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Erkenntnis der Erkenntnis – Voraussetzung einer Erneuerung von Kultur und Gesellschaft

6. Juni 2014

Die meisten von uns wissen sicher nicht, wie unser Erkennen genau zustande kommt. Wir benutzen einfach naiv diese bedeutendste Fähigkeit des Menschen, wenden sie unentwegt an, ohne weiter über sie nachzudenken. Doch zuweilen leiden wir an ihrer Begrenztheit und sehnen uns nach Lösungen der gegenwärtigen sozialen Probleme und Katastrophen. Aber Probleme lassen sich, wie auch Einstein bemerkte, nicht mit demselben Denken lösen, das sie hervorgebracht hat. Dieser wohl auf partielle Probleme gemünzte Satz gilt erst recht für die umfassende System- bzw. Zivilisationskrise, in der wir uns befinden. Unser Bewusstsein, das von der heutigen Art unserer Erkenntnis gebildet wird, ist geschichtlich aus früheren Bewusstseinsformen hervorgegangen, die zu ganz anderen kulturellen Verhältnissen geführt hatten. Unser gegenwärtiges Erkennen muss also auch in höhere Formen entwickeln werden, wenn eine grundlegende Erneuerung der Verhältnisse erreicht werden soll. Wie ist es heute beschaffen?

Die Erkenntnis zum Gegenstand der Erkenntnis zu machen, ist ungewohnt. Denn wir richten unsere Aufmerksamkeit gewöhnlich auf die Dinge der Welt, die sich massiv unserem Bewusstsein aufdrängen. Wie weit indessen auch immer der Umkreis dieser Erkenntnis erweitert werden mag – sie wird zwar immer neue Objekte finden, eines aber nie: sich selbst. Denn sie selbst kann uns nicht als äußere Wahrnehmung entgegentreten. Soll sie aber gleichwohl die Naivität ihres Tuns überwinden, muss sie sich sozusagen nach innen umwendend selbst ins Auge fassen. Wir richten damit den Blick von außen nach innen auf etwas, das nicht wie die äußeren Erscheinungen ohne uns zustande kommt, sondern von uns selbst erst hervorgebracht wird.

Von alleine tritt die Erkenntnis als Gegenstand der Erkenntnis nicht in das Bewusstsein ein. Sie wird gerade vergessen, während sie ausgeübt wird, da Bewusstseinsinhalt nur das Objekt ist, auf das sie sich richtet, sie selbst aber als Tätigkeit gleichsam unbeobachtet im Hintergrund bleibt. Wird sie nun selbst als Untersuchungsobjekt in das Bewusstsein gerückt, sind Erkenntnisgegenstand und Erkenntnistätigkeit ein und dasselbe. Die erkennende Tätigkeit setzt sich zwar auch hier naiv voraus, findet sich aber in ihrem Gegenstande selber vor. Sie kommt in der Identität von Tätigkeit und Objekt der Erkenntnis zu sich selbst.

Die Elemente des Erkennens

Wenn wir einen Vorgang der Welt wahrnehmen, wird er uns zum bewussten Erkenntnisinhalt, indem wir ihn mit dem Denken durchdringen. Was auch immer Objekt unserer Erkenntnis werden soll: es muss einerseits wahrgenommen und andererseits denkend ergriffen werden. Darauf ist die alltägliche wie die wissenschaftliche Erkenntnispraxis gegründet. Der Baum als materieller Gegenstand kann nur wahrgenommen, nie aus dem Denken hervorgebracht werden. Der Begriff des Baumes, mit dessen Hilfe wir ihn identifizieren, kann nur gedacht werden; er haftet der Wahrnehmung nicht an. Alle Erkenntnisse erweisen sich so als die Verschmelzungsprodukte von Elementen, die im Wahrnehmen und Denken ihren Ursprung haben.

Aber weil wir unser alltägliches Bewusstsein stets mit Inhalten vorfinden, in denen Wahrnehmungen schon mit Begriffen durchdrungen sind, erzwingt eine gründliche Analyse des Erkenntnisprozesses, beide Elemente wieder streng voneinander zu trennen, um sie in ihrer jeweiligen Eigenart und in ihrem Verhältnis zueinander klar erkennen zu können. Wir müssen einen Schnitt machen „zwischen dem, was ohne gedankliche Bestimmung vor dem Erkennen an uns herantritt, und dem, was durch letzteres erst daraus gemacht wird.“ (R. Steiner; Wahrheit und Wissenschaft, Stuttg. 1961,TB S. 139) Indem wir uns zunächst jeder gedanklichen Bestimmung dessen enthalten, was wir wahrnehmen, erfahren wir rein empirisch, was ausschließlich die Wahrnehmung zur Erkenntnis beisteuert und was nicht, um anschließend, unabhängig von der Wahrnehmung, das Denken daraufhin zu untersuchen.

Das reine Wahrnehmen

Gelingt es auch nur annähernd für kurze Zeit, sich des bestimmenden Denkens zu enthalten, so wird deutlich, dass uns alles, was auf diese Weise in den Kreis unseres Erlebens eintritt: Farben, Formen, Töne, Gerüche, Empfindungen, Gefühle, Willensimpulse, Traum- und Phantasiebilder usw., völlig dunkel und unverständlich bleibt. Wir nähern uns einem traumähnlichen Zustand. Wenn wir das Bewusstsein trotzdem aufrechterhalten, nehmen wir zwar bewusst wahr, aber was wir wahrnehmen, wissen wir nicht. Die Welt stellt sich uns als eine Mannigfaltigkeit von Einzelheiten dar, die im Nebeneinander des Raumes und Nacheinander der Zeit erscheinen. Das, was sie sind und in welchem Zusammenhang sie untereinander stehen, verraten sie nicht; es haftet ihnen als reine Wahrnehmungen nicht an. Insofern die Welt auf dem Wege der Wahrnehmung in unseren Erlebnishorizont eintritt, zeigt sie sich gleichsam nur als quantitative Außenseite, als Sinn – lose Ausdehnung in Raum und Zeit, die keine Aufklärung über sich geben könnte; Inhalt und Zusammenhang sind in ihr nicht enthalten.

Das Denken

Alle Wahrnehmungen treten unwillkürlich auf, sie sind uns ohne unser Zutun einfach gegeben. Demgegenüber beruht das Denken auf unserer eigenen Tätigkeit. Zwar tritt es uns zunächst nach seinem Hervorbringen auch als Wahrnehmung entgegen, aber die Wahrnehmung des Denkens entpuppt sich bei näherem Hinsehen in ihrer Eigenart als den übrigen Wahrnehmungen völlig entgegengesetzt. Diese bleiben uns aus sich selbst heraus, ohne denkende Bestimmung, vollkommen unverständlich. Wenn ich zum Beispiel sehe, wie ein Stein gegen eine Glasscheibe fliegt, sie zerbricht und dann zu Boden fällt, so ist mir nicht mehr als eine Folge von Gesichts- und Schallwahrnehmungen gegeben, ohne irgendeinen Zusammenhang. Über das Zerbrechen der Scheibe kann ich erst dann etwas aussagen, wenn es eingetreten ist. Wenn mir, indem ich den Flug des Steines auf die Scheibe beobachte, plötzlich die Sicht versperrt würde, wäre das Zerbrechen der Scheibe für mich nicht vorhanden, und selbst das anschließende Klirren stände rein als Phänomen ohne Beziehung da.

Das wird anders, wenn wir unser Denken, das wir bis jetzt künstlich zurückgehalten haben, an den einzelnen Wahrnehmungen in Tätigkeit setzen und in ihm die entsprechenden Begriffe bilden. Indem wir die materielle Beschaffenheit des Steines und der Scheibe, die Geschwindigkeit und das Gesetz der Wurflinie in Betracht ziehen, wird uns der ganze Vorgang und der Zusammenhang der einzelnen Erscheinungen verständlich. Den fliegenden Stein können wir als Ursache, das klirrende Zerbrechen der Scheibe als Wirkung auffassen und dessen notwendiges Eintreten auch dann voraussagen, wenn uns beim Beobachten des Steinwurfes die Sicht versperrt wird.

Lösen wir wieder das Denken aus seiner Verbindung mit den Wahrnehmungen, so wird uns klar, was im Denken erscheint: das Wesen der Wahrnehmungen und ihr ideeller Zusammenhang. Da diese in den Wahrnehmungen selbst – wie wir gesehen haben – nicht enthalten sind, können sie auch nicht aus den Wahrnehmungen in das Denken herüberfließen; sie werden von unserem Geiste selbständig erfasst und zu den Wahrnehmungen hinzugefügt. Den fliegenden Stein als Ursache und das Zerbrechen der Scheibe als Wirkung aufzufassen, ist nicht eher möglich, als wir im Denken den reinen Begriff der Kausalität hervorgebracht haben, der die Besonderheit des gerade wahrgenommenen speziellen Falles in sich fasst. (Vgl. R.  Steiner: Die Philosophie der Freiheit, Stuttg. 1955, S.36 ff.)

Alles, was außerhalb des Denkens wahrgenommen wird, zeigt sich nur als rätselhaftes Phänomen, gleichsam als leere Schale, die dazu auffordert, den dazugehörigen Kern und Inhalt, ihren Sinn woanders, nämlich im Denken aufzusuchen. Die Begriffe des Denkens brauche ich dagegen in ihrem unmittelbaren Auftreten nur festzuhalten; mit der Form ist ihr Inhalt mitgegeben. Indem wir das Denken beobachten, stehen wir nicht einer fremden Wahrnehmung gegenüber, sondern einer solchen, die, von uns selbst hervorgebracht, ihren Erklärungsgrund in sich trägt. Wenn wir das Denken beobachten, können wir das nur wieder mit Hilfe des Denkens selbst tun. Wir bewegen uns innerhalb desselben Elementes. Im Denken haben wir ein sich selbst tragendes Prinzip, das, zwar angeregt von den Wahrnehmungen, aber unabhängig von ihnen eigene Inhalte in Form von Begriffen und Ideen hervorbringt und zu den wahrgenommenen Erscheinungen hinzufügt.

Subjektivität und Objektivität des Denkens

Doch der Umstand, dass das Denken unserer subjektiven Tätigkeit entspringt, lässt in der Regel Zweifel an seiner Objektivität aufkommen. Dieser scheinbare Widerspruch löst sich auf, wenn wir zwischen der Denktätigkeit und den Denkinhalten unterscheiden. Dass das Denken von jedem menschlichen Subjekt mehr oder weniger mühsam ausgeübt wird, also in diesem Sinne subjektiv ist, lässt sich ja nicht bestreiten. Aber die Begriffe und Ideen sind von allgemeiner Gültigkeit, sonst wäre eine menschliche Verständigung überhaupt nicht möglich. Der Begriff des Dreiecks ist immer derselbe, wenn er auch von verschiedenen Menschen gedacht wird.

Das „Was“ der Wahrnehmungen und ihr ideeller Zusammenhang sind nicht durch die Sinne gegeben, um vom Denken begrifflich abgemalt zu werden, sondern sind selbst substantiell im Denken gegenwärtig, um dann überhaupt erst mit den Wahrnehmungen verbunden zu werden. Begriffe und Ideen erweisen sich daher – was ihren Inhalt angeht – nicht als subjektive Produkte, sondern als Forschungsresultate. Das Denken schlechthin als subjektiv zu bezeichnen, wäre im Grunde auch absurd. Denn eben dieses Denkergebnis beansprucht ja, objektive Geltung zu haben. Man kommt aus dem Denken gar nicht heraus: Jede gedankliche Aussage muss implizit behaupten, wahr zu sein, wenn sie sich nicht gleichzeitig wieder zurücknehmen und damit nichts sein will. Es ist deshalb unsinnig, das Denken in Frage zu stellen, denn das kann auch wieder nur denkend geschehen.

„Subjektiv“ und „objektiv“ sind Begriffe, die erst durch das Denken gebildet sind; sie können nur für Gegenstände des Denkens einen Sinn haben. Das Denken ist es schließlich, das den Gegenstand als Objekt und mich selbst als Subjekt bestimmt, ja auch mich Subjekt zum Objekt machen kann. „Das Subjekt denkt nicht deshalb, weil es Subjekt ist, sondern es erscheint sich als Subjekt, weil es zu denken vermag. Die Tätigkeit, die der Mensch als denkendes Wesen ausübt, ist also keine bloß subjektive, sondern eine solche, die weder subjektiv noch objektiv ist, eine über diese beiden Begriffe hinausgehende.“ (R. Steiner, Philosophie der Freiheit, S. 46)

Wahrnehmen und Denken liefern die Elemente, durch die unsere Erkenntnis vermittelt wird. Die Herstellung der reinen Wahrnehmungen hat gezeigt, dass unser Bewusstsein in ihnen noch keiner fertigen Welt, keiner vollen Wirklichkeit gegenübersteht. Die reinen Wahrnehmungen sind völlig bestimmungslos, aus sich selbst heraus absolut unerklärlich. Die Rätselhaftigkeit ihrer Erscheinung ist es gerade, die uns unbefriedigt lässt und die Aktivität unseres Denkens herausfordert. In ihm erfassen wir Inhalt, Prinzip und Zusammenhang der Dinge, die sie uns als wahrgenommene Erscheinungen verborgen halten. Ihre äußere Substanz nehmen wir durch Beobachtung wahr, ihr Wesen durch unser aktives Denken. Erst durch die Verbindung beider wachsen wir in die Wirklichkeit hinein, von der wir vorher in unserem Bewusstsein ausgeschlossen waren.

Natürlich stehen wir der Wirklichkeit der Dinge gegenüber, in der Wahrnehmung und Wesen eine Einheit bilden. Aber diese Wirklichkeit stellt sich für unser Bewusstsein nicht von vorneherein in seiner Einheit dar. Wir sind subjektiv so organisiert, dass die Wirklichkeit der Dinge sich für uns in zwei Teile spaltet. Die Wahrnehmungen, die uns durch die Sinne vermittelt werden, offenbaren nur den einen Teil, den anderen, wesenhaften Teil, nehmen wir sozusagen mit dem Denken wahr. Erst in der Verschmelzung beider stellen wir die Wirklichkeit wieder her, die außer uns vorhanden ist, aber unserem Bewusstsein auf zwei verschiedenen Wegen zufließt.

Ursprung und Inhalt der Begriffe

Wenn die Inhalte der Begriffe und Ideen allgemein gültig sind, haben sie eine vom einzelnen Menschen unabhängige, in sich gegründete Existenz. Sie müssen einer allgemeinen Ideenwelt entstammen, aus der wir sie intuitiv erfassen. Jeder Mensch hat mit seinem Denken Zugang zu dieser Ideenwelt und gewinnt daraus seine Begriffe. Daher sind Verständigung und gemeinschaftliches Wirken möglich. Von dieser Ideenwelt und dem intuitiven Vorgang der Begriffsgewinnung daraus haben wir jedoch zunächst kein Bewusstsein. In dieses fällt nur das Ergebnis der Denkbemühung: die Begriffe und Ideen, wie wir sie kennen.

Und sie sind von klarer, festumrissener, aber erstarrter, schattenhafter Natur. Sie stellen etwas fest, im wahrsten Sinne des Wortes, registrieren, was aus einer lebendigen Bewegung an ein Ende gekommen, in einen festen Zustand geronnen ist. Lebendiges selbst enthalten sie nicht und können sie deshalb auch nicht erfassen. Denn “Gleiches kann nur durch Gleiches erkannt werden“, wie Goethe treffend bemerkte. Daher ist unsere Naturwissenschaft groß im Erfassen der mineralisch toten Welt und ihrer Gesetzmäßigkeiten, in Chemie, Physik und der daraus hervorgehenden Mechanik und Technologie. Aber das Lebendige, geschweige denn das Seelisch-Geistige begreift sie nicht. Was aus solchen Versuchen herauskommt, sind Zerlegungen des Ganzen in seine Teile und doch wieder nur mineralische Zusammenhänge. „Wer will was Lebendigs erkennen und beschreiben, sucht erst den Geist herauszutreiben, dann hat er die Teile in seiner Hand, fehlt, leider! nur das geistige Band.“ (Goethe, Faust I)

Goethe stellt den Universitätsprofessor Faust als den modernen, an der Schattenhaftigkeit seiner Gedanken leidenden Menschen dar: „Habe nun, ach! Philosophie, Juristerei und Medizin und leider auch Theologie durchaus studiert, mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor. (…) Und sehe, daß wir nichts wissen können! Das will mir schier das Herz verbrennen.“ Als strebender Mensch will er nicht auf dieser schattenhaften Oberfläche bleiben, sondern in die Tiefen des Lebens dringen, zu den geistigen Quellen, aus denen alles hervorgeht: „Dass ich erkenne, was die Welt im Innersten zusammenhält, schau alle Wirkenskraft und Samen und tu nicht mehr in Worten kramen.“

Weiterentwicklung des Denkens

Goethe selbst war bereits in gewisser Weise durch die Oberfläche der schattenhaften Gedanken in ihre lebendigen Tiefen gedrungen, in denen sich für ihn das Schöpferisch-Wesenhafte der Welt ausspricht. Er war überzeugt, dass das Göttliche in der Natur nach Ideen verfährt, dass lebendige Ideenkräfte den Dingen bildend und wirkend zugrunde liegen und der Mensch diese Ideen Gottes in seinem Denken mehr oder weniger tief erfassen und zur Erscheinung bringen kann, so dass er sich erkennend mit den lebendigen Schöpferkräften des Daseins verbindet. Der Goetheforscher Steiner formulierte diese Auffassung Goethes mit den Worten: „Indem sich das Denken der Ideen bemächtigt, verschmilzt es mit dem Urgrunde des Weltendaseins; das, was außen wirkt, tritt in den Geist des Menschen ein: er wird mit der objektiven Wirklichkeit auf ihrer höchsten Potenz eins. Das Gewahrwerden der Idee in der Wirklichkeit ist die wahre Kommunion des Menschen.“ (Rudolf Steiner: Goethes naturwissenschaftliche Schriften, TB Stuttgart 1962, S. 89)

Zu dieser Anschauung Goethes erhoben sich auch die Philosophen des deutschen Idealismus. Johann Gottlieb Fichte schrieb: „Im Geiste, in der in sich selber gegründeten Lebendigkeit des Gedankens, ruhet das Leben; denn es ist außer dem Geiste gar nichts wahrhaftig da. Wahrhaftig leben, heißt wahrhaftig denken und die Wahrheit erkennen. (…) Das reale Leben des Wissens ist daher in seiner Wurzel das innere Sein und Wesen des Absoluten selber und nichts anderes; und es ist zwischen dem Absoluten oder Gott und dem Wissen in seiner tiefsten Lebenswurzel gar keine Trennung, sondern beide gehen völlig ineinander auf.“ (Die Anweisung zum seligen Leben, Stuttgart 1962, S. 23; 57) Fichte bezeichnete das gewöhnliche Bewusstsein der schattenhaften Gedanken geradezu noch als einen Traumzustand, aus dem es in das höhere Bewusstsein der lebendigen Ideen, in denen der Weltenwille wirkt, zu erwachen gelte.

Für Friedrich Wilhelm J. Schelling war die äußere Natur nur der physiognomische Ausdruck der hinter ihr wirkenden geistigen Kräfte, so wie das menschliche Antlitz ein äußerer Ausdruck der Seele ist. Er strebte nach einem geistig anschauenden Denken, in dem nicht nur Begriffe über die Natur gebildet werden, sondern im Eintauchen in das hinter dem äußeren Antlitz der Natur geistig Webende und Wirkende dieses in lebendigen Ideen bewusst erfasst werden kann.

Georg Wilhelm F. Hegel begriff die Ideenwelt als ein geistiges Ordnungsgefüge, das allem Weltendasein zugrunde liegt. Er arbeitete sich in diese Ideenwelt hinein und erfasste sie als einen aus zahlreichen Einzelgedanken bestehenden umfassenden Gedankenorganismus, in dem ein Gedanke logisch aus dem anderen hervorwächst und sich alle gegenseitig tragen, stützen, beleben und beleuchten. Sie waren ihm nicht einzelne menschliche Gedanken bloß, sondern Offenbarungen des Weltendenkens selbst, das in allem Weltendasein wirkt und im Denken des Menschen lebendig zur Erscheinung kommt, wenn er sich zu ihren Höhen erhebt. Hegel erfasste mit aller Kraft die übersinnliche, in sich selbst gegründete Ideenwelt, in der für ihn alle Geheimnisse der Welt enthalten sind und in der inneren Entwicklung des Denkens enträtselt werden können. (Vgl. Rudolf Steiner: Vom Menschenrätsel, Dornach 1957, S. 46 f.)

Das Geistesstreben des deutschen Idealismus und der deutschen Klassik wartet darauf, wieder aufgegriffen und fortgesetzt zu werden, damit in dieser Bewusstseins- und Erkenntniserweiterung unsere Kultur eine neue Entwicklungsrichtung erhalten und Europa seine dringend notwendige kulturelle Vermittlungsaufgabe zwischen Ost und West erfüllen kann, von der im vorigen Artikel die Rede war.  (Siehe: Die Aufgabe Europas)  (hl)

 

 

 

 

 

 

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6 Kommentare
  1. Wilhelm permalink

    Ich kann Johannes Volkelts beide Bücher „Erfahrung und Denken“ und „Wahrheit und Gewißheit“ sehr empfehlen, um die Abgrenzung von Denken und Wahrnehmen in all ihrer Problematik zu erfassen. Auch Steiner bezieht sich auf ihn, geht aber über ihn hinaus.

    Da Steiner sich in seiner „Philosphie der Freiheit“ auf „seelische Beobachtungen“ stützt, also empirisch, verweise ich ebenso auf die Würzburger Schule der Denkpsychologen. In der Psychologie wird dieses Verfahren der inneren seelischen Beobachtung „Introspektion“ genannt. Die Denkpsychologen der damaligen Zeit um Oswald Külpe in Würzburg haben also seelische Beobachtungen gemacht und diese qualitativ ausgewertet. Sie haben dieselbe Methode wie Steiner angewandt und sind auch zu gleichen Resultaten gekommen: z. B. dass Gedanken einen unanschaulichen Inhalt haben (Was-Bestimmtheiten, Gesetz des Dreiecks: gilt für alle Exemplare eines Dreiecks). Dazu verweise ich noch auf Karl Bühler, August Messer, Carl Stumpf und Wilhelm Dilthey, sowie Franz Brentano. Einen Teil der Texte findet sich unter http://www.altebücher-neu.de

  2. Thilo Armin Hahn permalink

    Als moderner Mensch bin ich es gewohnt, mich vorab zu fragen, warum ich etwas tun sollte? Warum sollte ich über die Erkenntnis, über das Denken nachdenken? Das ist ein bisserl wie mit einem Katalog eines Reiseveranstalters. Bevor ich (vielleicht) nach Griechenland fahre, will ich wissen, wie es da ist, will ich vorab hören, was mich erwarten wird. Im Sinne des denken über das Denken gilt es dann also nach ‚ Denklandien‘ zu verreisen…

    Ich beobachte also mein Denken und zwar, weil mir ein solches Objekt hier in meinem Zimmer gegenüber steht, mein Denken an (m)einem Schrank. Dass ich den Schrank als solchen erkenne, zeigt mir schon die Anwesenheit des Begriffs ‚ Schrank ‚! Abzugrenzen ist der Begriff von seinem sprachlichen Repräsentanten- das Wort Schrank ist nicht der Begriff, deutet aber auf ihn hin. In einer anderen Sprache hieße der Schrank dann halt anders, er würde durch ein anderes Wort repräsentiert, aber der Begriff ‚ Schrank‘ ist der gleiche, egal ob von einem anderen Wort in der englischen oder französischen Sprache repräsentiert wird. Der Turmbau zu Babel lieferte verschiedene Sprachen, also „nur“ verschiedene Wörter, aber nicht verschiedene Begriffe!

    Als sinnliches Wahrnehmungsobjekt gibt der Schrank zunächst nicht so viel her. Er nimmt eine bestimmte Menge Raum ein, hat irgendein Material, das ich anfassen kann in seiner Höhe, Breite und Tiefe, er hat eine Farbe und eine Form. Zu dieser Form gehört untrennbar, dass der Schrank Türen hat! Nehme ich sie ab, ist es kein Schrank mehr, eher ein Regal. Dann kann ich sofort auf die Fächer sehen, was beim Schrank, da seine Türen üblicherweise geschlossen sind, nicht möglich ist.
    An meinem Schrank kann ich noch andere sinnliche Erfahrungen machen. Ich kann ihn abklopfen und dadurch hören, wie dieses Material klingt. Ich kann seine Form mit der Hand nachfahren und erspüre ihn dadurch genauer. Und wenn ich die Türgriffe tatsächlich anfasse, so ist dies anders, als ich sie zuvor nur mit den Augen erfasst hatte. Ich könnte auch noch am Schrank riechen, ihn durch belecken schmecken, meine Wahrnehmung am Schrank würde dadurch umfassender. Falls ich das tun würde, würde ich, wenn ich darüber nachdenken würde, erkennen, dass alles, was ich an meinem Schrank erfassen kann, einerseits zu meinem (individuellen) Schrank gehört, andererseits aber auch zum Begriff Schrank hinzugenommen werden kann, denn dieser umfasst alles das, was ich an meinem Schrank erfahren habe. Und der Begriff Schrank umfasst noch viel mehr, nämlich den Schrank, den mein Nachbar hat, der auch eine Größe hat und riecht und klingt usw. und der nächste Schrank beim nächsten Nachbarn auch….. und der nächste, und immer so weiter.
    Wenn ich weiter über den Begriff Schrank nachdenke, wird mir klar, dass der Begriff Schrank der universelle Name für ein Ding in der Welt ist. Das ist wichtiger als es auf den ersten Blick anmutet! Der Begriff liefert nämlich eine Ordnung, er ermöglicht die Vielfalt, die individuelle Erscheinung der Schränke der Welt. Stellen Sie sich einmal vor, jeder Schrank hieße nicht Schrank, sondern der eine hieße Krulliwulli, oder Vontschek, oder …, unmöglich, sich zu verständigen, allein schon für die vielen verschiedenen Bezeichnungen der Schränke, die es in der Welt gibt, wären riesige Bibliotheken nötig.
    Wenige Begriffe ermöglichen also eine ungeheure Vielfalt der sinnlichen Repräsentation und trotzdem halten die Begriffe Ordnung, es herrscht kein Chaos (höchstens in ihrem persönlichen Schrank) auf der Ebene der Begriffe, denn das universell-gültige des Begriffs Schrank ermöglicht die sichere Ordnung der Mannigfaltigkeit der Schränke- schließlich erkennen Sie jeden Schrank als Schrank.

    Das Denken über den Begriff Schrank ermöglicht aber noch etwas ganz anderes und dazu verlassen wir (m)einen Schrank und gehen über zu dem, was in meinem Schrank auch wie `drinsteckt´. Hierbei handelt es sich um den Begriff Schrank, den ich im reinen Denken finden kann. Reines Denken deshalb, weil es sich nicht mehr im Dinglichen des Schrankes abspielt, sondern im universell gültigen des Begriffes Schrank, der, wie wir schon wissen, auch alle Schränke der Welt umfasst. (Zur Ergänzung: Alle Schränke, die es bisher gegeben hat und alle, die es noch geben wird, denn der Begriff Schrank ist nicht an Raum und Zeit gebunden.)
    Ich gehe also über zum reinen Begriff Schrank und kann eine ganz absonderliche Erfahrung machen: Dieser Schrank ist leer! Er hat auch nicht eine Türe oder zwei oder sogar drei, nein, er hat Türen. Und er hat nicht vier oder fünf Fächer, nein, er hat Fächer. Der begriffliche, der universelle Schrank ist überhaupt nicht festgelegt, eher ist er, bitte verzeihen Sie das Wort, schrankisch. Das heißt, in ihm sind alle Bedingungen, die zum Schrank gehören, anwesend, wenn ich sie dazu denke! Schrank mit Schublade für die Strümpfe? Kein Problem, wenn ich den Schrank so denke, ist er auch schon genau so! Das Denken des Schrankes zeigt sich also in ungeheurer Beweglichkeit und Vielfalt, aber es kann noch mehr und das ist entscheidend! Der Schrank in meinem Zimmer ist (Gott sei Dank) stumm, der begriffliche Schrank kann aber im reinen Denken angesprochen und befragt werden, mit ihm ist ein Dialog möglich! Ich kann den universell-begrifflichen Schrank im reinen Denken z.B. fragen, ob es eine urtümliche Ordnung gibt, wie ein Schrank einzuräumen ist und er antwortet mir im reinen Denken als Gedanken. In Sprache übersetzt hieße das dann ungefähr: „Es gibt diese urtümliche Ordnung, denn der Schrank ist an die Form des Menschen angelehnt. Das heißt, oben auf dem Schrank gehören die Hüte, dann kommen die Halsbinder, Schleifen oder oben an der Türe die Krawatten, dann in einem nächsten Fach die Hemden, dann die Pullover, usw usf. Die Ordnung ist von Kopf bis Fuß, von oben nach unten, unterm Schrank stehen also die Schuhe.“
    Damit aber nicht genug, denn der Schrank sagt noch viel mehr, zB., was seine eigentliche Aufgabe ist: „Der Schrank gibt nicht nur Schutz vor Schmutz und ermöglicht die Ordnung der Sachen zum Anziehen, der Schrank hat noch eine andere Aufgabe, er versetzt die Kleider, wenn sie von dem Menschen nicht gebraucht werden, in den Schlafzustand, denn im Schrank ist es dunkel. Damit knüpft der Schrank an den Schlafzustand an, den z.B. ein begriffliches Hemd in der geistigen Welt des reinen Denkens als Zustand hat. Er traumschläft und wird erweckt, wenn es genäht wird und es wird wach, wenn ein Mensch es kauft, es anzieht, wäscht, bügelt, etc. Oder: Wenn ich es im reinen Denken anspreche!

    Eine solche Auseinandersetzung mit dem Schrank ließe sich noch länger fortsetzen, je nachdem, was ich vom Schrank wissen will. Das geht natürlich nicht nur mit Schränken oder Tischen, sondern mit allem. Und mit etwas Übung auch noch mit ganz anderen „Partnern“, denn die Postkarte mit dem Bild eines Engels ermöglicht prinzipiell, wenn ich das denkend erübe, auch den Dialog mit einem solchen Partner.

    Die weitere Fortsetzung würde einen Kommentar aber endgültig sprengen, daher zum Abschluss nur noch ganz kurz: Das denken über das Denken ermöglicht nicht eine, sondern ganz vielfältige Erfahrungen, denn die die zuvor stumme Welt kann in einen Dialog einbezogen werden. Das geht natürlich auch mit dem Denken an sich, das als Weltordnung alles umfasst und so jeden erreichbar werden lässt. Dabei mache ich dann noch eine ganz sonderbare Erfahrung: Wenn ich im reinen Denken mich in einem Dialog mit z.B. dem Begriff Wassertropfen befinde, gilt es, zu bemerken, dass ich zum Schöpfer geworden bin, denn ich schöpfe den Begriff Wassertropfen neu und indem ich das tue, schöpfe ich mich! Rudolf Steiner drückte es einmal in dem Vortrag „Philosophie und Anthroposophie“ auf Seite 39 so aus: „Für das Ich ist es nicht gleichgültig, was das reine Denken tut, denn das reine Denken ist der Schöpfer des Ich.“

    Das Denken über das Denken hat also einen eminent wichtigen Grund: meine Existenz bekommt ungeahnte Sicherheit, denn sie beruht nicht auf anderen, sondern geht auf meine Tätigkeit zurück! Das ist aber erst ein Anfang, von hier aus wird ganz anderes möglich, und das wollte die Deutsche Klassik eigentlich auf den Weg bringen, denn es ging nicht nur darum, Theaterstücke oder Bücher zu schreiben, sondern Menschen auf ihre eigenen Füße zu stellen, ihnen eine selbstbegründete Existenz zu ermöglichen. Die seitdem entstandene Lücke gilt es nun zu schließen.

    • Christa permalink

      genau: eine kleine Unterhaltung mit Engeln könnte z.B. so ausschauen

      …..Der erste Engel, der sich zu Wort meldet, sieht aus wie mein Freund, die Wahrheit. Er erzählt: „Als erstes sollst du wissen, wir sind hier auf einem Spielplatz. So, wie du das innere Kind eines Menschen auf einem Spielplatz der inneren Kinder spielst, so spielen wir hier auf einem Spielplatz der inneren Kinder der großen Engel. Ein Beispiel: Die kleine Christa spielt am Spielplatz der inneren Kinder der Menschen, die große Christa spielt am Spielplatz der inneren Kinder der Engel usw.“
      Na? Da muss ich erst noch mehr nachdenken, um das zu verstehen.
      „Soll das heißen, dass die große Christa auch auf einem Spielplatz spielt? Komisch. Ich dachte sie ist groß und braucht nicht mehr zu spielen?“
      Der Engel meint dazu: „Vor lauter Aufgaben hat sie es nur vergessen, dass sie sich auf einem Spielpatz befindet und eigentlich viel Spaß haben sollte. Wir sind da, um sie immer wieder daran zu erinnern. Wir helfen, wo wir können, wenn sie sich an uns erinnert.“
      Um das Ganze besser zu verstehen, frage ich den Engel, warum wir sie nicht sehen, wenn wir auf unserem Spielplatz spielen, und er sagt dazu: „Alle Spielplätze sind nebeneinander, wie in einer Stadt, da gibt es auch viele Spielplätze und man kann immer nur auf einem spielen. Du kannst dir das so vorstellen, wie zum Beispiel eine Zwiebel. Es gibt viele Schichten, zwischen jeder Schicht ist eine dünne Haut (ein Spielplatz). Möchte ich auf einen neuen Spielplatz, muss ich die Zwiebel schälen. Du wirst mich jetzt fragen, wie du dann hier hergekommen bist. Ganz einfach: Du hast in Unbeschwertheit gebadet und deine Freude ins Herz gelegt, das war das Schälen der Zwiebel. Jetzt hast du in Glückseligkeit gebadet und hast wieder die Zwiebel geschält.“

      Daraufhin meldet sich ein Engel, der wie mein Freund, das Vertrauen, aussieht. Er erzählt: „Nicht die Engel kommen zu dir, es ist umgekehrt, du kommst zu den Engeln. Wer in Unbeschwertheit badet, wird eine Einladung erhalten, wer in Glückseligkeit badet, braucht keine Einladung mehr, denn er kennt den Weg.“

      Es kommt der Engel der Dankbarkeit dazu und erzählt weiter: „Hier auf der Spielwiese der Glückseligkeit kann man sich in Vertrauen, Dankbarkeit, Herzlichkeit und Geborgenheit in Harmonie üben. Hier gibt es keine „Fehler“, die man machen könnte, oder Pflichten, die zu erfüllen wären. Hier erblüht die bedingungslose Liebe zu einer wunderschönen Blume.

      Wir, die Kinder vom Spielplatz der Unbeschwertheit, stehen mit offenem Mund da und lauschen diesen Erzählungen. Die leise Musik im Hintergrund, das herrliche Licht, die wunderbaren Düfte, die den Raum erfüllen, geben einem das Gefühl, für immer hier bleiben zu wollen.
      Der Engel der Geborgenheit nimmt uns in den Arm und ich möchte ihn am liebsten nicht mehr loslassen.

      Mit den Worten: „Ich bin das innere Kind des großen Friedensengels“, kommt eine strahlende Erscheinung auf uns zu. Der Engel des Friedens bittet uns, uns zu setzen, denn er möchte seine Geschichte erzählen:
      „Alle, die den Weg bis hier auf unseren Spielpatz gefunden haben, kennen mich schon recht gut. Denn jeder hat sich oft um mich bemüht. Vergebung, Verzeihen und vor allem Liebe sind meine Brüder und Schwestern, die nicht immer leicht zu finden sind. Doch hat man sie zur Freundschaft gewonnen und pflegt diese auch von Herzen, bin ich als Familienoberhaupt immer in eurer Nähe. Auch ich, der Frieden, spiele hier am Spielplatz der Glückseligkeit, erfreue mich an meinen Freunden und begrüße jeden, der zu uns kommt.“
      „Kannst du mir sagen, warum so viele Menschen dich nicht finden?“, frage ich. „Im Grunde möchte doch jeder Mensch in Frieden leben und doch tun sie es nicht.“
      Der Frieden kommt zu mir und sagt: „Ja, du hast recht, sie möchten. Doch Frieden kann man nicht bestellen, Frieden ist immer ein Geschenk. Und geschenkt bekommt man ihn von Vergebung, Verzeihen und Liebe. Wenn man diese gefunden hat und sie einem Freunde sind, wird man beschenkt.“

      Der nächste, der uns eine Geschichte erzählt, ist die wunderbare, bedingungslose Liebe. Als sie vortritt, werden alle still, um ihrer Erscheinung die volle Aufmerksamkeit zu schenken. Sie erzählt:
      „Irgendwann erkennt ihr, dass alle Ereignisse „rückwärts“ laufen! Jeder hat die Möglichkeit, aus dem Vorgegebenen, das das Ganze ist, eine beliebige Version zu betrachten. Ihr entscheidet, ob etwas oder wie etwas ist. Wie zum Beispiel ein Buch, das viele Seiten hat, und ich schaue mir eine der vielen Seiten an. Jede Seite ist eine Geschichte. Egal, welche Geschichte ich lese, jede gehört zum Buch, und ich bestimme, ob sie mir gefällt oder nicht.“
      Ich frage, warum denn alle Ereignisse denn „rückwärts“ laufen, das verstehe ich nicht.
      Sie meint:
      „Erst, wenn ich verstanden habe, dass ich ein Ereignis nicht verändern kann, sondern es nehme, wie es ist, kann ich mir alle anschauen und erkenne, warum es dazu gekommen ist. Das Ereignis ist ein fertiges Ding. Ich kann es weder beeinflussen noch ändern. Indem ich es anschaue, mir eine Meinung bilde, erschaffe ich ein neues Ereignis. Die Frage ist: Habe ich aus dem Ereignis gelernt oder nicht? Ich habe immer und zu jeder „Zeit“ alle Möglichkeiten.
      Ich, die bedingungslose Liebe nehme alles und jeden in den Arm, Gut oder Schlecht, Reich oder Arm, Richtig oder Falsch, es ist egal, denn alle gehören zu mir, sind meine Kinder, die einen noch recht kleine, die anderen schon etwas größer. Ihr könnt nichts falsch oder richtig oder besser machen, indem ihr da seid, seid ihr sowieso die Schöpfer des Universums.“
      Und ein Gedicht hat die bedingungslose Liebe auch noch parat:

      Gut oder schlecht
      Wer hat recht?
      Hässlich oder schön?
      Dinge sind so wie wir sie seh‘n.
      Das Ding an sich,
      es ist neutral.
      Weckt es Freude –
      ist‘s ein Skandal?
      Es ist die Art, wie wir‘s betrachten,
      ob wir,s bewundern oder verachten.

      Werden schlafende Gefühle in uns geweckt,
      versteckte Begierden ganz plötzlich aufgedeckt?

      Die Sache ist böse –
      nein sie ist gut,
      das Be- und Verurteilen,
      das können wir gut.

      Die Dinge, sie bleiben
      neutral wie der Wind
      und zeigen,
      wie viel der Liebe
      wir fähig sind.

      Na ja, ganz hab ich das noch nicht verstanden, macht aber nichts, denn die bedingungslose Liebe sagt ja, alles sei in Ordnung, so, wie es ist. Und das genügt mir.
      Wir alle sind so gefesselt von ihr, dass wir nicht bemerken, dass der Engel der Freude, schon bevor er zu sehen ist, seine Strahlen an uns verteilt.
      Er sagt: „Ja, auch ich spiele hier in Glückseligkeit, bin von jedem hier geliebt und werde auf Händen getragen. Keiner möchte mich missen“. Und mit Augenzwinkern meint er: „Ohne mich läuft hier gar nichts!“
      Alle jubeln ihm zu und eine Welle der Freude erfüllt unser Herz.

      „Kannst du dich noch daran erinnern, dass du einmal am Morgen erwachtest und ein großer Wagen voller Geschenke neben deinem Bett stand? Du hast ihn auf euren Spielplatz mitgenommen und es waren viele Geschenke mit Namensschildern drin. Für alle war was dabei und man konnte sich so viele nehmen, wie man wollte, es wurden nicht weniger.“
      Ja, ja den haben wir immer noch. Doch wer stellt mir diese Fragen?
      Ein Engel, den ich noch nicht kenne, kommt auf mich zu und überreicht mir ein Geschenk mit einem Namensschild, auf dem mein Name steht. Er sagt: „Ich habe dir diesen Wagen geschickt, es sollte eine Überraschung für euch sein, die mir gelungen ist. Bei uns am Spielplatz der Glückseligkeit bekommt auch jeder ein Geschenk. Es ist jedoch immer dasselbe und jeder, der es erhält, kann es kaum erwarten, dass ich es ihm überreiche.“
      Na, da muss ja was ganz Besonderes drin sein, wenn es alle haben möchten, denke ich mir im Stillen.
      „Ja, ganz richtig, es ist etwas ganz Besonderes, das du hier bekommst. Ich bin der Engel der Freiheit und wenn man mein Geschenk bekommt, gehört es einem für immer. Du kannst es weder vergessen noch verlieren, wer es einmal erhalten hat, hat es für immer, außer du verschenkst es.“

      „Auch ich habe dir eine Idee ins Herz gelegt.“ Diese Worte richtet ein weiterer Engel an mich, den ich auch noch nicht kenne. Seine Erscheinung ist leuchtend und strahlend. „Die Idee der Ideenbank habe ich dir ins Herz gelegt. Ich bin der Engel der Weisheit.“
      „Und was hat eine Ideenbank mit Weisheit zu tun?“, frage ich. Der Engel erzählt weiter:
      „In Ruhe zu verweilen, sich öffnen für das, das für dich bereitliegt, und durch diese offene Tür mich besuchen. Auf den ersten Blick kann man mich nicht sehen, und dennoch kann man mich spüren. Du erkennst, ob eine Idee stimmig ist, und die Kraft, sie umzusetzen, wird gleich mitgeliefert.
      Hier auf dem Spielplatz der Glückseligkeit brauchen wir keine Ideenbank mehr, denn ich bin immer und zu jeder Zeit zu erreichen. Es gibt keine Wünsche oder Fragen. Alles ist am rechten Platz und offene Augen und Herzen erzählen, was zu wissen ist.“…..

      Die Gegenwart besucht die Vergangenheit und verändert sie.
      Die veränderte Vergangenheit beeinflusst die Gegenwart.
      Die veränderte Gegenwart gestaltet die Zukunft,
      die wiederum die Gegenwart besucht.

    • @ Simone 23_2
      Das System ist am Ende?
      Ja, sieht so aus.
      Wenn mensch das Jetzt im Zuge der Entwicklung der Menscheit sieht:
      Verfügbare Technik->Wirtschaftssystem
      bloße Hand : Sammler
      Pfeil+Bogen : Sammler und Jäger
      Pflug : Ackerbau
      Münz-Prägestock : Geldwirtschaft
      Maschine : Industrie
      Vollautomatische Fabrik : ????
      Die verfügbare Technik hat immer das WirtschaftsSystem bestimmt oder zumindest mitbestimmt.
      Zudem:
      die industrielle Landwirtschaft mit Monokultur, falscher Bodenbearbeitung, Pestizide und ohne Nährstoff-Kreislauf zerstört schleichend die Böden, siehe

      und liefert nur minderwertige Nahrungsmittel:
      http://www.chemievorlesung.uni-kiel.de/1992_umweltbelastung/dueng2.htm
      http://storytel.republika.pl/AktVitamine.html

      Für mich sieht es so aus, als wäre wieder ein neues WirtschaftsSystem fällig – ein geistiger Entwicklungsschritt ebenfalls wegen der verfügbaren Waffentechnik
      Entwürfe für ein anderes Gesellschafts- und Wirtschaftssystem gibt es bereits seit einiger Zeit,
      eine Zusammenstellung auf
      http://members.aon.at/goedheinz/GOD_Deutsch/Zusammenarbeit/IQOAsD.html
      Damit aus diesen Ideen etwas werden kann,
      müsste allerdings die breite Bevölkerung mitdenken und mitarbeiten und dazu müsste die Bevölkerung in der Breite informiert werden – aber die Massenmedien sind in der Hand der Systemprofiteure.

  3. Idahoe permalink

    Vielleicht sind die Ideale eurer Ideenwelten nur das Problem, das sich selbst zur Lösung erklärt?
    http://is.gd/neudenk-

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