitod meines eigenen Vaters, unter dem Druck meiner eigenen Mutter – bei der deutschen Bundeswehr als Soldat für zwei Jahre angeheuert hatte.
      Das Soldatenleben ging mir dermaßen „gegen den Strich“, daß ich vor allem Morgens kaum noch aus dem Bett kam – und der Kompaniechef in Lüneburg sogar mit Gefängnis drohte – falls der Kompaniearzt mir keinen Attest für meine exotische „Schlafkrankheit“ ausstellen würde.
      Gott sei Dank hatte der Arzt ein Einsehen – und formulierte extra für mich auf Latein eine neuartige Krankheit – die es erforderte, mich des Morgens mindestens zweimal zu wecken, was bei der Bundeswehr natürlich nicht möglich war. Ich durfte fortan also nach Belieben aufstehen oder ausschlafen!

      Besonders die langen Märsche – auch in der Nacht, mit Gepäck & in unpassenden Stiefeln – waren der nackte Horror, bis eines Tages der hagere Gefreite Döring, vor meinen eigenen Augen, durch einen Schwächeanfall ausfiel & kollabierte. Ohne auch nur eine Sekunde nachzudenken – schnappte ich mir sein Marschgepäck – beruhigte den Kappo, klopfte dem Schwächelnden ermunternd auf die Schulter und marschierte, nun mit doppeltem Gepäck, aber nun federleicht & schlagartig hellwach & gut gelaunt weiter.
      Das war der einzige Marsch meines Lebens, der völlig schmerzfrei, völlig OHNE Zweifel & wie im heiteren Fluge vorbei rauschte, und war mir die Bestätigung dafür, daß ich nicht durch Zufall in eine gute alte deutsche Arztfamilie hinein geboren wurde.

  8. „Ich darf mir nicht selber Wasser schöpfen, du musst es mir bringen, Ilja.“

    Das ist erneut ein Hinweis darauf, daß der Fremde der Christus ist. Der spricht ja laut NT von sich als dem Weinstock: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.
    Habe Wein im Garten, und wenn wir den zurückschneiden, damit er mehr Trauben trägt, fließt Wasser aus den Schnittstellen. Dieses Wasser fließt dann tagelang, und manche Leute verkaufen es als Medizin.
    Also der Weinstock – der Christus – gibt auch Wasser, aber schöpfen müssen wir schon selber.

  9. Liebe Fassadenkratzer!

    Ich möchte mich heute ganz besonders für diese wunderbare Geschichte von Ilja bedanken, sie berührt meine Liebe zur russischen Seele und beinhaltet zugleich eine Verheißung für ein neues Christentum, auf das wir hinstreben, für welches der Keim tief in uns schon angelegt ist…

    Auch ihre anderen Beiträge sind hervorragend. Ich freue mich immer auch über die audio Version, da ich seit Jahren blind bin und die Artikel zwar mit dem Computer lesen kann, aber halt nur von einer Computerstimme vorgelesen.

    Herzlichen Dank für ihren Einsatz und ihren Mut zur Wahrheit!

    Claudia Grabenweger

    Tirol – Österreich

    1. Vielen Dank, Frau Grabenweger,
      wir freuen uns sehr über Ihre sehr freundlichen, anerkennenden Worte. Besonders Herr Gerdell, der Sprecher der Podcasts, freut sich, dass er Ihnen mit seiner Stimme die Computerstimme ersetzen kann.
      Mit allen guten Wünschen für Sie

      Herbert Ludwig

Kommentare sind geschlossen.

%d Bloggern gefällt das: