Absurdes Lob des Reichtums weniger. Der blinde Fleck des Liberalismus

Am 19.11.2017 erschien auf dem Blog „ScienceFiles“, der sich einer „kritischen Wissenschaft“ verpflichtet fühlt, ein Artikel, in dem der ungleichen Verteilung von Einkommen und Vermögen auf Arme und Reiche ein enthusiastisches Loblied gesungen wird.1  Sie sei für die Gesellschaft geradezu überlebenswichtig. Man bezieht sich dabei auf den österreichischen Nationalökonomen Ludwig von Mises, einen Vertreter des klassischen Wirtschaftsliberalismus, der in seinem 1927 erschienenen Buch „Liberalismus“ die These vertreten hat, die Ungleichheit der Einkommens- und Vermögensverteilung habe grundlegend wichtige Funktionen für die gedeihliche ökonomische Entwicklung einer Gesellschaft.

Zum einen sei die Existenz der Reichen Antrieb für jeden, ihnen nachzustreben. „Dass es Reiche gibt, gilt denen, die gerne reich wären, als Motivation für eigene Leistung mit dem Ziel, auch reich zu werden“, heißt es in dem Artikel. Ludwig von Mises schrieb: „Nur weil unsere Gesellschaftsordnung die Ungleichheit des Eigentums kennt, nur weil sie jeden anspornt, soviel als möglich und mit dem geringsten Aufwand an Kosten zu erzeugen, verfügt die Menschheit heute über die Summe von jährlichem Reichtum, den sie nun verzehren kann. Würde man diesen Antrieb beseitigen, so würde man die Ergiebigkeit der Produktion so sehr herabdrücken, daß die Kopfquote des Einkommens bei gleichmäßiger Verteilung tief unter das fallen würde, was selbst der Ärmste heute erhält.“2

Zum anderen ermögliche diese Ungleichheit den Luxus der Reichen, mit dem alle Massenwaren einmal angefangen hätten. Nehme man den Reichen das Geld für den Luxus, dann hätte dies unübersehbare Folgen für die Fähigkeit und Willigkeit der Mitglieder einer Gesellschaft, innovative Güter zu produzieren. So habe das Badezimmer oder das Auto einmal als Luxus für Reiche angefangen und sei heute allgemeiner Standard des normalen Lebens von jedermann. „So ist nämlich der Gang der Wirtschaftsgeschichte: der Luxus von heute ist das Bedürfnis von morgen. Aller Fortschritt tritt zuerst als Luxus der wenigen Reichen ins Leben, um dann nach einiger Zeit das selbstverständliche notwendige Bedürfnis aller zu werden. Der Luxus gibt dem Konsum und der Industrie die Anregungen, Neues zu erfinden und einzuführen. Er ist eine der dynamischen Einrichtungen unseres Wirtschaftslebens. Nur ihm verdanken wir den Fortschritt und die Neuerungen, die schrittweise Hebung des Lebensstandes aller Kreise der Bevölkerung.“3

Diese Thesen haben nur für den oberflächlichen Blick den Schein der Richtigkeit. Zunächst liegt das Streben nach gutem Einkommen und ausreichendem Vermögen schon aus Gründen der elementaren Existenzsicherung in jedem Menschen. Dass er dazu das Vorbild des immensen Reichtums weniger brauche, ist ein Unsinn. Sicher stachelt das größere Einkommen und Vermögen anderer bei vielen den Egoismus an, auch immer mehr haben zu wollen. Aber nicht wenige Menschen wollen gar nicht mehr, als sie wirklich brauchen, um gut und sicher leben zu können, da Reichtum und Luxus allzu leicht das Bewusstsein besetzen und an den oberflächlichen Flitter der Vergänglichkeit binden. Auch ist für manchen, vor allem mittelständischen Unternehmer, nicht der Egoismus des ungehemmten Profitstrebens das maßgebende Motiv seines wirtschaftlichen Handelns, sondern die Freude am Hervorbringen qualitativ guter Produkte, die das Leben des Menschen erleichtern.

Ebenso hat sich ein Thomas Edison nicht jahrelang Tag und Nacht um die Konstruktion einer funktionierenden Glühlampe bemüht, um sie dann teuer an die Reichen zu verkaufen. Er dachte dabei selbstverständlich an alle Menschen. Auch Karl Friedrich Benz oder Henry Ford konstruierten doch nicht das Auto für die Reichen, sondern für die Menschen. Dass wegen der anfangs hohen Herstellungskosten zunächst nur Reiche ein Auto kaufen konnten, ist im Kapitalismus bei solchen Produkten zunächst unvermeidlich. Aber zu sagen, der Luxus gebe dem Konsum und der Industrie die Anregungen, Neues zu erfinden und einzuführen, der Luxus von heute sei daher das Bedürfnis von morgen, ist absurd. Das Bedürfnis nach einem sich selbst bewegenden Fahrzeug, das ziehende Pferde überflüssig macht, war bereits vorher da und hat zur Konstruktion des Automobils geführt. Die Reichen haben sich seiner nur zuerst bemächtigen können. Der Luxus, um in der Terminologie zu bleiben, ist also erst eine Folge der Erfindung und nicht ihr Anreger, dem die Dynamik des Fortschritts zu verdanken sei. Hier werden die Dinge auf den Kopf gestellt.

Das Wort Luxus wird auch völlig undifferenziert verwendet. Es stammt aus dem Lateinischen und bedeutet Üppigkeit, Liederlichkeit, im ursprünglichen Sinne eigentlich „das Ausgerenktsein“. Luxus ist also das Maßlose, Ausschweifende, das über das Naturgemäße und Sinnvolle hinausgeht; er ist sinnlose Verschwendung. Der Reichtum verleitet dazu. Aber ein Badezimmer oder ein frühes Auto waren in diesem Sinne noch nicht einmal Luxus, sondern durchaus sinnvoll. Sie wurden nicht deshalb luxuriös, also sinnlos, nur weil Reiche sich beide zuerst leisten konnten.

Der Wirtschaftsliberalismus bringt im kapitalistischen System die Missgeburt des ungeheuren Reichtums weniger hervor, der nur auf Kosten der Armut großer Massen möglich ist, um ihn dann als angeblich überlebenswichtigen Faktor der gesamten Wirtschaftsordnung zu glorifizieren.

Das unreflektierte Eigentumsrecht

Die zentrale Behauptung des Liberalismus ist, in der arbeitsteiligen Gesellschaft sei das bestmögliche Wirtschaftssystem nur auf der Grundlage des „Sondereigentums an den Produktionsmitteln“ möglich, das er dem vom Kommunismus geforderten „Gemeineigentum“ gegenüberstellt. Nur Eigentümer würden zu großen unternehmerischen Leistungen motiviert, denn nur was einem selbst gehöre, was man zum persönlichen Vorteil mehren, auf eigenes Risiko mit Schulden belasten und seinen Kindern vererben könne, sporne zu gewissenhafter Sorgfalt und größtem Engagement an. Das Eigentum am Unternehmenskapital bildet die Grundlage des Kapitalismus.

Zum einen gerät die These schon dadurch ins Wanken, dass in der kapitalistischen Wirtschaft nur eine Minderheit von Kapitaleigentümern selber unternehmerisch tätig ist. Dominierend ist die Kapitalgesellschaft, in der Hauptsache die Aktiengesellschaft, die den Eigentümern zwar den vollen Zugriff auf alle Gewinne garantiert, sie aber für die eingegangenen Risiken nur in Höhe ihres anfänglich investierten Kapitals haften lässt. Haben sich dies die kapitalgebenden Eigentümer, die Aktionäre, einmal zurückgeholt, gibt es für sie im Grunde kein Risiko mehr. Zudem sind in der AG Eigentümer und Unternehmer nur noch selten identisch. Die Unternehmerfunktion übt der Vorstand der AG aus, also in der Regel Angestellte, deren Motive sich aus dem Interesse an einem hohen Einkommen und der Wahrnehmung der Kapital-Interessen nach hohem Profit zusammensetzen, von deren Erfolg ihre Stellung abhängt. Auch in den allermeisten großen Familienkonzernen halten sich die Eigentümer in der Regel aus dem unmittelbaren Management heraus. Sie beschränken sich auf den laufenden Empfang der von anderen erarbeiteten üppigen Dividende, die ihnen ein sorgenfreies luxuriöses Leben ermöglichen.

Zum anderen hat es mit wissenschaftlichem Vorgehen nichts zu tun, wenn das aus dem römischen Recht überkommene Eigentumsinstitut wie gottgegeben vorausgesetzt und auch in der ungeheuer differenzierten modernen Welt unreflektiert auf alle möglichen Güter angewendet wird. Das Eigentumsrecht gestattet dem Eigentümer die unbegrenzte Verfügungsbefugnis über die Sache. Das hat für alle privaten Gebrauchsgüter, die der Existenzsicherung und Freiheit des Menschen dienen, seinen Sinn. Ein Wirtschaftsunternehmen ist jedoch keine Sache, die dem privaten Gebrauch und Verbrauch des Eigentümers, sondern gemeinsam mit notwendigen Mitarbeitern der Bedürfnisbefriedigung vieler anderer Menschen dient. Es hat also eine soziale, gesellschaftliche Funktion.

Das absolute Verfügungsrecht des Eigentums ermöglicht den Kapital-Eigentümern, ihre Mitarbeiter in ein Abhängigkeitsverhältnis von sich zu bringen und so Macht über sie auszuüben. Als Nichteigentümer kommen diese von vorneherein zu den Eigentümern in die Rolle von untergebenen Hilfskräften, die nicht am Unternehmen beteiligt sind, sondern an die Eigentümer wie Sklaven ihre Arbeitskraft verkaufen müssen.3a Sie sind in deren Sicht ebenfalls Produktionsfaktoren, die kostengünstig gegen möglichst niedrigen Lohn gekauft und dem Produktionsprozess eingefügt werden, der dem Gewinn dienen soll, den sie aufgrund ihres Eigentumsrechtes alleine für sich beanspruchen. Mit dem Gewinn können sie ihr Kapital ständig vermehren, ihre wirtschaftliche Macht ungeheuer vergrößern und damit vielfach die politische Macht von sich abhängig machen und bestimmen. Da die Arbeitnehmer eines Betriebes de facto Produktionsmittel sind, werden sie z. B. bei einer Veräußerung wie eine Sache gleichsam mitverkauft und je nach Verschlankung, Aufteilung, Fusion oder Zerschlagung des Unternehmens mitverschoben oder entsorgt. Sie sind mit ihrer wirtschaftlichen Existenz der Macht der Kapitaleigentümer weitgehend hilflos ausgeliefert.

Wenn das Eigentum an einer Sache solche gravierenden negativen Folgen hat, stimmt etwas nicht an seiner rechtlichen Konstruktion. Da ist es nur ein Ausweichen, wenn der Liberalismus als schreckliche Alternative immer nur das Staatseigentum im kommunistischen Schein-Sozialismus an die Wand malt. Der generelle Schutz des persönlichen Gebrauchs-Eigentums ist grundsätzlich berechtigt, auch das individuelle Eigentum am Unternehmenskapital. Bietet das Eigentum an einer Sache jedoch die rechtliche Möglichkeit zur wirtschaftlichen Machtbildung und Existenzvernichtung anderer, schlägt es in schreiendes Unrecht um. Kapital als eine Sache mit hoher sozialer Relevanz darf nicht undifferenziert Gegenstand des traditionellen Privateigentums sein, über das ganz nach egoistischen persönlichen Interessen beliebig verfügt werden kann. Das Privateigentum als persönliches Freiheitsrecht verliert hier seinen eigentlichen Sinn und seine innere Berechtigung. Es muss eine sozial orientierte rechtliche Modifikation erfahren, die ein Abhängigkeitsverhältnis der Mitarbeiter und den Abfluss des Gewinns in die privaten Taschen der Eigentümer verhindert, ohne dass der Unternehmer die Verantwortung und die an den Betriebszweck gebundene Verfügungsbefugnis über das Kapital verliert. Dies ist an anderer Stelle näher behandelt.4

Die dunkle Quelle des Reichtums

Der Gewinn kann nur durch das Zusammenwirken des Unternehmers mit seinen Mitarbeitern, ja letztlich der ganzen Gesellschaft, insbesondere des Bildungs- und Ausbildungssystems zustande kommen. Jeder Mensch ist nicht nur eine Individualität mit ihren eigenen Leistungen, sondern auch ein Glied der sie bildenden und fördernden Gesellschaft, ohne die sie mit ihren Fähigkeiten nicht möglich wäre. Der Gewinn ist daher auch nicht allein das Verdienst eines einzelnen Unternehmers, erst recht nicht von im Unternehmen überhaupt nicht tätigen Aktionären. Sein Abfluss in private Taschen ist de facto Okkupation, Raub. Dem Unternehmensleiter steht wie jedem anderen Mitarbeiter ein angemessenes Einkommen zu. Was darüber hinausgeht, ist ungerechtfertigtes leistungsloses Einkommen. Der Reingewinn gehört, wie an anderer Stelle ausführlich behandelt, im Grunde dem Bildungs- und Forschungswesen, überhaupt dem Geistesleben, dem er letztlich zu verdanken ist.5

Der ungeheure Reichtum, den der Liberalismus so preist, ist nur durch leistungslose Einkommen, also de facto durch den Raub des Gewinns (im Schleier des Rechts) zustande gekommen – auf Kosten der Mitarbeiter, die mit niedrigen Löhnen abgespeist werden, sowie des darbenden Bildungswesens. Er kann durch eigene Arbeit, also redlich, niemals erworben werden. Der gelobte Anreiz des Reichtums für eigene Anstrengungen ist die Propagierung der egoistischen Gier nach ungerechtfertigtem Vermögen, das andere erarbeiten, die selbst leer ausgehen und deshalb in großer Zahl in Armut leben müssen. Der vom Liberalismus scheinwissenschaftlich begründete Kapitalismus bringt nicht nur den Reichtum weniger, sondern – da hilft kein heftiges Abstreiten – auch die Armut großer Menschenmassen hervor.

Darüber gehen die wirtschaftsliberalen Theoretiker völlig unreflektiert hinweg. Der Gewinn wird als selbstverständlicher Verdienst des unternehmerisch handelnden Eigentümers behandelt, der aus seinen Leistungen und seinem Gewinnstreben hervorgehe und ihm allein zustehe. Das eben ist, wie geschildert, fundamental falsch. Es ist der blinde Fleck im Auge des Liberalismus.

Verquere Moral und Logik

Zwar sieht Ludwig von Mises schon, dass man „vom individualistischen Standpunkt betrachtet“, in dieser gewaltigen Ungleichheit des Einkommens und darin, „dass die Eigentümer der Produktionsmittel eine Vorzugstellung einnehmen“, dass sie „leben können, ohne zu arbeiten“, „einen schweren Mangel des Systems erblicken“ müsse. „Warum soll der eine es besser haben als der andere?“ Das müsse man jedoch zum Wohle des Ganzen hinnehmen: „Wer aber die Dinge nicht vom Standpunkt der einzelnen Personen betrachtet, sondern vom Standpunkt der Gesamtheit, der findet, daß die Besitzenden ihre angenehme Stellung nur unter der Bedingung bewahren können, daß sie einen der Gesellschaft unentbehrlichen Dienst leisten. Der Eigentümer kann seine bevorzugte Stellung nur dadurch erhalten, daß er die Produktionsmittel in die gesellschaftlich wichtigste Verwendung überführt. Tut er das nicht – legt er seinen Besitz schlecht an – dann erleidet er Verluste und wird bald, wenn er nicht noch rechtzeitig umkehren und einlenken kann, aus seiner Vorzugstellung rücksichtslos verdrängt.“6

Es geht gar nicht um die Ungleichheit der Einkommen. Sie ist berechtigt, da unterschiedliche Leistung und Verantwortung auch unterschiedlich hohe Einkommen erwarten lassen. Einem Unternehmer steht ein höheres Einkommen zu als einem Lagerarbeiter. Es geht um das unberechtigte Einkommen des Gewinns von immenser Höhe, das über den Leistungsanteil des unternehmerisch tätigen Eigentümers hinausgeht, also nur durch die Mitarbeit anderer zustande kommt, denen aber ein angemessenes Einkommen aus dem Ertrag des Unternehmens vorenthalten wird. Das ist der entscheidende schwere Mangel des Systems. Er ist im höchsten Maße unmoralisch und kann nicht dadurch gerechtfertigt werden, dass der Eigentümer „die Produktionsmittel in die gesellschaftlich wichtigste Verwendung überführt“. Dazu sind sie ja da, sie sind ihrer Natur nach kein Privateigentum, sondern müssen ein sozial gebundenes treuhänderisches Eigentum werden.

Es ist der Gipfel, wenn Ludwig von Mises umgekehrt „die sittliche Berechtigung des Sondereigentums an den Produktionsmitteln und der auf ihm beruhenden kapitalistischen Gesellschaftsordnung“ behauptet, weil sie eben gesellschaftlich notwendig sei. „Moral ist die Rücksichtnahme auf die gesellschaftliche Notwendigkeit. … Denn das Leben des einzelnen in der Gesellschaft ist nur durch die Gesellschaft möglich, und jeder einzelne würde auf das schwerste geschädigt werden, wenn die gesellschaftliche Organisation des Lebens und der Produktion in die Brüche gehen würde. … Der Fortbestand der Gesellschaft als Vereinigung der Menschen zur gemeinsamen Arbeit und Lebensführung liegt im Interesse jedes einzelnen; wer einen augenblicklichen (kleineren) Vorteil aufopfert, um den Fortbestand der Gesellschaft nicht zu gefährden, der opfert einen kleineren Vorteil einem größeren.“7

Das kapitalistische System ist in der jetzigen ausbeuterischen Form eben nicht notwendig. Wenn der Ertrag des Unternehmens nicht durch rechtlich legitimierten Raub ungerechtfertigt in die privaten Taschen der Eigentümer flösse und der unternehmende Eigentümer ebenso wie alle anderen Mitarbeiter davon nur das bezöge, was ihm zusteht: ein angemessenes Einkommen, würde er doch nicht alle unternehmerische Motivation verlieren und die gesellschaftliche Organisation des Lebens und der Produktion auch nicht in die Brüche gehen. Die angestellten Manager in der Leitung der AGs., die nicht Eigentümer sind, zeigen dies. Es ist eine darwinistische Fiktion zum Schutze der Gier nach den Früchten anderer. Und dass den Mitarbeitern das ihnen zustehende angemessene Einkommen vorenthalten wird, ist kein „augenblickliches kleines Opfer“, sondern bedeutet das dauerhafte Versetzen großer Menschenmassen in zumeist bescheidene bis arme und entwürdigende Lebensverhältnisse.

Schließlich lenkt L. von Mises noch mit einer weiteren scheinlogischen Argumentation vom eigentlichen Problem ab: „Nur dem, was von liberalen Ideen in unserer Gesellschaft lebendig ist, was unsere Gesellschaft an Kapitalismus enthält, danken wir es, daß die große Masse unserer Zeitgenossen eine Lebenshaltung führen kann, die hoch über der steht, die noch vor wenigen Menschenaltern dem Reichen und besonders Begünstigten möglich war.

Die übliche demagogische Phrase stellt das freilich ganz anders dar. Hört man sie, dann könnte man glauben, daß alle Fortschritte der Produktionstechnik ausschließlich einer schmalen Schichte zugutekommen, wohingegen die Massen immer mehr und mehr verelenden. Es bedarf aber nur eines kurzen Augenblickes der Überlegung, um zu erkennen, daß die Ergebnisse aller technischen und industriellen Neuerungen sich in einer Verbesserung der Bedürfnisbefriedigung der Massen auswirken. … Nichtsdestoweniger verbindet man heute, dank einer die Tatsachen auf den Kopf stellenden eifrigen Agitation der antiliberalen Parteien, mit den Begriffen Liberalismus und Kapitalismus die Vorstellung wachsender Verelendung und um sich greifender Pauperisierung (Verarmung) der Welt.“ 8

Natürlich hat sich durch die kapitalistische Wirtschaft auch der Lebensstandard der großen Masse gehoben, wenn unter Kapitalismus ganz allgemein die individuelle schöpferische Verfügbarkeit über das Kapital verstanden wird. Diese Erfolge wären aber auch dann erzielt worden, wenn der Gewinn nicht allein in die Taschen der Kapitaleigentümer geflossen wäre. Mises unterscheidet nicht zwischen den Ergebnissen der technischen, industriellen Neuerungen, an denen natürlich auch die Massen mit ihren bescheidenen Einkommen teilhaben, und den geringen, oft kaum zur Sicherung einer würdigen Existenz ausreichenden Einkommen, die zur allgemeinen Verarmung der Massen führen. Dass die Fortschritte der Produktionstechnik nicht ausschließlich der schmalen Schicht der Kapitaleigentümer zugutekommen, ist eine Binsenweisheit; sonst wäre ja die Wirtschaft längst zusammengebrochen. Ihnen alleine fließt aber der ganze Unternehmensgewinn und damit ständig wachsender Reichtum in die privaten Taschen, während die Mitarbeiter, denen der Gewinn mit zu verdanken ist, ausgebeutet werden und in der ganzen Welt zu großen Teilen verarmen.

Die Stützen des Kapitalismus

Diese Form des ausbeuterischen Kapitalismus ist vom staatlichen Rechtssystem etabliert worden und wird von den politischen Marionetten einerseits und der neoliberalen Wirtschaftstheorie fortlaufend unterstützt und abgesichert. Sowohl der Staat als auch der Liberalismus stehen, bewusst oder unterbewusst, im Dienste der Reichen, die permanent von gesetzlich zugelassenen und „wissenschaftlich“ einfach vorausgesetzten leistungslosen Einkommen auf Kosten der Allgemeinheit gemästet werden. Die liberale Wirtschafts-“Wissenschaft“ beruht im Wesentlichen auf einigen wenigen „Axiomen“, also Grundsätzen, die nicht weiter hinterfragt, sondern einfach als richtig vorausgesetzt werden. Die wichtigsten sind:  1. Unbegrenztes Eigentum an Grund und Boden, Unternehmen und Geld. 2. Die aus diesen Eigentumsarten resultierenden leistungslosen Einkommen.

Diese leistungslosen Einkommen, die jeweils andere Menschen erarbeiten müssen, bewirken einen unaufhörlichen Geldfluss zu den eh schon Vermögenden, eine permanente Vermögensverteilung von Fleißig nach Reich. In regelmäßigen Abständen werden in den Medien die jeweils neuesten Statistiken veröffentlicht, die belegen, wie die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergeht. Die unbegrenzte Vermögensakkumulation bei wenigen führt nicht nur zu Besitz- sondern auch zu gesellschaftlichen Machtkonzentrationen, die hinter der Fassade demokratischer Abläufe die expansive und kriegerische Politik des Westens bestimmen. Das Eigentum an Kapital und Boden bietet dazu die ökonomische Herrschaftsgrundlage.
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1    sciencefiles.org 19.11.17
2    Ludwig von Mises: Liberalismus, 1927, S. 28
3    a.a.O. S. 29
3a  Arbeitsmarkt – der Mensch als Ware
4    Die ungebändigte Macht des Kapitals
      Die kalte Macht des Kapitals steigt …
5    Die Okkupation des Gewinns
6    Ludwig von Mises a.a.O., S. 59
7    a.a.O. S. 29, 30
8    a.a.O. S. 9, 10

Fortsetzung des Themas:
Der geraubte Gewinn als Grundlage des Reichtums und der globalen kapitalistischen Herrschaft

 

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23 Kommentare zu „Absurdes Lob des Reichtums weniger. Der blinde Fleck des Liberalismus“

  1. Des »Teufels Lügen« kommen in mannigfachen Gewändern daher, auch als Konstrukte und -muse, Beispiel: Liberalismus
    Die Wirkung ist immer eine chaotisierende bzw. auch spaltende, Leid und Krieg schaffende:
    Matthäus 24.6.:
    24.6. Ihr werdet von Kriegen hören, und Nachrichten (Anmerk.: Medien schüren Ängste) über Kriege werden euch beunruhigen. Gebt acht, laßt euch nicht erschrecken! Das muß geschehen . Es ist aber noch nicht das Ende. 7. Denn ein Volk wird sich gegen ein anders erheben und ein Reich gegen das andere, und an vielen Orten wird es Hungersnöte und Erdbeben geben. 8. Doch das alles ist erst der Anfang der Wehen. … 10. Dann werden viele zu Fall kommen und einander hassen und verraten.
    11. Viele falsche Propheten werden auftreten und sie werden viele irreführen. 12. Und weil die Mißachtung von Gottes Gesetz überhand nimmt, wird die Liebe bei vielen erkalten. … 14. Aber dieses Evangelium vom Reich wird auf der ganzen Welt verkündet werden, damit alle Völker es hören, dann erst kommt das Ende.

    Nun gibt es einige, die es als Auftrag betrachten, die Evangelien aus oben genannten Gründen (das Ende des „Trübsaals herbeizuführen“) weltweit zu verbreiten. Z.B. soll auch die Chabad eine mächtige weltweit verzweigte jüdische Geheimsekte sein mit Verbindungen in viele Organisationen, die sich darum bemühen, diese „Geburtswehen“ einzuleiten, indem sie die Welt ins Chaos stürzen (auch durch „Thinktanks“).

    Sie tun dies also, um den Boden für eine große Veränderungsbereitschaft zu bereiten. Sie tun das, weil wir uns als Kollektiv eben nicht freiwillig für eine kollektive Veränderung entscheiden – sie tun dies vor allem durch das
    Macht-Geld-Instrument, welches Millionen von Menschen zu physischen und geistigen Trittbrettfahren solcher Bestrebungen, egal ob als Konsument, Unternehmer oder Wissenschaftler, macht oder auf Grund von Ängsten „zwingt“. Sie tun dies, weil es „geschehen muß“.
    Die „-ismen und -muse“ sind also zur Leidschaffung notwendig, da anders Mensch nicht lernt, sich nicht bewegt.

    Aus dieser Perspektive müssen wir uns also auch gar nicht wundern, daß sie bestehen und daß sie Macht haben, viele Menschen in die Irre zu leiten, Dinge zu tun, die gegen jeden gesunden Menschenverstand gehen, die die eigenen Lebensgrundlagen vernichten… die Liebe (zu jedem und zu allem) erkalten lassen.
    Hier läßt sich nur durch Tat eine „Wärmeplastik“ (Beuys) danebenstellen, eine neue soziale Gestaltung – sie kann nicht Bestandteil des bestehendes Systems sein, welche seine Aufgabe im Sinne von Mattäus 24.6 „erledigen“ muß.
    Sie muß, wenn sie da sein soll, von jedem Menschen aus seinen Mutkräften, aus einer Bereitschaft – auch unter Schmerzen – selbstgeführter Charakterbildung miterschaffen werden.

    »Es geht gar nicht um die Ungleichheit der Einkommen. Sie ist berechtigt, da unterschiedliche Leistung und Verantwortung auch unterschiedlich hohe Einkommen erwarten lassen. Einem Unternehmer steht ein höheres Einkommen zu als einem Lagerarbeiter.«

    In der neuen sozialen Ordnung kann es deshalb auch nicht darum gehen, daß äußere Maßstäbe, wie Entlohnung durch Geld z.B. die Arbeit von Menschen und damit ja auch sie selbst bewerten.
    Der Wert der Arbeit bemißt sich aus der Liebe, die der Mensch in sie hineingibt. Denn Liebe ist das höchste Kriterium, welches hinlänglich garantiert, eine Arbeit im Einklang mit sich selbst und seiner Umgebung, also auch zur Förderung des Gemeinwohls und der Umwelt getan zu haben.

    Ich freue mich daher, in einer solchen Gemeinschaft tätig sein zu können …

  2. @ Jürgen Elsen:“ Der Wert der Arbeit bemisst sich aus der Liebe, die der Mensch hineingibt.“

    Aber zur Liebe muss die Weisheit schon hinzu kommen. Bedenken Sie, Herr Elsen, jemand hat z.B. einen Unfall und liegt hilflos auf der Strasse. Es kommt jemand hinzu, der gaaaanz viel Liebe mitbringt, der aber nicht weiss, was wirklich hilft. Es kommt dann jemand anderer noch hinzu, der nicht soviel Liebe hat, der aber weiss, was zu tun ist, um das Leben zu retten und es tut.
    Wer ist wertvoller für das Unfallopfer ?

    1. Der Begriff von Arbeit impliziert für meinen Verstand immanent auch die Kompetenz dazu: wie kann ein Mensch arbeiten, wenn ihm im Moment des Arbeitens nicht auch Kompetenz und Ressourcen für diese Arbeit zur Verfügung stehen?

      Die Güte der Arbeit entsteht auf Grundlage von Kompetenz, Ressourcenverfügbarkeiten und Umsetzungfähigkeit. Der Wert – das ist, was diese Arbeit für das Gesamt bedeutet oder ob sie z.B. nichts bedeutet – der resultiert aus der Liebe.
      Meine Arbeit kann eine hohe Güte aufweisen, die den Menschen aber unter Umständen gar nichts bringt …

      Eine Arbeit ohne Liebe kann durchaus für den Moment auch lebensrettend sein. Doch solche Arbeiten sind immer nur „Lückenfüller“, „Nothelfer“, „Pflichtveranstaltungen“, die auf Dauer sowohl die Würde des Menschen (denn er funktionalisiert sich durch diese Art von Arbeit) wie auch komplexe, soziale Gebilde, falls sie noch bestehen, untergraben.

      Arbeit ohne Liebe ist eigentlich nur „Notdurft“ … aber das ist ja vielleicht für die meisten der Normalzustand ???

      1. Ressourcenverfügbarkeit, ganz genau! Dieser Aspekt wird immer unterschlagen, wenn gewisse Leute von ANDEREN Leuten MEHR Arbeit verlangen.
        らんま

  3. Ein interessanter Gedankengang, dem ich weitestgehend folgen kann. Gestolpert bin ich dann aber doch über den Part, der von Leistungsanteil und angemessenen Einkommen handelt. Wie misst man Leistungsanteile? Wie hoch ist der Leistungsanteil eines Profifußballers oder der einer Krankenschwester, wie der einer Pop»ikone« oder der eines Feuerwehrmannes, wie der eines Bankers oder Versicherungsangestellten, wie der eines Maurers oder Verwaltungsbeamten …oder der eines Politikers oder Verdi-Mitarbeiters? Welchen objektiven Maßstab kann man da zur Messung nutzen? Wie leitet man davon ein angemessenes Einkommen ab? Was ist angemessen? Was soll das Einkommen sein? Geld oder Waren und Dienstleistungen? Wie viel Waren und Dienstleistungen braucht ein Mensch, egal ob Unternehmer oder Lagerarbeiter? Sind das nicht ebenfalls »blinde Flecken«?
    Mir geht es nicht um Gleichheit oder Gleichmacherei. Nein, es lebe die Ungleichheit! Mir geht um die Gleichwertigkeit der Menschen.
    Ich denke, dass Willkür das oberste Prinzip der »modernen« Gesellschaft ist. Ohne von Grund auf neu zu denken, wird man, meiner Meinung nach, keine menschenwürdigen Lösungen finden.

  4. „Es geht um das unberechtigte Einkommen des Gewinns von immenser Höhe, das über den Leistungsanteil des unternehmerisch tätigen Eigentümers hinausgeht, also nur durch die Mitarbeit anderer zustande kommt, denen aber ein angemessenes Einkommen aus dem Ertrag des Unternehmens vorenthalten wird. Das ist der entscheidende schwere Mangel des Systems.“

    Dieser Teil dürfte die Hauptursache dafür sein, warum man sich im Gelben Forum weitgehend darüber einig ist, daß der Autor dieses Artikels das Thema nicht verstanden hat. Carlo hat das Problem mit diesem Absatz ausführlich dargestellt, so daß mir das dankbarerweise erspart bleibt. Ich möchte dazu nur noch anmerken, daß es die schwierigste Leistung eines jeden Unternehmers ist, seine Mitarbeiter dazu zu bekommen, am gleichen Strang zu ziehen. Weshalb das auch innerhalb der Logik des zitierten Absatzes einen deutlich höheren Lohn rechtfertigen müßte.

    Ansonsten hat jener Ludwig von Mises anscheinend ziemlich viel Blödsinn von sich gegeben. Wenn man ein Loblied auf den Reichtum singt, dann müßte man auch ein Loblied darauf singen, andere von hinten abzustechen und deren Leichen zu fledern. Das ist schließlich die Methode, mittels der jeglicher Reichtum in der Wirklichkeit angehäuft wurde. (Solche Loblieder wurden vor einer kleinen Ewigkeit tatsächlich mal im Gelben Forum verlinkt; hätte ich damals nur gewußt wie schwierig die wiederzufinden sind!)

    Als in Zypern die Bankkonten eingezogen wurden, da ging ein Bild von einem mit Gold überzogenem PKW, den ein reicher Russe in Zypern stehen hatte, um die Welt. Haben seitdem viele Leute das Bedürfnis, ihren PKW mit Gold überziehen zu lassen? Kann sich die breite Masse diesen Wunsch inzwischen erfüllen? Auf mich trifft beides nicht zu.

    Daß Grund und Boden nicht endlos zur Verfügung stehen sollte keiner weiteren Erläuterung bedürfen. Aber über Weltraumfahrt sollten wir mal reden. Einerseits wird durch diese die zur Verfügung stehende Fläche unendlich. Andererseits kann man nur über gewisse Flaschenhälse dorthin gelangen. Das in den meisten Fällen auch nicht persönlich. Einerseits kostet die Weltraumfahrt viel Geld, das sich stattdessen zur Lösung anderer Probleme verwenden ließe. Andererseits bringt die Weltraumfahrt viel Nutzen, den sie auch in Form vieler kleiner Erfindungen an die breite Masse verteilt. Darüberhinaus ist die Weltraumfahrt ein leuchtendes Vorbild für die internationale Kooperation. Es ist durchaus möglich, daß die diplomatischen Beziehungen zwischen den weltraumfahrenden Nationen ohne die Weltraumfahrt bereits viel schlechter wären und wir uns vielleicht sogar schon in einem weiterem Weltkrieg befänden. Also ist es gut, daß für die Weltraumfahrt viel Geld ausgegeben wird. Außerdem ist es garnicht so viel. Sogar die teuere NASA kostet die USA gerade mal um die zwei Promille des Steueraufkommens. Trotzdem wäre die Weltraumfahrt und überhaupt sämtliche Weltraumforschung nicht möglich, wenn dafür nicht eine große konzentrierte Geldmenge bereitstünde, sondern Wohlstand gleich verteilt wäre. Könnte ein Bankkonto nur innerhalb eines engen Rahmens von jedem anderen abweichen, wie hätte man dann auch nur einen einzigen Stein vom Mond holen können?
    らんま

    1. Weltraumfahrt ist ein Forschungsprojekt und gehört zum Bildungs- und Geistesleben, dem, nach Zahlung der angemessenen Einkommen aller Mitarbeiter, der Reingewinn eigentlich zusteht. Das habe ich in dem in Anmerkung 5 verlinkten Artikel ausführlich begründet. Man kann nicht in jedem Artikel immer alles behandeln.

      Das ist auch der Punkt, den Mephistopheles im Gelben Forum nicht verstanden hat, weil er ja den Artikel, wie selber zugegeben, nicht gelesen hat, geschweige denn den in Anmerkung 5. Was er also alles über Kultur schreibt, deren Entstehen von den Reichen abhängig sei, ist damit hinfällig. Mephisto hat sein festes Weltbild, an dem alle abweichenden Ideen abprallen.

      Die jeweiligen Einkommen müssen natürlich in einer Betriebsgemeinschaft ausgehandelt werden, wobei die realen familiären Bedürfnisse jedes Einzelnen und die Verantwortung, die mit seiner Tätigkeit verbunden ist, zu berücksichtigen sind. Mit letzterer hängt ja auch u. U. ein entsprechend höheres Bedürfnis an Regeneration, Weiterbildung etc. zusammen.

      1. „Weltraumfahrt ist ein Forschungsprojekt und gehört zum Bildungs- und Geistesleben, dem, nach Zahlung der angemessenen Einkommen aller Mitarbeiter, der Reingewinn eigentlich zusteht.“

        Weltraumfahrt dient zum Teil der Forschung. Ein Teil ist nicht das Ganze. Der Wettlauf zum Mond zwischen den USA und der Sowjetunion war eine politische Angelegenheit. Als die USA entgegen dem Beschluß der UNO in den Irak einfielen, da diente ihnen die Weltraumfahrt militärisch, indem sie feindliche Stellungen auf Satellitenbildern sahen und ihre Panzer per GPS quer durch die Wüste navigierten. Indien hat heute ein Weltraumprogramm nicht primär zu Forschungszwecken, sondern weil China ein Weltraumprogramm hat. Die Chinesen wiederum wollen zum Mond, weil die chinesische Führung meint, daß man von dort aus gut zum stillen des Rohstoffhungers der chinesischen Wirtschaft beitragen könne. Das sogar ohne dabei von Umweltschützern belästigt zu werden. Bei uns wird man noch entdecken, daß man sich einige Umweltkatastrophen ersparen kann, wenn man umweltgefährdende Vorgänge in den Weltraum verlagert. Das hat alles mit Forschung nur insofern zu tun als man sich nicht für jedes Ziel ein getrenntes Weltraumprogramm leistet. Wenn ich über Weltraumfahrt reden will, dann geht es mir nicht so sehr darum, was auf dem Gebiet in der Vergangenheit geleistet wurde, sondern wofür man sie in der Zukunft nutzen wird. Entweder werden wenige, deren Monopol wir zulassen, damit Gewinn machen oder es werden so viele Rohstoffe so sehr verfügbar, daß man mit denen keine Monopolgewinne mehr machen kann. Es geht mir also eigentlich auch darum, daß man gewisse Monopole nicht zulassen sollte.

        „Das ist auch der Punkt, den Mephistopheles im Gelben Forum nicht verstanden hat, weil er ja den Artikel, wie selber zugegeben, nicht gelesen hat, geschweige denn den in Anmerkung 5.“

        Der Name Mephistopheles ist bei ihm Programm. Dem zu antworten ist daher vergebens. Wenn er allerdings von seiner Erfahrung als Unternehmer erzählt, dann sollte man das schon ernstnehmen, schließlich erzählt er da wirklich nur von seinen Erfahrungen.

        „Die jeweiligen Einkommen müssen natürlich in einer Betriebsgemeinschaft ausgehandelt werden, wobei die realen familiären Bedürfnisse jedes Einzelnen und die Verantwortung, die mit seiner Tätigkeit verbunden ist, zu berücksichtigen sind. Mit letzterer hängt ja auch u. U. ein entsprechend höheres Bedürfnis an Regeneration, Weiterbildung etc. zusammen.“

        Sieht man mal davon ab, daß Letzteres nur in einer idealen Welt zutrifft, dann ist das generell sehr marxistisch gedacht. Daß sich Einkommen nach den Bedürfnissen der Einkommensbezieher richten würden, das ist etwas, das sich Karl Marx ausgedacht hat und in seinem ‚Kapital‘ publiziert wurde. Man braucht sich nicht darüber wundern, daß das kaum jemand ernstnimmt.
        らんま

    2. Ja, eines vieler Probleme liegt darin, dass die/der subjektive Wertschätzung/Gebrauchswert von einem willkürlichen objektiven Tauschwert/Lohn/Preis in Geld, welches nicht definiert ist und jederzeit manipuliert werden kann, überlagert wird. Es gibt keine empirische Meßmethode für den Wert menschlicher Tätigkeit oder für Verantwortung oder Gesundheit oder Talent oder Wissen. Das ist einer der »blinden Flecken« der sogenannten Ökonomie. Man stützt sich auf die Rechtstradition und Moral der antiken Sklavenhaltergesellschaften. Gut erkennbar im Arbeitsrecht (locatio conductio operarum -> abgeleitet vom locatio conductio rei) und den Auffassungen zun den artes liberales et artes mechanicae. Willkür und nicht Wissenschaft ist die Basis der Ökonomie.

  5. Mondbergbau wird den Bergbausektor umwälzen. Bergbau zählt zusammen mit Landwirtschaft und Wohnen zu den drei Dingen, für die Grundbesitz hauptsächlich verwendet wird. Hält man die Frage des Eigentums an Grund und Boden also für eine wichtige Frage, dann kann man den Bergbau nicht ignorieren und dann kann man wiederum auch die Möglichkeiten (und die Unmöglichkeiten) der Weltraumfahrt nicht ignorieren.
    らんま

  6. Alle Jahre wieder fährt das Liberalismusschreckgespenst in die Glieder.

    Hayek hat Sachen geschrieben, da ziehe ich meinen Hut. Der Weg zur Knechtschaft liest sich wie das Drehbuch zum DDR / SU Niedergang oder aktuell von Venezuela. Auch das „der Sozialismus scheitern wird weil in ihm keine Marktpreise ermittelt werden können“ ist so genial wie richtig.

    Aber im kritisieren sind Sie alle groß. Auch Mr. Marx mit seinen dubiosen Mehrwerttheorien. Die wahren wohl nicht mal in seiner Zeit das alleinseligmachende. Heute wo Produktionskosten nur ein kleiner Teil des vom Marketing festgelegten Verkaufspreises sind klingen Sie so wie der HSV Fußball spielt. Nach Dino in der falschen Liga.

    Aber was wollt ich eigentlich? Ach ja, Sciencefiles, die Seite für den JungliberalenVonBerufSohnStoffel von heute. Der Betreiber kann weder Kritik ab noch veröffentlicht er selbst simple und logische Einreden. Z.B. die das seine schöne neue Hai-ek Welt ja erstmal mit der Abschaffung aller Stände, Pfründe, Kammern geistigen Eigentumsrechten und sonstiger Feudalstaatseinrichtungen beginne müsste um seinen liberalen Wunschgebilden einen adäquaten Startup zu verpassen. Macht er einfach nicht, hab ich mehrmals versucht.

    Für mich ein Projekt das nach Kohle von denen giert welche Sie haben. Kann man vergessen.

    Aber Mises Hayek und die ganze österreichische Schule haben super Wirtschaftsmodelle. Nur bei den Konsequenzen (s.o.) sind Sie inkonsequent und zeigen durchaus daß das Sein das Klassenbewusstsein bestimmt.

    1. Der Artikel handelt nicht über Hayek, die österreichische Schule, den Liberalismus insgesamt oder andere Aspekte des Liberalismus, sondern über die Punkte des Artikels von Sciencefils und die Zitate aus dem Buch von L. v. Mises.

  7. Kapitalismus und Kommunismus verfolgen das gleiche Ziel. Raten Sie mal welches? Kann man auch nachlesen, wenn man weis wo. Die Formel Geschichtsunterricht = Brainwashing ist übrigens auch dokumentiert und älteren Datums.
    Um in diesem Blog Realität einzuhauchen erlaube ich mir den heutigen Artikel von Martin Armstrong (genialer Zyklenanalytiker) einzustellen, den ich auch zugleich übersetzt habe:

    Flüchtlingsmigration wird die Löhne in Europa weiter niedrig halten
    Blog/Flüchtlinge Eingestellt am 23. Januar 2018 von Martin Armstrong
    FRAGE: Herr Armstrong; Hier in Deutschland ist eine offensichtliche Folge der Flüchtlingsmigration, dass die Löhne für Niedriglohnarbeitsplätze sinken. Ich glaube, Sie hatten gesagt, das sei eine Folge der Flüchtlingskrise. Sehen Sie, wie sich das in ganz Europa ausbreitet? KS
    ANTWORT: Es ist nur gesunder Menschenverstand, dass, wenn Sie die Arbeitskräfte im unteren Bereich der ungelernten Bereiche erhöhen, die Löhne sinken müssen. Jede Studie, die jemals zu diesem Thema durchgeführt wurde, hat gezeigt, dass dies die logische Konsequenz ist. Das ist in der Tat der Grund für die Unruhen in Philadelphia gegen die Iren. Die Löhne sinken inmitten einer Depression. Ja, dieser Trend wird sich in der gesamten EU ausbreiten.
    Quelle: https://www.armstrongeconomics.com/international-news/europes-current-economy/refugees/refugee-migration-will-keep-wages-suppressed-in-europe/

    Dazu passt: http://vera-lengsfeld.de/2018/01/22/wir-werden-verarscht-dass-es-quietscht/
    und
    http://www.journalistenwatch.com/2018/01/22/eu-kommission-will-deutschland-mit-migranten-fluten-cdu-csu-und-spd-stimmten-im-eu-parlament-dafuer/

    Da Alles mit allem verbunden ist (Everything is connected) kann es keine Lösung geben, so wie sich das Politik und Eliten vorstellen. Der Auslöschungsprozess unser Zivilisation läuft schon seit Jahren. Die große Pyramide ist ein Mahnmal und eine Warnung in Stein. Alle Daten kann man dort ablesen, auch die unser Auslöschung. Die Erbauer könnte man als unser Eltern bezeichnen. Die Geschichte der Zivilisationen auf diesem Planeten ist im Inneren der Pyramide, oder besser gesagt tief unterhalb der Pyramide, aufgezeichnet.
    Auch das kann man alles nachlesen, wenn man weis wo.

    1. Es kommt ganz ganz ganz langsaaam an, aber endlich kommt an, was Sache ist. Martin Armstrong traut sich sogar zu sagen, daß wir uns in einer Depression befinden. Während andere den Asylsuchenden vorwerfen, daß die nicht, entgegen des geltenden Verbots, hier arbeiten. Wenn sie jedoch arbeiten, dann werfen ihnen die gleichen Leute vor, daß sie sooo unglaublich kriminell sind, weil sie doch ständig Straftaten begehen (wobei die Statistik tatsächlich zeigt, daß sämtliche Straftaten, die von Inländern schon per Definitionem nicht begangen werden können, von Ausländern begangen werden). Wird Martin Armstrong wenigstens schon als links und grün und versifft beschimpft? Oder gilt für einen Börsenguru eine Ausnahme, so daß der auch mal etwas Vernünftiges sagen darf ohne, wie es anderen widerfahren würde, dafür angegriffen zu werden?
      らんま

      1. Martin Armstrong ist kein Börsenguru, sondern ein Zyklenanalytiker. Armstrong ist weder links noch grün versifft. Ich lese ihn schon seit über einem Jahrzehnt. Wer den Film bzw. seine Dokumentation gesehen hat, Kino oder SWR, weis auch, dass er die größte historische Datenbank der Welt besitzt und dass seine Prognosen hinsichtlich unserer Zivilisation nicht als positiv zu sehen sind. Sie basieren auf den Computermodellen, deren Quellcode er nicht rausgibt und genau aus diesen Grund saß er im Gefängnis. Die Drahtzieher werden im Film genannt und bedürfen keiner weiteren Erwähnung.
        In den Blogs, egal wo, schreibt so gut wie niemand über ihn. Er selber hat mal erwähnt, dass sein Blog aller Voraussicht nach auch der Zensur anheim fallen würde.

    2. Pyramidenaspekt finde ich interessant, wo kann ich das nachlesen?
      Bei einer rein phänomenologischen Betrachtung des „Alten Ägyptens“ ist mir vor allem aufgefallen die Hierarchiebildung (entsprechend der Pyramide selbst) und damit verbunden eine „nahezu kristalline Ordnungsstruktur“, welche in die Gesellschaft und damit auch in das Bewußtsein der Menschen „energetisch eingebrannt“ wird. Nimmt man dann noch das Phänomen der Mumifizierung dazu, so zeigt sich darin ebenfalls eine „Kristallisierung („Einfrieren“)“ hier des menschlichen Körpers, was mit Sicherheit nicht nur dort seine Wirksamkeit entfaltet.
      Ich sehe hier bezüglich des „Kristallisierungsimpulses“- (klare, aber starre Ordnung, die alles durchdringt!) ausgehend von den Pyramiden Bezüge zur Kristallisation des Denkens, welches die Voraussetzung ist, Ideologien als „Göttliches“ aufzufassen, dem man sich dann unterordnet (im Sinne der Ordnungsstruktur der Ideologie).
      Eine solche Ideologie ist ja das Geld- oder Finanzkonstrukt und welch ein Zufall, daß die Lei(d)twährung auch noch die Pyramide trägt …
      Eine etwaige EINE-WELT-ORDNUNG, welche über ihre gleichgearteten (Pyramiden)Fraktale (z.B. Geld) hergestellt wird, wäre also nur die absolute Ausformung dessen, was ich phänomenologisch als „Pyramidenenergie“ des „Alten Ägyptens“ bezeichnen könnte.

      1. Lesen Sie die Bücher von David H. Lewis. Die Bücher werden inzwischen als Reprint angeboten, natürlich nicht in Deutschland.
        Ich lese aktuell The Days before Tomorrow. Die Auslöschung unserer Zivilsation wird ausführlich beschrieben. Wenn Sie sich für die Pyramide und ihrer Geometrie insbesondere interessieren empfehle ich Ihnen The Mysteries of the Pyramid vom gleichen Author.

      2. Hier noch ein Link zu David H. Lewis:
        Gehen Sie auf die Suchmaschine https://eu.ixquick.com/
        Anschließend geben Sie bitte in der Suchzeile “David H. Lewis” ein.
        Gehen Sie auf die vierte Zeile. Dort steht:
        David H. Lewis – HiddenMysteries Books
        Anscheinend kann man es nur anonym öffnen; vielleicht funktioniert bei Ihnen der Link.
        Es werden alle Bücher angezeigt einschl. Leseproben von allen Büchern!

  8. @Tom:
    „Martin Armstrong ist kein Börsenguru, sondern ein Zyklenanalytiker.“

    Da sehe ich vorerst keinen Unterschied.

    „Armstrong ist weder links noch grün versifft.“

    Ich will keineswegs behaupten, daß er das ist. Vielmehr will ich behaupten, daß man ihm das gewiß unterstellt. Das unterstellt man heutzutage allen, die es wagen mal ein wahres Wort zu sagen. Sollte man ihm das nicht unterstellen, dann macht mich das sehr mißtrauisch.

    „Wer den Film bzw. seine Dokumentation gesehen hat, Kino oder SWR, weis auch, dass er die größte historische Datenbank der Welt besitzt und dass seine Prognosen hinsichtlich unserer Zivilisation nicht als positiv zu sehen sind. Sie basieren auf den Computermodellen, deren Quellcode er nicht rausgibt und genau aus diesen Grund saß er im Gefängnis.“

    DAFÜR landet man heutzutage im Gefängnis? Dann kann man Nachahmern nur raten, einen weiteren Quellcode zum herausgeben vorzubereiten. Martin Armstrong hätte sicherlich die Ressourcen dafür gehabt. Hätte er das, bei seinen Fähigkeiten, nicht außerdem auch noch voraussehen sollen? Wie kommt er eigentlich in den Besitz der größten historischen Datenbank der Welt? Also irgendwie glaube ich hier keiner der beiden Seiten. Stattdessen glaube ich, daß sich unsere Zivilisation schon in den nächsten Jahren kräftig verändern oder untergehen wird. Ich habe da also eine sehr positive Erwartung.
    らんま

      1. Das ist nun gewiß nichts, aus dem man irgendwem irgendwie einen Vorwurf stricken könnte. Irgendeine Dokumentation über den Kerl habe ich auch mal vor einiger Zeit gesehen. Adelt mich das jetzt?
        らんま

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