Wie Kirchen und Politik durch systematische Unwahrheiten das Bewusstsein kollektiv herabdämpfen

Die katholische und evangelische Kirche sind in religiösen Fragen noch immer eine große Macht und geben den Menschen vor, was christliche Wahrheiten seien und worin der rechte Glaube bestehe. Und die große Masse der Menschen folgt noch immer in mittelalterlicher religiöser Unmündigkeit überwiegend passiv den Autoritäten der Pfarrer, Bischöfe und Päpste, anstatt sich um eigene Erkenntnis- und Glaubenssicherheit zu bemühen. Dies führt dazu, dass die Kirchen irrtümlich oder bewusst Unwahrheiten lehren, wesentliche Wahrheiten verbergen und die Menschen in einem herabgedämpften kollektiven Bewusstsein halten können, das ihnen die Herrschaft über die Seelen weiterhin möglich macht.

                 Urbi e Orbi (Segen der Stadt und dem Erdkreis)

Geburt und Taufe Jesu

So wird, um eine zentrale Angelegenheit des Christentum ins Auge zu fassen, gewöhnlich die Geburt des Jesus-Knaben in einem Stall in Betlehem beschrieben, zu dem zuerst die Hirten, dann die Heiligen Drei Könige kommen, um es als das Christkind anzubeten, das als der Jesus Christus, der Sohn Gottes, heranwachse. Christus sei also bereits als Kind geboren worden. Die zwei Evangelisten, Lukas und Matthäus, welche die Geburt des Jesus-Knaben verschieden schilderten, beleuchteten verschiedene Seiten des Geburtsgeschehens, die zusammen ein Ganzes ergeben würden.

Doch die beiden Erzählungen von Lukas und Matthäus sind so unterschiedlich und einander so stark widersprechend, dass sich beide unmöglich auf ein und denselben Knaben beziehen können, sondern zwei verschiedene Jesus-Knaben betreffen müssen. So führen Lukas und Matthäus schon völlig verschiedene Stammbäume der Vorfahren Josephs an. Bei Lukas stammt Joseph in direkter Linie von dem Priester Nathan, einem der Söhne König Davids ab, bei Matthäus dagegen von König Salomo, einem anderen Sohn König Davids. Nimmt man die Evangelien ernst, kann es sich nicht um dieselbe Familie, sondern es muss sich um zwei verschiedene Familien handeln. Und diese Unterschiede setzen sich fort.
Jeder kann das durch einen genauen Vergleich der beiden Evangelien feststellen. Das wirft natürlich große Rätselfragen auf und eröffnet Perspektiven tiefer Entwicklungsgeheimnisse der Menschheit.

Auch ergibt sich aus allen Evangelien, dass das göttliche Christuswesen erst mit der Taufe des 30-jährigen Jesus im Jordan durch Johannes den Täufer in dessen Seele und Leib eingezogen ist, was der Mär vom schlichten Mann aus Nazareth den Boden entzieht.

Der Autor ist beiden Sachverhalten in zwei vorangegangenen Artikeln erneut gründlich nachgegangen, auf die verwiesen sei.1

Das Wissen der Kirchen

Hält man sich vor Augen, dass sich dies alles allein aus dem Wortlaut der Evangelien ergibt, unterstützt von kunstgeschichtlichen Zeugnissen, ist es völlig ausgeschlossen anzunehmen, die Kirchen wüssten diese Wahrheiten nicht. Doch warum verbergen sie sie und lehren den Menschen seit Jahrhunderten eine Version der Weihnachtsgeschichte, in der zurechtgebogene Teilwahrheiten als das Ganze ausgegeben werden und so eine Unwahrheit darstellen? Sie lassen ja noch nicht einmal eine solche Interpretationsmöglichkeit und Diskussionen darüber zu, sondern bekämpfen sie mit allen Mitteln.

Sicher halten viele Pfarrer, die eine indoktrinierende Ausbildung durchlaufen haben, die Lehre ihrer Kirche für wahr. Und im herrschenden Intellektualismus und Materialismus der Evangelischen Kirche läuft das Wasser eher bergauf, als dass sich ein normaler Pfarrer die spirituelle Situation zweier Jesusknaben vorstellen könnte, bei denen das Ich des einen in die Seele des anderen hinüberwechselt und später dem göttlichen Geist des Christus Platz macht. Aber in der Spitze der Hierarchie muss die Wahrheit bekannt sein, ganz sicher in der noch spirituelleren Katholischen Kirche, deren Dogmen schon immer weniger der Wahrheit, als dem Herrschaftsanspruch über die Seelen verpflichtet sind.

Die Wirkung auf die Menschen

Welche Wirkung geht von dem Jahrhunderte-langen Verbreiten der Unwahrheit durch die Autorität der Kirchen auf die Menschen aus?

Durch die Überbetonung des Jesus, schon mit dem Verlegen des Weihnachtsfestes auf den Geburtstag des von Lukas geschilderten Knaben, ging der Zusammenhang mit dem kosmischen Christus, dem Welten-Logos, der in dem Leibe des Jesus lebte und von dem im Prolog des Johannes-Evangeliums noch die Rede ist, immer mehr verloren. Der menschliche Jesus blieb zurück. Christus auf der einen Seite und Jesus auf der anderen wurden gleichsam Synonyme, die ein und dasselbe bezeichneten. Und in der protestantischen Evangelien-Kritik, die den historischen Nachweis des Jesus überhaupt bestritt, verlor man zuletzt auch noch den Zusammenhang mit dem Jesus selbst. Die Entwicklung der abendländischen Konfessionen hat im Grunde einen immer dichteren Schleier über die eigentlichen Geheimnisse des Jesus-Christus gezogen.

Doch neben dem Inhalt ist nicht weniger wichtig die Wirkung, die dadurch auf die Bewusstseins-Verfassung der Menschen ausgeübt wird. Die Katholische Kirche insbesondere hatte schon immer das Bestreben, den Glauben ihrer Gläubigen ganz von ihren Vorgaben und Dogmen abhängig zu machen. Geglaubt durfte und darf nur werden, was die Kirche als rechtmäßigen Glaubensinhalt bezeichnet. Das ist umso leichter möglich, als die Gemeinden in einem kindlichen Bewusstsein von dem Jesus-Christus gehalten werden, aus dem heraus sie sich nicht anzustrengen brauchen, ein eigenes Erkenntnis-Verhältnis zu Christus zu entwickeln – was als persönlicher Hochmut auch verpönt ist -, sondern alles, was sie zu ihrem Seelenheil brauchen, von der Mutter Kirche vertrauensvoll und dankbar entgegen zu nehmen haben. So leben die Menschen nicht in einem individuellen, selbst aktiv erworbenen Bewusstsein, sondern werden in einem passiven kollektiven Gemeinschafts-Bewusstsein gehalten und von außen geführt.

Dabei ist gerade das Individual-Bewusstsein, in dem der einzelne Mensch generell immer mehr und mehr zu einem eigenen Erkenntnis-Urteil kommen will, seit dem 15. Jahrhundert, dem Beginn der Neuzeit, Kern und treibende Kraft alles dessen, was sich als Entdeckungs- und Freiheitsbewegungen bis heute entwickelt hat – und eigentlich noch weitgehend in seinen Anfängen steckt. Es sind gerade die großen Kirchen, welche die Menschen im mittelalterlichen Kollektiv-Bewusstsein festhalten, das seiner Natur nach gegenüber dem Individual-Bewusstsein eine passive, eher träumerische Bewusstseins-Verfassung bedeutet.

Auch unser individuelles Wachbewusstsein ist dem Traumbewusstsein, das wir in unseren Schlaf eingestreut erleben, noch näher, als man meint, kann jedenfalls auch am Tage leicht in träumerische Phasen zurücksinken. Rudolf Steiner schildert das in einem Vortrag sehr anschaulich:

Wenn Sie die Bilderwelt eines gewöhnlichen Traumes gewahr werden, so ist sie eigentlich ihrem Inhalte nach essentiell dasselbe wie das, was im Denken auch vorliegt, nur dass im Denken der Mensch durch seine Sinne in die Außenwelt tritt und daher dasjenige, was im Traum sich nach bloßen Analogien, nach sehr äußerlichen Zusammenhängen ordnet, sich ordnet beim Anschauen der äußeren Sinneswelt nach dem, was diese Sinneswelt uns sagt.
Sie können gewissermaßen einen Beweis für das eben Angeführte darinnen sehen, daß Sie, wenn Sie sich hinsetzen und einmal die Augen schließen, oder überhaupt faul sind, die Gedanken schweifen lassen und dann sich besinnen, wie diese Gedanken da geschweift sind, dass Sie diese Gedanken, die Sie hinterher sich vor die Seele rufen, kaum viel anderen Zusammenhang finden als denjenigen, der auch im Traume stattfindet. Das gewöhnliche, sich selbst überlassene Vorstellen der Menschen ist in gewissem Sinne seiner inneren Gesetzmäßigkeit nach doch eine Art von Traum. Wir werden nur herausgerissen aus den Träumen durch unsere Sinne. Und sobald wir die Sinne zum Schweigen bringen, träumen wir eigentlich.“ 2

Um nicht immer wieder ins Träumen zurückzusinken, ist es also notwendig, das Vorstellen sich nicht selbst zu überlassen, sondern aktiv zu ergreifen und selbst zu führen.

Künstlich herbeigeführte partielle Traumzustände

Zur Charakteristik des Traumes gehört es, dass wir auf die flutenden Bilder selber keinen Einfluss ausüben können und dass sie in vieler Beziehung unwahr sind, wir sie aber im Traumzustand für wahr halten, also nicht zwischen Wahrheit und Unwahrheit unterscheiden können.

Wenn nun den Menschen von anerkannten kirchlichen Autoritäten immer wieder dieselben unwahren Vorstellungen erzählt werden, die zu beeinflussen sie nicht imstande sind, und bei denen sie nicht zwischen Wahrheit und Unwahrheit unterscheiden können, wird ihr Bewusstsein in Bezug darauf zu einem kollektiven Traumbewusstsein herabgedämpft. Unter Autorität die Unwahrheit zu erzählen, ist also ein Mittel, die Menschen in besonderer Weise in eine passive, traumartige Bewusstseinsverfassung zu versetzen, in der der Mensch auch gar nicht die Kraft hat, die Unwahrheit zu durchschauen, zumal ihn die erzeugte Angst vor ewiger Verdammnis zusätzlich davor zurückhält.

Rudolf Steiner wirft den Kirchen, insbesondere der Katholischen Kirche vor, dies seit Jahrhunderten systematisch zu betreiben:
„Die katholische Kirche weiß sehr gut, daß dasjenige, was ich jetzt sage, das Prinzip der neueren Entwicklung ist: das Indivudalbewußtsein der Menschen heraufzuziehen. Aber sie will es nicht heraufkommen lassen. Sie will das dumpfe Gemeinschaftsbewusstsein erhalten, aus dem nur herausragen diejenigen, die eine scholastische Bildung errungen haben. (…) Wenn man bewandert ist in einer solchen Sache, dann erzählt man den Leuten unter Autorität Dinge, die unwahr sind. Man macht das systematisch. Dadurch dämpft man ihr Bewusstsein bis zu der Dumpfheit des Traumbewusstseins herunter. Dadurch erreicht man, dass man untergräbt dasjenige, was als Individualbewusstsein seit der Mitte des 15. Jahrhunderts in den Menschenseelen herauf will. Und es ist eine grenzenlos grandiose Unternehmung …, denn dadurch erreicht man es, die Menschen nicht kommen zu lassen zu dem, wozu sie sich entwickeln sollen seit der Mitte des 15. Jahrhunderts.

Wenn man glauben wollte, dass dasjenige, was in einer solchen Richtung geschieht, wenn es auch der einzelne nicht weiß, aber es ist ja die ganze Hierarchie da, welche die Sache sehr wohl organisiert hat, wenn man glauben wollte, dass die Dinge aus bloßer Einfalt oder aus einer bloßen gewöhnlichen Ranküne entstehen, da würde man sich beträchtlich irren. Man muss selbstverständlich mit allen Mitteln, die einem zur Verfügung stehen, die Lüge und die Unwahrheit bekämpfen. Aber man soll nicht glauben, dass sie aus der Einfalt hervorgehe, oder etwa gar aus dem Glauben hervorgehe, dass dasjenige wahr sei, was man sagt. Wenn man die Wahrheit sagen wollte, würde man ja das nicht erreichen, was man erreichen will. Man will das Bewusstsein herabdämpfen, indem man den Menschen die Lüge beibringt. Es ist ein grandioses diabolisches Unternehmen. Es muss auch das unverhohlen ausgesprochen werden: Nur auf der anderen Seite ist die Einfalt. Die Einfalt ist heute nicht auf Seiten der katholischen Kirche, die Einfalt ist auf Seiten ihrer Gegner.“ 3

Ein Individualbewusstsein entsteht erst, wenn der Einzelne sich der autoritativen Seelenherrschaft entzieht und sich selbst auf die Socken macht, auch im religiösen Leben aktiv nach eigener, individuell errungener Erkenntnis- und Urteilsbildung zu streben. Nur so kann diesem „grandiosen diabolischen Unternehmen“ das Wasser abgegraben werden.

Zusammenarbeit von Thron und Altar

Die Jahrhunderte-alte Zusammenarbeit von Thron und Altar, Staat und Kirche, die bis heute andauert, führt dazu, dass die kirchlichen Methoden der Bewusstseinsbeeinflussung und Massenlenkung als Vorbilder für Macht- und Herrschaftsimpulse der den Staat beherrschenden politischen Lenker dienen.

In Zusammenarbeit mit den Medien, den mächtigsten Bewusstseinsbildnern der Gegenwart, leiten die herrschenden Politiker das Individual-Bewusstsein in das politische Gemeinschafts-Bewusstsein der „Öffentlichen Meinung“ – die aber nur die veröffentlichte Meinung weniger ist -, in der die Allermeisten ohne eigene Erkenntnis passiv mitschwimmen.
Auf die Bilder und Denkvorgaben der gewaltigen Öffentlichen Meinungs-Macht kann der Einzelne wie im Traumbewusstsein keinen Einfluss ausüben, er ist ihnen ausgesetzt, und sie nehmen ihn gefangen. Und auch zwischen Wahrheit und Unwahrheit zu unterscheiden, ist ihm in diesem herabgedämpften Bewusstsein, das beim Fernsehen noch durch die rein technisch erzeugte Bewusstseinstrübung der elektronischen Bilder verstärkt wird, kaum möglich.

So können Unwahrheit und Lüge, autoritativ von einer staatlichen Hierarchie medial vermittelt, vollends in den Menschen die Dumpfheit eines kollektiven Traumbewusstseins erzeugen und Meinen und Handeln der Massen, durch Angst vor Sanktionen verstärkt, nach Belieben lenken.4

Dem kann nur durch dadurch begegnet werden, dass der Einzelne selbst ein individuelles Bewusstsein erzeugt, indem er sich zu eigenen, individuelle Erkenntnisanstrengungen um die Wahrheit aufrafft, die allein die innere Unabhängigkeit, Selbstbestimmung und Freiheit des Menschen ermöglichen.

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Überarbeitete und ergänzte Fassung des Artikels vom 30.12.2020:  
Wie zentrale Weihnachts-Wahrheiten autoritativ verborgen gehalten werden

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Anmerkungen:
1   Das offenbare Geheimnis von zwei Jesus-Knaben
     Das eigentliche Epiphanias-Fest – die Erscheinung des Christus in Jesus
2   R. Steiner am 6.6.2020 in GA Band 198, S. 117
3   a.a.O. S. 125 f.
4   Siehe näher: Die Kirchen – Feldprediger im Corona-Krieg des Staates

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