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„Arbeitslosigkeit“ – Manipulation der Gesellschaft mit einem verengten Begriff

25. Oktober 2013

Manipulative Begriffsverwendung*

In der öffentlichen Diskussion fällt auf, dass die Menschen häufig mit bestimmten Begriffen konfrontiert werden, die sich einbürgern, selbstverständlich werden und das Bewusstsein in eine bestimmte Richtung lenken. Dazu gehören die Begriffe Arbeitslosigkeit und Arbeitsplatz.

Begriffe sind immer der Abschluss eines Erkenntnisprozesses innerhalb eines bestimmten Lebenszusammenhanges, der in den Begriff geronnen ist. Indem nur der Begriff genannt wird, bleibt sein Entstehungszusammenhang im Hintergrund verborgen mit der Folge, dass der Begriff selbst gar nicht begriffen werden kann. Es verbinden sich nur oberflächliche, selbstverständlich erscheinende Vorstellungen mit ihm.

Daher wird vielfach nicht bemerkt, dass der Begriff oft nur einen Teilaspekt eines Problems berührt, sich aber als das Ganze ausgibt. Da Teilprobleme nur im Zusammenhang des Ganzen sinnvoll gelöst werden können, zielt der Begriff daher unbemerkt auf ein Scheinproblem, das so im Grunde unlösbar ist, dessen Lösung aber unentwegt angestrebt wird. In diesem ständigen vergeblichen Zirkel wird das Bewusstsein der Menschen gebunden und von der Erkenntnis und Lösung des eigentlichen Problems abgelenkt. Die Menschen werden an einen unbegriffenen Schein gefesselt und wie am Nasenring im Kreis herumgeführt, ohne zum eigentlichen Problem durchzustoßen.

So verhält es sich auch mit dem von der veröffentlichten Meinung ständig gebrauchten Begriff „Arbeitslosigkeit“. Der Zusammenhang, von dem er ausgeht, ist nicht der allgemeine Begriff der Arbeit als eines zielgerichteten Prozesses menschlicher Tätigkeit, sondern er bezieht sich auf einen Teilbereich: dem einer bestimmten organisierten Arbeit, mit der ein Einkommen verbunden ist. Diese Verbindung von Arbeit und Einkommen in diesem Bereich wird als so selbstverständlich, gleichsam naturgegeben vorausgesetzt, dass nur eine solche Arbeit als Arbeit, bzw. ihr Verlust als „Arbeitslosigkeit“ bezeichnet wird.

Da der Mensch ohne Einkommen den staatlichen Sozialkassen zur Last fällt, kann der Staat nichts anderes im Sinn haben, als nach „Arbeitsplätzen“ zu rufen, also nach Orten, wo organisierte Arbeit mit Einkommen verbunden ist, ohne Rücksicht darauf, von welcher Qualität, welcher Art die Arbeit ist, die dort geleistet wird, Hauptsache, der „Arbeitslose“ erhält durch eine Arbeit wieder Einkommen und belastet nicht mehr den Staat. „Arbeitsplatz“ ist daher – wie hier „Arbeitslosigkeit“ – ein rein quantitativer Begriff. Den Staat interessiert vordergründig nicht die Qualität der Arbeit, sondern nur die Zahl der Erwerbslosen, die ihm drückend auf der Tasche liegen. Eine qualitative und damit grundsätzliche Lösung des Arbeitsproblems ist von ihm nicht zu erwarten. Als Hüter des Rechtslebens, in dem notwendig die Gleichheit dominiert, kann er nur für alle gleich, das heißt hier quantitativ gestalten. Dadurch wird ausgeblendet, dass es für das Wohl einer Gesellschaft darauf ankommt, Arbeit ausschließlich dafür einzusetzen, wertvolle Güter für die Menschen zu schaffen. Alles andere ist schädlich und im höchsten Grade unsozial.

Da der Staat selbst keine „Arbeitsplätze“ schaffen kann, appelliert er verzweifelt an die Unternehmen und übt auf die von ihm abhängigen Erwerbslosen zunehmend Druck und Zwang aus, jeden angebotenen „Arbeitsplatz“, der eigentlich „Einkommensplatz“ heißen müsste, anzunehmen, unabhängig davon, welche Qualifikation und individuelle Intention sie haben. Sein Ziel ist zunehmend primär nicht, die Arbeitslosen in eine sinnvolle Arbeit, sondern die Einkommenslosen in Einkommen zu bringen, um sie selber loszuwerden, gleichgültig, wie qualitativ sinnvoll oder sinnlos die Arbeit selber ist. Es ist der gesellschaftliche Siegeszug der totalen Quantifizierung, die Qualitäten und Individualitäten nivelliert und zerstört.

Das Problem, angeblich neue „Arbeitsplätze“ im alten Sinne schaffen zu müssen, ist ein Scheinproblem, das wegen der fortschreitenden technischen Revolution grundsätzlich so gar nicht lösbar ist. Die fortgesetzten vergeblichen Lösungsanstrengungen besetzen das Bewusstsein der Menschen und halten das eigentliche Problem nur verdeckt. Die Politiker gehen jedoch (vielfach wider besseres Wissen) von der Fiktion aus, dass im bestehenden Wirtschaftssystem, in dem nur bestimmte Arbeiten mit Einkommen verbunden sind, Vollbeschäftigung, sprich Einkommen für alle wieder erreichbar sei. Dabei kann jedem klar sein, dass jede reproduzierbare Arbeit prinzipiell von den Maschinen, die unaufhaltsam weiterentwickelt werden, besser und schneller erledigt werden kann und wird. Es werden also  langfristig immer mehr Menschen aus diesen Arbeitsprozessen herausfallen. Auch durch Innovationen zunächst neu geschaffene Arbeitsplätze ereilt, soweit es sich um reproduzierbare Abläufe handelt, über kurz oder lang das gleiche Schicksal. Trotzdem wird das öffentliche Bewusstsein permanent und mit allen Mitteln auf das prinzipiell unerreichbare Ziel gerichtet, die systemimmanente „Arbeitslosigkeit“ durch Vollbeschäftigung zu beseitigen. **

Das Problem muss also umfassender betrachtet werden.

Wesen der Arbeit

Arbeit kann man als eine zielgerichtete körperliche oder seelisch-geistige Tätigkeit bezeichnen, die der Befriedigung menschlicher Bedürfnisse dient. Der Begriff der Arbeit bezieht sich in dieser Allgemeinheit also nicht nur auf die Befriedigung materieller, sondern auch seelischer und geistiger Bedürfnisse. Es gibt unzählige soziale und kulturelle Arbeiten, die heute ohne Einkommen geleistet werden, oder eben deswegen unterbleiben.

Arbeit bedarf immer bestimmter Fähigkeiten, die je nach Art der Arbeit besonders geschult und entwickelt sein müssen. Sie bewegt sich also stets zwischen Fähigkeiten und Bedürfnissen. Fähigkeiten gehen aus Anlagen und Begabungen hervor, die der Mensch mitbringt und die er strebend weiter entwickelt. Sie sind Bestandteil und Ausdruck seiner Persönlichkeit, seines Wesens, das sich in ihnen manifestiert und in der Gesellschaft entfalten will. Bedürfnisse sind elementare Lebensäußerungen des Menschen, die aus Mangelerlebnissen innerhalb seiner irdischen Natur entstehen und nach Befriedigung verlangen.

Der Mensch steht daher bei der Wahl seiner Arbeit in der Gesellschaft ständig zwischen dem individuellen Pol der eigenen Fähigkeitsintention, die seine Selbstverwirklichung ausmacht, und dem gesellschaftlichen Pol der Bedürfnisse anderer, deren Befriedigung das Gesamtwohl bedeutet. In einer menschlichen Gemeinschaft sind also Bedürfnisse und Fähigkeiten aufeinander bezogen. Und man kann davon ausgehen, dass für jedes menschliche Bedürfnis auch irgendwo eine tatsächliche oder latente menschliche Fähigkeit vorhanden ist, es zu befriedigen, und dass umgekehrt jeder Fähigkeit ein konkretes Bedürfnis gegenübersteht. Danach dürfte es prinzipiell keine Arbeitslosigkeit geben. Tritt sie auf, bedeutet das, dass einerseits Arbeit irgendwo fehlen muss, Bedürfnisse nicht befriedigt werden und andererseits Fähigkeiten da sind, die sich nicht entfalten können.

Auf diesen Zusammenhang hat bereits Rudolf Steiner 1920 in einem Aufsatz hingewiesen. (Der Goetheanumgedanke inmitten der Kulturkrise der Gegenwart, Dornach 1961, S. 30)

Können Menschen ihre Fähigkeiten nicht in einer Arbeit einsetzen, sind sie also arbeitslos, so deshalb, weil ihre Arbeit nicht zu den entsprechenden Bedürfnissen geleitet wird, sei es, weil diese aus individuellen Gründen nicht wahrgenommen werden, oder ihre Wahrnehmung durch gesellschaftliche Strukturen verhindert wird, z. B. dadurch, dass nur diejenigen ein Einkommen erhalten, die für bestimmte Bedürfnisse arbeiten.

Wenn Menschen arbeitslos werden, dann kann es sein, dass ihre bisherige Arbeit an einem bestimmten Ort nicht mehr gebraucht wird. Das bedeutet aber nicht, dass die in ihren Fähigkeiten liegende potentielle Arbeit überflüssig ist. Sie wird irgendwo anders in vielleicht nur etwas anderer Form gebraucht, weil Menschen da sind und da sein müssen, die ein Bedürfnis nach ihr haben. Hohe Arbeitslosigkeit bedeutet daher, dass eine hohe Zahl von Bedürfnissen nicht befriedigt wird, dass insofern ein großer seelischer oder geistiger Mangel herrscht. Sie hat andererseits aber auch zur Folge, dass das Nicht-Entfalten-Können von Fähigkeiten bei den vielen Arbeitslosen ein Zurückstauen und Ablähmen ihres inneren Menschen bedeutet, der sich nur im Element der in die Arbeit hineinfließenden eigenen Fähigkeiten und der damit verbundenen Hinwendung zu anderen Menschen entwickeln kann.

Arbeitslosigkeit ist menschenfeindlich. Sie verhindert die freie Entfaltung der Persönlichkeit, die in Art. 2 Abs. 1 des Grundgesetzes als unmittelbar geltendes Grundrecht angeblich garantiert ist.

Der Zusammenhang des Ganzen

Die anschwellende Automatisierung menschlicher Handarbeit durch Maschinen ist an sich kein Unglück, im Gegenteil. Die Menschen werden dadurch vielfach von der Fron körperlicher Arbeit befreit. Sie werden frei für höhere, kulturelle Bedürfnisse, die sie bisher unterdrücken mussten oder die sich noch gar nicht in ihnen regen konnten. Und sie werden frei, ihre Fähigkeiten zur Befriedigung solcher Bedürfnisse Anderer einzusetzen. Wir stehen eigentlich in einem gewaltigen historischen Umbruch der Verlagerung menschlicher Arbeit auf eine höhere menschliche Ebene. Und die Frage stellt sich, wie das zu organisieren und zu finanzieren ist.

Die Fähigkeiten, die in der Wirtschaft gebraucht werden, werden in den Schulen und Hochschulen des Bildungswesens, dem Kern und der Quelle des Geistes- und Kulturlebens, entwickelt und ausgebildet. Natürlich werden sie in den Betrieben weiter spezialisiert, setzen aber ihre Grundlegung voraus. Die Wirtschaft lebt also von dem, was im Geistesleben entwickelt worden ist. Und ihre Gewinne sind ohne die in Schulen, Fachhochschulen und Universitäten gebildeten Fähigkeiten der Menschen, ohne die damit entwickelten und konstruierten Maschinen und die Durchrationalisierung der betrieblichen Abläufe nicht denkbar.

Daher müssten die Unternehmen auch einen Teil ihrer Gewinne direkt an das Geistes- und Kulturleben abgeben, nicht nur als Gegenleistung für das bisher Erhaltene, sondern auch zur Weiterentwicklung des Bildungswesens in der Zukunft, von der die Unternehmen in ihrer eigenen Existenz und Entwicklung selber abhängig sind. Dies umso mehr, als durch die Automatisierung Personalkosten in erheblichem Umfang weggefallen sind und weiter wegfallen, an deren Stelle die Investitionen für die Maschinen nur einen Bruchteil ausmachen.

Voraussetzung dafür ist aber, dass der Gewinnüberschuss der Unternehmen nicht mehr in unsozialer Weise als arbeitsloses Einkommen in die Taschen fernstehender Eigentümer, insbesondere der Aktionäre fließt. Das Eigentum an den Produktionsmitteln, am Unternehmen, und der hier von der gesamten Belegschaft erarbeitete Gewinn dürfen nicht als Privateigentum dem Eigennutz dienen, sondern müssen – rechtlich umgewandelt –  als sozialgebundenes treuhänderisches Eigentum der Gesellschaft dienen. (Vgl.  „Arbeitsmarkt“ und Aktienrecht„)

Die Finanzierung des Bildungswesens durch Schenkungen aus Gewinn und Einkommen des Wirtschaftslebens geschieht in gewisser Weise auch heute über die Zwangsschenkungen der staatlichen Steuern, hängt aber in ihrem Umfang von den politischen Konstellationen ab und ist Bestandteil einer inhaltlichen und organisatorischen Lenkung und Bevormundung des Bildungswesens durch den Staat. Aufgrund des demokratischen Grundrechts der Selbstbestimmung und freien Entfaltung der Persönlichkeit von Lehrern und  Eltern muss aber das Bildungswesen und mit ihm das gesamte Geistes- und Kulturleben frei und unabhängig sein und sich selbst verwalten können. (Vgl.  Der Verlust des Menschlichen)

Durch den Über-Fluss des wirtschaftlichen Gewinnes an das Kulturleben können dort in zunehmendem Maße Einkommen für die im Wirtschaftsleben freigewordenen und jetzt nach sozialer und kultureller Fähigkeitsentfaltung strebenden Menschen finanziert werden.  (hl)

Anmerkungen:

*   Unter Einbeziehung von Teilen eines Seminartextes „Zukunft des Arbeitslebens“ von April 2006 des Hamburger  Geisteswissenschaftlers Lars Grünewald, der insofern als Co-Autor zu betrachten ist.

** Das Problem der  im Zuge der Euro-Krise in den südlichen Ländern Europas entstandenen Massenarbeitslosigkeit wird hier nicht berührt. Sie hat überwiegend andere Ursachen.

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9 Kommentare
  1. Hallo!
    Ein intelligenter, durchdachter Artikel. Darf ich auf ein paar philosopische Schwächen hinweisen:

    „…dass nur eine solche Arbeit als Arbeit, bzw. ihr Verlust als „Arbeitslosigkeit“ bezeichnet wird…“
    Dieser Umstand hat sich hier leider so entwickelt. Ist aber kein Primat in der Entwicklung, sondern eine Stufe von der man wieder abkommen sollte. Diese Definition enthält die Abhängigkeit in welcher der Sozialstaat die Menschen (durch übertriebene Arbeitsteilung) getrieben hat.

    „Den Staat interessiert vordergründig nicht die Qualität der Arbeit, sondern nur die Zahl der Erwerbslosen, die ihm drückend auf der Tasche liegen. Eine qualitative und damit grundsätzliche Lösung des Arbeitsproblems ist von ihm nicht zu erwarten“
    Richtig – dazu haben die (politischen) Versprechungen des „Sozialstaates“ aber geführt.

    „…, dass es für das Wohl einer Gesellschaft darauf ankommt, Arbeit ausschließlich dafür einzusetzen, wertvolle Güter für die Menschen zu schaffen. Alles andere ist schädlich und im höchsten Grade unsozial…“
    Diese Ansicht vermischt J. Bentham mit K. Marx – dies entspricht dem Utilitarismus der Spätklassiker und steht rational wie auch moralisch auf dünnen Eis –

    „Da der Staat selbst keine „Arbeitsplätze“ schaffen kann, appelliert er verzweifelt an die Unternehmen…“
    Dieser Absatz beschreibt das Kernproblem – das haben Sie wunderbar erkannt!

    Den Charakter der „einkommenbezogenen“ Arbeit haben Sie wunderbar erkannt und beschrieben. Der Kardinalfehler liegt jedoch in der falschen Prämisse: Die Gleichstellung aller Menschen. Kapitalismus basiert auf Pluralismus und Chancengleichheit, NICHT, um die Menschen gleichzumachen – das tun nur autoritäre oder etatistische Regime.
    Ihre Beurteilung des Aktien-Mechanismus fällt unter diesen Irrtum. Um die hässlichen Resultate sozialistischer Auflagen in einer freiheitlichen Wirtschaft geht es ja – und wir bekämpfen sie beide.
    Nette Grüße

  2. Hallo!
    Wenn dem Kapitalismus die unsozialen Zähne gezogen werden, ist ein „Sozialstaat“ im heutigen Ausmaß überflüssig. Er muss heute nur die immer größer werdende Zahl der Schwächeren auflesen, die in einem „vom Wolfsgeruch“ erfüllten Kampf jedes gegen jeden den Kürzeren ziehen, einen Kampf, den er aber selbst versäumt, durch Rahmengesetze zu verhindern.

    Dass es darauf ankomme, „Arbeit ausschließlich dafür einzusetzen, wertvolle Güter für die Menschen zu schaffen“, hat weder mit Marx noch mit dem quantitativen Utilitarismus Benthams etwas zu tun, sondern mit Vernunft.

    Ich rede keiner Gleichstellung aller Menschen im Wirtschaftsleben das Wort. Die Gleichheit ist eine Angelegenheit des Rechtslebens. Im Wirtschaftsleben besteht natürlich Pluralismus, weil die Menschen ganz unterschiedliche Bedürfnisse haben. Dass der heutige ungebremste Kapitalismus „Chancengleichheit“ gewähre, kann nur behaupten, wer blind ist. Die rechtlichen Voraussetzungen der Eigentümer an den Produktionsmitteln und der „Abhängig-Beschäftigten“ sind eben nicht gleich. (Vgl. vorstehend „Arbeitsmarkt – der Mensch als Ware“) Recht sollte mit Gerechtigkeit zu tun haben und nicht mit der Macht des Stärkeren. Ich bin kein Marxist, aber der Satz: „Die herrschenden Gesetze sind die Gesetze der Herrschenden“ trifft schon vielfach auf eine Realität.

    Unternehmerisches Handeln bedarf der Freiheit, sie darf aber nicht nur egoistisch dem Eigennutz dienen, sondern muss sozial auf das Wohl aller hin orientiert sein. Da muss ein wirklicher Rechtsstaat schon entsprechende rechtliche Rahmenbedingungen setzen. Durch den kommunistischen „Sozialismus“ ist der aus gesundem sozialem Denken hervorgehende wahre Sozialismus diskreditiert worden. Er wird mit jenem in einen Topf geworfen. In diese Falle tappen Sie.

  3. Hallo!
    Zunächst, Danke für den intelligenten und respektvollen Dialog!
    „…Kapitalismus die unsozialen Zähne gezogen…“ Der Kapitalismus ist das gerechteste und menschlichste Wirtschaftsystem, welches erst die Demokratie ermöglicht. Das Problem ist nur, dass wir mitnichten in einem echten Kapitalismus leben. Da dieser nicht über eine „Bibel“ verfügt, ähnlich wie „Das Kapital“ des Marxismus“, muss man, um das zu verstehen viele andere Bücher und von verschiedenen Autoren lesen.

    Dass der heutige ungebremste Kapitalismus “Chancengleichheit” gewähre, kann nur behaupten, wer blind ist. Da haben Sie recht! Ein System ist immer nur was der Mensch (besser: Staat) daraus macht. Der „Kapitalismus“ ist keiner. Dieser „Sozial-Feudalismus“ ist nicht „ungebremst“ – er ist ist total pervertiert, verzerrt und für politische Zwecke korrumpiert. Dass Sie das selbst ahnen klingt in Ihrer Formulierung: „Dass der heutige ungebremste Kapitalismus…“

    “…Arbeit ausschließlich dafür einzusetzen, wertvolle Güter für die Menschen zu schaffen..“ Wenn Sie sich mit Marx oder Bentham beschäftigt haben müssen SIe erkennen, dass es sich in der Tat um Utilitarismus handelt. Wer bestimmt die Definition „wertvolle Güter“? und „wertvol“l für wen?

    „…Die herrschenden Gesetze sind die Gesetze der Herrschenden…“ Da haben Sie wieder recht. Das wäre allerdings kein Problem in einem wirtschaftlich sekulären Staat.

    „Unternehmerisches Handeln…darf aber nicht nur egoistisch dem Eigennutz dienen, sondern muss sozial auf das Wohl aller hin orientiert sein. Mit Respekt, da fehlt der Syllogismus und rationale Ethik.
    Der Mensch als Unternehmer soll also für das „Allgemeinwohl“ schuften? Und die Arbeitnehmer? Ich verstehe Ihre Philosophie nicht. Ich tappe in keine Falle. Aber Ihre Stimme tönt zu mir von tiefem Grunde.

    Darf ich SIe höflich auf diesen Link bitten – lesen Sie bitte beide Teile. Ich möchte nicht überzeugen, aber es macht meine Antwort wesentlich klarer: http://liberalerfaschismus.wordpress.com/2013/10/31/die-deutschen-opfer-des-pragmatismus-i/
    Nette Grüße

    • @alphachamber
      „Kapitalismus ist das gerechteste und menschlichste Wirtschaftsystem, welches erst die Demokratie ermöglicht.“

      Die Durchleuchtung des Kapitalismus mit neuzeitlichen Verfahren zeigt:
      …Geld+Zins zwingt die Wirtschaft zu Wachstum(=Zunahme).
      Ein Lauf auf gleichbleibender Höhe ist nicht möglich.
      siehe
      Dr.H.C.Binswanger ‚Geld und Wachstum'(1994)
      Dr. Jürgen Kremer
      http://www.deweles.de/files/mathematik.pdf
      …Geld+Zins verteilt Geld automatisch von unten nach oben
      http://rheinahrcampus.de/fileadmin/prof_seiten/kremer/applets/DynamicAnalysis/AppletDynamicAnalysis.html
      Da die Realwirtschaft aus physikalischen Gründen mit dem Geldwachstum nicht Schritt halten kann, verläuft die Wirtschaft zykloid:

      Aufstieg, Scheitel, Abstieg, unterm Rad, Aufstieg, ….
      Wie ‚unterm Rad‘ aussehen kann, zeigen die Jahre von 1929-45.
      Die Zeitreihen
      Entwicklung der Einkommen

      Verlauf von Wirtschaftswachstum und Staatsausgaben
      http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,grossbild-1374973-594654,00.html
      Arbeitslosigkeit in D
      http://de.wikipedia.org/wiki/Arbeitslosenstatistik#Entwicklung_der_Arbeitslosenquote_in_Deutschland
      zeigen den Verlauf seit ca.1960. Mensch könnte daraus herauslesen, dass der Scheitel bei ca. 1975 war und es dann abwärtsging und seit 2007 gehts noch ein bisschen steiler bergab.
      Derzeitig hilft noch ein bisschen, dass das Schwergewicht China im Aufstieg ist.
      Schön langsam setzt sich die Erkenntnis durch, dass Kapitalismus nach ca. 70-100 Jahren zusammenbricht,
      http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/08/10/ende-der-demokratie-millionen-empoerter-menschen-muessten-auf-der-strasse-sein/
      (Suchbegriff: Rein mathematisch kommt )
      Der ökologische Zustand unseres Raumschiffes Erde hat sich in den letzten 70 Jahren erheblich verschlechtert:
      radioaktive und chemische Verschmutzung, Bodendegradation, Ausdünnung der Ozonschicht …
      Zu ‚Menschlichkeit‘:
      Wer nicht ausreichend Grund und Boden hat, keine Idee und kein Kapital für ein Geschäft hat und somit seine Arbeitskraft am Markt anbieten muss, ist von einem ‚ArbeitGeber‘ abhängig und somit unfrei und erpressbar – und das ist die große Mehrheit.
      Ich kann darin nichts Menschliches finden.
      Zu ‚Gerechtigkeit‘ und ‚Chancengleichheit‘:
      Wer in eine begüterte Familie hineingeboren wird, hat die weitaus besseren Lebenschancen. Der dumme Sohn eines Bankers hat ein wesentlich leichteres Leben als die intelligente Tochter eines Säufers im Slum.
      Die automatische Umverteilung von Fleissig zu Reich durch den Zins ist eine Ungerechtigkeit der Sonderklasse in unserem Geldsystem.
      Zu ‚Demokratie‘
      ‚Demokratie‘ ist im Kapitalismus ‚GeldDiktatur mit Polit-MarionettenTheater‘, die Marionetten kann das Volk durch Wahl austauschen, die Strippenzieher bleiben dieselben.

      Nein. Meines Erachtens hat die Menschheit mit Kapitalismus keine Zukunft.
      Neue Gesellschafts- und Wirtschafts-Systeme sind bereits angedacht. Es sieht sehr danach aus, als forderte die Evolution von der Menschheit demnächst einen EntwicklungsSprung …

      • Eine große Menge unzusammenhängender Argumentsfragmente und zahlreiche Links; mit einem Themenspektrum von der Ozonschicht bis zur Evolution und alles mit dem Kapitalismus verknüpft – daraus kann keine nützliche Diskussion entstehen.

      • @alphachamber
        Ja, viel auf einmal. Wer mit dem Sachgebiet nicht vertraut ist, sieht darum wahrscheinlich die Zusammenhänge nicht.
        Mich hat die Erdöl-Krise 1973 aufgeweckt, wo ich hautnah miterlebte, wie instabil das derzeitige WirtschaftsSystem ist und wie schnell die niederen Instinkte des Menschen zutage treten, wenns ‚eng‘ wird. Ich hatte daher ausreichend Zeit, Daten zu sammeln und die stelle ich zur Verfügung. Aus den Daten kann sich jeder selbst ein Bild machen und sich selbst weiter- und tiefergehend informieren. Für eine Diskussion ist es schon zu spät, denn wir haben bereits ‚Kapitalismus in fortgeschrittenem Stadium‘.
        Eine Diskussion wäre vor 20 Jahren sinnvoll gewesen,
        aber damals feierte der ‚Westen‘ das ‚Ende der Geschichte‘.
        Jetzt raucht und brennt es an allen Ecken und Enden :
        USA, Griechenland, Spanien, …Nahost, Nordafrika …
        Jetzt brauchen wir nicht mehr Diskussionen sondern sofort umsetzbare zukunftsfähige Lösungen.

        Zu Evolution:
        Verfügbare Technik->Wirtschaftssystem
        bloße Hand : Sammler
        Pfeil+Bogen : Sammler und Jäger
        Pflug : Ackerbau
        Münz-Prägestock : Geldwirtschaft
        Maschine : Industrie
        Vollautomatische Fabrik : ????
        Die verfügbare Technik hat immer das WirtschaftsSystem bestimmt oder zumindest mitbestimmt.
        Für mich sieht es so aus, als wäre wieder ein neues WirtschaftsSystem fällig – ein geistiger Entwicklungsschritt ebenfalls wegen der verfügbaren Waffentechnik…

        Freundliche Grüße

  4. EuroTanic permalink

    Ein Arbeitsloser ist ein Mensch dem zum Glück eine Arbeiststelle fehlt 😛

  5. Ranma permalink

    Es gibt, insbesonder im Bereich der Wirtschaft, noch einige Begriffe mehr, die nur manipulativ aber nicht sinnvoll sind oder zumindest nur manipulativ und nicht sinnvoll verwendet werden. Ein ganz wichtiger davon: Kapitalismus.

    Einige weitere: Kapital, Geld, Chancengleichheit, Inflation, Deflation, sozial, Gerechtigkeit, Menschlichkeit, Demokratie, Wirtschaft, unternehmerisch, Arbeitgeber, Arbeitnehmer … Man könnte endlos weitermachen. Es gibt im Bereich der Wirtschaft kaum irgendein Wort, das korrekt verwendet würde. Zum Beispiel ist Geld ein Oberbegriff, unter dem alles mögliche Zeugs verstanden werden kann. Auch abstruse Vorstellungen werden gerne darunter subsumiert.

    Andererseits werden Wörter wie Plutokratie oder Debitismus oder Staatsgewalt vollständig gemieden, um noch vollends sicherzustellen, daß Wirtschaft unverstanden bleiben muß.

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