Armut und Elend

Ein südamerikanisches Märchen*


Das Elend, mit der Armut im Gefolge, ist ein Schmied des Schicksals. Doch wer trotzdem Güte bewahrt, kommt mit der Güte selbst, dem Auferstandenen, der unerkannt unter den Menschen wandelt, in Berührung. Er beschenkt den Menschen mit Kräften, die ihn zwar nicht vor den Anfechtungen des Bösen bewahren, aber helfen, es schließlich selbst zu überwinden. Dabei handelt Christus aus einer höheren Weisheit als sein Jünger Petrus (und dessen Nachfolger). Christus wartet auf den Menschen nach dem Tod, was er auch getan hat, um mit ihm auf sein Leben zurückzuschauen, auf dass er daraus Lehren für die Zukunft ziehe. Bilder voller Lebensweisheit und verschmitzt-deftigem Humor. (hl)

Unser Herr, Jesus Christus, von dem gesagt wird, er sei der Schöpfer der Güte, ging über unsere Erde von Hütte zu Hütte, von Ort zu Ort, lehrte das Evangelium und heilte mit dem Wort. Dabei begleitete ihn Sankt Peter als dienstbereiter Helfer.

Einmal nun, als sie so unterwegs waren, verlor der Maulesel Unseres Herrn ein Hufeisen und begann zu hinken. „Sieh“, sagte Unser Herr, „ob Du nicht eine Schmiede findest, wir kommen gleich in ein Dorf.“ Sankt Peter schaute sich aufmerksam um und gewahrte ganz am Ende der Straße einen uralten Rancho mit gesprungenen Lehmwänden, der hatte über der Tür ein Schild, auf dem Stand SCHMIEDE. Auf Spanisch stand es da und war ein wenig falsch geschrieben: ERRERIA statt HERRERIA, so dass man auch verstehen konnte: ORT DER IRRUNG statt: SCHMIEDE. Gleich zeigte er sie dem Meister, und sie hielten vor dem Hof und riefen: „Ave Maria!“ Zusammen mit einem kleinen kläffenden Hündchen trat ein zerlumpter Alter heraus und lud sie ein, näher zu kommen. „Guten Tag“, grüßte Unser Herr, „könntest Du meiner Mula ein neues Hufeisen schmieden? Sie hat eines verloren. „Nur herab auf Eure Füße und tretet ein“, antwortete der Alte, „will sehen, ob ich Euch helfen kann.

Als sie es sich schon bequem gemacht hatten auf den Stühlen mit geborstenen und schiefen Beinen, fragte Unser Herr den Schmied nach seinem Namen. „Miseria nennen sie mich, Elend, und mein Hündlein Armut“, gab der Alte zur Antwort und ging, das Nötige für seine Arbeit zusammenzusuchen, damit er den Wanderern dienen könne. Bedachtsam ging dieser Diener Gottes umher, schnüffelte in Kisten und Säcken, fand aber nichts. Entmutigt wollte er schon die Wartenden um Entschuldigung bitten, als er, mit dem Stiefel einen Haufen Unrat und Abfälle aufrührend, einen riesengroßen Silberring fand. „Was tust Du denn da?“, rief er, hob ihn auf, schritt zur Esse, zündete Feuer, glühte den Silberring, formte ihn mit dem Hammer zu einem Hufeisen und nagelte dies der Mulita Unseres Herrn unter, der verschmitzte, schlaue Alte.

„Was schulden wir Dir, guter Mann?“ fragte unser Herr. Miseria schaute ihn genau an von oben bis unten, und als er fertig war mit seiner Musterung, meinte er: „Wie ich sehe, seid Ihr so arm wie ich, Wie, zum Gehörnten, werde ich da etwas von Euch fordern? Geht in Frieden durch die Welt, eines Tages wird es mir Gott vielleicht anrechnen.“ „So sei es“, sprach Unser Herr, und, nachdem sie sich verabschiedet hatten, stiegen die Fremden auf ihre Maulesel und ritten in raschem Schritt davon.

Als sie schon ziemlich entfernt waren, sagte zu Jesus Christus dieser Sankt Peter, der wohl ein wenig schwerfällig war: „Es ist doch wahr, Herr. Wir sind undankbar. Dieser arme Mensch hat Deine Mula mit Silber beschlagen, hat nichts dafür genommen, und wir gehen davon, ohne ihm doch wenigstens ein Freundschaftspfand zu geben.“ „Gut sagst Du das“, erwiderte Unser Herr, „kehren wir zurück und gewähren ihm drei Gnaden, die er auswählen mag, wie´s ihm gefällt.“

Als Miseria sie zurückkommen sah, glaubte er, das Hufeisen habe sich wieder gelöst und hieß sie wie vorher eintreten. Unser Herr erklärte ihm, warum sie kämen. Da sah der Alte sie schief an. Halb lächerte ihn, halb schien´s ihm unheimlich, und er hatte gute Lust, sie davonzujagen. „Bedenke es wohl“, mahnte Unser Herr, „ehe Du Deine Bitte aussprichst.“
Sankt Peter hatte sich hinter Miseria gestellt und blies ihm ein: „Erbitte das Paradies!“ „Schweig, Alter!“, antwortete ihm Miseria und sagte dann zu unserem Herrn: „So wünsche ich mir, dass nicht ohne meine Erlaubnis aufstehen kann, wer sich hier in meinen Lehnstuhl setzt.“ „Gewährt“, sprach Unser Herr, „und nun die zweite Gnade? Bedenke mit Vorsicht.“ Wieder raunte ihm Sankt Peter zu: „Erbitte das Paradies, Du Hartnäckiger!“ „Still, dräng Dich hier nicht ein, Alter“, gab Miseria leise zurück, und dann zu unserem Herrn gewendet: „Wer auf meine Nussbäume steigt, soll dann nicht herabkönnen ohne meine Erlaubnis.“ „Gewährt“, sprach Unser Herr, „und die dritte und letzte Gnade? Beeile Dich nur nicht.“ „Bitte um das Paradies, Du Hartnäckiger“, flüsterte ihm wieder Sankt Peter von hinten ins Ohr. „Willst Du endlich still sein, alter Schwachkopf!“, erzürnte sich nun der Schmied. Dann sagte er zu Unserem Herr: „Wer in meinen Tabaksbeutel schlüpft, soll da nicht herauskönnen ohne meine Erlaubnis.“ „Gewährt“, sprach Unser Herr, verabschiedete sich und ging.

Kaum war Miseria allein, als er zu grübeln begann und in Wut geriet, weil er nicht mehr Vorteil aus den drei Gnaden gezogen hatte. „Dumm bin ich auch!“, schrie er und warf seinen Hut auf die Erde, „und wenn jetzt gleich der Teufel käme, ich wollte ihm meine Seele geben um zwanzig Jahre Leben und Geld nach Belieben!“ Im Augenblick erschien in der Tür der Schmiede ein Kavalier und bot ihm an: „Hier ist ein Vertrag über das, was Du wünschest.“ Schon zog er aus der Tasche eine Rolle Papier, mit Buchstaben und Nümmerchen auf`s beste zurechtgemacht. Hier lasen sie die schwarzen Zeichen und, einverstanden mit den Bedingungen, unterschrieben beide mit viel Schwung über einem Siegel, das an der Rolle befestigt war.
Nun mögt Ihr denken: „Da hatte die Stute das Lasso zerrissen!“ Aber seid nur still und merkt, wie es weiterging: Kaum war Lilí, der Teufel, gegangen, lief der Schmied zum Ententeich, sich darin zu besehen. Jung war er geworden! Er betastete den Beutel mit Gold, den der Böse dagelassen hatte, ging ins Dorf, kaufte sich neue Kleider, mietete wie ein Herr ein Zimmer in einem Gasthof und schlief diese Nacht vergnügt ein.
Freunde, nun solltet Ihr sehen, wie das Leben dieses Mannes sich änderte! Er verkehrte mit Bürgermeistern und Statthaltern, spielte wie keiner bei den Pferderennen und reiste durch die ganze Welt.

Aber wahr ist, was die Leute sagen! Schnell verfliegen die Jahre, wenn man so auf dieser Welt lebt, und bald kam das zwanzigste heran. Einmal, als Miseria gegangen war, um über seinen armen, alten Rancho zu lachen, kam Lilí als Kavalier wie das vorige Mal, entrollte den Vertrag und verlangte, dass der nun eingehalten würde. Der Schmied war ein ehrenhafter Mann. Traurig bat er den Teufel, zu warten, er wolle sich waschen und reine Kleider anziehen, um sich in der Hölle vorzustellen. So tat er und dachte, dass einmal doch jedes Lasso reisst, und dass nun sein Glück zuende sei.
Inzwischen hatte sich Lilí in den Lehnstuhl gesetzt und wartete geduldig. „Ich bin fertig“, sagte Miseria, „gehen wir.“ „Ja, wie denn gehen …“, knurrte Lilí, „ich klebe ja am Sessel wie durch Zauber!“ Da erinnerte Miseria die Gnade, die ihm jener Mann von der Mula gewährt hatte, und es kam ihm ein großes Lachen an. „Na, richte Dich doch auf, Heimtücker, wenn Du schon der Teufel bist!“ Mit der größten Anstrengung machte dieser den Stuhl auskeilen wie ein wildgewordenes Pferd, aber aufstehen konnte er kein kleines bisschen. Endlich sah er Miseria schwitzend an. „Dann“, sagte der, der einmal ein Schmied gewesen war, „wenn Du hier fort willst, schreibe mir noch einmal zwanzig Jahre zu und Geld nach Bedarf.“ Der Teufel erfüllte die Forderung Miserias, und dieser erlaubte ihm zu gehen.

Wieder zog der jung und reich Gewordene in die Welt hinaus, verkehrte mit reichen Handelsherren und Adeligen und tanzte mit ihren Töchtern. Aber die Jahre entfliehen dem schnell, der sich nur vergnügen will, so dass wieder das zwanzigste herankam. Miseria wollte sein Wort halten und machte sich auf den Weg zum Ort seiner Schmiede.
Inzwischen hatte Lilí, der Schwätzer und Zuträger, in allen Höllen die Sache mit dem Zauberstuhl erzählt. „Da muss man ein wachsames Auge haben“, meinte Luzifer, „dieser Mensch ist behütet und ein verschmitzter Alter. Diesmal sollen es zwei sein, die ihn holen, wenn der Vertrag abläuft.“
Zwei Kavaliere also erwarteten ihn, als Miseria vor seinem Rancho vom Pferd stieg. Einer von ihnen war Lilí. „Nur herein“, forderte sie der Alte auf, „und setzt Euch, während ich mich wasche und zurechtmache für die Hölle, wie sich`s gehört.“ „Ich setze mich nicht!“, antwortete der, der gut wusste, warum. „Nun, wie Ihr wollt, Ihr könnt auch in den Hof gehen und Nüsse herunterholen, die sicher die größten sind, die Ihr in Eurem Teufelsleben je gegessen habt.“ Lilí wollte auch davon nichts wissen, aber als sie alleine waren, gelüstete es seinen Begleiter, doch einmal unter den Nussbäumen entlangzugehen, um vielleicht eine herabgefallene Nuss vom Boden aufzuheben und zu probieren.

Nach einer Weile kam er zurück und erzählte, dass er ein Gespann gefunden hätte, und niemand könne leugnen, dass es die köstlichsten in der ganzen Welt seien. Da gingen sie zu zweit in den Hof und begannen zu suchen, fanden aber keine mehr. Lilís Teufelsfreund war aber nun der Mund wässrig geworden, er wollte auf einen Baum hinaufsteigen. „Besser misstrauen wir“, warnte Lilí, das Leckermaul hörte nicht, stieg hinauf und knackte und schluckte und ließ nur hin und wieder hören: „Hach, sind die gut … hach wie gut!“ „Schmeiß mir ein paar herunter!“, schrie Lilí. „Da kommt eine.“ Als er sie aufgehoben und gegessen hatte, bat er um mehr. „Oh, ich bin sehr beschäftigt“, antwortete der Fresser von oben, „wenn Du mehr willst, komm selber rauf!“ Lilí stieg herauf, nach einigem Zögern.
Als Miseria aus seiner Kammer trat und die zwei da oben sah, da kam ihn ein ungeheures Gelächter an. „Hier bin ich zu Diensten“, schrie er, „gehen wir, wenn es Euch recht ist.“ „Es ist so, dass wir nicht herunterkönnen“, heulten die Teufel. Angeklebt saßen sie auf den Ästen. „Hübsch! Dann schreibt mir noch einmal zwanzig Jahre Leben zu Gold nach Bedarf.“ So taten sie, und Miseria erlaubte ihnen herabzusteigen.

Wieder durchwanderte er die Welt und begegnete hoffärtigen Menschen, warf mit Geld um sich und tanzte mit vornehmen Frauen und Prinzessinnen.
Die Jahre begannen zu fliehen wie früher, so dass Miseria sich der Schmiede erinnerte, in der er gelitten hatte und wo er seine Schuld bezahlen wollte, als das zwanzigste verrann.
Während dem hatten die Teufel dem Oberteufel erzählt, was geschehen war, und dieser wurde wütender als wütend. „Pech und Schwefel! Habe ich Euch nicht Vorsicht geraten, denn dieser Mann ist überschlau! Diesmal gehen wir alle auf einen Haufen. Mal sehen, ob er uns dann entkommt!“
So fand Miseria, als er zu seiner Hütte kam, da mehr Leute versammelt als bei einem Taba-Werfen. Sie waren aber in Heeresordnung aufgestellt und schienen einem Angeber mit Krone zu gehorchen. Er dachte gleich, dass die Hölle umgezogen sei in seinen Rancho und näherte sich, auf diese ganze Bevölkerung von Teufeln schauend wie die Ente auf die Treiber. „Wenn ich diesmal davonkomme“, sagte er bei sich, „dann ist es sicher, dass ich niemals mehr unterliege!“ Er tat aber ganz ruhig und fragte: „Wollt Ihr mich sprechen?“ „Ja, Dich!“, gab der mit der Krone nachdrücklich zur Antwort. „Mit Euch habe ich niemals einen Vertrag geschlossen“, wies ihn Miseria ab, „was kommt Ihr nun und nehmt Euch eine Kerze bei dieser Beerdigung!“ Er meinte damit, welche Berechtigung er bei dieser Angelegenheit habe. „Du wirst mir aber doch folgen, denn ich bin der König aller Höllen!“ „Und wer beweist mir das?“, hielt der Schmied dagegen, „wenn Ihr seid, was Ihr behauptet, dann könntet Ihr doch Euch … in eine Ameise verwandeln und alle Teufel in Euch aufnehmen?“ Ein anderer wäre misstrauisch geworden, aber man weiß ja, dass die Bösen sich in der Wut und im Hochmut verlieren; und Luzifer, blind und Platzend vor Ärger, tat einen Schrei und schrumpfte im Augenblick zu einer Ameise, die in sich alle Höllengeister barg. Ohne Zeit zu verlieren, ergriff Miseria das Tierlein, das über die Ziegel des Fußbodens krabbelte, tat`s in seinen Tabaksbeutel, ging mit dem zur Schmiedewerkstatt, legte ihn auf den Amboss und schlug mit dem schwersten Hammer aus ganzer Seele darauf, bis ihm der Schweiß herabrann. Dann erfrischte er sich und spazierte ins Dorf. So tat er nun alle Tage. Gut getan, scharfsichtiger Alter!

So vergingen Jahre. Im Dorf gab es von nun an keinen Streit mehr, keine Prozesse, keine Beweisführungen. Die Eheleute zankten nicht mehr, noch schlugen sie ihre Kinder. Onkel, Vettern und Stiefkinder vertrugen sich, wie Gott es befiehlt. Es gab kein böses Gelichter mehr, und die Kranken wurden gesund; die Alten hörten auf zu sterben, und sogar die Hunde wurden tugendhaft. Die Nachbarn verstanden einander, die Gäule schlugen nur noch vor Freude aus, und alles ging so gut wie die Uhr eines Reichen. Ja, nicht einmal mehr musste man die Brunnen ausschöpfen, denn alles Wasser war rein.
Aber freut Euch nicht zu früh, urteilt nicht zu rasch. Denn so, wie es keine Wege ohne Buckel gibt und kein Glück ohne Unglück, so wurden nun die Rechtsanwälte, Friedensrichter, Heiler, Ärzte und alle die Leute, die zu befehlen haben und vom Unglück und den Lastern der anderen leben, arbeitslos, vor Hunger dünn und trocken wie Steifleinen und begannen auszusterben. Erschrocken machte sich der übriggebliebene Schwarm von Schädlingen auf den Weg zum Statthalter, ihn um Hilfe zu bitten. Der Statthalter, der ja auch zu den Geschädigten gehörte, konnte aber da nichts flicken. Er gab ihnen etwas aus dem Staatsschatz, sagte aber gleich, dass dies das einzige Mal sei, denn es wäre nicht Aufgabe des Staates, ihnen zu helfen. Nach einigen Monaten begannen jedoch die Rechtsverdreher und sonstiges Ungeziefer wieder weniger zu werden. Da argwöhnte endlich der pfiffigste von ihnen die Wahrheit. Wieder zogen sie miteinander zum Regierenden und berichteten ihm, dass all das Unglück über sie käme, weil der Schmied Miseria alle Höllenteufel in seinem Tabaksbeutel eingesperrt hielte.
Sofort befahl der Herrscher, Miseria zu ihm zu bringen. „Aha, bist Du das? Hübsch richtest Du die Welt ein mit Deinen Hexereien und Verzauberungen, schändlicher Alter! Gleich richtest Du wieder alles so ein, wie`s war und mischest Dich nicht mehr ein mit Schuldablösen und Teufelbestrafen! Siehst Du nicht, dass diese Welt, so wie sie ist, nicht ohne das Übel auskommt, und dass die Gesetze und Krankheiten und alle, die davon leben – viele sind das – es nötig machen, dass die Teufel auf der Erde herumschleichen? Jetzt ab im Trab und lass die Höllen aus Deinem Tabaksbeutel!“ Miseria verstand, dass der Statthalter recht hatte, gestand die Wahrheit und ging nach Hause, um dem Befehl zu gehorchen.
Alt genug war nun dieser Schmied. Er hatte die Welt satt, so dass es ihm nichts ausmachte, sie jetzt zu verlassen. In seiner Werkstatt legte er den Tabaksbeutel wie jeden Tag auf den Amboss und schlug zum letzten Mal eine gewaltige Tracht Prügel darauf, von ganzer Seele, bis ihm der Schweiß herabrann. „Wenn ich Euch jetzt loslasse, werdet Ihr hier dann noch weiter Euren Unfug treiben, Bösewichter?“ „Nein, nein!“, schrien sie von drinnen, „lass uns los, wir schwören, nie wieder zu Deinem Hause zu kommen.“ Da öffnete Miseria den Beutel und gab ihnen Urlaub zu gehen. Kroch das Ameislein heraus, wuchs und wurde der Böse. Aus seinem Leib quollen alle Teufel, und auf einmal stürzte der ganze Hauf auf die Wege Gottes, Staub aufwirbelnd wie eine Gewitterwolke.

Ja, und nun kommt das Ende. Miseria war beim letzten Tabaksräuchlein angekommen, denn für jeden Christenmenschen ist einmal der Augenblick da, wo er sein Gebein ablegen muss, und er hatte es wahrlich reichlich gebraucht. Er gedachte es auf`s beste zu machen, warf sich auf seine Satteldecke, das Hündchen Armut neben sich, und wartete auf den Tod. Nicht Speise noch Trank nahm er zu sich in seinem Armenstübchen und ließ endlich den Leib für die Würmer. Zuletzt sah er da noch das silberne Hufeisen blinken. „Ach, hat es die Mula doch verloren! Nun will ich den Mann mit dem Maulesel suchen und es ihm bringen“, zog ihm noch durch den Sinn.
Dann bedachte Miseria, was jetzt zu tun sei, machte sich ohne Zögern auf den Weg zum Himmel, denn dumm war er ja nicht, und klopfte nach langer Reise dort ans Tor. Kaum tat sich dieses auf, erkannten Sankt Peter und der Schmied einander; aber dem pfiffigen Alten war an solchen Erinnerungen nichts gelegen, er spielte das lahme Ferkel und bat um die Erlaubnis einzutreten. „Hm“, sagte Sankt Peter, „als ich in Deiner Schmiede war mit Unserem Herrn, um Dir drei Wünsche zu gewähren, da riet ich Dir, das Paradies zu erbitten. Du antwortetest mir: Schweig, alter Schwachkopf. Es ist nicht so, dass ich Dir das nachtrage, aber ich kann Dich nun nicht einlassen, denn obwohl ich Dir dreimal den Himmel anbot, hast Du Dich geweigert, ihn anzunehmen.“ Und da der Himmelspförtner das Tor nun schloss, gedachte Miseria von zwei Übeln das kleinere zu wählen und ging dorthin, wo die Seelen ihre Erdentaten büßen, um zu probieren, wie es ihm da wohl erginge.
Aber Freunde, da sagten sie ihm, dass hier nur solche Seelen hineinkönnten, die für den Himmel bestimmt seien. Da er nie dahin käme, es doch nicht gewollt habe, dürften sie ihn nicht aufnehmen. Er solle zur Hölle gehen.
Also ging er zur Hölle und klopfte ans schwarze Tor mit solcher Wucht, wie er früher seinen Tabaksbeutel auf dem Amboss geschlagen hatte, dass die Teufel heulten. Sie öffneten. Aber wie wurde er zornig, als er just dem Lilí gegenüberstand! „Verflucht mein Geschick“, schrie er, „dass ich auch überall Bekannte haben muss!“ Lilí, die Prügel erinnernd, rannte, als ob Feuer hinter ihm wäre, und sein Schwanz flackerte wie die Fahne auf der Polizeistation. Er stand erst still vor Luzifers Füßen. Dem meldete er, wer da zu Besuch gekommen sei. Nie noch waren die Teufel so erschrocken, und selbst der König der Höllen, der auch den Schmiedehammer noch spürte, fing an, wie eine Glucke zu schreien und befahl, alle Tore zu schließen mit Schloss und Riegel, dass der Unverschämte nicht hereinkäme.

Da stand er. „Ich muss ja noch das Hufeisen wieder befestigen“, sagte er sich und begann den Herrn der Mula zu suchen. Steile, steinige, mühsame Wege wanderte er und kam endlich von Neuem vor ein Tor. Er klopfte. Sankt Peter öffnete, und da stand Unser Herr. „Aber das ist ja Miseria! Komm herein! Erzähl, wie es Dir inzwischen ergangen ist.“

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* Frei übersetzt nach Ricardo Güiraldes und fortgeführt von Annemarie Oehring und Eli Lunde, erschienen 1988 im Selbstverlag ohne Adressen-Angabe, nur noch antiquarisch zu erhalten.
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Zur Vertiefung:
Das Rätsel der Auferstehung
Die rätselvolle Auferweckung des Lazarus und das Ostergeschehen

 

 

 

 

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12 Kommentare zu „Armut und Elend“

  1. Wunderschöne bildhafte Darstellung wahrer Tatsachen. Der WEG fordert manchesmal silbernes Hufeisen.
    Die WAHRHEIT kann wehtun, wenn wir erkennen, selber ein Maulesel (gewesen) zu sein.
    Das LEBEN bringt mich immer wieder zum Staunen !
    Es kommt der Moment, in dem wir selber uns nicht mehr aus dem Sessel erheben können, in dem wir selber nicht mehr runterklettern können aus dem Nussbaum, in dem der Tabaksbeutel zwar noch da liegt, wir selber aber nicht mehr rauchen können. Da ist die FRAGE, ob uns der Tabaksbeutel gefangen nimmt..
    Ob der Nussbaum im Garten uns loslässt. Ob der Sessel – unser Besitz – uns noch gefangen nimmt.
    Geht es in diesem Märchen nicht um FREIHEIT ?
    CHRISTUS gibt sie, wem ER WILL.

  2. Märchenstunde- Fortsetzung der Bibel?
    Laut der Bibel ist Jesus auf Eseln geritten. Diese, als auch Maultiere, oder Maulesel, wurden in der damaligen Zeit NICHT beschlagen- jedenfalls nicht vom Schmied.
    Weil, Eselartige haben so zähe Hufe, das sich Abnutzung und Wuchs, etwa die Waage hielten; damals.
    Es gab zwar schon Funde von so etwas ähnlichem, wie Hufeisen, ca. 1000 AC, aber nur Pferde kamen in den Genuss Diese zu tragen.

    1. @Deutsche Freigeister
      Diese Geschichte spielt, wie jeder Märchenkenner weiß, in keiner bestimmten Zeit, also in jeder Zeit, so dass es auf die Stimmigkeit historischer Details nicht ankommt. Ja, worauf kommt es wohl an?

      Jedenfalls ist der wichtigsten Frage der Menschheit nach der realen Existenz Jesu Christi nicht mit einem polemischen unseriösen Video beizukommen, weshalb es nicht übernommen wurde.

  3. Ein P.S. noch zu meinem ersten Kommentar, damit SOGAR durch „Deutsche Freigeister“ VIELLEICHT verstanden wird, was gemeint ist und worum es geht.

    P.S. zu: „Es kommt der Moment,..“ “ Es kommt der Moment SOGAR für deutsche Freigeister, in dem wir sterben müssen, in dem wir selber uns nicht mehr aus dem Sessel erheben können“. U.s.w.

    Indem wir den materiellen Leib verlassen um ihn der Erde zurück zu geben, von der er nur geliehen ist, verbleibt unser Geist mit der Seele in einer geistigen Welt. Es hatte die „Märchenstunde“ bereits geschlagen und der Christus steht als mächtiger Richter hinter uns. Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben, und das Erdenleben haben wir bereits hinter uns.

  4. Warum viele Leute das Thema nicht interessiert, liegt daran, dass sie nicht verstehen, worum es geht.
    Es geht um Liebe zur Wahrheit. Und die Erkenntnis der Wahrheit macht uns frei. (Joh. 8:32)
    Erkenntnissuche ist keine Glaubenssache, ist keine blinde Religion sondern was Christus uns gibt ist eine Wissenschaft.
    Noch vor ca. 2000 Jahren war diese Wissenschaft von der upper class unter Androhung der Todesstrafe vor dem Volk geheim gehalten worden, und Christus wurde gekreuzigt, weil er diese Geheimhaltung aufhob durch die Erweckung des Lazarus, bei der das Volk (!) zusehen durfte.
    Heutzutage wird das Volk unwissend gehalten dadurch, dass Christentum zur „Religion“erklärt wurde.
    Es ist aber diejenige Wissenschaft, welche früher der upper class allein gehörte !

    1. . . .
      ZITAT @ Michael:
      .
      „Noch vor ca. 2000 Jahren war diese Wissenschaft von der upper class unter Androhung der Todesstrafe vor dem Volk geheim gehalten worden, und Christus wurde gekreuzigt, weil er diese Geheimhaltung aufhob durch die Erweckung des Lazarus, bei der das Volk (!) zusehen durfte.“
      .
      DARAN hat sich bis heute NICHTS geändert – nur die TARNUNG der Herrschafts-Verbrechen ist deutlich besser geworden – aber wir schlafen ja auch nicht alle, oder . . . ?
      .
      WO sind Julian Assange, Alain Sorel, Ursula Haverbeck, Kevin Trudeau während wir Ostern feiern . . . ?
      .
      Sie sitzen im angeblich „freien Westen“ im Knast, weil sie die GEHEIMEN Pläne & Verbrechen der westlichen Regierungen OFFEN legten – was in einer echten DEMOKRATIE selbstverständlich sein sollte – denn das VOLK ist in einer echten DEMOKRATIE der einzige SOUVERÄN!

      1. @ Kalle Möllmann:“-aber wir schlafen ja auch nicht alle, oder…?“

        Muss leider bekennen, lange Zeit mancher Wahrheit gegenüber geschlafen zu haben, und erst ein Leid brachte mich zum Aufwachen für Fragen..

        „- denn das VOLK ist in einer echten DEMOKRATIE der einzige SOUVERAEN !“

        Früher gab es einen französischen Souverän , der erklärte:“ Der Staat bin ich.“ Wie sollte es in einer Demokratie denn sein ? Laufen da lauter Monarchen umher, von denen jeder behauptet:“Der Staat bin ich.“ ?
        Man kann ja viel behaupten, wenn der Tag lang ist, aber wenn jeder ein Kaiser sein will, gibt es da genügend Gold für die Kronen und genügend Raum für all die Paläste ?
        Und welcher von all diesen Monarchen wäscht dem anderen bei Bedarf die Füsse ?

        „im angeblich „freien Westen“ im Knast“

        Von wo aus betrachtet liegt denn z.B. Deutschland im Westen ? Und von wo aus gesehen liegt es im Osten ?
        Liegt es nicht zwischen Ost und West in der Mitte ?

        1. . . .
          ZITAT @ Michael:
          .
          „Früher gab es einen französischen Souverän , der erklärte:“ Der Staat bin ich.“ Wie sollte es in einer Demokratie denn sein ? Laufen da lauter Monarchen umher, von denen jeder behauptet:“Der Staat bin ich.“ ?“
          .
          Das Wort „SOUVERÄN“ bedeutet „HERRSCHER“ – also auch ein mörderischer Gangster als Präsident – ist ein „Souverän“.
          .
          Im WESTEN, damit sind die USA & ihre Verbündeten gemeint, brüsten sich unsere Regierungen damit, daß wir in angeblich „freiheitlichen“, also allen anderen weit überlegenen DEMOKRATIEN leben – und DAS wiederum bedeutet, daß WIR ALLE, nämlich das gesamte VOLK gemeinschaftlich – der SOUVERÄN, also der HERRSCHER sind.
          .
          In Wahrheit ist DAS nur der schöne Schein, weshalb ja der „Fassadenkratzer“ an der Hochglanz-Fassade kratzt – und siehe da, es ist auch im freien Westen nicht alles Gold, was glänzt – die teuflischen FALLEN & die echten Schweinereien bei uns im Westen werden nur perfekt GEHEIM gehalten.
          .
          Tatsächlich herrscht aus meiner bescheidenen Sicht in Deutschland, Frankreich oder den USA auch nicht wirklich MEHR Freiheit als in China oder Nord-Korea – unsere HERRSCHER sind aber bei weitem die besseren LÜGNER – denn unsere Fassade ist von außen immer schön blitzblank . . .
          .
          Ob nun die OFFENE Unterdrückung, wie in CHINA oder NORD-KOREA besser oder schlechter ist – wie die VERDECKTE, also die perfekt GETARNTE Unterdrückung wie in Deutschland, Frankreich oder den USA – DAS darf ein Jeder für sich selbst entscheiden . . .
          .
          ICH jedenfalls halte die VERDECKTE, also die GEHEIME Unterdrückung für weit gefährlicher – weil man sich viel schwerer dagegen zur WEHR setzen kann – wenn die EIGENEN Terroristen im KRIEG gegen das EIGENE Volk sind – wie in „GLADIO“ geschehen & BEWIESEN!
          .
          https://www.politaia.org/gladio-die-geheimarmeen-der-nato/
          .
          Und was der Rothschild-Bankster & Jesuit Emmanuel Macron in Frankreich GEGEN das eigene VOLK abzieht – DAS dürften sich weder CHINA, RUSSLAND noch NORDKOREA erlauben – OHNE einen KRIEG des angeblich an den „Allgemeinen Menschenrechten“ zu messenden „Werte-Westens“ zu provoziern, aus rein „humanitären“ Gründen, versteht sich . . .

  5. . . .
    JESUS von NAZARETH predigte auch die WIEDERGEBURT – die wichtigste aller Tatsachen, die ein Erden-Bürger kennen & wissen sollte – um Probleme DIESES Lebens besser zu verstehen, und um für das NÄCHSTE Leben besser gerüstet zu sein & die Weichen vielleicht dieses Mal etwas klüger zu stellen . . . ?
    .
    Bereits 325 Jahre NACH der Ermordung von JESUS von NAZARETH durch die verängstigte Regierung – erlaubten sich seine irdischen Vertreter, – beim päpstlichen Konzil zu Nicäa, genau dieses SCHLÜSSEL-WISSEN aus der Bibel heraus zu FÄLSCHEN . . . !
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    Um dem Teufel nicht auf den Leim zu gehen – muss man Satan kennen & WISSEN – daß er der Meister der GEHEIMEN Welt & der TARNUNG ist.
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    HIER ein „Schmankerl“, das ist bayerisch für ein „Geschenk des Himmels“ zum Osterfest von Kevin Trudeau, – der seit 2012 in Texas/USA für uns alle im Knast schmort – weil er sich erstens erlaubte, die höchsten Logen-Grade zu erklimmen & zweitens, wie ein zweiterRobin Hood, die echten GEHEIMNISSE der GEHEIMEN Freimaurer-Logen oberhalb des 33. Grades dem einfachen VOLK zur Verfügung zu stellen . . .
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    http://www.spiritcentrum.com/Selfconfidence-Formula-Napoleon-Hill-Law-of-Success-16-Lessons_files/Dein%20Wunsch%20ist%20Dir%20Befehl_EP-Spiritcentrum-com.pdf
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    MERKE:
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    Wenn es an’s Eingemachte geht – dann gibt es auch in Amerika KEINE Freiheit – die kann man sich nur Schritt für Schritt SELBST erkämpfen . . .
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    Frohe Ostern an ALLE,
    .
    Kalle

    1. @ Kalle Möllmann

      Herzlichen Dank für diese (für mich zumindest) höchst interessanten Hinweise und Mitteilungen betreffs Kevin Trudeau und ausserdem betreffs Wiedergeburt, was zur Zeit der ersten Christen noch bekannt war.

      Frohes Osterfest an ALLE !`

  6. stinkt immer vom Kopf her – oder wie man bei uns (südlich der Donau) sagt: Wie der Herr, so’s G’scherr!

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